22. März 2014

Demonstrationen für die Energiewende: nützliche Idioten?

Man kann das ganze Volk eine Zeit lang täuschen und man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen, aber man kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen.“ (Abraham Lincoln)

 

Ein Kommentar von Manfred Knake

Mehr als 20 Jahre Gehirnwäsche durch die Medien wirken: 20.000 Menschen oder mehr demonstrierten nach Medienberichten am heutigen Sonnabend in einigen Städten für die „Energiewende“, für Strom aus Wind- und Solarenergie, für die Beibehaltung der Förderung aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Organisatoren und Unterstützer waren u.a. der Bundesverband Windenergie (BWE), die Naturschutzorganisation BUND, campact („Demokratie in Aktion“), der Verein „NaturFreunde Deutschlands“ („Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“), die Parteien Bündnis 90/die Grünen und die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP), die frühere Meeresschutzorganisation Greenpeace, sogar die SPD, die Industriegewerkschaft Metall und, wer hätte das gedacht, der Windkrafthersteller Enercon.

Besonders perfide ist der Auftritt des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) mit seinem Vorsitzenden Hubert Weiger, der sich zum Sprachrohr dieses aggressiven Wirtschaftszweiges der „erneuerbaren“ Energien macht. Mit Umwelt und Natur hat dieser Verein nichts mehr gemein.

Sie demonstrierten für die Beibehaltung der Gelddruckmaschine und der Subvention EEG, die den Betreibern 20 Jahre lang statte Gewinne garantiert, die jeden Privathaushalt zusätzlich mit mehr als 200 Euro jährlich zur Stromrechnung belastet, aber die Stromversorgung nicht sicherer und verlässlicher macht, sie demonstrierten

-für die Konten weniger Hersteller, Projektierer und Betreiber

– für die damit verbundenen Arbeitsplatzverluste in anderen Industriezweigen

– für die Abwanderung energieintensiver Industrie ins Ausland

– für industrialisierte zerstörte Kulturlandschaften und Wälder

– für die Industrialisierung der Nord- und Ostsee

– für die Schädigung und Vertreibung von Schweinswalen und Zugvögeln

– für die Zerstörung von Rastvogellebensräumen an der Küste durch den Scheucheffekt der Anlagen

– für die Inkaufnahme der Tötung von vielen Vogelarten oder Fledermäusen durch Rotoranflug oder das Barotrauma, den Druckunterschied vor und hinter den Rotoren und damit für die vielfältigen Verstöße gegen das Artenschutzrecht

– für tausende Kilometer neuer Höchstspannungsleitungen durchs Land mit zusätzlichem Elektrosmog für die Anwohner

– für die enorme Lärmbelästigung der Anwohner

– für den Wertverlust der betroffenen Immobilien

– für die Kungelei und Korruption mit und durch die Betreiber in den flächenausweisenden gewählten Ratsgremien, in der Regel an der betroffenen Bevölkerung vorbei.

Utarp/SG Holtriem/LK Wittmund/NDS: lebenswerte Wohnumwelt mit Rotorenlärm und Dauerbefeuerung? Vielleicht nur für EEG-Demonstranten. Die oft gestellte dümmliche Frage: "Wollt ihr lieber am Atomkraftwerk wohnen?" stellt sich gar nicht. Die Bewohner der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft müssen keine Planungen von Atomkraftwerken fürchten, dafür aber immer mehr Windkraftwerke, die hinter ihrem Rücken von Investoren und Ortsräten geplant werden. Die abgebildeten WKA können bei Schwachwind oder Windstille nicht einmal eine einzige Energiesparlampe zum Leuchten bringen!

Ob die Demonstranten wissen,

– dass Wind- und Solarenergie eine Industriegesellschaft nicht annähernd versorgen können, weil diese Energie nicht grundlastfähig ist, die erzeugten Strommengen zwar gewaltig, aber nicht bedarfsgerecht zur Verfügung stehen, daher nutzlos sind und dies zu teuren Regelproblemen in den Netzen führt

– dass die Nennleistung einer WKA (also das, was die Anlage bei Höchstleistung technisch an Kilowatt leisten könnte), nur selten erreicht wird und die tatsächliche Arbeitsleistung  (also das, was tatsächlich als Kilowattstunden durch den unsteten Wind ins Netz eingespeist wird) wesentlich geringer ist

– dass die Volllast aller Windkraftanlagen an der Küste nur an ca. 1750 von theoretisch 8760 Jahresstunden eingespeist wird, aber völlig unregelmäßig über das Jahr verteilt; das entspricht einer Auslastung von ca. 20 Prozent

– dass es keine getrennten Versorgungsleitungen für Wind- und Solarstrom gibt und jeder Stromkunde den gleichen Mix aus Atom,-Kohle, Gas-, Wind- und Solarstrom erhält, egal ob man gläubiger „Naturstrom“-Bezieher oder konventioneller Stromkunde ist

– dass die unstete Wind- und Solarenergie zu vermehrtem Kohle- und Gasverbrauch in den Kraftwerken führt und neue Kraftwerke notwendig macht

– dass Wind- und Solarkraftwerke weder das Wetter noch das Klima beeinflussen, aber abhängig vom Wetter sind

– dass die Triebfeder für immer mehr Wind“parks“ in den Kommunen die Gewerbesteuer, finanzielle Beteiligungsmodelle und die enormen Landpachten von bis zu 100.000 Euro/a für eine einzige Anlage für die Landwirte ist, nicht aber die „Energiewende“ oder der „Klimaschutz“.

"Schöner wohnen" durch die Energiewende? Nissenhörn, Schleswig-Holstein

Jahrzehntelange Indoktrination statt Aufklärung haben faktenresistente und energieromantische Ideologen hervorgebracht, die sich vom Einsatz für den Natur- und Landschaftsschutz, wie er noch vor dreißig Jahren in aller Munde war, verabschiedet haben. Der Journalist Horst Stern mit seinen beißenden Beiträgen gegen die Vielfalt der naturzerstörenden Dummheit und Ignoranz ist vergessen, die politische Hoffähigkeit des Natur- Arten- und Landschaftsschutzes durch die damaligen (!) Grünen ist längst Geschichte, die Partei definiert sich heute überwiegend über die erneuerbaren Energien und den „Klimaschutz“.

Eine Demonstrantin, die im Fernsehen zu Wort kam, schwafelte von einer „lebenswerten Umwelt“ durch Windkraftanlagen; sie wird nie einen Windpark aus der Nähe gesehen und gehört haben! Man sah Transparente mit Fukushima-Aufdruck, obwohl in Deutschland weder mit starken Erdbeben noch mit Tsunamies pazifischen Ausmaßes gerechnet werden muss. Nach der Reaktorkatastrophe 2011 in Japan  wurde durch die promovierte Physikerin und Bundeskanzlerin Merkel aus politischem Kalkül heraus  die „Energiewende“ und das Ende für acht Atomkraftwerke und ein schrittweiser Ausstieg aus der Atomenergieerzeugung bis 2022 beschlossen, und diese fehlende Energie muss nun ersetzt werden, durch grundlastfähige Kohle- und Gaskraftwerke.  Der Slogan „Energiewende retten! Sonne und Wind statt Fracking, Kohle & Atom“  geht an der Realität vorbei und und zeigt nur die Ahnungslosigkeit der Macher auf; der unstete Wind und die Sonne können in einer Industriegesellschaft keine Kohle- und Gaskraftwerke ersetzen, zumal  die unerwünschten Atomkraftwerke nun abgeschaltet sind und weitere vom Netz gehen werden. Speicherkapazitäten für Wind- und Solarstrom in der notwendigen Größenordnung gibt es nicht.

Fulkum/Gemeinde Holtgast/LK Wittmund/NDS

Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass es sich bei den Demonstranten um überwiegend junge Leute mit städtischem Hintergrund  handelt, unterstützt von abgeordneten Hilfstruppen der Mitarbeiter von Windkraft- und Solarherstellern, die nichts von den Auswirkungen der Wind- und Solarenergie auf Kulturlandschaften, Schutzgebiete, wildlebende Tiere und vor allem Anwohner wissen oder wissen wollen. Selbstverständlich darf man eine Meinung haben und diese auch artikulieren, sie sollte sich aber auf nachprüfbare Fakten gründen und nicht nur als Wunschdenken aus dem satten Angst- und Wohlstandsbauch kommen. Waren dies die „nützlichen Idioten“ der Wind- und Solarwirtschaft, die in einigen Städten auf die Straße gingen? Glauben die Demonstranten wirklich, die Zwangsabgabe für alle Stromkunden aus dem Erneuerbare Energien Gesetz sei eine Spende für den guten Zweck?

edit: Am 15. April 2014 fand in der Republik Irland der „March on Dublin“ statt, gegen Windenergie und neue Hochspannungsmasten, erwartet wurden bis zu „10.000“ Teilnehmer. In den deutschen Medien wurde darüber nicht berichtet.

The Independent,  Dublin/Ireland, 15. April 2014 

[…] Up to 10,000 people are expected to march in a ‚monster rally‘ uniting opponents of wind turbines and pylons. […] „People in the countryside and smaller towns feel their concerns are being ignored by this Government. I’m also very sceptical about Energy Minister Pat Rabbitte’s sudden about-face on windfarms so soon before these upcoming elections,“ he said. Another European Parliament candidate, Luke Ming Flanagan, said he believed there was a parallel between these two issues and the turf-cutting ban. He said people were having policies and developments foisted upon them without their consent, and windfarms and pylons were evoking a larger opposition response around the country. […]

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