16. Juli 2010

Sandstrand für Vögel: Sandregenpfeifer am Leyhörn

Leyhörn, Leybucht: Sandstrand für Regenpfeifer

Massentourismus und Naturschutz vertragen sich nicht, auch nicht in einem „Weltnaturerbe“ wie dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Ein Opfer des ungezügelten Tourismus ist der Sandregenpfeifer, ein kleiner und unscheinbarer Watvogel, der bevorzugt an Stränden brütet. Und die sind nun mal besetzt von den Touristen. An der niedersächsischen Wattenmeerküste brüten nur noch eine sehr wenige Sandregenpfeifer, für ganz Niedersachen liegt der Brutbestand unter einhundert Brutpaaren.

Vereinzelt brütet diese Art noch auf einer Muschelschillbank im Nationalpark am Campener Leuchtturm; die Fläche ist durch einen Drahtzaun abgetrennt und ausreichend beschildert. Dennoch wird die Sandbank betreten und Vögel vertrieben. Auch an der Leybucht“nase“ (Leyhörn) brütet der Sandregenpfeifer, ausgerechnet an einem Sandstrand in der Ruhezone des Nationalparks, an dem viele Touristen mit ihren Fahrrädern auf dem asphaltierten Deich vorbeifahren oder auch den befestigten Pfad der Tugend verlassen und verbotener Weise den Sandstrand betreten, um hier zu baden oder Muscheln zu sammeln. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden hat daher diesen Deichabschnitt in der Brutsaison beschildert und zeitlich begrenzt abgesperrt,  ein Sandregenpfeiferpaar brütete in diesem gesperrten Strandbereich. Gleichzeitig nutzen Lach-, Silber- und Heringsmöwen diesen nun beruhigten Bereich als Hochwasserrastplatz, und auch Küstenseeschwalben stellten sich ein.

Bis hierher und nicht weiter!

Kontrolliert wird dieser Bereich von Zivildienstleistenden des NLWKN. Ausgerechnet für diesen geschützten Strandabschnitt wurden unlängst Begehrlichkeiten der touristischen Nutzung angemeldet, im „Weltnaturerbe“ ist eben keine Fläche zu schade, um sie auch touristisch nutzen zu können. An den touristisch genutzten Stränden wird man diese Artenfülle und- dichte nicht erleben.

Verschiedene Möwenarten und Küsteneeschwalben suchen den ruhigen Strand als Hochwasserrastplatz auf

Zivildienstleistende des NLWKN kontrollieren die abgesperrte Fläche

Ruhe am Strand: Austernfischer und Sandregenpfeifer

Nüchtern betrachtet sind diese allerdings keine großen „Erfolge“ für die Erhaltung dieser Art, da müsste schon mehr geschehen. Wie man solche Flächen mit einfachen Mitteln sichern kann, zeigt ein Beispiel auf der niederländischen Insel Ameland.

Kein Hindernis: defekter Zaun am Leyhörn

Küstenseeschwalbe am ruhigen Strand

An diesem kleinen Strandabschnitt am Leyhörn wird exemplarisch deutlich, wie wichtig ungestörte Strände für Brut- und Rastvögel sind und wie wichtig vor allem die regelmäßige Kontrolle durch Ranger ist. Davon gibt es im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ganze sechs, auf 2.800 qkm Fläche, ohne Boote, Fahrzeuge und ohne Kompetenzen, unterstützt von einigen Zivildienstleistenden.

Touristen sammeln Muscheln am gesperrten Strandabschnitt

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