3. August 2010

Was zu viel ist, ist zu viel: Kitesurfer und Höhenfeuerwerke im „Welterbe“ Wattenmeer, Brief an Umweltminister Dr. Röttgen

An den
Herrn Bundesumweltminister                          03. August 2010
Dr. Norbert Röttgen
Berlin

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
hier: UNESCO-Weltnaturerbe

Sehr geehrter Herr Dr. Röttgen,

bekanntlich ist das Wattenmeer seit einem Jahr UNESCO-Weltnaturerbe.
Das Wattenmeer ist zudem auch geschützt als Nationalpark und als
EU-Vogelschutzgebiet und überwiegend als FFH-Gebiet, unterliegt also
aus dem Schutzregime der EU.

In Niedersachsen wird das Label „Weltnaturerbe“ derzeit ausschließlich
als Marketinginstrument der Tourismusindustrie verwendet, die
Verbesserung des Schutzstatus ist nicht erkennbar. Im Gegenteil: Seit
der Ausweisung als UNESCO-Weltnaturerbe wurden in Niedersachen Flächen
für Kitesurfer ausgewiesen, obwohl nach dem Nationalparkgesetz die
Verwendung von Drachen in der Ruhe- und Zwischenzone eindeutig
verboten ist; die Genehmigung der Nationalparkverwaltung in
Wilhelmshaven wurde über fragwürdige „Befreiungen“ erteilt.

Link:
http://www.wattenrat.de/2010/07/kitesurferflachen-in-wremen-und-dorum-genehmigt-rechtsbeugung-der-nationalparkverwaltung/

Zudem werden derzeit auch Höhenfeuerwerke veranstaltet: Auf der Insel
Juist wurde am 24. Juli 2010 ein Höhenfeuerwerk im nationalparkfreien
Ortsbereich abgebrannt, das weit in die geschützten Flächen des
Nationalparks hineinwirkte und die dort rastenden Wat- und Wasservögel
von ihren Rastplätzen verscheuchte; auch das ist nach dem
Nationalparkgesetz verboten. Ein weiteres Höhenfeuerwerk ist auf Juist
am 12. August 2010 geplant.

Link:
http://www.wattenrat.de/2010/08/feuerwerk-auf-juist-man-lasst-es-krachen-im-weltnaturerbe/

Die von mir genannten Aktivitäten sind mit den Schutzzielen eines
Nationalparks und einem „Weltnaturerbe“ nicht vereinbar. Ich bin daher
der Auffassung, dass dies Gründe sein könnten, den Welterbe-Status
auch wieder abzuerkennen! Ich bitte um Ihre Kenntnisnahme und ggf. um
weitere Veranlassung; eine Kopie dieser Email geht an das Büro der
Deutschen UNESCO-Kommission in Bonn.

Mit freundlichem Gruß

Manfred Knake
-Koordinator des Wattenrates Ost-Friesland-

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