14. Juli 2010

„Wo ist die Brandgans“: NABU-Marketing mit wertloser Vogelzählung

Geschickte Mitgliederwerbung: NABU-Brandganszählung

Vor ein paar Tagen ließ der Naturschutzbund Deutschland (NABU) über Agenturen verlauten, die Bestände der Brandgans (Tadorna tadorna) nähmen ab, und verbanden diese Meldung mit der Aufforderung, Brandgänse zu zählen. Das las sich dann so:

ddp, 01. Juli 2010, Oldenburg – Der Naturschutzbund (NABU) sieht den Bestand der Brandgänse im deutschen Wattenmeer als gefährdet an. „Während die Zahl der Brandgänse von den 50er Jahren bis zur Jahrtausendwende gestiegen ist, haben wir in den vergangenen Jahren einen Rückgang von rund 25 Prozent beobachtet“, sagte Andreas Krüger vom NABU-Bundesverband in Oldenburg. „Wenn sich dieser erschreckende Trend fortsetzt, steht die Brandgans bald auf der Roten Liste der gefährdeten Vögel.“ Mit einer großen Zählaktion will der NABU nun nach der Ursache für die sinkenden Bestände forschen. Seit dem 31. März sind Urlauber und Bewohner der deutschen Nordseeküste dazu aufgerufen, die für das Wattenmeer typischen Vögel zu beobachten und ihre Zahl zu notieren. […]

In den Nationalparkhäusern des NABU oder in Vogelbeobachtungshütten liegt seit einigen Wochen ein Faltblatt des NABU aus: Er fordert zum Zählen der Brandgans aus. Dieser Aufruf ist an die Wattenmeertouristen gerichtet, die derzeit zu Abertausenden die Strände und Watten im „Weltnaturerbe“ der Wattenmeer-Nationalparke bevölkern und zu einer erheblichen Beunruhigung von Wat- und Wasservögeln beitragen, wenn sie sich nicht an die Betretensregeln im Nationalpark halten.

NABU-Flyer:

[…] Brandgänse beobachten,  melden und gewinnen!

Zählen sie einfach beim nächsten Spaziergang, beim Ausflug mit Ihren Kindern oder bei der nächsten Vogelexkursion alle Brandgänse, die Sie sehen […]

NABU- für Mensch und Natur […] Mit eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen und nicht zuletzt auf politischer Ebene setzt sich der NABU für den Schutz des Wattenmeeres ein und hat wesentlich zur Ausweisung der drei Nationalparks beigetragen. […]

Auch beim NABU ist bekannt, dass Wat- und Schwimmvögel seit Jahrzehnten international regelmäßig und systematisch an Stichtagen von ornithologischen Fachleuten gezählt werden und die Zähldaten Fachbehörden zur Verfügung gestellt werden. Die Bestandentwicklung der Brandgans ist also sehr gut bekannt. Im 19. Jahrhundert gingen die Bestände dramatisch zurück, nach dem 2. Weltkrieg diente das Mausergebiet Großer Knechtsand im Wattenmeer den Briten als Bombenübungsplatz, internationale Proteste stellten das ab. Durch Schutzmaßnahmen wie Verbot der Jagd stiegen die Bestände bis Mitte der Neunziger sehr stark an und stagnieren seitdem auf hohem Niveau. Von einer Bestandbedrohung oder gar „Roten Liste“ kann derzeit überhaupt keine Rede sein.

Hier an der Küste Niedersachsen merkt man nicht vom Schutz des Wattenmeeres durch den NABU, der hält sich seit Jahren fein zurück, weil auf „politischer Ebene“ fix die Fördergeldhähne bei Unbotmäßigkeiten zugemacht werden. Letztes Beispiel: Der „Generationenvertrag“ mit der Meyer Werft für den Sommerstau der Ems zu Schiffsüberführungen.

Warum hat man beim NABU also dieses Horrorszenario des „Bestandrückganges“ erfunden? Warum werden ausgerechnet Urlauber angesprochen? Ganz einfach: „Mailings“ heißt das Zauberwort. Mailings sind Teil des Direktmarketings und sollen Zielgruppen unmittelbar ansprechen, hier die Urlauber mit der Absicht, neue Mitglieder zu werben. Schickt also ein unbedarfter Urlauber seine zufälligen Brandgansbeobachtungen, die wissenschaftlich völlig wertlos und überflüssig sind, an die NABU-Geschäftsstelle, bekommt er Werbepost inklusive einer Beitrittserklärung vom NABU; das ist zwar nicht verboten, aber fragwürdig. Die gutmeinenden Beobachter und Beobachterinnen werden hinter das Licht der Marketingstrategen geführt, die Daten sind nur gut für den Papierkorb, wichtig ist nur die Einnahme zusätzlicher Mitgliedsbeiträge.

Mit solchen Mätzchen wirbt der NABU seit Jahren. Mit der Mailing-Aktion „Stunde der Gartenvögel“, in der Gartenbesitzer die Gartenvögel erfassen sollen, wird auch eine bestimmte Zielgruppe angesprochen. Das „bemerkenswerte“ in dieser Aktion: Der NABU hat so herausgefunden, dass die Amsel der häufigste Gartenvogel ist, wer hätte das gedacht! Der Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vom NABU abgekupfert, beim BUND sollen statt der Gartenvögel Schmetterlinge gezählt werden. Ob man so wirklich auf Dauer Mitglieder wirbt, die sich für den Natur- oder Landschaftsschutz einsetzen, darf bezweifelt werden. Die angeblichen 460.000 Mitglieder, auf die sich der NABU beruft, verstecken sich dann wohl auch eher in Datensätzen auf dem Computer, statt als aktive Streiter für den heute unbequemen Naturschutz öffentlich hervorzutreten.

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