21. Mai 2010

Borkum: Stacheldraht wird gegen Elektrozaun ersetzt

Endlich einmal positive Nachrichten aus dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Immerhin, 24 Jahre nach der Einrichtung des Nationalparks wird nun mit der Entfernung des tödlichen Stacheldrahts begonnen. Gerade Greife und Eulen verfangen sich bei Suchflügen leicht im Stacheldraht und verenden darin kläglich. Größere Vögel wie Gänse können sich dabei erheblich Flügelverletzungen zufügen und werden dann flugunfähig. Es gibt aber noch viel zu tun: Weitere hunderte Kilometer Stacheldrahtabbau sind im Nationalpark noch zu bewältigen.

Sumpfohreule im Stacheldraht

Es stellt sich allerdings die Frage, warum der Austausch des gefährlichen Stacheldrahtes gegen den glatten Walzdraht eines Elektrozaunes alleine aus den ohnehin sehr knappen Naturschutzmitteln bestritten werden muss.  Private Flächenbesitzer wie Pferdehalter, die an Touristen vermieten und von dem Etikett „Nationalpark“ und „Weltnaturerbe“ finanziell profitieren, müssten eigentlich mit zur Kasse gebeten werden: Eigentum verpflichtet, das steht schon im Grundgesetz.

Mitteilung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, 19. Mai 2010

Borkum: Neuer Weidezaun schont bedrohte Greifvögel
Nationalparkverwaltung ersetzt gefährlichen Stacheldraht durch Elektrozaun

Die Insel Borkum ist ein unverzichtbares Rückzugsgebiet für gefährdete Greifvogelarten wie Kornweihe und Sumpfohreule. Beide sind in Deutschland im Bestand stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Ehemals in weiten Gebieten des nordwestdeutschen Tieflandes in Mooren, Heiden und feuchten Grünlandgebieten heimisch, haben sie sich in den letzten Jahren fast ausschließlich auf die Ostfriesischen Inseln zurückgezogen. Der seit vielen Jahren hohe Bestand auf Borkum sowie auf einigen anderen Inseln ist somit bundesweit von herausragender Bedeutung, die Verantwortung zu ihrem Erhalt liegt damit in besonderem Maße in unseren Händen.

Leider wurden die tief über dem Boden fliegenden Jäger immer wieder Opfer von Stacheldrahtzäunen. Sie verheddern sich mit ihren Flügeln darin, verletzen sich dabei schwer und verenden qualvoll, wenn sie nicht rechtzeitig gefunden werden. Im Nationalpark und Weltnaturerbegebiet ist es ein vordringliches Ziel, konsequent Gefahrenquellen für diese Vogelarten zu beseitigen. So tragen diese Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Nationalpark bei und sind Teil der Aktivitäten zur Sicherung des Weltnaturerbegebietes.

Intensiv arbeitet die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit Rinder- und Pferdehaltern daran, die Stacheldraht-Fallen gegen Glattdrahtzäune auszutauschen. Die bislang umfangreichste Maßnahme wurde Ende April auf Borkum fertig gestellt: im Bereich des Tüskendörsees wurde auf insgesamt fast 12 km Länge der bisherige Stacheldrahtzaun in einen Elektrozaun umgewandelt. Die Kosten von knapp 100.000 € wurden aus Naturschutzmitteln finanziert.[…]

edit #1, 27.Mai 2010: Heute bekam der Wattenrat dazu eine Mail von einem Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung:

[…] schön, von Ihnen einmal ein positives Echo zu bekommen. Wir haben allerdings nicht erst jetzt damit begonnen, Stacheldrähte zurückzubauen. Wir sind bereits seit etwa 10 Jahren dabei, Stacheldrähte im NLP zu entfernen. Allerdings gelingt uns besonders wegen fehlender Mittel nicht in jedem Jahr ein solch großer Wurf. In der Vergangenheit waren es meist Zäune, die funktionslos vor sich hinrostend ausschließlich eine Gefahr für Vögel darstellten. Aber wie Sie richtig anmerken, es gibt noch eine Vielzahl dieser schrecklichen Stacheldrahtzäune, die entfernt werden müssen. Da werden wir noch lange dran arbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

[…]

Bleibt zu hoffen, dass diese nutzlosen Killerdrähte nicht auch noch mit Naturschutzmitteln entfernt wurden. Da darf man auch schon mal die Eigentümer auffordern, die Drähte selbständig zu entfernen….

edit #2, 27.Mai 2010: Auch die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. hat sich des Themas angenommen, im Mai-Beitrag 2010 „Auf Draht“ ist das nachzulesen.

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