26. Juni 2014

K+S-Salzabwässer mit einer Pipeline in das Wattenmeer?

K+S, Diesellader im Grubenbetrieb, Rohsalzförderung für Düngemittel und andere Industrieprodukte, Foto (C): K+S, Presse

Die K+S AG, früher Kali und Salz AG, mit Sitz in Kassel ist ein börsennotiertes Bergbauunternehmen mit den Schwerpunkten Kali- und Salzförderung u.a. zur Düngemittelherstellung für die Landwirtschaft und Streusalzgewinnung für die winterlichen Straßen. Motto auf der WebSeite: „Wir holen das Beste für Sie aus der Erde“. Die salzhaltigen Produktionsabfälle von K+S müssen aber entsorgt werden. Bisher wurden Werra und Weser mit einer enormen Salzfracht durch diese Abwässer belastet, das soll sich ändern. Nun ist eine Pipeline, die die Salzfracht direkt in die Nordsee entleeren soll, im Gespräch. Möglicher Einleitungsort: bei Wilhelmshaven. Genauer: südlich vom Küstenbadeort Hooksiel, haarscharf an der Grenze zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, nur wenige Kilometer entfernt vom Jadebusen. Diese Meeresbucht  gehört größtenteils zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, ist FFH-Gebiet und UNESCO-„Weltnaturerbe“. Das zusätzliche Salz wird aber durch Ebbe und Flut an der Nationalparkgrenze nicht haltmachen.

Die neue Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) ist besorgt, nicht um das Wattenmeer, das die konzentrierte Salzfracht ggf. aufnehmen müsste, sondern um den Tourismus. Das sagte sie am 10. Juni 2014 anlässlich eines Besuches in der Stadt Wilhelmshaven. Solebäder können zwar durchaus eine Bereicherung für die Tourismuswirtschaft sein, sind es aber nicht für die Bodenfauna des Wattenmeeres. Der Salzgehalt im Watt ist geringer als in der Nordsee, am geringsten im Bereich der Flussmündungen, Niederschläge verursachen eine Aussüßung der oberflächennahen Watts. Durch die küstennahe konzentrierte Einleitung der Salzfracht aus Hessen käme es sicherlich im Umfeld der Einleitung zu einer drastischen Erhöhung der Salinität zum Schaden der bodenbewohnenden Organismen im Wattenmeer. Würde die Salzbrühe, die nicht identisch mit der Zusammensetzung des Meersalzes der Nordsee ist, in den Jadebusen eingeleitet, bliebe sie durch den verminderten Wasseraustausch mit der Nordsee dort lange im System. Das, und nicht der Tourismus, sollte die Umweltministerin bedenklich stimmen.

Nicht näher spezifizierte „Umweltschützer“ der Werra-Weser-Anrainer (WWA), so die Regionalpresse, wurden da am 20. Juni anlässlich einer Küstenkonferenz in Wilhelmshaven schon deutlicher: Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verbietet – eigentlich – die Verschlechterung der Wasserqualität, die Konferenzteilnehmer forderten das Ende der Versalzung der Flüsse Werra und Weser. Die salzhaltigen Abfälle müssten direkt beim Verursacher aufbereitet werden. Dafür seien technische Verfahren vorhanden, die das Umweltbundesamt derzeit prüfe. K+S sieht die Abwasserleitung lediglich als „Alternative“ für mögliche andere Verfahren. Der Vorsitzende der Nordsee-Tourismusverbände und Landrat des Landkreises Friesland, Sven Ambrosy (SPD), hatte anlässlich der Konferenz ebenfalls nur die Beeinträchtigungen für den Tourismus auf dem Schirm. Ambrosy ist ein Exponent der touristischen Vermarktung des „Weltnaturerbes“ Wattenmeer, ohne sich aber für die Schutzinhalte des Naturraumes einzusetzen. Bemerkenswerterweise haben sich der Naturschutzverband BUND und und die Grünen in Hessen für eine Leitung in die Nordsee zur Schonung der Flüsse ausgesprochen….

Link: taz, 26. Juni 2014: Kali-Müll in der Nordsee – Eine problematische Lösung

Jeversches Wochenblatt, online (u.a.), 10. Juni 2014

POLITIK

„Ich verstehe die Sorgen der Bürger“

Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks zu Besuch in Wilhelmshaven –

Nordseepipeline auch Thema

WILHELMSHAVEN|

Von EVA HANKEN

[…]

Die SPD-Politikerin will nach technischen Alternativen suchen.

Ob es die sogenannte Nordseepipeline tatsächlich geben wird, mochte die Bau- und Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks am Dienstag, 10. Juni weder verneinen noch bejahen. Sie war auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Karin Evers-Meyer (SPD) in Wilhelmshaven zu Besuch und nahm unter anderem zu diesem Thema Stellung. […] K+S sucht nach einer Alternative und plant nun eine Fernleitung in die Nordsee. „Ich verstehe die Sorgen der Bürger, insbesondere im Hinblick auf die Tourismus-Region“, sagte die SPD-Politikerin. Deshalb habe sie das Umweltbundesamt beauftragt, zu überprüfen, ob die Produktion von Salz nicht auf ein wirtschaftlich verträgliches Maß reduziert werden könne. Wenn es tatsächlich zu der Nordseepipeline kommen sollte, dürfte diese keinesfalls den Tourismus beeinträchtigen.  Das ist aber eine Möglichkeitsaussage und zuallererst müssen wir das Gutachten abwarten“, betonte Hendricks. […]

—–

Nordwest Zeitung, Oldenburg, online, 21. Juni 2014

Küstenkonferenz In Wilhelmshaven

Gefahrenquelle Salzpipeline

[…]

Umweltschützer haben vor schweren Schäden im Ökosystem Wattenmeer durch eine Pipeline für Chemieabfälle zur Nordsee gewarnt. Der Plan einer Abwasserleitung für Laugen des hessischen Unternehmens Kali + Salz (K+S) zur Küste sei ökologisch und wirtschaftlich nicht zumutbar, sagten Teilnehmer der Konferenz der Werra-Weser-Anrainer (WWA). Die bis zu 450 Kilometer lange Pipeline könnte für den Kasseler Düngemittelhersteller das Entsorgungsproblem der Salzabwässer lösen. Da der Bau allerdings kostspielig wäre, würde K+S lieber weiter vor Ort entsorgen. […]

Das Pipeline-Projekt, dessen Kosten auf eine Milliarde Euro geschätzt werden, sei bisher nicht auf Alternativen untersucht worden und allein deshalb nicht genehmigungsfähig, sagte Konferenzleiter Walter Hölzel. K+S plane mit neuen Verklappungsstellen an der Oberweser oder zur Nordsee die Wasserrahmenrichtlinien der EU zu umgehen. Nach den EU-Vorgaben dürfe sich die Wasserqualität nicht verschlechtern.

K+S wies die Vorwürfe auf Anfrage zurück. Es soll nur geprüft werden,ob die unterirdisch verlaufenden Rohren aus dem Kali-Revier in Osthessen und Thüringen in die Nordsee nach Wilhelmshaven genehmigt würden oder nicht. „Erst wenn diese Entscheidung getroffen ist, beraten wir, ob wir investieren oder eine Alternative wählen können“, sagte K+S-Sprecher Michael Wudonig. Für das Kasseler Unternehmen, das bei seiner Produktion unter anderem Salzabwasser anhäuft, wäre die Nordsee-Pipeline die kostspieligste der drei Varianten, die geprüft werden. […] Bei der Wilhelmshavener Konferenz verwies Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) auf den Schaden des Projekts für die Tourismusregion an der Küste. Ambrosy leitet die Tourismusverbände Nordsee und Niedersachsen. Natürliches Meersalz und industrielle Salzlaugen seien grundverschieden, rechnete zudem die Wilhelmshavener Meeresbiologin Gisela Gerdes vor. Die Einleitung von 20 000 Kubikmetern Chemieabwässer bei Wilhelmshaven mit den empfindlichen Öko-Gebieten Jadebusen und Wattenmeer sei ohne eine genaue Kenntnis der Folgen „sträflich“. Eine höhere Schadstoffbelastung bedeute für Meereslebewesen wie Garnelen, Muscheln und andere erheblichen Stress. Es drohe der Verlust von Arten, die Stabilität des Systems sei in Gefahr. […]

Focus, online, 16. Juni 2014

Umweltverschmutzung

Plan für Salzpipeline schmeckt der Küste nicht

Ist eine Pipeline zur Nordsee für Salzabfälle aus der hessischen Kaliindustrie sinnvoll zur Entlastung der Weser? […] Naturschützer befürchten Nachteile für das Wattenmeer. Der Bund für Naturschutz Deutschland (BUND) und die Grünen in Hessen sind jedoch dafür. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte vorige Woche zugesagt, Alternativen zur Salzleitung in die Jade zu prüfen.

BUND-Niedersachsen, 14. September 2010

[…] Dieser Runde Tisch, bei dem neben Vertretern des Unternehmens und der Länder auch Vertreter des BUND mitgewirkt hatten, hat im Februar diesen Jahres nach zweijährigen Beratungen Empfehlungen für den Umgang mit den Salzabwässern abgegeben. Der Runde Tisch hatte im Auftrag der Landesregierungen von Hessen und Thüringen seit März 2008 getagt und stimmte mit großer Mehrheit für seine am 9. Februar 2010 veröffentlichten Empfehlungen. Die Mitwirkenden waren dabei in wichtigen Punkten den Vorschlägen des BUND gefolgt. Und die Landtage von Hessen und Thüringen haben diese Empfehlungen ausdrücklich begrüßt. Die Empfehlungen enthalten vor allem Maßnahmen zur Verminderung und Verwertung von Produktionsabfällen durch weitere Optimierung des Betriebs. Zudem hat sich der Runde Tisch – neben vielen weiteren Maßnahmen – für eine Pipeline zur Nordsee ausgesprochen. Dieser Pipeline steht das Land Niedersachsen allerdings ablehnend gegenüber.[…]

 

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