17. Juli 2015

Badeverbote an der Küste: Wo liegen die Ursachen?

Badestrand Bensersiel/Stadt Esens, Teilansicht, Foto (C): Manfred Knake

Campingplatz und Badestrand Bensersiel/Stadt Esens, Teilansicht, Foto (C): Manfred Knake

Die Badefreuden in Bensersiel/Stadt Esens (Landkreis Wittmund), Dornumersiel (Landkreis Aurich) und am Hafen in Horumersiel (Landkreis Friesland) sind derzeit getrübt: Für diese Küstenbereiche wurde ein behördliches Badeverbot verhängt. Bei den regelmäßigen Wasseruntersuchungen wurden durch die Gesundheitsämter hohe Escherichia coli- und erhöhte Enterokokken-Werte gemessen. Beide Werte sind als Indikatoren für eine Fäkalbelastung bekannt, die zu Darmkrankheiten führen können. Die Badeverbote sollen bis zum Wochenende gelten, berichten die Lokalzeitungen. Die Frage ist, warum nur bis zum Wochenende, weiß man denn schon jetzt, das voraussichtlich pünktlich am Wochenende die Belastung vorüber sei wird? Am Wochenende „brummt“ der Tourismus an der Küste, und dann sind Badeverbote schlecht fürs Geschäft!

Eutrophiertes Gewässer - Holtgast, Landkreis Wittmund

Eutrophiertes Gewässer – Holtgast/SG Esens, Landkreis Wittmund, Foto (C): Manfred Knake

Die Ursachen der Gewässerbelastungen sind unklar. Eine Biologin meinte im NDR-Fernsehen, die Fäkalbelastung könne von Schafen, die am Deich weideten, verursacht worden sein. Mit Starkregen sei dann der Kot ins Wasser gelangt. Dagegen spricht die mangelnde Ortskenntnis der Dame, da die Deichschafe weit von den Badestränden entfernt weiden und erst durch hoch auflaufende Tiden (Sturmfluten) der Schafkot vom Deich ins Meer gespült werden müsste.
Viel näher liegt die Vermutung der übermäßigen Gülleausbringung durch die industrialisierte Landwirtschaft. Der Flüssigmist wird auch in großen Mengen direkt an Gräben ausgebracht und gelangt so leicht in die Vorfluter, die in ins Wattenmeer münden. An der Emsmündung wird Gülle sogar direkt am Fluss auf das Deichvorland ausgebracht. In Bensersiel z.B. mündet das Benser Tief, das das Oberflächenwasser aus dem Hinterland abführt, nicht weit vom Badestrand entfernt ins Watt. Bereits im August 2103 gab es für den künstlich aufgespülten Bensersieler Badestrand ein kurzzeitiges Badeverbot.

Intensive Gülleausbringung, Esens/Ostfriesland, Foto (C): Manfred Knake

Intensive Gülleausabringung in Esens, 2015, Foto (C): Manfred Knake

Nachtrag 18. Juli 2015: Die Bakterien haben ein Einsehen mit der Tourismusindustrie. Wie hier bereits vorausgesagt, wurde das Badeverbot für Dornumersiel und Bensersiel pünktlich zum Wochenende und vor den beginnenden Sommerferien in Niedersachsen wieder aufgehoben: „Die Besucher der Strände von Dornumer- und Bensersiel dürfen wieder ins Wasser. Wie erneute Messungen zeigen, ist das Meer vor den beiden Orten nicht mehr übermäßig mit E-coli-Bakterien belastet. Die Gesundheitsämter gaben Entwarnung.“ Ostfriesen Zeitung, online, 18. Juli 2015: Badeverbot an ostfriesischer Küste aufgehoben

Link: Download .pdf: Küstengewässer und Ästuare 1/2010, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: Bewertung des ökologischen Zustands der niedersächsischen Übergangs- und Küstengewässer

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