Fledermaustod an Windkraftanlagen: systematische Totfunderfassung in Lüchow-Dannenberg

Fledermäuse als Windenergieopfer © Justus Maierhofer

Systematisch erfasste Totfunde von Fledermäusen unter Windkraftanlagen im LK Lüchow-Dannenberg/NDS, Foto (C): Justus Maierhofer

 

Gestern berichteten wir über zwei verunglückte Bussarde im Windpark Üssinghausen im Landkreis Diepholz. In diesem Beitrag wurde erwähnt, dass die Schlagopfer unter Windkraftanlagen in der Regel nicht systematisch erfasst werden, weil einfach das Personal fehlt. Die Dunkelzimmer der durch Windkraftanlagen getöteten Vögel und Fledermäuse ist also sehr hoch. Zu welchen erschreckenden Ergebnissen eine von der Karl-Kaus-Stiftung zusammen mit den Kreisgruppen des BUND und des NABU Lüchow-Dannenberg, des Vereins Naturkunde Lüchow e. V. und der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft Lüchow-Dannenberg eine systematische Erfassung führt, berichtet die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE), deren Beitrag dazu wir nachfolgend mit freundlicher Genehmig veröffentlichen. Für das Foto bedanken wir uns bei Justus Maierhofer, Büro für Ökologie, Fauna und Flora, Lüchow. weiter »

Rotorguillotine: tote Bussarde im Windpark Üssinghausen, LK Diepholz/NDS

Bussardkopf, enthauptet durch eine Windkraftanlage im Windpark Üssinghausen/LK Diepholz/NDS, 25. März 2015

Bussardkopf, enthauptet durch eine Windkraftanlage im Windpark Üssinghausen/LK Diepholz/NDS, 25. März 2015

Zwei Bussarde, ca. 3 Jahre alt, wurden im Windpark Üssinghausen im LK Diepholz/NDS tot gefunden. Die Verletzungen deuten eindeutig auf eine Rotorkollision hin. Man kann Bussarde – und andere Greifvögel – häufig dabei beobachten, wie sie gezielt die Rotoren anfliegen. Es hat den Anschein, dass sie mit den Rotoren „spielen“, also diese immer wieder an- und darum herumfliegen. Da sich die Rotoren aber mit der Geschwindigkeit von Hubschrauberrotoren bewegen – was durch den enormen Durchmesser der Windkraftrotoren aber eher langsam erscheint – registrieren die Vögel nicht schnell genug, dass ständig ein Rotorblatt auf- oder absteigt und werden schließlich erschlagen. weiter »

Masterplan Ems: Landkreis Leer umgefallen, CDU zieht sich den Zorn der Bauern zu

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Kreistagssitzung in der Ostfriesland-Halle in Leer. Die blau-gelb Uniformierten sind Beschäftigte der Meyer Werft. Foto (C): Eilert Voß

Erst zierte sich der Landkreis Leer, dann fiel er um, mit ihm auch die CDU, die eigentlich im Sinne der Landwirte gegen den Masterplan Ems stimmten wollte. Noch am 08. März verkündete der CDU-Kreisvorstand Leer: „Masterplan Ems: CDU-Kreisvorstand steht hinter ´Nein´ der Kreistagsfraktion“. Der Masterplan, hinter verschlossenen Türen mit der niedersächsischen Landesregierung, den Umweltorganisation BUND, NABU und WWF und Vertretern der Bundesregierung ausgekungelt, soll die Ems bis 2050 retten, angeblich. Die Wasserqualität der Ems, im Unterlauf auch Natura-2000-Schutzgebiet der EU, ist dermaßen schlecht, dass die EU-Kommission auf Änderungen drängt; wenn diese nicht kommen, drohen dem Land Millionen teure Strafzahlungen, und die will das Land verhindern. Ursache sind vor allem die ständigen und ebenfalls Millionen teuren ständigen Unterhaltungsbaggerungen im Fluss – vom Steuerzahler bezahlt -, damit die riesigen Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft, im binnenländischen Papenburg gebaut, überhaupt an die Küste überführt werden können. Die Meyer Werft ist das Hätschelkind auch der derzeitigen rot-grünen Landesregierung, wegen des Prestiges mit den Luxusdampfern und den Arbeitsplätzen, der Fluss geriet dabei unter die Propeller der Baggerschiffe, nachhaltig. Der Masterplan hing nur noch von der Zustimmung des Landkreises Leer ab, der den Vertrag nun nach ständiger Massage aus Hannover mit 26 zu 23 Stimmen am 24. März 2015 knapp annahm. weiter »

Vipera, der Lenz ist da!

Sonnebadende Kreuzotter im NSG "Ewiges Meer", Foto (C): Manfred Knake

Sonnenbadende Kreuzotter im NSG “Ewiges Meer”, Foto (C): Manfred Knake

Es ist Frühling geworden, unübersehbar. Diese Kreuzotter (Vipera berus) nahm eines ihrer ersten Sonnenbäder des Jahres bei 5 Grad Celsius Schattentemperatur. Fotografiert wurde sie im Naturschutzgebiet „Ewiges Meer“, das in den Landkreisen Wittmund und Aurich liegt. Die Schlange ließ sich auch von den vielen Spaziergängern nicht stören, die in nur einem Meter Abstand an dem Tier vorbeiliefen. Das Hochmoorgebiet mit seinem „Meer“, dem größten Hochmoorsee Deutschlands, ist Lebensraum von vielen Tier- und Pflanzenarten des Hochmoores. Bemerkenswert sind die noch regelmäßig auftretenden wenigen Brutpaare der Trauerseeschwalbe.

Masterplan Ems im Niedersächsischen Landtag – Meyers Marionettentheater: kein Wort zum Umwelt- und Naturschutz

Zweimal Bern(h)ard: Die Montage zeigt Werftchef Bernard Meyer, der den Landrat des Landkreises Leer, Bernhard Bramlage (SPD), zappeln lässt

Zweimal Bern(h)ard: Die Montage zeigt Werftchef Bernard Meyer, der den Landrat des Landkreises Leer, Bernhard Bramlage (SPD), am Band hat, und nicht nur ihn!

Der Masterplan Ems, der angeblich bis 2050 die ökologischen Probleme der Ems lösen soll, war Beratungsgegenstand im Niedersächsischen Landtag. Um es vorweg zu sagen: Alle (!) Fraktionen, sogar die “ökologischen” Grünen, die auch Regierungspartei sind,  sprachen sich für die Umsetzung dieses Planes aus, und erhöhen damit den Druck auf den Landkreis Leer, der sich mit der Unterschrift noch ziert, diesem gemeinsamen Machwerk der Umweltorganisationen BUND, NABU, WWF, Land Niedersachsen und der Bundesregierung zuzustimmen. Niedersachsen muss bis zum 31. März 2015 den Masterplan Ems beschlossen haben, sonst droht eine Millionenstrafe von der EU.

Ziel ist es, die Wasserqualität der Ems bis 2050 zu verbessern und zugleich der Meyer Werft in Papenburg die Nutzung des Flusses für die Überführung ihrer Kreuzfahrtschiffe zur Nordsee zu ermöglichen. Damit der Plan in Kraft treten kann, fehlt nur noch das Ja des Landkreises Leer. weiter »

Windenergie und Vogelschutz: “Helgoländer Papier” weiter unter Verschluss (mit Update: nun doch veröffentlicht!)

Suchbild: balzende Bussarde direkt am Rotor einer Windkraftanlage. Horst befindet sich links im Bild im Feldgehölz. Die Vögel leben gefährlich. Theoretisch könnte diese Anlage (und die benachbarten) wegen des "signifikant erhöhten Tötungsrisikos" vorübergehen abgeschaltet werden (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz)

Suchbild: balzende Bussarde direkt am Rotor einer Windkraftanlage. Der Horst befindet sich links im Bild im Feldgehölz. Die Vögel leben gefährlich, nicht nur wegen des Rotors, auch wegen möglicher Nachstellungen durch Windkraftbetreiber. Theoretisch könnte diese Anlage (und die benachbarten) wegen des “signifikant erhöhten Tötungsrisikos” vorübergehen abgeschaltet werden (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz). Roggenstede, LK Aurich/NDS, 16. März 2015. Foto (C): Manfred Knake

Bitte das Update ganz unten beachten. Seit heute, 17. März 2015,  ist das “Neue Helgoländer Papier” online!

Über das „Helgoländer Papier“ der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) als wichtige Bewertungshilfe für den Artenschutz haben wir schon öfter berichtet. Das Papier listet Prüfradien und Mindestabstände zu Windkraftstandorten auf, um die Auswirkungen auf bestimmte Vogelarten zu minimieren. Nur: Die Länderumweltministerien halten in enger Abstimmung mit der Windenergiewirtschaft diese Arbeitshilfe aus politischen Gründen immer noch zurück, sie würde die Expansion der Windkraftstandorte behindern und die Rendite der Betreiber schmälern. Beim Wattenrat ist das Papier jedoch in der Entwurfsfassung vom 13. Mai 2014 veröffentlicht (.pdf LAG_VSW_13Mai2014_Entwurf). Nun sollte ursprünglich bei der Frühjahrstagung 2015 der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz (LANA) über die Veröffentlichung dieses Geheimpapiers entschieden werden, dazu kam es aber nicht: Das Thema wurde kurzerhand von der Tagesordnung genommen. „Dem Vernehmen nach“ waren das grüne niedersächsische Umweltministerium unter dem Wind-Minister Stefan Wenzel und die grüne Umweltministerin Ulrike Höfken aus Rheinland-Pfalz die treibende Kräfte [edit: …und sind schließlich doch fulminant gescheitert, siehe Update unten]. Wenzels Ministerium arbeitet an einem „Leitfaden“ und einem Windenergieerlass im Lande, der maßgeblich von der Windenergiewirtschaft beeinflusst wird. Die Europäische Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) hat über die skandalöse und beispiellose Selbstzensur bei der “Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung” (LANA) berichtet. Den Beitrag übernehmen wir nachfolgend: weiter »

BI “Weitblick Ostfriesland”: gegen den Lärmterror und die Landschaftszerstörung durch Windkraftanlagen

Langsam nimmt der Widerstand gegen noch mehr Windkraftanlagen auch in Ostfriesland Fahrt auf. Nicht Naturschutzargumente, die ohnehin schwer zu vermitteln sind, sondern die nachvollziehbare gesundheitliche Beeinträchtigung durch den Dauerlärm und der Wertverlust der Immobilien stehen im Vordergrund des zunehmenden Protestes der betroffenen Anlieger. Die Bürgerinitiative „Weitblick“ (eine von hunderten in Deutschland) hat ein eindrucksvolles Video auf YouTube über ein Freiluft-“Energieerlebniszentrum” bereitgestellt, das das ganze Ausmaß der Landschaftszerstörung der ehemals weiten ostfriesischen Landschaft deutlich macht, in einem räumlich eng begrenzten Teil des Landstriches. Klicken Sie unten rechts auf das laufende Video, um es im Vollbild anzusehen. weiter »

Stromtod an Mittelspannungsmasten: im Schatten der Energiewende

Toter Uhu im Mast

Toter Uhu im Mittelspannungsmast, Foto (C): Lutz Dalbeck/EGE

Mit freundlicher Genehmigung übernommen von der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE), März 2015:

Im Schatten der Energiewende

Mehr als zwei Jahre nach Ablauf der den Netzbetreibern im Bundesnaturschutzgesetz gesetzten Umrüstungsfrist stehen in Deutschland vermutlich noch 100.000 vogelgefährliche Mittelspannungsmasten. Eine tödliche Gefahr für die meisten größeren Vogelarten. Die EGE wird nicht müde, diese massiven Versäumnisse der Netzbetreiber und der Umweltministerien zu thematisieren. In der gerade erschienenen Ausgabe 1/2015 der Zeitschrift “Nationalpark” hat EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer die Missstände anschaulich beschrieben. Sein Fazit: “Angesichts des Umstandes, dass Kontrollen nicht stattfinden, die Umrüstungsdefizite nicht aufgedeckt werden und für die Netzbetreiber weitgehend folgenlos bleiben, haben die Netzbetreiber beinahe viel unternommen. Die Deutschen sind mit der ganz großen Energiewende befasst. Daran gemessen ist die gesetzlich verlangte Umrüstung vogelgefährlicher Mittelspannungsmasten offenbar bestenfalls eine Nebensache.”  weiter »

In eigener Sache: Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer in der Zeitschrift “Nationalpark”

Seehund im Dolllart, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß

Seehund im Dolllart, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß

In eigener Sache, aber nicht nur:

Reiner Schopf und ich haben uns erlaubt, für die Zeitschrift “Nationalpark” einen Zustandsbericht über den sonst hochgelobten “Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer” im “Weltnaturerbe” zu schreiben: “Fünf Jahre Weltnaturerbe”; keine PR-Kosmetik, wie sie sonst oft verbreitet wird, sondern Fakten, mit 10 ausgewählten Beispielen. Den Leserinnen und Lesern der Wattenrat Seiten ist das seit langem bekannt. Reiner war mehr als dreißig Jahre lang Inselvogt auf der Vogelinsel Memmert und hauptamtlicher Nationalparkranger. Unser Mitstreiter Eilert Voß, der sich als Jagdkritiker mit seinen Fotodokumenten zur Zugvogeljagd einen Namen gemacht hat, lieferte einige eindrucksvolle Fotos zum Beitrag. Ich selbst war fünf Jahre Mitglied des Nationalparkbeirates und 20 Jahre lang ehrenamtlicher Landschaftswart an der Küste. weiter »

Salzwiesen im Nationalpark: alles Kosmetik?

Kettenfahrzeug zieht Gräben (Grüppen) in einer Salzwiese bei Dornumersiel/LK Aurich, strengste Schutzzone im Nationalpark, Foto (C) Manfred Knake

Kettenfahrzeug zieht Gräben (Grüppen) in einer Salzwiese bei Dornumersiel/LK Aurich, strengste Schutzzone im Nationalpark, Foto (C) Manfred Knake

Die La mer Cosmetics AG in Cuxhaven stellt Kosmetikprodukte her – „Schönheit und Pflege aus dem Meer“ -, und wie sich das heute für eine Firma gehört, hat sie auch Kooperationspartner. Dazu gehören z.B. die Lufthansa, TUI-Cruises oder die TourismusMarkting Niedersachsen. Seit ein paar Tagen gibt es einen neuen Partner von La mer, die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven.

Kosmetik – wegen des häufigen Fehlens biotopverbessernder Maßnahmen und der zahlreichen abträglichen Nutzungen – ist wohl der letzte Ausweg zur positiven Darstellung dieses maroden Großschutzgebietes, das seit seines Bestehens seit mehr als 29 Jahren schon arge Falten und Risse bekommen hat. Die Defizite sind hier auf den Wattenrat-Seiten häufig als Bestandteil der Berichterstattung in Wort und Bild aufgezeigt worden. Besonders im Argen liegt die naturnahe Entwicklung vieler Salzwiesen, oder deren traurigen Reste nach den vielen Eindeichungen bis in die achtziger Jahre. Nur an wenigen Orten im Nationalpark gibt es noch diese naturnahen Salzwiesen, sie dienen so als Vorzeigeobjekte. Auch heute werden diese dem Gezeiteneinfluss ausgesetzten Salzwiesen teilweise noch stark entwässert und trockengelegt, auch in den strengsten Schutzzonen des Nationalparks, die sind allerdings weniger vorzeigbar. weiter »