Wasservogeljagd in Schutzgebieten: Niedersachsen kassiert Regelung der „Intervalljagd“

Flugbehinderte arktische Blässgänse, vier von insgesamt 19 verkrüppelten Gänsen am Schutzgebietsschild „Petkumer Deichvorland“ an der Ems, 11. Dez. 2017, Foto (C): Eilert Voß

Die Bauern- und Jagdlobby als Staat im Staate hat sich mal wieder durchgesetzt, ihr CDU-Arm im niedersächsischen Landtag hat den mühsam ausgehandelten „Kompromiss“ (der ohnehin umstritten war) der rot-grünen Vorgängerregierung zur sog. „Intervalljagd“ im 14-tägigen Turnus auf Gänse in EU-Vogelschutzgebieten (!) wieder kassiert und zu einer „Kann-Bestimmung“ gemacht. Verantwortlich ist die neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in der SPD-CDU-Koalition. Damit können arktische Gänse (Zugvögel!) wieder stärker bejagt werden, in ihren Schutzgebieten. Nicht jagdbare Arten wie streng geschützte Watvögel werden dadurch von ihren Nahrungsflächen vertrieben; es kommt auch zu – strafbaren – Fehlabschüssen nicht jagdbarer Arten.

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Wremen/LK Cuxhaven: illegales Kitesurfen außerhalb der festgelegten Zeiten

Wremen/LK Cuxhaven, 10. Nov. 2017, Foto: privat

Im August 2017 wies das Verwaltungsgericht Oldenburg die Klage von Cuxhavener Kitesurfern gegen die zeitliche Beschränkung des Kitesports im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, der auch EU-Vogelschutzgebiet ist, ab. Das hat sich offensichtlich nicht bei allen Kitesurfern herumgesprochen. Am 10. November 2017 ignorierten mehrere Kitesurfer, die in Wremen/LK Cuxhaven ihren Sport ausübten, das dortige zeitlich befristete Kiteverbot von November bis März.

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Beringte Baltrumer Brandseeschwalbe in Südafrika abgelesen – und Historisches von der ostfriesischen Vogelberingung

Beringte Brandseeschwalbe aus der Baltrumer Kolonie, Foto (C): Patrick Weber

Beringte Baltrumer Brandseeschwalbe in Südafrika abgelesen – und Historisches von der ostfriesischen Vogelberingung

von Manfred Knake

Am 30. Juni 2016 wurde auf Baltrum eine nicht flügge Brandseeschwalbe von Dr. Susanne Homma und Olaf Geiter (beide Schortens/LK Friesland) mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland beringt. Am 13. November wurde der Ring des lebenden Vogels am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika abgelesen. Die Entfernung vom Beringungsort auf Baltrum beträgt 9884km, das ist der weiteste und gleichzeitig südlichste Wiederfundort eines jemals in Niedersachsen beringten Vogels. Auch in Namibia wurden inzwischen sechs weitere Ablesungen von auf Baltrum beringten Brandseeschwalben gemeldet. Dr. Homma und Olaf Geiter beringen seit zehn Jahren systematisch Brandseeschwalben auf Baltrum, inzwischen liegen ca. 200 Wiederfunde der von ihnen beringten Vögeln vor.

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Spendenaufruf: Und schon wieder wird es Weihnachten…

Der Nikolaus auf „Gänsewacht“ an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

…und die Kasse des Wattenrates ist fast leer. Wenn Sie sich also nicht nur mit Glühwein oder Grog warmhalten wollen, können Sie sich vielleicht auch für eine weihnachtliche Spende für den Wattenrat erwärmen. Für unsere Arbeit benötigen wir eigentlich nicht viel: Internet-Providerkosten, Druckertinte, Papier, der gelegentlicher Ersatz für defekte Computer-Hardware oder das eine oder andere PC-Programm. Die tägliche Arbeit ist „Ehrenamt“ und kostet nichts, außer unseren Nerven. Spendenbescheinigungen kann der Wattenrat nicht ausstellen, Spendernamen werden nicht genannt. Schönen Dank schon mal! Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern eine ruhige Weihnachtszeit.

Spendenkonto:

Kontoinhaber Manfred Knake
IBAN: DE72 2802 0050 8684 7969 40
BIC: OLBODEH2XXX
Bank: Oldenburgische Landesbank AG
Verwendungszweck : Wattenrat

Eilert Voß: Porträt in der Zeitschrift „Nationalpark“

Wasservogeljagd an der ostfriesischen Küste: Hubertus, hilf! Foto (C): Eilert Voß

Die Zeitschrift „Nationalpark“ aus dem Oekom Verlag berichtet in der aktuellen Ausgabe 4/2017 auf zwei Seiten über Eilert Voß: „Angefeindet und ausgezeichnet- Eilert Voß im Porträt“ heißt der Beitrag von Wilhelm Breuer, der auch als Geschäftsführer der „Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ (EGE) tätig ist.
Eilert Voß arbeitet im Wattenrat Ostfriesland mit; bekannt wurde er als Gegner der Wasservogeljagd und für seine Fotos, die er dem Wattenrat zur Verfügung stellt.

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„Jamaika- und Große Koalitionen. Oder die Bedeutungslosigkeit des Naturschutzes“

Foto (C): Manfred Knake

Übernommen mit freundlicher Genehmigung von der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE):

Jamaika- und Große Koalitionen. Oder die Bedeutungslosigkeit des Naturschutzes – November 2017

Man mag der an liberalem Übermut untergegangenen Aussicht auf eine deutsche Jamaika-Koalition nachtrauern. Vielleicht sogar oder einzig aus naturschutzpolitischen Gründen der Bündnisgrünen wegen. Doch war ihr Beitrag in Regierungsverantwortung zum Naturschutz nie besonders groß – weder im Bund noch in den Ländern, wo Bündnisgrüne derzeit in sieben von 16 Ländern die Ressortverantwortlichen für den Naturschutz stellen. Der in der Öffentlichkeit mit viel Häme bedachte Satz der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Katrin Göring-Eckhart, „wir wollen, dass in diesen vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen!“, hat deswegen nicht grundlos bei Insidern des Naturschutzes Kopfschütteln und Rätselraten ausgelöst:

Wieso „weiter“? In Wahrheit hat diese Partei für den Naturschutz kaum etwas unternommen, sondern den Schutz der Biodiversität eher anderen Interessen untergeordnet: nämlich mit edlen Absichten verbrämten robusten Gewinninteressen der regenerativen Energiewirtschaft. Das bündnisgrüne Herz schlägt gewiss nicht für Glyphosat, für Biogas- und Windenergieanlagen aber allemal. Dass sich andere Parteien für diese Interessen kaum weniger und für den Naturschutz nicht mehr verwenden, macht die Sache nicht besser.

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Das Petkumer Deichvorland: behördlicher Naturschutzrückschritt an der Unterems

Bei Nebel erlegte Blässgans (ganzjährig keine Jagdzeit), Petkumer Deichvorland, EU-Vogelschutzgebiet (Lage ist nicht Fundort), Foto (C): Eilert Voß

Das „Petkumer Deichvorland“, ein Schutzgebiet an der Ems, Teilgebiet eines europäischen Vogelschutzgebietes nach der EU-Vogelschutzrichtlinie, war schon häufig Thema auf den Wattenrat-Seiten. Eng verbunden ist dieses schmale Deichvorland mit dem Namen Eilert Voß, der das Gebiet vor dem Emsdeich von Kindesbeinen an kennt. Er hat die gravierenden Veränderungen im Schutzgebiet über Jahrzehnte dokumentiert, Veränderung, die sich überwiegend nachteilig auf das Schutzgebiet ausgewirkt haben.

Im Deichvorland wurde z.B. ein nasses Brutareal für seltene Kampfläufer durch Aufspülung mit Emssand zerstört, Landwirte schütteten in den Brackwasser-Salzwiesen Tümpel zu und versuchten mit hohem Aufwand, die natürliche Salzwiesen-Vegetation durch eine Neueinsaat mit Nutzgräsern zu zerstören. Die privaten Landbesitzer errichteten illegal Sommerdeiche und bauten befahrbare Wege bis zur Ems, kurz bevor eine Naturschutz-Verordnung im Jahre 1994 in Kraft trat und diesem privatem Eigennutz ein Ende setzte. weiter »

Klimakonferenz in Bonn: Fidschi geht nicht unter, Langeoog schon eher

 

Foto: Pixabay

+++ aktualisiert 17. Nov. 2017 +++

Ein Kommentar von Manfred Knake

Die Regierung der Fidschi-Inseln ist der Gastgeber der 23. UN-Klimakonferenz in Bonn, finanziert von der deutschen Bundesregierung. Das riecht nach einer gewaltigen Propagandanummer und Inszenierung zur weiteren Klima-Irreführung.

Nicht wenige Medienbeiträge beschäftigen sich punktgenau zur politisch motivierten Klimakonferenz in Bonn mit dem angeblich bevorstehenden Untergang der pazifischen Inselgruppe; diese Autoren – ausgebildete, aber recherchefaule oder glaubensstarke Journalisten (?) – sollten sich eigentlich schämen, ungeprüft diesen postfaktischen Unsinn ständig zu wiederholen. weiter »

Nach „Glory Amsterdam“: demnächst Havarie in einem Windpark?

Blick von Borkum (Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Weltnaturerbe) auf den Windpark „Riffgat“ (Ausschnitt) 15 km nordwestlich von Borkum. Sommer 2017, Foto (C): Eilert Voß

Der Wattenrat Ostfriesland weist nach der geglückten Bergung des auf Grund gelaufenen Schüttgutfrachters „Glory Amsterdam“ auf weitere Gefahrenpotenziale für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hin.  32 Seemeilen westlich des Havarieortes vor Langeoog steht der Offshore-Windpark „Riffgat“ vor Borkum. Und nur 20 Seemeilen östlich des Havarieortes ging vor wenigen Tagen am 30. Oktober 2017 der Near-Shore-Windpark „Nordergründe“ in der Außenweser ans Netz, nur wenige hundert Meter vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, „Weltnaturerbe“ und EU-Vogelschutzgebiet entfernt.

Hier wurden in der Außenweser zwischen Wangerooge und Scharhörn 18 Windkraftanlagen  errichtet. Beide Windparks stehen nur wenige Seemeilen entfernt vom Verkehrstrennungsgebiet der Deutschen Bucht.

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Bergung der „Glory Amsterdam“: Sie schwimmt wieder!

Der Schleppverband mit der GLORY AMSTERDAM und den drei Schleppern, 02. Nov. 2017, Foto: Havariekommando

Alles noch mal gutgegangen mit der wirklich professionell durchgeführten Bergung der „Glory Amsterdam“. Alle Befürchtungen von Ölaustritten und der damit verbundenen Verseuchung des Wattenmeeres haben sich als unbegründet erwiesen. Nur bleibt die Frage nach dem Notfallschleppkonzept. Das hat nicht geklappt. Es hat viel länger als die vorgesehenen zwei Stunden gedauert, bis Bergungschlepper am Havaristen waren und diesen auf dem Haken hatten.

Das kann dann zu folgenschweren Problemen führen, wenn z.B. ein Tanker mit dem Ausfall der Ruderanlage in einen Offshore-Windpark treibt. Und davon stehen inzwischen einige wie eine dichte Ansammlung künstlicher Riffe nicht weit vom Verkehrstrennungsgebiet entfernt. Diese „Schiffsautobahn“ vor der niedersächsischen Küste ist einer der meistbefahrenen Schifffahrtswege auf der Erde. Nur 21 Seemeilen östlich von der Stelle, wo die „Glory Amsterdam“ vor Langeoog auf Grund lief, wurde gerade der Windpark Nordergründe mit 18 Anlagen in der Außenweser fertiggestellt, nur 560 Meter vom  Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ entfernt…Man muss kein Hellseher sein, um solch ein Katastrophenszenario vorherzusehen.

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