8. August 2011

Artenschwund durch Klimawandel? Political Correctness und andere Ursachen

Hier beim Wattenrat berichteten wir am 10. Juli 2011 über Bestandsrückgänge von Vogelarten im Wattenmeer durch vorgebliche Klimaeinflüsse (Vögel des Wattenmeeres: Bestandsrückgang durch “Klima”?). Dazu hatte das Internationale Wattenmeersekretariat (Common Waddensea Secretariat, CWSS) in Wilhelmshaven am 06. Juli 2011 eine Pressemitteilung zur Abnahme und Zunahme bestimmter Vogelarten im Wattenmeer veröffentlicht. Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bedient politisch korrekt die Öffentlichkeit. Diese Bundesbehörde griff ebenfalls das Thema „Klima“ auf und sorgte sich um Bestandrückgänge bei Vögeln. In der Schriftenreihe „Naturschutz und biologische Vielfalt“ des Bundesamts für Naturschutz (BfN) erschien als Band 98 eine Literaturstudie von Rabitsch et al. zum Thema „Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf die Fauna in Deutschland“. Am 18. März 2011 stellte das BfN diese Studie in einer Zusammenfassung vor.

Man geht sicherlich nicht fehl in der Annahme, dass der politisch und medial gesteuerte Klimaalarmismus auch dazu führt, extra dafür bereitgestellte Forschungsgelder abzugreifen, den geneigten Wissenschaftsbetrieb damit auszulasten und dann den Mainstream mit diesem fächerübergreifend aufbereiteten Zeitgeistthema zu bedienen. Alles ist eben derzeit „Klima“, so wie es vor dreißig Jahren „öko“ war. Ob es neben der „political correctness“ beim Klima auch wissenschaftlich korrekt zugeht, wird zunehmend fachlich bezweifelt. Zumindest geraten damit ganz bequem  die tatsächlichen Ursachen der dramatischen Bestandsrückgänge, nicht nur bei Vögeln, aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit (und der Naturschutzverbände!), wie vor allem die ebenfalls dramatischen Habitatverluste durch die industrialisierte Landwirtschaft,  Massentourismus oder der Flächenzubau an Land und auf See mit der angeblich so umweltverträglichen Windenergie, um nur einige Ursachen zu nennen. „Öko“ als fachlich verstandener Naturschutz ist also gar nicht out, wenn man ihn denn ernst nähme.

Eine kenntnisreiche beißende Kritik an der Veröffentlichung des BfN zur Auswirkung des Klimas auf Vögel können Sie hier nachlesen: Amtliche Entwarnung: Nur eine deutsche Brutvogelart akut vom Klimawandel bedroht! .pdf: AGO_Voegel_Klima_03_2011

Wir danken dem Autor Hans H. Dörrie vom Arbeitskreis Göttinger Ornithologen (AGO) für die Genehmigung des Nachdrucks.

Prof. Dr. Michael Wink der Universität Heidelberg meldet ebenfalls erhebliche Zweifel am Artenschwund durch den Klimawandel, speziell bei Vögeln, an:

Leserbrief von Prof. Dr. Michael Wink, Fakultät für Biowissenschaften, Universität Heidelberg:

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 20. Januar 2008

Die Veränderung der Brutvogelwelt Europas

Zum Artikel „Fischadler tauchen ab“ in der F.A.Z. vom 15. Januar: Auf den ersten Blick scheint die Prognose, die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die mitteleuropäische Vogelwelt beschäf­tigt, logisch zu sein. Es lohnt sich jedoch, einige der Aussagen zu hinterfragen, da sie offenbar weniger auf Forschungsergeb­nissen als auf  Mutmaßungen von Natur­schützern beruhen. Fischadler sollen „schon Ende des Jahrhunderts in Mittel­europa wegen des Klimawandels nicht mehr zu bewundern sein“. Sie siedeln be­kanntlich dort, wo es Gewässer und da­her Fische als Nahrung gibt. Fischadler sind aber nicht direkt vom Klima abhän­gig; denn die Art brütet schon heute nicht nur im kühlen Norden, sondern in Subtropen und Tropen. Die Art würde in Mittel-europa nur verschwinden, wenn hier eine Wüste ohne Gewässer entstünde – dafür gibt es aber keinen Hinweis. Außerdem zeigen die Fischadlerbestände in Europa seit zwei bis drei Jahrzehnten erfreuliche Zunahmen, obwohl es auch schon in die­sem Zeitraum wärmer wurde. Auerhühner und Birkhühner sind dagegen seit Jahrzehnten auf dem Rückgang; Gründe liegen aber vornehmlich in der Bejagung und im Verlust von Bruthabitaten.

Dies gilt gleichermaßen für viele Vögel der Agrar- und Wiesenlandlandschaften, wie dem angeführten Wachtelkönig. Der bislang festgestellte Rückgang dieser Ar­ten wird im Wesentlichen eher auf direk­ten menschlichen Einfluss zurückgehen als auf einen Klimawandel. Auch die Aus­sage „Dreizehenmöwen, Trottellummen et cetera haben am Südrand ihres Verbrei­tungsgebietes im Nordatlantik seit Jahren keine Jungvögel mehr großgezogen“, ent­spricht nur teilweise den Tatsachen. Denn viele Seevogelkolonien nehmen im Nordatlantik nachweislich seit Jahren in ihren Beständen zu. Die rückläufigen Ko­lonien in Schottland sollen unter dem Fehlen von Sandaalen leiden. Dafür wur­de bislang eher die intensive Befischung des Nordatlantiks und nicht der Klima­wandel verantwortlich gemacht.

Auch die Gesamtaussage von Norbert Schäffer „Insgesamt wird es in der Brut­vogelwelt Europas deutlich mehr Verlie­rer als Sieger geben“ bedarf einer genaue­ren Überprüfung. Ein Vergleich von syste­matisch durchgeführten großräumigen Kartierungen der Verbreitung aller Vogel­arten im Rheinland aus den Jahren 1974 bis 1984 und 1990 bis 2000 (Wink, Dietzen, Gießing: Die Vögel des Rheinlandes, 2005) belegt eine überraschend hohe Po­pulationsdynamik und schnelle Arealver­änderungen der Vogelarten. Von 168 Brutvogelarten zeigen in diesem Zeit­raum nur 35 Prozent keine signifikanten Beständsveränderungen. Etwa 20 Prozent der Arten weisen starke Rückgänge auf, darunter insbesondere Bewohner der intensiv genutzten Agrarlandschaft sowie Langstreckenzieher.

Überraschend ist, dass in demselben Zeitraum circa 45 Prozent der Vogelarten ihre Bestände und Areale haben erwei­tern können. Möglicherweise stehen die Zunahmen der Standvogelarten und Teilstreckenzieher mit der sich anbahnenden Klimaänderung, insbesondere mit milde­ren Wintern im Zusammenhang. Viel­leicht sieht die Zukunft doch nicht so ne­gativ aus, denn die Tier- und Pflanzen­welt ist vielfach wohl doch dynamischer und flexibler als angenommen.

PROFESSOR DR. MICHAEL WINK, HEIDELBERG

Eine Zusammenfassung der Kritik an der „offiziellen“ Darstellung des Klimaalarmismus findet sich in einer Veröffentlichung von Dr. Hans Kehl von der TU-Berlin: Die Debatte über den Klimawandel-Oft nur eine „Rede über das Wetter“?

Zu dem Schluss, dass der Klimawandel gar nichts mit dem Menschen und dem CO2 mit seinem Anteil  von 0,038 Prozent (380 parts per million) in der Atmosphäre zu tun hat, kommt eine Forschergruppe um den dänischen Klimaforscher Svensmark: Svensmark/Calder The Chilling Stars, 2004 und  Das Geheimnis der Wolken (You Tube).

Kosmische Strahlung und die unterschiedliche Sonnenaktivität bestimmen demnach die Wolkenbildung in der unteren Atmosphäre und damit das Klima auf der Erde, und nicht das C02, mit dem man profitabel, von der Politik forciert, durch Zertifikatshandel viel Geld verdienen kann.  Und Svensmarks Forschungsgruppe ist nicht alleine: Inzwischen gibt es mehr als 900 „peer reviewed“ wissenschaftliche Veröffentlichungen, die den vorgeblichen „menschengenmachten“ Klimawandel anzweifeln: 900+ Peer-Reviewed Papers Supporting Skeptic Arguments Against ACC/AGW Alarm

Nachtrag 14. August 2011:

Die 1919 ermordete Politikerin der USPD und später KPD, Rosa Luxemburg, war eine aufmerksame Naturbeobachterin, die sich während ihrer Haft in Breslau wegen „Agitation“ auch mit der Vogelbeobachtung beschäftigte. Ihr fielen vor mehr als 90 Jahren schon die frühen Ankunftdaten von heimischen Vogelarten im Brutgebiet auf. Das Wort „Klimawandel“ war damals noch ungebräuchlich. Heute werden die  frühen Beobachtungen sofort mit dem angeblich menschengemachten Klimawandel in Verbindung gebracht. Dass dies etwas mit dem derzeitigen Klima-„Irrenhaus“ zu tun hat, liegt nahe.

Rosa Luxemburg, Briefe aus dem Gefängnis, S. 75/76, Nikol, Hamburg 2010

„Breslau, den 24. März 1918 […] Es geht nämlich in diesem Frühjahr etwas Merkwürdiges vor. Die Vögel sind alle um ein bis eineinhalb Monate zu früh angekommen. Die Nachtigall war schon am 10. März hier, der Wendehals, der erst Ende April kommt, lachte schon am 15., und sogar der Pirol den man den `Pfingstvogel` nennt und der nie vor Mai kommt, flötet hier schon seit einer Woche vor Sonnenaufgang im Morgengrauen! Ich höre sie alle von weitem aus der Anlage des Irrenhauses. Ich weiß mir diesen verfrühten Heimgang gar nicht zu deuten und möchte wissen, ob dasselbe anderswo zu beobachten ist oder nur auf die Wirkung des hiesigen Irrenhauses zurückzuführen ist. […]“

 

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