7. September 2015

„Meilenstein“: zehn neue Ranger im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Bensersiel: Parkplatz für die Besucher der Insel Langeoog, einer von vier Parkplätzen, August 2015

Bensersiel: Parkplatz für die Besucher der Insel Langeoog, einer von vier Insel-Parkplätzen im Ort, August 2015, Foto (C): Manfred Knake

Langsam, ganz langsam, nach fast dreißig Jahren des Bestehens des Großschutzgebietes, bewegt sich die Betreuung im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer in die richtige Richtung und wird nun gar als „Meilenstein“ gefeiert (Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung ganz unten): Bis zum Ende des Jahres sollen 10 hauptamtliche Nationalparkranger eine Fläche von 3.500 Quadratkilometern von Cuxhaven bis Emden betreuen. Ursprünglich waren 11 Rangerstellen vom niedersächsischen Umweltminister angekündigt worden. Bisher übten diese Arbeit sechs hauptamtliche Dünenwärter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit auf den Inseln aus. Allerdings haben die einzelnen neuen Ranger sehr große Gebiete zu überwachen. Allein die Entfernung von Bensersiel bis Emden beträgt am Nationalpark fast 70 Kilometer, hier liegen Hochburgen des Massentourismus, das ist für zwei Ranger eine beträchtliche Strecke. Zudem verfügen die Ranger über keine Boote, können also bei Verstößen im Watt (z.B. Kitesurfer, Sportbootfahrer, Störungen an den Seehundsbänken) kaum tätig werden.

Die Ranger können auch nicht hoheitlich tätig werden, haben also keine Polizeigewalt und dürfen daher noch nicht einmal Platzverweise erteilen. Die Präsenz der Wasserschutzpolizei wurden im Bereich des Nationalparks bereits vor Jahren reduziert, die Dienststelle Norddeich wurde geschlossen.
Die Ranger sind auch nicht „Hüter des Weltnaturerbes“, wie die Pressestelle der Nationalparkverwaltung markig verlauten lässt, sondern des Großschutzgebietes Nationalpark, dessen Schutzziele im Nationalparkgesetz formuliert sind. Das werbewirksame Etikett „Weltnaturerbe“ wird auch von der Nationalparkverwaltung Hand in Hand mit der Tourismusindustrie beworben. Der Wattenrat Ostfriesland macht seit Jahren auf die unzureichende Betreuungs- und Aufsichtssituation im Nationalpark aufmerksam.

Die touristische Vermarktung ist der Betreuungssituation weit voraus, Foto (C): Manfred Knake

Die touristische Vermarktung des Nationalparks  ist der Betreuungssituation weit voraus, Foto (C): Manfred Knake

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Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
04. September 2015

Ein lang ersehnter Wunsch wird wahr: Zehn neue Ranger für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Die Stellen werden auf den Inseln und an der Küste besetzt.

Die neuen Ranger und Fachkräfte für Artenschutz sind bereit für ihren Einsatz im Nationalpark. Britta Schmidt (Nationalparkverwaltung), Frank Penner, Nico Erdmann, Anette Müller, Peter Südbeck, Onno K. Gent, André Kramer, Alexandra Kellner, Lars Scheller, Simon Potthast, Jochen Runar, Susanne Koschel, Stefanie Steinberg (Nationalparkverwaltung) Foto: Wagner / NLPV

Zum 1. September hat der Nationalpark Verstärkung bekommen: Fünf Ranger haben jetzt ihren Dienst in der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer angetreten. Nachdem bereits 2 Ranger seit dem Frühjahr 2015 ihre Arbeit aufgenommen haben, werden in den kommenden Wochen noch drei weitere Ranger zur Verstärkung des Teams hinzukommen. Weitere zwei Kollegen werden sich zusätzlich intensiv um Aufgaben des Artenschutzes kümmern.

Für Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, ist die Einstellung von zehn unbefristet beschäftigten Rangerinnen und Rangern ein Meilenstein für den Nationalpark und großer Grund zur Freude: „Ranger sind das freundliche Gesicht des Nationalparks vor Ort, sie vermitteln die Arbeit zum Schutz des Wattenmeeres, sie setzen Naturschutzmaßnahmen um und geben Obacht im Schutzgebiet. So tragen sie zur dauerhaften Stärkung unseres wichtigen Anliegens bei. Wir haben lange auf ein funktionierendes Rangersystem gewartet, nun ist es endlich soweit – ein toller Tag für alle am Schutz der einzigartigen Natur des Wattenmeeres Interessierten!“

Nachdem der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel im Oktober 2014 angekündigt hatte, dass zehn neue Ranger-Stellen für den Nationalpark geschaffen werden sollen, die dann in den Haushaltsberatungen des Landtages für 2015 festgeschrieben wurden, traten bereits im Februar mit Nico Erdmann auf Norderney und Onno K. Gent im Küstenbereich Krummhörn/Norderland die ersten hauptamtlichen Schutzgebietsbetreuer ihren Dienst an.

Drei Frauen und fünf Männer aus ganz Deutschland, die sich aus ca. 400 Bewerberinnen und Bewerbern durchsetzen konnten, starten nun mit einer Einführungswoche in der Nationalparkverwaltung in ihre neue Aufgabe. Neben dem Kennenlernen der neuen Kolleginnen und Kollegen, der Durchführung von Exkursionen und Hinweisen zur Vorbereitung und Organisation des Arbeitsalltags bekommen sie intensiv fachlichen Input, bevor sie ihre Arbeit vor Ort als Hüter des Weltnaturerbes und als Mittler zwischen Mensch und Natur beginnen.

Folgende Einsatzorte werden im September besetzt: Ranger an der Festlandsküste im Bereich Cuxhaven und Wurster Nordseeküste wird Frank Penner, den Abschnitt von Wapelersiel (Landkreis Friesland) bis Bensersiel (Landkreis Wittmund) sowie den Dollart (Landkreis Leer) betreut zukünftig André Kramer. Simon Potthast unterstützt Ranger Onno K. Gent im Gebiet Bensersiel bis Emden insbesondere bei Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt. Auf den Inseln nehmen Lars Scheller (Spiekeroog), Jochen Runar (Langeoog) und Alexandra Kellner (Juist) ihre Arbeit auf. Im Oktober werden Susanne Koschel (Festlandsküste in Butjadingen) und Sebastian Keller (Borkum) beginnen, Anette Müller (Baltrum) wird das Team ab dem Winter dann vorerst komplettieren. „Ich
freue mich riesig, endlich ein Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer zu sein und bin mir der verantwortungsvollen Aufgabe voll bewusst“, erklärt Alexandra Kellner, die aus Aschaffenburg stammt und bereits im Vorfeld unter anderem in der Umweltbildung und als Mitglied der Bayerischen Naturschutzwacht Erfahrungen im Naturschutz sammeln konnte.

Unterstützt werden die neuen hauptamtlichen Rangerinnen und Ranger von der ehrenamtlichen Nationalparkwacht, deren Arbeit nun eine ganz neue Form der Wertschätzung erfährt. Die Ranger werden „ihr“ Gebiet im Nationalpark nun in Obhut nehmen, sie werden vor Ort präsent sein und darauf achten, dass der Nationalpark gut geschützt bleibt. Für die vielen Bewohner und Urlauber der Region werden sie Ansprechpartner und Wegweiser in der Sache der Natur und des Naturschutzes am niedersächsischen Wattenmeer sein. Sie sind ein zentraler Baustein im Netzwerk der Nationalparkfreunde.

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