29. Dezember 2014

Dornumersiel/LK Aurich lädt zum Silvesterböllern im Nationalpark Wattenmeer ein

Feuerwerk in Dornumersiel/LK Aurich (Nationalpark nds. Wattenmeer) Silvester 2012

Update 29. Dez. 2014: „Dem Vernehmen nach“ wurde der Geschäftsführer der Dornumer Tourismus GmbH, Ralf Kopper,  inzwischen vom Landkreis Aurich angewiesen, auf das angekündigte Silvesterfeuerwerk am Strand von Dornumersiel (Erholungszone des Nationalparks) aus naturschutzrechtlichen Gründen zu verzichten. Die Tourismus GmbH hat den Einladungstext auf ihrer WebSeite inzwischen am heutigen 29. Dezember komplett geändert (s.u.). Es bleibt abzuwarten, wie dieses Verbot überwacht wird. Trotz des Verbotes  werden in vielen Tourismusorten an der Küste auch in diesem Jahr wieder Feuerwerke im oder am Nationalpark Wattenmeer abgebrannt werden.

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Es ist zwar verboten, aber das kümmert die dreisten Tourismusmacher in Dornumersiel im Landkreis Aurich nicht: Zum Jahreswechsel wird wieder zu einer „rustikalen Veranstaltung“ eingeladen, im Internet und in der Lokalpresse. Gemeint ist das Silvester-Feuerwerk am Strand von Dornumersiel, Teil des Großschutzgebiets Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“. Das Nationalparkgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz verbieten Störungen von wildlebenden Tieren, in diesem Falle von abertausenden arktischen Gastvögeln, die jetzt im Wattenmeer in ihren Nahrungsgebieten rasten. Böller und Raketen lassen die Vögel panikartig ihre Schutzgebiete verlassen. Dabei verbrauchen sie unnötigerweise die Fettreserven, die sie sich für den Weiterzug in die Überwinterungsgebiete angefressen haben. Die gewerbsmäßig Störung und Vertreibung kann unter Umständen als Straftat geahndet werden, sonst ist es eine Ordnungswidrigkeit. Bereits 2012 hatte der Wattenrat Ostfriesland Strafanzeige gegen die Verantwortlichen in Dornumersiel erstattet; von der Staatsanwaltschaft in Aurich wurde dann wochenlang gegen die Veranstalter des damaligen Silvesterfeuerwerks ermittelt. Das Verfahren wurde eingestellt, weil der Dornumer Ortspolizist keine Störungen der Vögel feststellen konnte. Am Strand von Dornumersiel wurden im Jahr davor ca. 130 kg Böllermüll eingesammelt! Der Wattenrat wird also erneut bei der Staatsanwaltschaft und der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven vorstellig werden und Anzeige gegen die unglaublich dreisten Verantwortlichen in Dornumersiel erstatten. Es muss endlich Schluss sein mit den ständigen Verstößen der Tourismusindustrie gegen die Naturschutzgesetze. Nach 29 Jahren des Bestehens des Nationalparks und nach fast 6 Jahren Weltnaturerbe müsste es sich eigentlich herumgesprochen haben, dass es Regeln und Schutzvorschriften im Nationalpark gibt, die auch von Tourismusmanagern eingehalten werden müssen. Auf der Insel Spiekeroog ist man in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangegangen und hat Feuerwerke und Böller zum Jahreswechsel verboten.

WebSeite Dornumersiel, 28. Dez. 2014

Sekt mit Seeluft http://www.dornum.de/veranstaltungen/highlights-august-dezember/sekt-mit-seeluft.html

Urlaubsgäste und Einheimische begrüßen das Neue Jahr mit Sekt und Glühwein am Strand in Dornumersiel. Denn dann ist es endlich soweit, das Feuerwerk über den Inseln und an der Küste beginnt, und die Besucher selbst legen los und starten ihre Raketen. Die kleine, rustikale Veranstaltung beginnt um 22.00 Uhr und findet ihren Ausklang um ca. 1.00 Uhr. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

edit: Am 29. Dezember nachmittags, nach der Anzeige des Wattenrates, wurde der Text unter Beibehaltung der Verlinkungsadresse so abgeändert:

Besinnliches Silvester am Meer http://www.dornum.de/veranstaltungen/highlights-august-dezember/sekt-mit-seeluft.html

Dornumersiel schließt sich dem Beispiel von Spiekeroog an und ruft zu einer ruhigen, besinnlichen Silvesterveranstaltung am Strand von Dornumersiel auf. Wir verabschieden das Jahr 2014 bei einem rustikalen Angebot mit Sekt, Glühwein, Bratwürstchen und Silvestermusik vom Band. Um Mitternacht werden sich imposante Silvester-Feuerwerke von den Inseln und dem Dornumerland im Wasser spiegeln und den Sternenhimmel noch heller erleuchten lassen. Die Veranstaltung beginnt am 31.12.2014 um 22.00 Uhr und findet ihren Ausklang um ca. 1.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Da die Veranstaltung in der Nähe des Weltnaturerbes Wattenmeer stattfindet, möchte die Tourismus GmbH Gemeinde Dornum als Veranstalter alle Gäste aus Rücksicht auf die vor Ort lebenden Tierarten, darum bitten, auf das Zünden von Silvester-Feuerwerk zu verzichten und so einen Teil dazu beizutragen, den einzigartigen Lebensraum für Millionen von Rast- und Zugvögeln zu erhalten.

edit 29. Dez. 2014: Na, geht doch, welch abrupter Sinneswandel! Nur: Auch der Strand von Dornumersiel ist Bestandteil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und nicht „in der Nähe des Weltnaturerbes“, sondern Teil desselben. Das hat sich bis in die Tourismusetagen offensichtlich noch nicht herumgesprochen. Aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Oder einfach nur peinlich.

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund/NDS, S. 7, 27. Dez. 2014

Mit Sekt bei frischer Seeluft anstoßen VERANSTALTUNG Silvester am Meer in Dornumersiel feiern DORNUMERSIEL / AH – Wie wäre es, das neue Jahr einfach mal direkt am Meer zu begrüßen? Genau das ist an Silvester in Dornumersiel möglich. Die Tourismus GmbH der Gemeinde Dornum verabschiedet das Jahr 2014 besinnlich am Strand von Dornumersiel und begrüßt das neue Jahr 2015 mit einem Glas Sekt bei frischer Seeluft. Die Gäste können sich bereits jetzt auf ein rustikales Angebot mit Sekt, Glühwein, Bratwürstchen und Silvestermusik vom Band freuen. Um Mitternacht werden sich dann die imposanten Silvesterfeuerwerke, die sowohl auf den Inseln als auch im Dornumerland abgebrannt werden, im Wasser spiegeln und den Sternenhimmel noch heller erleuchten lassen. Die Veranstaltung beginnt am Silvestermittwoch, 31. Dezember, um 22 Uhr und findet ihren Ausklang etwa gegen 1 Uhr in der Nacht. Der Eintritt zu dieser Silvesterveranstaltung ist frei.

Und wie in jedem Jahr ruft die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven in ihrem hilf- und wirkungslosen Appell zur Unterlasung von Silvesterfeuerwerken im Nationalpark auf. Straf- oder Ordnungswidrigkeitsanzeigen wären da von „nachhaltigerer“ Wirkung! Das Abbrennen von Feuerwerken ist auch außerhalb an den Grenzen des Nationalparks verboten, da Lichtblitze und Schall kilometerweit in das Schutzgebiet hineingetragen werden. Der Nationalpark ist gleichzeitig EU-Vogelschutzgebiet, da gelten die strengen Natura-2000-Richtlinien, auf dem Papier.

28. Dez. 2014: Sterne statt Raketen, Vogelstimmen statt Böller

Alle Jahre wieder kommt nach dem Weihnachtsfest die Zeit der Feuerwerkskörper. Schon Tage vor der Silvesternacht wird auch tagsüber schon geknallt, und im neuen Jahr werden die Reste des „Arsenals“ verballert.

Des einen Spaß ist des anderen Leid. Viele Haustier-Besitzer können ein Lied davon singen. Statt auf einer Party das neue Jahr zu begrüßen, verbringen sie jede Silvesternacht zu Hause oder im Stall, um Hund oder Katze, Pferd oder Kuh vor Panikattacken zu schützen.

Wildlebende Tiere müssen ohne tröstende Zuwendung auskommen. Laute Geräusche und grelle Lichtblitze lösen ihren natürlichen Fluchtinstinkt aus. Wenn sich die Knallerei allerorten über viele Tage hinzieht, mit einer zweistündigen Kumulation in der Neujahrsnacht, haben wilde Vögel und Säugetiere zeitlich und räumlich keine Chance für eine Atempause. Jetzt im Winter, wenn Nahrung und Energiereserven knapp sind, ist das besonders fatal.  

In der Nationalpark- und Weltnaturerberegion Niedersächsisches Wattenmeer sind vor allem Zehntausende Wildgänse betroffen, die, aus ihren arktischen Brutgebieten kommend, den ganzen Winter hier bei uns verbringen. Dann lenken ihre Rufe regelmäßig unseren Blick nach oben und wir erfreuen uns an ihren Formationsflügen, wenn  sie zwischen Fress- und Schlafplätzen pendeln. Doch auch  zahlreiche Wat- und Singvögel verzichten auf die weite Reise bis nach Afrika und bleiben als Wintergäste am Watt.

Im Nationalpark selbst sind, zum Schutz der Tierwelt, Feuerwerke (ganzjährig!) streng verboten. Doch Licht und Schall aus benachbarten Ortsbereichen wirken bis in das Schutzgebiet hinein. „Da können wir nur appellieren, als ‚Weltnaturerbe-Nachbar’ freiwillig aufs Feuerwerk zu verzichten oder es zumindest auf die Neujahrsnacht zu beschränken“, erklärt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. „Man darf nicht vergessen, dass es mittlerweile Mode geworden ist, das ganze Jahr hindurch zu allen möglichen Anlässen, von Volksfesten bis hin zu Hochzeitsfeiern, Feuerwerke zu zünden.“

Das Feuerwerksverbot gilt übrigens auch im Nationalpark Harz und anderen Schutzgebieten.

Manche mögen nicht glauben, dass die Tierwelt wirklich so heftig auf explosiven Lärm reagiert. Inzwischen ist die spezielle Störwirkung von Feuerwerken wissenschaftlich untersucht und belegt. Doch auch ohne diese Studien zu kennen, muss man sich nur vor Augen halten, dass gezielt Knallapparate eingesetzt werden, um hungrige Vögel von Obstplantagen und Äckern zu vertreiben.

Wenn man Augen und Ohren aufsperrt, kann man in der Silvesternacht den Scheucheffekt selbst beobachten: In deutlich höherer Frequenz und Geschwindigkeit als sonst ziehen Gänsetrupps hektisch hin und her. Und wenn man beim Neujahrsspaziergang am Deich die Watvögel im Watt vermisst, dann braucht man Geduld, bis die verstörten Tiere sich beruhigt haben und zum Fressen zurückkehren.

Die Gemeinde Spiekeroog hat als Nationalpark-Partner unlängst eine richtungsweisende Satzung erlassen: Auf der Insel ist das Abbrennen von Feuerwerken oder Feuerwerkskörpern aller Kategorien auch im Ortsbereich, außerhalb des Nationalparks, ganzjährig verboten, ebenso das Steigenlassen von sogenannten Himmelslaternen. Das Verbot gilt ausdrücklich auch für Silvester und die Neujahrsnacht. Dabei hat man auch das Schutzgut Mensch im Auge. Denn viele verbringen ihren Urlaub gerade deshalb im Nationalpark, um Ruhe und Abgeschiedenheit zu genießen: Sterne statt Raketen, Vogelstimmen statt Böller.

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