7. September 2010

Neuer Naturschützer: Fritz Vahrenholt (RWE) sorgt sich um Seetaucher

Sterntaucher (Gavia stellata)

Prof. Fritz Vahrenholt war von 1991 bis 1997 Umweltsenator in Hamburg und von 2001 bis 2007 Vorsitzender der REpower Systems AG (Windenergieanlagen) und hat damit sehr viel Geld verdient. Seit Februar 2008 ist er Vorstandsvorsitzender des RWE-Tochterunternehmens RWE Innogy (Sparte Erneuerbare Energien der RWE). Und nun wird er auch noch zum Naturschützer!

Er sorgt sich um die Seetaucher, in der Öffentlichkeit völlig unbekannte Seevogelarten, die auch in Deutschland in der Deutschen Bucht vorkommen und vor allem durch Windkraftwerke auf See bedroht sind. Zu Zeiten, als er noch für Repower arbeitete und Windkraft auf See verkaufte, hört man nichts dazu von ihm.

Das Umweltministerium in Niedersachsen, in Person des notorischen Referatsleiters Naturschutz Hoffmann mit Stasi-IM-Hintergrund, sorgt sich mehr um die Windkraftanlagen auf See und hat daher die Zahl der Seetaucher beim geplanten Standort „Nordergründe“ im Wattenmeer hart am Nationalpark  so weit manipulativ nach unten gerechnet, dass es „passte“, für die Windkraft, „natürlich“.

Aber immerhin, Vahrenholt  gehört zu den realistischeren  Bewertern aus der Energielobby und sieht den  derzeitigen Wahn um die Erneuerbaren Energien wesentlich nüchterner  als die deutschen Medienwelt, windkraftbesoffene Lobby-Politiker oder die überwiegend fehlinformierte Öffentlichkeit. Die gegenwärtige Energiedebatte wird auf „Atomkraft böse, Windkraft gut“ reduziert, wobei die weitgehend uninformierte Mehrheit der Bevölkerung die unstete Windenergie gar als „Alternative“ zur zweifellos umstrittenen Atomkraft wähnt; dagegen sprechen allerdings die Leistungsdaten der Windenergie.

Die von Vahrenholt gescholtene Bundesbehörde ist das Umweltbundesamt (UBA) mit seinem Präsidenten Jochen Flasbarth, der früher dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) vorstand und zwischenzeitlich Abteilungsleiter im Umweltministerium von Jürgen Trittin war. Flasbarth müsste also eigentlich qua Amt den Natur- und Landschaftsschutz gegenüber der Windenergienutzung vertreten, tut es aber als offensichtlicher politischer Opportunist und Karrierist nicht. Zu schelten wäre auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) in Hamburg, Genehmigungsbehörde für die Wind“parks“ auf See. Gerüchteweise, dem berühmten „Vernehmen nach“,  soll der ehemalige Präsident Prof. Peter Ehlers ein Schwager des Windkraft- Lobbyisten Wolfgang von Geldern (CDU) aus Cuxhaven sein. Von Geldern war  Staatssekretär in der Regierung Helmut Kohl. Von Geldern war anschließend jahrelang als Vorstandsvorsitzender der Windkraft-Firma Plambeck Neue Energien (PNE, Cuxhaven) tätig und ist derzeit Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke.

Es geht also bei der Windenergie nie um Naturschutz, Ökologie, Klima, CO2 oder sonstige grüne Mäntelchen, sondern um Shareholder-Value und Profit, und vor allem niemals um die Seetaucher! Die Windenergie wurde längst von den Großkonzernen als lukratives Zusatzgeschäft dank des Erneuerbaren Energien Gesetzes entdeckt, das haushaltsneutral von allen Stromkunden über überhöhte Strompreise satte Subventionen in die Kassen der Betreiberfirmen spült. Die Einspeisevergütung, von Stromkunden bezahlt, wurde von der Politik stets an die Forderungen der Betreiber angepasst. Für Klima und CO2 gibt es die naiven, aber durchideologisierten Fußtruppen und politischen Büchsenspanner aus den Umweltverbänden, denen einmal mehr ins Stammbuch geschrieben werden sollte, dass sie vor allem Naturschutzverbände sind und sie sich auch um die Seetaucher zu kümmern hätten, eigentlich!

Ostfriesischer Kurier, Norden, 06. Sept. 2010
„Das sind ehrgeizige Ziele“
Windkraft  Manager sieht Vorhaben des Bundes kritisch
Fritz Vahrenholt ist Vorsitzender von RWE Innogy. Er hält die
100-prozentige Stromversorgung mit erneuerbaren Energien für zu
ehrgeizig
VON GEORG ISMAR
FRAGE: Herr Vahrenholt, warum halten Sie Studien, die eine komplette
Öko-Strom-Versorgung bis spätestens 2050 vorhersagen, für übertrieben?
VARENHOLT: Wir sind weder ein Sonnen- noch ein Windland, sieht man von
der Küstenregion ab. Wind liefert bei uns 25 Prozent, Sonne 10 Prozent
des lahres zuverlässig Strom, für den Rest müssen andere
Erzeugungsquellen oder Speicher einspringen. Beim UBA-Gedankenspiel
(Anm.: UBA – Umweltbundesamt) sind das Biomasse-, Biogas- und
Wasserstoffkraftwerke in unerfüllbarem Ausmaß. Schon jetzt erreichen
wir in Deutschland mit fast 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche für
die Energieerzeugung eine bedenkliche Zahl. Sind Nahrungsmittel und
Naturschutz künftig keine Themen mehr?
FRAGE: Aber es gibt doch erhebliche Zuwächse, etwa bei der Windkraft.
Liegen bei der Offshore-Energieerzeugung nicht riesige Potenziale?
VARENHOLT: Für 45000 Megawatt (MW) Offshore-Windkraftanlagen, wie das
UBA es verlangt, sind gar keine Flächen in der Nordsee, denn dafür
würden 7500 Quadratkilometer Fläche benötigt. Zieht man von der
Nordsee das Wattenmeer, die für Naturschutz, Schifffahrtswege und
andere Nutzungen benötigten Flächen ab, bleiben 3500 Quadratkilometer
für 20000 MW. Sind Naturschutz und Schifffahrt überflüssig?
Dass eine Bundesbehörde das Raumordnungsprogramm nicht kennt, ist
schlimm, dass es die Auslöschung bedrohter Arten wie den Seetaucher in
Kauf nimmt, ist unverzeihlich.
[…]
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