2. April 2015

Wattenmeer-Windpark „Nordergründe“ am Nationalpark Wattenmeer wird von Senvion gebaut, Anlagen mehr als 200 Meter hoch

WEA_Nonnengaense-Wybelsum

Windkraftanlagen in Vogelzuggebieten sind eigentlich nicht genehmigungsfähig, es sei denn, man schreibt die Gutachten „schön“. Bei unsichtigem Wetter verunglücken viele Vögel an Windkraftanlagen. Hier: Nonnengänse an der Ems, Wybelsumer Polder am Dollart, EU-Vogelschutzgebiet. Foto (C): Eilert Voß

Nun wird es ernst im niedersächsischen Wattenmeer: Der Bremer Projektierer „Energiekontor“ verkaufte das Projekt des geplanten Windparks „Nordergründe“ im Wattenmeer der Außenweser zwischen Wangerooge und Cuxhaven bereits 2013 an den Bremer Projektentwickler wpd. Käuferin ist eine Tochtergesellschaft der wpd Offshore GmbH. Der Vertrag über die Windturbinen wurde im Februar 2015 unterzeichnet.

Der Windpark soll nur ca. 570 Meter von den Grenzen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer (Weltnaturerbe, EU-Vogelschutzgebiet,Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung, Biosphärenreservat) mit 18 Anlagen des Herstellers Senvion, über 200 Meter hoch, errichtet werden, genau in der Flugroute von abertausenden durchziehenden Vögeln. Das Land Niedersachsen hat diese Planungen als Near-Shore-Windpark stets unterstützt.

Das Landesraumordungsprogramm wurde für den Windkraftstandort „Nordergründe“ und die Netzanbindung innerhalb der 12-Seemeilenzone 2006 ergänzt:

Zitat S. 28: 2.6.1: Vorhandensein zwingender Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses. Die Stärkung erneuerbarer Energien aus Gründen des Klima- und Ressourcenschutzes ist erklärtes Ziel der Energiepolitik der EU, der Bundesregierung und ebenso der niedersächsischen Landesregierung. So hat der Gesetzgeber für Strom aus erneuerbarer Energie Regelungen zur Abnahme und Übertragungspflicht sowie zu Einspeisvergütungen geschaffen, um diese Form der Stromerzeugung so zu fördern, dass ihr Anteil an der Stromversorgung deutlich steigt. Die niedersächsische Energiepolitik setzt auf die Gewährleistung der Versorgungssicherheit und eine Verbesserung der Umweltverträglichkeit. Für eine klimaneutrale Gewinnung elektrischer Energie spielt der verträgliche Ausbau der Windenergienutzung – v. a. offshore – eine zentrale Rolle. Hierbei hat Niedersachsen durch die Windhöffigkeit natürliche Standortvorteile zur verstärkten Nutzung der Windenergie.

Mit dem Passus „öffentliches Interesse“ wurde von der damaligen CDU/FDP-Landesregierung unter Ministerpräsident Christian Wulff erreicht, das hinderliche Naturschutzvorgaben nach dem Bundesnaturschutzgesetz umgangen werden konnten. Mit „Klimaschutz“ haben Windenergieanlagen zudem nichts zu tun, da sie wetterabhängig arbeiten und keinen Einfluss auf das Klima haben können, abgesehen vom Mikroklima innerhalb des Windparks. Die Argumentation wurde also offensichtlich so gewählt, um das als „Pilotprojekt“ (Fördermittel?) bezeichnete Vorhaben gegen alle naturschutzfachlichen Hemmnisse durchzudrücken.

Der Naturschutzverband BUND-Niedersachsen hatte 2010 als „anerkannter Naturschutzverband“ gegen den Windpark im Wattenmeer geklagt, die Klage aber dann gegen die vom Land Niedersachsen in Aussicht gestellten mehr als 800.000 Euro für eine BUND-Stiftung aus den Kompensationsgeldern, die eigentlich der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) verwalten sollte, zurückgezogen.

Das führte zu einem großen Medienecho und dem Austritt des BUND-Gründers und Dirigenten Enoch Freiherr zu Guttenberg aus dem Verband, der auch vom Wattenrat verbreitet wurde: http://www.wattenrat.de/2012/05/12/bund-grundungsmitglied-freiherr-zu-guttenberg-tritt-aus-dem-verband-aus-mir-reicht-es/

Die Nähe des Windparks zum UNESCO-Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer müsste eigentlich den Entzug des UNESCO-Welterbetitels nach sich ziehen. Die naturschutzfachlichen Empfehlungen des Niedersächsischen Landkreistages (NLT-Papier, das zwar räumlich nicht für die Küstengewässer gilt, aber dessen Aussagen auf den Nationalpark Wattenmeer übertragbar sind) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG, Helgoländer Papier) sehen Abstände von mindestens 1200 Metern von Windkraftanlagen zu europäischen Vogelschutzgebieten und Feuchtgebieten internationaler Bedeutung vor, dazu gehört auch der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Diese fachlichen Abstandsempfehlungen werden von Gerichten als Orientierungshilfe anerkannt. Mit dem Windpark entstehen zudem 18 künstliche Riffe an vielbefahrenen Schifffahrtswegen.

Von den 15 Naturschutzverbänden in Niedersachsen und der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven sind bisher keine Reaktionen zu den aktuellen Windparkplanungen im Wattenmeer zu hören gewesen, die vorgeblichen „Anwälte der Natur“ haben völlig versagt: Dies ist eine Bankrotterklärung des Verbändenaturschutzes, der auch aus staatlichen Fördertöpfen gespeist wird, und das macht zahm. Der Wattenrat Ostfriesland hatte diesen Skandal bereits 2011 publik gemacht. Der Schutzstatus des Nationalparks wird damit nur zu bedrucktem Papier, Zugvögel halten sich zudem nicht an willkürlich gezogene Grenzen!

Planungsgebiet des Winmdparks "Nordergründe" im niedersächsischen Wattenmeer

Planungsgebiet des Windparks „Nordergründe“ im niedersächsischen Wattenmeer (gelbe Markierung), (C): Google Earth

Senvion Pressemitteilung: (Man beachte die Desinformation über die vorgebliche „Stromversorgung der Haushalte“. Zur verlässlichen Stromversorgung sind Windkraftwerke wegen der völlig unregelmäßigen Einspeisung ins Stromnetz überhaupt nicht geeignet; die notwendige Grundlast und Regelenergie wird von Wärmekraftwerken bereitgestellt, ohne die die Windkraftwerke gar nicht einspeisen können!)

23. Februar 2015

Senvion liefert 18 Turbinen für Offshore-Windpark Nordergründe

Hamburg: Die Senvion SE, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft innerhalb von Suzlon, dem fünftgrößten* Windenergieanlagenhersteller der Welt, liefert 18 Windenergieanlagen für den Offshore-Windpark Nordergründe in der deutschen Nordsee. Das Projekt wird von der wpd offshore GmbH innerhalb der 12-Seemeilen-Zone, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Bremerhaven, errichtet. Den Vertrag für die Lieferung, Installation und Inbetriebnahme der 18 Senvion 6.2M126 haben die Unternehmen am 20. Februar in Bremen unterschrieben. Jede Turbine verfügt über eine Nennleistung von 6,15 Megawatt (MW) und kann damit rund 4.000 Haushalte mit Strom versorgen. Nach der geplanten Fertigstellung im Herbst 2016 wird der Offshore-Windpark Nordergründe über eine installierte Leistung von rund 111 MW verfügen und umgerechnet mehr als 70.000 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen.

Andreas Nauen, Vorstandsvorsitzender Senvion SE, sagt: „Zu einer erfolgreichen Energiewende gehört Offshore-Windenergie: klare Rahmenbedingungen sorgen endlich erneut für Auftragseingang. Wir freuen uns sehr, dass bei diesem Windpark des Bremer Unternehmens wpd unsere Turbinen und Rotorblätter aus Bremerhaven zum Einsatz kommen. Es handelt sich um ein Projekt mit einer hohen lokalen Wertschöpfung. Dank der klaren Vergütungsregelungen im EEG haben unsere Kunden vorerst Planungssicherheit, aber die deutsche Offshore-Branche braucht zeitnah klare Signale für die Jahre nach 2019. Die Vorbereitung auf das EEG 3.0 ist der nächste Schritt, der bereits in diesem Jahr begonnen werden muss.“

Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen der Freien Hansestadt Bremen, sagt: „Wir freuen uns, dass es mit dem neuen Auftrag in der Produktion von PowerBlades weitergeht. Das ist ein wichtiges Signal sowohl für die Offshore Branche als auch für die Region Bremerhaven. Heute ist mehr denn je klar geworden, dass die Kurzarbeit als Instrument für eine Überbrückungszeit richtig gewählt wurde. Vor allem möchte ich mich für die konstruktive Zusammenarbeit mit Senvion bedanken, dank der wir weiterhin einen Weg mit langfristiger Perspektive gehen können.“

Die Turbinen und Rotorblätter werden von Senvion und PowerBlades in Bremerhaven produziert. Von dort aus können die Komponenten auf dem Seeweg direkt zu ihrem Bestimmungsort befördert werden. Allein die Gondel ist so groß wie zwei Einfamilienhäuser und wird Offshore in 97 bis 100 Metern Nabenhöhe errichtet. Jedes Rotorblatt ist über 60 Meter lang und wiegt rund 23 Tonnen. Der Rotorstern hat einen Durchmesser von 126 Metern, wobei die überstrichene Fläche größer als zwei Fußballfelder ist.

Die Senvion 6.2M126 ist die bislang leistungsstärkste in Serie produzierte Offshore-Windenergieanlage weltweit. Senvion hat bereits 2004 den Einstieg in die Multimegawatt Klasse gewagt und verfügt seitdem über eine hervorragende Erfolgsbilanz. Kein anderer Hersteller verfügt heute über so umfangreiche Erfahrungen wie Senvion mit mehr als 140 auf hoher See installierten Turbinen der 5- und 6-Megawatt-Klasse.

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