4. Januar 2011

Silvester-Nachlese: 130 kg Böllermüll allein am Strand von Dornumersiel

Böller und Raketen über dem "Weltnaturerbe"

Man glaubt es kaum: Allein am Strand von Dornumersiel im Landkreis Aurich wurden 130 kg Böller- und Raketenreste aus der Silvesternacht als touristische Unterhaltungsaktion von Urlaubern eingesammelt. Das sind ja schon fast militärische Gewichtsdimensionen auf dieser überschaubaren Fläche! Das Besondere: Der Strand von Dornumersiel, an dem sich die silvestertrunkenen Besucher mit ihren Böllern und Raketen austobten, liegt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, einem Großschutzgebiet für Tiere und Pflanzen. Nach dem Nationalparkgesetz ist das Stören und Vertreiben von wildlebenden Tieren verboten und kann als Ordnungswidrigkeit und unter gewissen Umständen auch als Straftat geahndet werden.

Knallkörper und Raketen vertreiben die ohnehin eis- und schneegestressten Wasservögel weiträumig von ihren Ruhe- und Nahrungsflächen, sie sorgen für Panik und Orientierungslosigkeit. Auch Feuerwerke und Böller aus den angrenzenden nationalparkfreien Flächen wirken weit in das Schutzgebiet hinein. Und nicht nur in Dornumersiel wurde gezündelt: In allen Küstenbadeorten und auf den Inseln stiegen Raketen in die Luft oder wurden Kanonenschläge gezündet, ein Horror für die Wasservögel, die weit in das vereiste Watt flohen. Jede Flucht in der Kälte zehrt unnötig an den Fettreserven der Tiere, die sie eigentlich für das Überleben im Wattenmeer und auf dem Zuge dringend brauchen. Wendete man das Nationalparkgesetz konsequent an, müsste das Böllern im und am Nationalpark verboten werden. Von solchen notwendigen Beschneidungen der Spaßgesellschaft ist man aber an der Küste auch nach 25 Jahren Nationalpark noch weit entfernt, es gäbe auch kaum jemanden, der ein Verbot kontrollieren könnte. Hauptamtliche Nationalparkwarte gibt es nur sechs, und die haben noch nicht einmal Fahrzeuge, geschweige denn Kompetenzen. Der Nationalpark ist seit langem ein rechtsfreier Raum. Im Nationalpark Harz ist das Böllern aus Artenschutzgründen verboten, die dortigen Ranger überprüfen das. An der Küste wird die Knallerei im Nationalpark weitergehen, Tourismusmacher machen aus dem anschließenden Müllsammeln eine Gaudi  für gelangweilte Touristen, man vermarktet ja schließlich ein „Weltnaturerbe“ für noch mehr Massentourismus!

Ostfriesischer Kurier, Norden, S.10, 04. Januar 2011

130 Kilogramm Silvestermüll in wenigen Stunden
Aktion unterhaltsame Aufräumgaudi am Strand von Dornumersiel hat
sich wieder gelohnt

Dornumersiel/AB – Mit Blick über die Nordsee und die Ostfriesischen Inseln ließen zum Jahreswechsel wieder zahlreiche Anwohner und Feriengäste in Dornumersiel ihre Raketen steigen. Unvermeidlich blieben dabei die unliebsamen Spuren, die das Feuerwerk am Strand hinterließ. Zu einer Aufräumaktion hatten nach dem großen Erfolg des Vorjahres erneut die Jugendfeuerwehr Dornum, die Dorfgemeinschaft Dornumersiel sowie die Gemeinde Dornum und die Tourismus GmbH eingeladen.

Die Teilnehmer erwarte jedoch keine gewöhnliche Sammelaktion, sondern eine unterhaltsame Aufräum-Gaudi. „Wir schlagen hier zwei Fliegen mit einer Klappe“, verrät Animationsleiter Jochen de Groot von der Tourismus GmbH. „Zum einen wird der Strand vom Müll befreit und zum anderen haben die Gäste jede Menge Spaß am Gewinnen.“ Rund zehn Familien sammelten zwischen Schnee und Sand innerhalb von einer Stunde rund 130 Kilogramm Silvestermüll wie Böller und Raketen. Eltern und Kinder waren gleichermaßen mit Begeisterung dabei. Es wurde ganz genau hingesehen und kaum ein Feuerwerkskörper von den wachsamen Augen der Kleinen übersehen. Gemessen am Gewicht der Müllsacke winkten den fleißigsten Sammlern schließlich zahlreiche tolle Preise im Gesamtwert von 200 Euro. […]

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