BUND und Windenergie: Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz wirft das Handtuch

Windkraft oder Artenschutz? Limikolen über dem "Weltnaturerbe" Wattenmeer, im Hintergrund der Windpark Wybelsumer Polder bei Emden

Seiner vorgesehenen Abwahl auf der Sonderdelegiertenversammlung des BUND Rheinland-Pfalz am 13. Dezember 2014 kam der Landesvorsitzende des BUND in Rheinland-Pfalz, Harry Neumann, mit seinem Rücktritt am 11. Dezember zuvor. Er zog „damit die Konsequenzen den unüberbrückbaren Konflikten zwischen ihm und dem Landesvorstand“, so die BUND Pressemitteilung.

„[...] Statt auf die Vorwürfe der eigenmächtige Amtsausübung und starken Polarisierung einzugehen, trug der Landesvorsitzende über Zeitungen die überinterpretierte Krisensituation des BUND im Ausbau der Windenergie aus seiner Sicht in die Öffentlichkeit. Darin hat er dem BUND fehlende Unabhängigkeit des Verbandes vorgeworfen, ohne dies belegen zu können. [...]“

Die Konflikte sind identisch mit denen, die in anderen BUND-Landesverbänden ebenfalls schwelen. Harry Neumann ist Natur- und Artenschützer, der BUND ist aber mehrheitlich zu einem Klimaschutzverein und in Folge zu einem vehementen Verfechter des Ausbaus der Windenergie geworden. Windenergie und Artenschutz schließen sich aber weitgehend aus. Die Natur- und Artenschützer sind inzwischen selbst eine “bedrohte Art“ und zu einer Minderheit im BUND geworden. weiter »

Windenergie Utgast/Gemeinde Holtgast/NDS: Wie ein Dorf unter die Windräder geraten ist

Schon vor zwanzig Jahren: Protestplakat gegen den Windpark Utgast/Gem. Holtgast/NDS und die damit verbundene Landschaftszerstörung

Von Manfred Knake, Bürger von Holtgast

Am 09. Dezember 2014 fand eine bemerkenswerte Ratssitzung in Holtgast unter der Leitung von Bürgermeister Enno Ihnen statt, es war wieder mal ein Paradebeispiel der Intransparenz und Bürgerferne der sog. “kommunalen Selbstverwaltung”.  Angekündigt wurde die Sitzung in einer Bekanntmachung in der Lokalpresse vier Tage vorher am 06. Dezember, dazwischen lag ein Wochenende. Ein Tagesordnungspunkt, vage formuliert, „verschiedene Anträge nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) zur Errichtung von Windenergieanlagen im Windpark Utgast…“. Genauere Hinweise fehlten. Tatsächlich ging es um das gemeindliche Einvernehmen für sieben weitere neue Windkraftanlagen vom Typ Enercon- 70 mit je einer Nennleistung von 2,3 Megawatt und einer Gesamthöhe von fast 100 m für verschiedene Betreibergesellschaften im Windpark. Die Anträge wurden in Windeseile durchgewunken (diesmal schon mit 2 bzw. 3 Enthaltungen bei 8 bzw. 7 Gegenstimmen, aber immer noch keine Nein-Stimmen!). Eine Ratsfrau, die selbst -und ihre Familienmitglieder- an einer Windpark-Betreibergesellschaft in Utgast beteiligt ist, nahm an der Ratssitzung nicht teil. Nun sollen zehn alte und ohnehin abgängige Anlagen des Typs Tacke TW-600 mit einer Nennleistung von 0,6 Megawatt und ca. 72 m Gesamthöhe abgebaut werden. Das hat mit einem echten “Repowering” nichts zu tun. Es ist nur eine Modernisierung des Anlagenparks für weitere 20 Jahre mit der Subventionsabgreifung aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) für die jeweiligen Betreibergesellschaften. weiter »

Windenergie und Artenschutz: “Anmerkungen zur aktuellen Fachkonvention der Vogelschutzwarten”

Löffler und Graugänse vor Windkraftanlagen, Dollart/Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Am 11. September veröffentlichte der Wattenrat den Beitrag „Nicht mehr unter Verschluss: Fachkonvention ´Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten´ liegt als .pdf vor“.

Dieses sog. „Helgoländer Papier“ der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) ist eine wichtige Bewertungshilfe für den Artenschutz. Es listet Prüfradien und Mindestabstände zu Windkraftstandorten auf, um die Auswirkungen auf bestimmte Vogelarten zu minimieren. Nur: Die Länderumweltministerien halten in enger Abstimmung mit der Windenergiewirtschaft diese Arbeitshilfe aus politischen Gründen immer noch zurück, es beschränkt die Expansion der Windkraftstandorte. Der Wattenrat fand dieses Papier jedoch zufällig in seinem Briefkasten und veröffentlichte es, u.a. auch deshalb, weil es kein namentlich gekennzeichnetes Autorenpapier ist.

Der Biologe Dr. Matthias Schreiber aus Bramsche veröffentlichte in der Zeitschrift „Naturschutz und Landschaftsplanung“ – NuL 46 (12), 2014, 361-369 – den bemerkenswerten Aufsatz „Artenschutz und Windenergieanlagen – Anmerkungen zur aktuellen Fachkonvention der Vogelschutzwarten“, den sie hier lesen können: Schreiber_NuL12-14 . Wir danken für die Überlassung. weiter »

“5. Weltnaturerbeforum”: Tourismus statt Naturschutz im Nationalpark Wattenmeer

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Naturschutz am Boden

Seit einigen Jahren gibt es ein „Weltnaturerbeforum“. Das klingt nach Natur und Verantwortung, hat aber mehr mit touristischer Schaumschlägerei als mit inhaltlichem Naturschutz zu tun. Zum 5. Treffen kamen „60 Akteure“ am 21. November 2014 in Neuharlingersiel zusammen. Da ging es um „Natur als Hauptreisegrund“, „Reisen und schützen“ oder um „Weltnaturerbe als Identitätsfaktor“, also ums Geschäft mit der Natur. Finanziert wurde diese Veranstaltung, dessen Programm besser zu einer Tourismusagentur passen würde, vom INTERREG IVB Projekt PROWAD. Projektpartner sind u.a. das trilaterale  staatliche Common Waddensea Secretariat (DK, D, NL) in Wilhelmshaven, das Niederländische Wirtschaftsministerium, das dänische Umweltministerium, die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, das Nationalparkamt Schleswig-Holstein und der World Wide Fund for Nature (WWF), es zahlt die Europäische Kommission. weiter »

“Killerrobben” fressen Schweinswale: Kegelrobben sollen Schweinswalbestände gefährden

Screenshot_Bildzitat_Schweinswalkadaver_Daily-Mail,-online_26Nov2014

Kegelrobben sind in Verruf geraten: Sie sollen gezielt Jagd auf Schweinswale oder Kleine Tümmler machen. Am 26. November 2014 berichtete Spiegel-online über bemerkenswerte Nahrungsgewohnheiten des größten Raubtieres an der Küste der Nordsee, die von niederländischen Forschern untersucht wurden: “Nahrhaftes Fett: Jagdfieber der Kegelrobben bedroht Schweinswale”[...] Damit wären Kegelrobben-Angriffe eine der Haupttodesursachen für Schweinswale in der Nordsee – neben dem Tod in Fischereinetzen als Beifang (20 Prozent), Infektionskrankheiten (18 Prozent) und Auszehrung (14 Prozent). [...]“.

Ob Kegelrobbenattacken tatsächlich die „Hauptursache“ für den Tod der Schweinswale ist, wie der Spiegel berichtet, ist allerdings fragwürdig. Fakt ist, dass die noch im Mittelalter sehr häufigen Kegelrobben am Anfang des 20. Jahrhunderts an den europäischen Küsten als Nahrungskonkurrenten der Fischer fast ausgerottet waren und sich die Bestände im Wattenmeer erst seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts langsam wieder erholen. Die Unterart der Ostsee-Kegelrobbe  (Halichoerus grypus balticus) ist sehr viel seltener. Schweinswale ertrinken nach wie vor häufig in den Netzen der Fischer. weiter »

Ministerpräsident Weil (SPD) als Sprachrohr der Windenergiewirtschaft – 1. Branchentag des BWE

Die neue Niedersächsische Landesflagge? Ministerpräsident Weil: „Das Windrad hat sich zum heimlichen Landessymbol entwickelt."

Heute, am 26. November 2014, wurde die Öffentlichkeit mal wieder hinter das windige Licht geführt: Einige Zeitungen an der Küste – die Region mit einer sehr hohen Windkraftdichte – berichteten im (Deck?-) Mantel der Nordwest-Zeitung/Oldenburg verspätet und arg verkürzt über den “1. Branchentag der Windenergie in Hannover” am 20. Nov. 2014 (Textauszug ganz unten). Schlagzeile: “Niedersachsens Rohstoff: Wind”. Auftritt: u.a. Ministerpräsident Weil (SPD), Enercon-Geschäftsführer Kettwig, Froböse (Geschäftsführer Sevion), Pieper (Landesvorstand Bundesverband Windenergie, BWE), und last but not least Hermann Albers (Vorsitzender BWE). Kein Wort erfährt die Leserschaft darüber, dass diese Lobbyistenveranstaltung vom Bundesverband Windenergie für die geneigte Politik ausgerichtet wurde: “BWE Branchentag Niedersachsen bringt die Windbranche und Vertreter aus der Politik zum anstehenden ´Windenergieerlass´ zusammen”. Der Ministerpräsident des Bundeslandes Niedersachsen macht sich also zum Sprachrohr eines Lobbyverbandes. Er setzt damit die “Tradition” des ehemaligen Ministerpräsidenten und gescheiterten Bundespräsidenten Christian Wulff fort, der Mitglied im BWE war (oder noch ist?)

In welcher windigen Bananenrepublik leben wir eigentlich? weiter »

NABU zu Windenergiegutachten: “Gefälligkeitsplanungen in nie dagewesenem Umfang”

Windpark Wybelsumer Polder bei Emden, Blick vom Dollart, "Weltnaturerbe Wattenmeer"

Der NABU S-H macht aufmerksam auf Zitat „Gefälligkeitsplanungen in nie dagewesenem Umfang im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Ausbau der Windenergienutzung“ in Bezug auf die naturschutzfachlichen Datenerhebungen für Windenergieprojekte. Veröffentlicht wurde der Beitrag im „europaticker/Magazin Umweltruf“ am 19. Nov. 2014 (s.u.). Der NABU spricht in diesem Falle für das Bundesland Schleswig-Holstein, das über eine enorm hohe Dichte von Windkraftanlagen verfügt. Es ist also nicht auszuschließen, dass auch in anderen Bundesländern ähnlich begutachtet wird. Bei so viel Fachgutachten, die von den Projektierern oder Investoren der Windenergievorhaben in Auftrag gegeben und bezahlt werden und die nicht selten zu Unbedenklichkeitsergebnissen bei Standortplanungen für z.B. betroffenen Fledermäuse und Vogelarten kommen, dürfte es eigentlich nicht zu den bekannten massenhaften Tötung von Fledermäusen oder Vögeln an Windenergiestandorten kommen  (siehe auch “Fledermäuse und Windkraftanlagen: Sterben für den Klimaschutz”, Wattenrat, 05. April 2013). weiter »

Paketdrohnen über dem “Weltnaturerbe” Wattenmeer

Screenshot/Bildzitat: DHL-Paketdrohne-http://www.dhl.de/paketkopter_18.Nov.2014

Seit September 2014 testet die DHL zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) den Einsatz des Paketkopters. Schon wieder eine neue, wenn auch zeitlich begrenzte, Nutzung im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe”, EU-Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet: Nun wird das Großschutzgebiet zum Versuchslabor für Drohnenflüge zur Inselversorgung, zunächst mit dringend benötigtenMedikamenten, der “gute Zweck” der PR-Strategen, da kann man doch eigentlich nichts gegen einwenden, oder doch? weiter »

Gülletourismus – aus Scheiße Bonbon

Feldrandcontainer, Gemeinde Moorweg/LK Wittmund/NDS, 16. März 2014

Heute, am 15. November, ist ein besonderer Tag für die auf dem Lande wohnende nichtlandwirtschaftliche  Bevölkerung: Nach der Düngeverordnung gilt ein Ausbringungverbot der Gülle auf Grünland vom 15. November bis zum 31. Januar, darüberhinaus, wenn der Boden noch gefroren ist oder Schnee liegt. Für Ackerland gilt das Ausbringungsverbot bereits ab dem 01. November. Damit soll das Grundwasser vor zu hoher Nitratbelastung geschützt werden. Aber gar nicht selten werden diese Auflagen von einigen Bauern missachtet. Die betroffene Bevölkerung wird die gestanklose Zeit zu schätzen wissen, es wird in den nächsten Monaten keine “atemberaubende” Landluft mehr geben, wenn man sich an die Regeln hält.

Zeit also für einen Rücklick: Neben den unglaublichen Mengen, die die heimische Landwirtschaft ausbringt, hat der Gülletourismus auch aus entfernteren Landstrichen die Küste erreicht. Im März 2014 stand in der Gemeinde Moorweg/Landkreis Wittmund/NDS ein Gülletank (“Feldrandcontainer“) mit ca. 100 cbm Inhalt am Wegesrand. Der Container gehört der Firma Leewes & Ludmann aus Westerwalsede im Landkreis Rotenburg/Wümme und stand später an der Landesstraße 6 im Nachbarort Barkholt und im Ort Utarp. Die Firma vermietet diese Container, Lohnunternehmer befüllen in. Dieser Tank wurde als Depot mehrmals täglich – bis zu 12 mal – nach Anwohnerbeobachtungen von entsprechend großen Tanklastwagen zentral zur Befüllung angefahren; von dort versorgten sich dann alle weiteren kleineren landwirtschaftlichen Güllegespanne, die die Gülle im Umland aufbrachten. weiter »

Besenderte Zwerggänse unterwegs

Zwerggänse: Hudiksvall, Schweden, September 2014, Foto (C): Dr. Helmut Kruckenberg

Zwerggänse (Anser erythropus) gehören zu den Raritäten, sie sind akut vom Aussterben bedroht. Die Vögel können leicht mit Blässgänsen verwechselt werden und werden sogar noch bejagt. In Niedersachsen darf die Blässgans allerdings nicht bejagt werden, die Zwerggans unterliegt nicht dem Jagdrecht. Dennoch werden auch in Niedersachsen jährlich Blässgänse angeschossen oder erschossen, weil Wasservogeljäger immer noch bei schlechten Sichtbedingungen wie Dunkelheit oder Nebel jagen oder die Arten gar nicht unterscheiden können; so werden auch noch bei uns die letzten Zwerggänse gefährdet. Der Bestand dieser Gänseart wird derzeit weltweit auf maximal 30.000 Vögel geschätzt. In Fennoskandien (das sind die skandinavischen Länder) liegt der Bestand nach aktuellen Schätzungen bei maximal noch rund 50 Tieren, darunter sind 10 bis 15 Brutpaare. In Schweden beteiligen sich auch Jäger an dem Schutzprogramm für diese Gans. Um mehr über Zwerggänse und deren Zugwege zu erfahren, wurden einige der Tiere mit Sendern ausgestattet. Mehr erfahren Sie in der nachstehenden Pressemitteilung des NABU. Das Foto stellte uns dankenswerterweise der Gänseforscher Dr. Helmut Kruckenberg zur Verfügung, der das Besenderungsprojekt leitet. weiter »