27. Mai 2013

Schöne Aussicht: Offshore-Windpark „Riffgat“ vor Borkum

Schöne Aussicht: Windpark "Riffgat" mit dem Spezialschiff "Bold Tern" (rechts) vor Borkum, von der Strandpromenade aus fotografiert

Schöne Aussicht von der Insel Borkum in Richtung See: Der Wind“park“ „Riffgat“ ca. 15 km vor Borkum, gebaut vom regionalen Energieunternehmen EWE (Oldenburg) in Kooperation mit dem Projektentwickler ENOVA (Bunderhee). Der Standort „Riffgat“ liegt in ca. vier Kilometern Entfernung südlich zum Verkehrstrennungsgebiet Terschelling – Deutsche Bucht, einem stark befahrenen Schifffahrtsweg, und etwa vier Kilometer westlich der Grenze zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Der Offshore-Windpark wird innerhalb der 12-Seemeilen-Zone im Küstenmeer errichtet und liegt damit in der Zuständigkeit des Bundeslandes Niedersachsen. Im Sommer 2013 soll das Windturbinenfeld mit 30 Anlagen in Betrieb gehen. Nur bei Dunkelheit, dunstigem Wetter und bei Nebel werden die Anlagen unsichtbar sein, aber auch für die vielen Zugvögel, für die die Anlagen dann zu einer tödlichen Gefahr werden. Auf der benachbarten Forschungsplattform „Fino 1“ wurde dies bereits dokumentiert:

Vogelschlag auf FINO 1

Besuche der unbemannten Plattform durch Projektmitarbeiter oder anderes Personal wurden dazu genutzt, nach verunglückten Vögeln zu suchen. Bei 36 von 159 Besuchen wurden insgesamt 770 tote Vögel (35 Arten) gefunden. Am häufigsten waren Drosseln und Stare mit zusammen 85 % vertreten. Da nur wenige Individuen abgemagert waren und zudem zwei Drittel der Vögel äußerlich erkennbare Verletzungen aufwiesen, dürfte es sich nahezu ausschließlich um Kollisionsopfer gehandelt haben. Angesichts der wenigen Kontrollen, des Aufbaus der Plattform (80 m hoher Gittermast über kleinem Deck) sowie der hohen Wahrscheinlichkeit, ins Wasser zu fallen oder von rastenden Möwen gefressen zu werden, ist offensichtlich, dass es sich bei den gefundenen Opfern nur um einen Bruchteil der tatsächlich mit der Plattform kollidierten Vögel gehandelt hat. Über 50% der nachgewiesenen Kollisionen erfolgten anscheinend in nur zwei Nächten, jeweils mit SE-Wind und Phasen geringer Sichtweite und Nebel/Nieselregen. Trotz des höheren Druck, auch bei schlechtem Wetter zu ziehen, wurden im Frühjahr weniger tote Vögel gefunden. (Quelle: Auswirkungen auf den Vogelzug- Begleitforschung im Offshore-Bereich auf Forschungsplattformen in der Nordsee FINOBIRD)

Für die Kleinen Tümmler (Schweinswale) muss der Bau der Windkraftanlagen eine Tortur gewesen sein. Mit sehr hohen Schalldrücken von weit über 200 Dezibel wurden die Fundamente der Windturbinen gerammt, je Pfeiler mit bis zu 3000 Schlägen. Als „verträglich“ wird der Schalldruck von 160 dbA angenommen, von der Industrie. Auch das entspricht noch dem Abschussknall eines Artilleriegeschosses. Im Sommer 2012, während für „Riffgat“ gerammt wurde, trieben allein in Schleswig-Holstein an der Westküste über 130 tote Tümmler an; ein Zusammenhang mit  Rammarbeiten z.B. vor Borkum liegt nahe. Keiner der toten Kleinwale wurde auf Organschäden untersucht, obwohl dies nach dem Walschutzabkommen ASCOBANS vorgesehen ist.

Links:

Zugvogelmassaker auf See

Schweinswale und Offshore-Lärm: Wahrnehmungsstörungen der Umweltorganisationen?

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