22. Dezember 2014

Zur Nachahmung empfohlen: Feuerwerksverbot auf Spiekeroog

Feuerwerk über dem Nationalpark Wattenmeer und "Weltnaturerbe", hier Insel Juist, 2010

Es bewegt sich was im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“. Nach 29 Jahren des Bestehens des Nationalparks und nach 5 Jahren „Weltnaturerbe“ soll auf der Insel Spiekeroog mit einer Lärmschutzverordnung das Böllern zu Silvester verboten werden. Das Nationalparkgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz untersagen zwar ebenfalls die Störungen und Beunruhigungen von wildlebenden Tieren, und die Nationalparkverwaltung weist in jedem Jahr mit mit hilf- und wirkungslosen Appellen auf das Feuerwerksverbot hin, aber nun ist das auch endlich in der Kommunalpolitik angekommen. Auf anderen Inseln und den Küstenbadeorten am Festland werden sogar im Sommer zur Touristenbespaßungen Höhenfeuerwerke am Nationalpark gezündet, die weit in das Großschutzgebiet hineinwirken, auch diese Feuerwerke müssten abgestellt werden. Der nachstehende Bericht der Lokalzeitung enthält eine unrichtige Meldung: Es mag ja sein, dass den „Natur- und Umweltschutzverbänden“ die Feuerwerke „ein Dorn im Auge“ sind, die großen Verbände wie BUND oder NABU oder alle weiteren 13 „anerkannten“ Verbände in Niedersachsen haben sich aber bisher nicht öffentlich zu den Feuerwerken im Nationalpark geäußert. Es ist der Wattenrat Ostfriesland, der seit Jahren – auch mit im Sande verlaufenden Strafanzeigen- auf diesen Missstand hingewiesen hat. Wattenrat wirkt! Bitte auch diese Pressemitteilung (.pdf Boellerverbot_Spiekeroog_20-12-2014) beachten.

Link: http://www.wattenrat.de/tag/feuerwerk/

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund/NDS, S. 1, 20. Dez. 2014

Spiekeroog verbietet Feuerwerk

JAHRESWECHSEL Erste Ostfriesische Insel will Lärmschutzverordnung umsetzen Initiator ist die Kulturstiftung.

Unterstützt wird sie vom neuen Bürgermeister Matthias Piszczan.

VON KLAUS HÄNDEL SPIEKEROOG – Die gesetzlichen Voraussetzungen gibt es schon lange. Doch auf die Einhaltung geachtet wurde noch nie. Auf Spiekeroog als erster Ostfriesischen Insel soll sich das jetzt ändern: Erstmalig gibt es zum Jahreswechsel ein Feuerwerksverbot. Wie die

anderen Inseln liegt Spiekeroog im Nationalpark Wattenmeer. Dort ist das Abbrennen von Feuerwerk und das Zünden von Knallkörpern ohnehin verboten, erklärt Spiekeroogs Bürgermeister Matthias Piszczan. Der Ort Spiekeroog ist bis auf wenige Flächen Kurbereich. Auch da gibt es

Verbote, zum Beispiel für Lärm. Um eine für die gesamte Insel geltende Basis zu schaffen, hat noch der alte Rat eine Lärmschutzverordnung erlassen, die jetzt erstmalig umgesetzt werden soll. Dafür verantwortlich zeichnen der heutige Vorsitzende der Spiekerooger Kulturstiftung und ehemalige Bürgermeister Bernd Fiegenheim und die Inselgemeinde. Unter dem Motto „Herzlich- gesellig und berauschend leise“ lädt die Stiftung Insulaner und Gäste zu einem alternativen Jahreswechsel ein. Gemeinsames Ziel von Kulturstiftung und Inselgemeinde sei es, auf die Belange des Weltnaturerbes Wattenmeer und der Kurgäste Rücksicht zu nehmen und die damit einhergehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuhalten. Das passe zur Ausrichtung der „Grünen Insel“ und sichere Spiekeroog ein Alleinstellungsmerkmal.

Immer mehr Gäste kämen auf die Insel, um Natur- und Umwelt sowie die Ruhe zu genießen. Ob sich das Feuerwerksverbot in Gänze umsetzen lasse, bleibe abzuwarten, so Piszczan. Es gehe der Gemeinde nicht um kleine Knallfrösche aus Kinderhand, sondern um die großen Kracher, lärmende Raketen und Feuerwerksbatterien. Wer sich damit erwischen lasse, muss mit einem Bußgeld rechnen, so der Bürgermeister. SEITE 5

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Motto: „Herzlich-gesellig und berauschend leise“

JAHRESWECHSEL

Spiekeroog will als erste Ostfriesische Insel ohne Silvester-Feuerwerk in das neue Jahr rutschen Nicht nur Umwelt- und Naturschutzverbänden sind die Feuerwerke im oder direkt am Rande des Weltnaturerbes ein Dorn im Auge.

VON KLAUS HÄNDEL SPIEKEROOG – Vor gut fünf Jahren hat die Unesco den Nationalpark Wattenmeer zum Weltnaturerbe erklärt. Das ist nicht nur eine Aufwertung der Küstenregion für Umwelt und Naturschutzverbände, sondern auch für den nachhaltigen Tourismus. Gleichzeitig ist es auch eine Verpflichtung, mit dem Titel Weltnaturerbe besonders sorgsam und vorsichtig umzugehen. Wie das Tourismusmarketing der Nordseebad Spiekeroog GmbH (NSB) – Kurverwaltung und Schifffahrt – in einer Pressemitteilung erklärt, möchte Spiekeroog nun als erste der Ostfriesischen Inseln unter dem Motto „Herzlichgesellig und berauschend leise“ ohne Silvesterknallerei ins neue Jahr rutschen. […] „Berauschend leise“, weil die Spiekerooger großen Respekt vor den tierischen Bewohnern ihrer Insel haben.

Insbesondere Vögel werden durch Feuerwerk und Knallerei in Panik versetzt und flüchten oft orientierungslos aufs offene Meer hinaus. Auch andere Tiere verlassen in Panik ihre ansonsten sicheren Winterquartiere. Veranstalter dieses leisen, aber ganz sicher nicht weniger spaßigen Jahreswechsels, ist die Spiekerooger Kulturstiftung unter Vorsitz des Bürgermeisters a. D. Bernd Fiegenheim. Die Stiftung, die ihre Erlöse für Kulturprojekte auf Spiekeroog einsetzt, hofft, dass sich möglichst alle Spiekerooger und ihre Gäste diesem Vorstoß, den Jahreswechsel als erste Ostfriesische Insel im Weltnaturerbe Wattenmeer leise, aber nicht weniger stimmungsvoll zu gestalten, anschließen werden.

Nicht nur Umwelt- und Naturschutzverbänden sind die Feuerwerke im oder direkt am Rande des Weltnaturerbes schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Auch immer mehr Urlauber erkennen den Wert des Wattenmeeres als einzigartigen Lebensraum für Millionen von Rast- und Zugvögeln. Nicht zuletzt deshalb entscheiden sich viele Gäste für einen leisen Jahreswechsel auf der „Grünen Insel“ Spiekeroog. Weitere Unterstützung kommt vom neuen Bürgermeister, Matthias Piszczan: „Grundlage für das Feuerwerksverbot auf Spiekeroog ist die noch vom alten Rat erlassene Lärmschutzverordnung. Sie sichert der Insel ein Alleinstellungsmerkmal und mit dem alternativen Jahreswechsel etwas Besonderes, von der Allgemeinheit für die Allgemeinheit.“

Zwar werde es schwer sein, dieses Verbot flächendeckend zu kontrollieren. Die Gemeinde und die Polizei würden aber zumindest das Gespräch suchen wollen, um zu überzeugen. „Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten. Wer sich aber beim Abbrennen ganzer Feuerwerksbatterien erwischen lässt und kein Einsehen zeigt, der muss mit einem Bußgeld rechnen“, erklärt Piszczan im Gespräch mit dem HARLINGER. Zu schützen sei nicht nur der Nationalpark, dort sei Feuerwerk ohnehin verboten, sondern auch alle Bereiche des Ortes. Dazu biete die Lärmschutzverordnung einen klaren Rahmen. „Das passt zu unserem Umwelt- und Naturschutzanspruch einer ,Grünen Insel‘“, betont der Bürgermeister. Und das gebe den Insulanern wie auch Gästen die Chance, den Jahreswechsel bewusst einmal ganz anders zu erleben.

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