12. Januar 2013

Landtagswahlkampf in Niedersachsen: McAllister (CDU) will UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer erweitern

Spaßtourismus im "Weltnaturerbe" Wattenmeer - Norderney, Sommer 2012

Die nachfolgende Meldung aus der Niedersächsischen Staatskanzlei zur Erweiterung des „Weltnaturerbes“ Wattenmeer kommt rechtzeitig in der Endphase des Landtagswahlkampfes als vorgeblicher Naturschutz-Bonbon der sonst überaus naturschutzträgen Landesregierung. Es ist ein reiner Wahlkampf- und Propagandacoup von Ministerpräsident David McAllister. Inhaltlich ändert sich damit nichts im Großschutzgebiet „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“, der zur Gänze Teil des „Weltnaturerbes“ ist.

Das sog. „Weltnaturerbe“-Wattenmeer hat bisher nur als Etikett für die Tourismuswirtschaft zur Steigerung der Übernachtungszahlen gedient. Es gibt nach wie vor nur 6 hauptamtliche Dünenwärter, die ohne Kompetenzen, Fahrzeuge und Boote als „Ranger“ eine Nationalparkfläche von ca. 3.500 qkm betreuen und überwachen sollen, bei ca. 40 Millionen Übernachtungen jährlich von Cuxhaven bis Emden ein unmögliches Unterfangen. Der Zustand vieler Salzwiesen im Außendeichsbereich ist desolat, die Flächen sind mit Strandquecke zugewuchert und bieten nur noch wenig Platz für die Vielfalt der Salzwiesenpflanzen und äsende Rastvögel. In der Außenweser bei „Nordergründe“ in der Nähe des Leuchtturms „Roter Sand“ soll zudem unmittelbar an der Grenze des Nationalparks ein 180 m hoher Nearshore-Windpark mit 18 Anlagen entstehen, mitten in der Zugroute von Zugvögeln. Die Aussage „die Landesregierung setzt sich weiterhin dafür ein, dieses einzigartige Ökosystem dauerhaft zu erhalten“, hält einer naturschutzfachlichen Überprüfung nicht stand; die Landesregierung betreibt nach wie vor nur inhaltsleeren Etikettennaturschutz, also platten Etikettenschwindel für eine Wählerklientel, die mehrheitlich dem Arten- oder Landschaftsschutz wenig zugänglich ist.

Link: http://www.wattenrat.de/tag/weltnaturerbe/

Ministerpräsident David McAllister unterzeichnet Antrag zur Erweiterung des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer

Niedersächsische Staatskanzlei, Pressemitteilung, 11. Januar 2013

HANNOVER. Ministerpräsident David McAllister hat heute einen Antrag zur Erweiterung des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer unterzeichnet. Über die Anerkennung entscheidet das UNESCO-Komitee in Paris voraussichtlich im Sommer 2014.

Der Ministerpräsident sagte: „Mit dieser Erweiterung findet das gesamte Wattenmeer von Esbjerg bis Den Helder weltweite Anerkennung.
Die Landesregierung setzt sich weiterhin dafür ein, dieses einzigartige Ökosystem dauerhaft zu erhalten.“
Das Land stellt den Antrag, weil sich die Fläche des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer verändert hat. Im Juni 2009 hat das
UNESCO-Komitee den Nationalpark in seiner damaligen Größe als Teil des deutsch-niederländischen UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer anerkannt. Als das niedersächsische Naturschutzrecht geändert worden ist, wurde der Nationalpark im Jahr 2010 erweitert: Er umfasst nun auch die nördlich angrenzenden Naturschutzgebiete „Küstenmeer vor den Ostfriesischen Inseln“ und „Roter Sand“.

Mit dem heute unterzeichneten Antrag möchte Niedersachsen erreichen, dass das UNESCO-Weltnaturerbe in Niedersachsen um einen Teil der Nationalparkerweiterung – um 41.000 Hektar von insgesamt 68.000 Hektar – ausgedehnt wird. Das Jadefahrwasser einschließlich der Reeden und Klappstellen soll weiterhin außerhalb des Welterbegebietes liegen.
Da gleichzeitig das dänische Wattenmeer als Weltnaturerbe angemeldet werden soll, erhält das UNESCO-Komitee einen gemeinsamen Antrag, der von den einzelnen Welterbepartnern (Niederlande, Dänemark und Deutschland) unterzeichnet wird.

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