1. Januar 2014

Zum Jahreswechsel: auf ein Neues, wieder Böllern im Nationalpark Wattenmeer

Silvester-Abschussrampe am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und "Weltnaturerbe", Ostbense/LK Wittmund, 01. Jan. 2014

 Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und zufriedenes Jahr 2014!

Das neue Jahr 2014 begann im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wie gewohnt mit großer Silvesterböllerei und Raketenschießen. Am Watt grummelte es wie Gefechtslärm. Der Appell der Nationalparkverwaltung mit dem Hinweis, dass Böllern im Nationalpark zum Schutz der freilebenden Tierwelt verboten ist, verhallte wieder einmal ungehört. Am 28. Dezember 2013 begann offiziell der Böller- und Raketenverkauf, und das Volk strömte in die Märkte. In der ersten Stunde nach der Ladenöffnung wurden allein in einem Auricher Sonderpostenmarkt bereits 1 Tonne Feuerwerkskörper verkauft! Nur dieser eine Markt rechnete bis Silvester mit 25 Tonnen verkaufter Feuerwerkskörper. Von dieser unglaublichen Menge, allein in einem Geschäft in Aurich verkauft, wurden dann auch wieder zentnerweise Raketen und Böller im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer vom „mündigen Bürger“ gezündet, obwohl das eindeutig verboten ist, aber nicht kontrolliert wird, weil es kaum Ranger gibt. Für die Rastvögel des Wattenmeeres wird Silvester wieder puren Stress bedeuten. Im Januar 2011 wurden alleine am Strand von Dornumersiel im LK Aurich 130 kg Böllermüll aufgesammelt, da muten die jährlichen Appelle der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven zum Böllerverbot wie ein schlechter Witz an.

Keine Ruhe im Wattenmeernationalpark: Kanonenschlag und andere Böllerreste am Deich von Ostbense/LK Wittmund, 01. Jan. 2014

Polizeiliche Anzeigen gegen die Verstöße des Böllerverbots im Nationalpark kann man sich sparen, sie werden im Sande verlaufen, durchexerziert vom Wattenrat im letzten Jahr in Dornumersiel, wo die Tourismus GmbH mit ihrem agilen, aber sonst naturschutzignoranten Manager Kopper in der Lokalpresse zu einer Böllersause zum Jahreswechsel 2012/2013 an den Strand eingeladen hatte. Ermittlungsergebnis mit Einstellungsbegründung des Ortspolizisten und der Staatsanwaltschaft Aurich nach einem halben Jahr: “da ein Nachweis, dass tatsächlich Tiere durch die Veranstaltung der Tourismus GmbH aufgeschreckt wurde(n), wohl nicht zu führen ist. Gleichwohl stimme ich Ihrer Kritik an der Veranstaltung zu und gehe davon aus, das Ihre Kritik eine Wiederholung in dieser Form zum Jahreswechsel 2013/2014 verhindern wird.” Da werden sich die Rastvögel um Dornumersiel (und anderswo) wohl die Ohren zugehalten haben, wenn der Nachweis des „Aufschreckens“ nicht geführt werden konnte! Die sonst praktizierte offizielle Silvesterparty der Tourismus GmbH am Strand von Dornumersiel wurde dann auch in diesem Jahr abgesagt, geböllert wurde trotzdem.

Böllerreste am Naturschutzgebiet "Petkumer Deichvorland" an der Ems, EU-Vogelschutzgebiet, 01. Jan. 2014

Mehrere Beobachter berichteten, dass die Silvesterböllerei auf den Inseln zurückgegangen oder überwiegend in den Ortslagen geböllert worden sei.  Auch direkt an Naturschutzgebieten wurde fleißig geböllert.  Aus dem Rheiderland von der niederländischen Grenze erreichte den Wattenrat die Nachricht, dass dort mit extrem lauten Böllerschüssen aus den Dollartpoldern gefeiert wurde, die Rastplätze der Wattenmeervögel wurden komplett abgeräumt. Es handelt sich dabei vermutlich um das in der Region praktizierte „Karbidschießen“ mit selbstgebauten „Geschützen“ aus Rohren oder alten Milchkannen. Dieser nicht ungefährliche Brauch wird örtlich auch in Ostfriesland gepflegt.


Ostfriesen Zeitung, online, 30.12.2013

Aurich

30.12.2013

Böller brachten den Umsatz auf Touren

[…]

Der Knallerverkauf startete am Sonnabend vor allem in Sonderpostenmärkten furios. Bei Hawo in Aurich wurde allein in der ersten Stunde eine Tonne Feuerwerk verkauft. Eine Sorte liegt besonders im Trend.

Aurich – Die Kunden konnten es kaum erwarten: Als am Sonnabend um 8 Uhr der Böllerverkauf startete, standen bereits etwa 40 Menschen vor den Türen des Hawo-Sonderpostenmarkts in Aurich. Innerhalb der ersten Stunde wechselte eine Tonne Feuerwerk den Besitzer. […] Bis Dienstag will der Hawo-Markt allein in Aurich 25 Tonnen Böller an den Mann und die Frau bringen. Weitere zwölf Tonnen Knaller sind insgesamt am Standort Moordorf vorrätig. […]

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