4. Juli 2011

Wiesenweihen vs. Windenergie: Abschaltung von zwei Anlagen: Gewaltandrohung gegen Mensch und Tier

Wiesenweihe im Suchflug

Edit: Am 08. Juli 2011 titelt das Hamburger Abendblatt zu diesem Thema zeitgeistig “korrekt” : “Greifvogel stoppt die Energiewende in Ostfriesland”

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Bereits am 30 Mai 2011 berichteten wir über die zeitweilige Abschaltung einer Windkraftanlage wegen der benachbarten Brut einer Wiesenweihe. Inzwischen wurde vom Landkreis die Abschaltung einer zweiten Anlage verfügt, das führte zu erheblichen Protesten und handfesten Gewaltandrohungen durch einzelne Betreiber.

Der Landkreis Aurich hatte in den beiden benachbarten Krummhörner Windparks Groteland und Petjenburg wegen der in direkter Nähe gebauten Nester von Wiesenweihen jeweils eine Windkraftanlage vorübergehend und zeitlich begrenzt stillgelegt. Die Verfügungen gelten bis zum Ablauf der Brutzeit 1. August von 4 bis 22 Uhr. Mit insgesamt drei Brutpaaren im Krummhörner Gemeindegebiet ist der Wiesenweihenbestand in diesem Jahr so niedrig wie zuletzt 2008. Wiesenweihen gehören zu den hochgradig bestandsbedrohten Greifvögeln in Deutschland und sind besonders geschützt.

Das Verwaltungsgericht Oldenburg gab dem Landkreis Aurich in einem noch nicht rechtskräftigen  Beschluss Recht. Mit Beschluss vom 10. Juni 2011 (Az.: 5 B 1246/11,VG_Oldenburg_ Betriebseinschränkung WEA) hat das Verwaltungsgericht Oldenburg einen Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes abgelehnt, mit dem der Betreiber (Gemeinde Krummhörn) sich gegen Beschränkungen des Betriebs einer Windkraftanlage durch eine Verfügung des Landkreises Aurich wandte.

Bundesnaturschutzgesetz, § 44
Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten

(1) Es ist verboten,[...]

2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert, [...]

Die Windkraftanlage ”Hof Groteland” gehört der Touristik GmbH Krummhörn, einer Tochtergesellschaft der Gemeinde Krummhörn. Der Bürgermeister der Gemeinde Krummhörn, Johann Saathoff (SPD), machte umgehend finanzielle Einbußen von „geschätzten 60.000 Euro“ geltend.

So also sieht das vielbeschworenen angebliche “Miteinander” von Naturschutz und Windenergie in der Praxis aus. Die Betreiberseite lügt, dass sich die Rotoren biegen, und sie droht inzwischen mit Gewalt gegen Mensch und Tier. Raffgier verdirbt auch hier die guten Sitten. Es geht ums Geld, um viel Geld, aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz, gezahlt als Zwangsabgabe von allen Stromkunden, nicht um “Klima”, die Rettung der Welt oder andere vorgeschobene Gutmenschtaten der Windkraftbetreiber! Ganz nebenbei: Die Wiesenweihe ist nur eine Art von vielen, deren Lebensraum von Windkraftanlagen massiv bedroht ist. Allein im Landkreis Aurich drehen sich mehr als 500 Windkraftanlagen, viele in unmittelbarer Nähe des „Weltnaturerbes“ Wattenmeer.

Fledermäuse sterben durch Barotraumen (Lungenriss durch Unterdruck), riesige Rastplätze von Wat- und Schwimmvögeln an der Küste wurden bereits durch den Scheucheffekt der Anlagen vernichtet. Offshore-”Parks” in der Nordsee werden abertausende von ziehenden Vögeln zum Verhängnis, aber nie gefunden werden. Dafür gibt es nun auf dem Papier das Jahrzehnt der “Biodioversität” der Vereinten Nationen!

Und die Naturschutzverbände, die sich noch trauen, sich so zu nennen, unterstützen den Zubau der Landschaft mit Windpropellern, das soll ja “öko” sein.

Links:

Bericht Ostfriesische Nachrichten, Aurich, 01. Juli 2011: Windkraft-Stilllegung letztes Mittel (mit freundlicher Genehmig der Redaktion)

Wiesenweihen in Ostfriesland

Europäische Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE):  Nachrichten, Juli 2011, Republik der Raffkes

Forschungsprojekt Windkraft und Greifvögel (NABU zusammen mit u.a. Enercon und Bundesverband Windenergie)

Projekt-Abschlussbericht Windkraft und Greifvögel

Emder Zeitung, online, 02. Juli 2011

Windkraft-Rowdys drohen Wiesenweihe mit Ausrottung

Landkreis Aurich. Die Stilllegung von Windkraftanlagen in Krummhörn für den Schutz einer bedrohten Vogelart hat eine kleine Welle an Gewaltandrohungen losgetreten. Das teilte Kreissprecher Rainer Müller-Gummels gestern mit. Er bezieht sich auf vereinzelte Äußerungen
aus den Reihen der Abschaltungskritiker. So habe es nicht nur die telefonische Androhung von körperlicher Gewalt gegen Kreismitarbeiter gegeben, auch Übergriffe gegen die hochgradig geschützte Wiesenweihe wurden nicht ausgeschlossen.

Die Kritiker fanden offenbar deutliche Worte: Es könne sein, dass auf Wiesenweihen geschossen und alles unternommen werde, um in Zukunft die Vögel an an der Brut zu hindern, wurde beispielsweise geäußert.[...]

”Kein Verlust”

Wenn es wörtlich heiße, eine im letzten Jahr getötete Wiesenweihe sei ”kein großer Verlust” gewesen, fehlt dem Landkreis angesichts der starken Bedrohung der seltenen Tierart jegliches Verständnis.[…]

Stattdessen sei die Zahl der Brutpaare des vom Aussterben bedrohten Vogels in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Das machte der Landkreis Aurich deutlich und wies damit anderslautende Behauptungen aus der Krummhörn zurück. [...]

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