17. Oktober 2015

Enercons Produktionsleiter: ein phantasievoller Windmacher

Teichfrosch_Wikipedia_CC-BY-SA-3.0

Teichfrosch_Wikipedia_CC-BY-SA-3.0, Bildautor: Sebaho

Eine ganz persönliche Betrachtung zu einem professionellen Windmacher

von Manfred Knake

Klaus Peters ist nicht irgendwer, Klaus Peters ist der Gesamtproduktionsleiter des Windkraftanlagenherstellers Enercon mit dem Hauptsitz in Aurich. Und Klaus Peters ist vernetzt – wie man heutige Seilschaften nennt – mit der Politik, in Wirtschaftsgremien bis hinunter auf die Ebene der Gemeinderäte und die „Wittmunder Wirtschaftsrunde“, zu der laut Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ Wittmunder Unternehmer, Schulen (!), die Bundeswehr, das Handwerk und der Tourismus gehören (siehe unten: Zeitungsbericht „Unsere Branche hat Riesenchancen“ vom 10. Oktober 2015).

Herr Peters und die Historie: Faktencheck

Im neu eröffneten Auricher„Energieerlebniszentrum“ (EEZ, man beachte „Unsere Partner“!) blies Herr Peters die Backen auf und entließ  rhetorische Winde über die ersten Anfänge seiner Branche in der Garage seines Chefs Alois Wobben, die Geschichte der Windenergie, das „CO2-Problem“, das Deutschland vorgeblich habe und vereinnahmte dabei Mahatma Gandhi, den Dalai Lama und, Steigerungen sind kaum noch möglich, Albert Einstein gleich mit. Herr Peters verirrte sich dann mit seiner windigen Eloge in der Geschichte der Windmühlen, die schon „seit 2000-3000 Jahren genutzt“ werden: „15000 Windmühlen“ soll es „damals an der Küste“ schon gegeben haben. Befasst man sich aber genauer mit der Historie der Windnutzung durch den Menschen, lassen sich die ersten Windmühlen mit senkrechter Achse ca. 1750 vor unsere Zeitrechnung in Babylon nachweisen, zu den bekannten Windmühlen mit horizontaler Flügelachse war es noch ein langer Weg. Im 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung kamen die ersten kleinen Bockwindmühlen auf, Anfang des 16. Jahrhunderts wurden in den Niederlanden die ersten Holländerwindmühlen in verschiedenen Bauarten, die auch Kappenwindmühle genannt werden, errichtet. Mit diesen Mühlen wurde, wenn der Wind wehte, am Ortsrand der Dörfer Getreide gemahlen, aber kein Strom erzeugt. Daneben gab es eine Vielzahl kleiner Windmühlen, mit denen das Land entwässert wurde. Das waren ebenfalls kleine Holländerwindmühlen oder noch kleinere Doppelkolben-Wasserpumpenmühlen. Die Mühlen wurden aus Holz und Steinen errichtet, hatten Bauhöhen von 4 bis 40 Metern und fügten sich in die Landschaft ein. Es gab noch keine Strommasten und keine elektrische Maschinenindustrie. Auch die schwerlastsfähigen Zuwegungen und tonnenweise Stahlbeton für die Fundamente, die die heutigen Windkraftwerke für jede einzelne Anlage benötigen, waren nicht erforderlich. Es waren notwendige, in Handarbeit hergstellte technische Bauwerke, um aus Getreide Mehl für die Bevölkerung herzustellen, aus Ölsaaten Öl zu gewinnen oder das Land zu entwässern. Diese Windmühlen waren langlebig, sie können, wenn ordentlich gepflegt werden, mehr als zweihundert Jahre lang ihren Dienst tun. Es waren aber keine technischen monströsen Monster mit über 200 Metern Gesamthöhe wie die heutigen Stromgeneratoren, die allein aus Gründen der Subventionsabschöpfung aus dem Erneuerbare Energien Gesetz wie Pilze aus dem Boden schießen, aber nichts zur verlässlichen Stromversorgung einer Industrienation beitragen können. Die Betriebsdauer eines Windkraftwerks beträgt ca. 20 Jahre; ob das auch auf See zutrifft, bleibt abzuwarten.

Ob es damals wirklich „15.000 Windmühlen an der Küste“ – an welcher Küste?- waren, sei dahingestellt. Vielleicht waren es 15.000 Windmühlen von Frankreich, die Niederlande über die deutsche Nordseeküste bis nach Dänemark, aber nicht alleine in Ostfriesland. 1895 erfasste die Preußischen Regierung 18.362 Windmühlen im gesamten Deutschen Kaiserreich. Diese Mühlen nervten nicht, anders als die heutigen 25.000 Windkonverter in Deutschland, die direkten Anwohner, weil es die damals in der Zahl entweder nicht gab oder die Mühlen nur dann betrieben wurden, wenn es tatsächlich notwendig war. Das wusste schon Wilhelm Busch vor mehr als hundert Jahren:

Ärgerlich

Aus der Mühle schaut der Müller,
Der so gerne mahlen will.
Stiller wird der Wind und stiller,
Und die Mühle stehet still.

So geht’s immer, wie ich finde,
Rief der Müller voller Zorn.
Hat man Korn, so fehlt’s am Winde,
Hat man Wind, so fehlt das Korn.

Die modernen Windgeneratoren mit der gesundheitsschädlichen tieffrequenten Schallerzeugung haben nur das Antriebsprinzip „Wind“ mit den historischen Windmühlen gemein, sonst nichts.

Historische Windmühle im Windpark Eemshaven/NL, Foto (C): Manfred Knake

Historische Windmühle im Windpark Eemshaven/NL, Foto (C): Manfred Knake

Enercon als Eisenbahner

Die „Reaktivierung der Bahnstrecke“ in Aurich für die Enercon-Logistik wird von Peters nicht vertieft: Die Bahnstrecke wurde 2007/2008 auf Druck von Enercon mit einer Millionensubventionierung durch das Land Niedersachsen (unterstützt vom damaligen Ministerpräsidenten Wulff), der EU und der Stadt Aurich gebaut, Gesamtkosten: 10,2 Millionen Euro. Enercon drohte damals mit Verlagerung des Produktionsstandortes von Aurich nach Magdeburg, falls das Land sich nicht an den Baukosten beteilige, das nennt man landläufig Erpressung. Die Wirtschaftlichkeit der Bahnstrecke wurde bereits vor dem Bau angezweifelt. Der Bund der Steuerzahler warf den Beteiligten damals vor, die Wirtschaftlichkeit zu verschleiern und Daten vorzuenthalten. Die Stadt Aurich soll für die horrenden Verluste, die die Bahnstrecke bisher eingefahren hat, aufkommen. Das verschweigt Herr Peters, und die Zuhörer sind von seinem Wortschwall beeindruckt!

Alois Wobben als Windkraftkritiker

Als 1995 der Windpark Utgast/Gemeinde Holtgast im Landkreis Wittmund mit ca. 50 Anlagen des Herstellers Tacke ans Netz ging, entdeckte Alois Wobben 1997  sein Herz für die Natur. Dieser Windpark sei „ein Skandal“ und ein „furchtbarer Eingriff in die Natur“ (Anzeiger für Harlingerland/Wittmund, 18. Februar 1997: „Enercon-Chef: Windpark Utgast ist ein Skandal“). Derzeit werden im Windpark Utgast bis zu 40 neue Enercon-70 Anlagen für die inzwischen abgängigen Tacke-Anlagen „repowert“, direkt an einem EU-Vogelschutzgebiet und nur 1,5 Kilometer vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer entfernt, unter Missachtung fachlicher Abstandsempfehlungen, untermauert von mehreren Gerichtsurteilen zu ähnlichen Fällen, in der Tat ein Skandal!

Windpark Utgast/Holtgast, Landkreis Wittmund, direkt am EU-Vogelschutzgebiet, Foto (C): Manfred Knake

Alois Wobben: „Ein furchtbarer Eingriff in die Natur“: Windpark Utgast/Holtgast, Landkreis Wittmund, direkt am EU-Vogelschutzgebiet, Foto (C): Manfred Knake

Das CO2-Problem

Wo Herr Peters ein „CO2-Problem“ in Deutschland ausgemacht hat, wurde nicht näher erläutert. CO2 als Spurengas mit derzeit 0,04 Prozent Anteil an der Atemluft lässt Pflanzen wachsen und ist kein Schad- oder Giftgas. Enercon-Chef Alois Wobben schrieb dem CO2 auf der Hannover Messe 2007 allerdings schon ungeahnte Auswirkungen auf den Menschen zu: „…die hohe Menge von CO2 in der Atmosphäre sei schon heute mitverantwortlich für das starke Anwachsen der Krebsrate“ zitierte ihn die Online-Ausgabe der Ostfriesischen Nachrichten aus Aurich unkommentiert nicht am 01., sondern am 22. April 2007. Auf das „Klima“ oder dessen Schutz haben die in Aurich hergestellten Windkraftanlagen überhaupt keinen Einfluss, nur das gute Klima auf den Konten des Herstellers, der Projektierer und der Betreiber wird durch die hohe garantierte Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare Energien Gesetz für 20 Jahre „nachhaltig“ verbessert; dadurch steigen die Strompreise für alle Stromkunden immer weiter an. Die von Peters ausgemachten Kohle-Problemkraftwerke sind das Rückgrat der Stromversorgung der Industrienation Deutschland, nur diese Kraftwerke garantieren im Verbund mit den auslaufenden Atomkraftwerken die grundlastfähige verlässliche Stromversorgung des Landes und erzeugen ein stabiles Stromnetz, egal ob man diese Kraftwerke mag oder nicht. Das können Windkraftwerke nicht, sie sind wegen der unregelmäßigen windabhängigen Einspeisung des „Zappelstromes“ ins Netz auf Regelkraftwerke angewiesen. Es gibt zwar inzwischen die ersten Speichersysteme von Enercon, aber die sind weder wirtschaftlich noch bezahlbar.

Das Schaufenster

Peters, so der Zeitungsbericht, stellt „den Menschen in den Mittelpunkt“. Viele Menschen, und zwar bundesweit, lehnen aber inzwischen die Windkraftanlagen ab. Ständig werden neue Bürgerinitiativen gegen noch mehr Lärm, den Wertverlust der Immobilien und die Landschaftszerstörung gegründet. Enercon aber entwickelt Ostfriesland über die Investoren zum Schaufenster seiner verschiedenen Produkte, in dem aber Menschen leben müssen. Mit jeder neu errichteten Anlage wächst der Widerstand.

Windpark Westerholt, Blick auf Utarp/LK Wittmund, Foto (C): Manfred Knake

Windpark Westerholt, Blick auf Utarp/LK Wittmund, Foto (C): Manfred Knake

Die innigen Verflechtungen

Bemerkenswerterweise lauschten nicht nur der Wittmunder Landrat als Hauptverwaltungsbeamter der Genehmigungsbehörde für Windkraftanlagen sowie Verwaltungsbeamte und Windkraftbetreiber Herrn Peters Lobpreisungen. Auf der Zuhörerbank saß auch der ehemalige Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU), der, genau wie Klaus Peters, in Westerholt im Landkreis Wittmund wohnt. Peters zu Dinkla: „Er ist ein Vorbild – er hat über alle Parteigrenzen hinweg vermittelt.“ Offen blieb, was der ehemalige Landtagspräsident vermittelte, Zugang zu Netzwerken vielleicht? In Westerholt wohnen auch einige Großinvestoren – einer sei über seine Ehefrau mit Klaus Peters verwandt, so die Anwohner -, die mit den Enercon-Anlagen zum Leidwesen der betroffenen Bevölkerung die ostfriesische Landschaft vollstellen. Klaus Peters Schwiegervater war viele Jahre lang der Kämmerer der Samtgemeinde Holtriem, die ihren Sitz in Westerholt hat. Man kennt sich, nicht nur über den Zugang zu Netzwerken. Auch so lässt sich diskrete Investitionspolitik betreiben. Im Plattdeutschen nennt man übrigens dampfplaudernde Menschen, die viel reden, aber wenig zu sagen haben, „Schnacker“ oder „Windmakers“…

Anzeiger für Harlingerland, S. 3, 10. Oktober 2015

„Unsere Branche hat Riesenchancen“
STANDORT Enercon-Gesamtproduktionsleiter Klaus Peters referiert vor
Wittmunder Wirtschaftsrunde

Bild:
Klaus Peters, Gesamtproduktionsleiter bei Enercon, zog die Gäste mit seinem Vortrag im Auricher EEZ in den Bann

Der Referent blickt zurück, aber hauptsächlich nach vorn, und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.

AURICH/WITTMUND/MH – Wenn ein ostfriesisches Unternehmen etwas vorweisen kann, dann ist es Enercon in Aurich. Und so war die Wittmunder Wirtschaftsrunde – ein Netzwerk von Unternehmern, Schulen, Verbänden, Kammern, Handwerk, Bundeswehr,
Tourismus und mehr – im Energie-, Bildungs- und Erlebnis-Zentrum (EEZ) genau richtig aufgehoben. Die regenerativen Energien bilden in diesem Jahr ein Schwerpunktthema der Wirtschaftsrunde – da gab es keinen besseren Referenten als den Enercon- Gesamtproduktionsleiter Klaus Peters. Die Wirtschaftsrunde, 2007 von Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen initiiert – versteht sich als Austausch- und Informationsbörse. Man will im Gespräch bleiben – um den Standort Ostfriesland zu stärken, weiter nach vorne zu bringen.

Klaus Peters weiß, wie das geht. In seiner unnachahmlichen und fesselnden Art skizzierte er die Anfangsjahre von Enercon, von Alois Wobbens ersten Anfängen in der Garage und jetzt weltweit 40 Fabriken. Die Besucher staunten, als Peters plötzlich ein Foto der Wittmunder Peldemühle an die Leinwand projizierte. „Enercon hat die Windkraft nicht erfunden – die wird schon seit 2000 bis 3000 Jahren genutzt, damals gab es 15 000 Windmühlen an der Küste, das waren Handwerker.“ Gleich darauf zeigt Peters ein Foto vom Windpark Abens: „Das war für uns der Motor für die Region.“ Lange in die Vergangenheit schauen wollte der Referent nicht: „Wir müssen sehen, wo es in den nächsten zehn bis 15 Jahren hin geht.“

Dem Blick auf den Enercon-Standort Aurich mit seiner 500 Meter langen Rotorblattfabrikhalle und dem Forschungszentrum lässt Peters ein Zitat von Ghandi folgen: „Wenn du etwas zwei Jahre lang gemacht hast, betrachte es sorgfältig! Wenn du etwas fünf Jahre lang gemacht hast, betrachte es misstrauisch! Wenn du etwas zehn Jahre lang gemacht hast, mache es anders.“ Will sagen: „Auch wir denken über neue Verfahren in der Rotorblattherstellung nach“, so Peters. Die 800 Mitarbeiter in Aurich produzieren pro Woche 20 Rotorblätter der E-101-Anlagen. Den Transport, die ganze Logistik habe das Unternehmen mitorganisiert, etwa die Reaktivierung der Bahnstrecke in Aurich („Wir haben jetzt sechs eigene Lokomotiven“), jährlich legten 300 bis 400 Schiffe mit Enercon-Teilen im Umschlaghafen Emden ab. Die Schwertransporte auf der Straße erfolgten stets mit polizeilicher Begleitung. („Das zahlen wir.“)

Peters blickt auf die nächste Klimakonferenz im Dezember in Paris: „Nach dem Atomausstieg hat Deutschland wieder ein CO2-Problem, weil wieder mehr auf Kohlekraft gesetzt wird.“ Staaten wie die USA, China wollten weg von fossilen Brennstoffen. Peters: „Das bedeutet eine Riesenchane für unsere Branche.“ In seinem Unternehmen spüre er immer noch einen Spirit. Sicher seien auch Fehler gemacht worden, etwa im Umgang mit Betriebsräten. In einigen Werken gab es keine. „Wir mussten Kritik der IG Metall einstecken – aber wir haben es hingekriegt“, so Peters. Dann folgt plötzlich ein Zitat des Daila Lama: „Begegne Veränderungen mit offenen Armen – aber verliere dabei nicht deine Wertmaßstäbe.“ Vor allem jungen Leuten müsse man eine Chance geben. Enercon bildet jährlich mit großem Erfolg 80 junge Leute aus. Er zeigt Fotos von einigen; und gleich darauf eines vom früheren Landtagspräsidenten Hermann Dinkla (er sitzt in den Zuhörerbänken): „Er ist ein Vorbild – er hat über alle Parteigrenzen hinweg vermittelt.“ Der Vortrag mit Überraschungseffekt bleibt bis zum Schluss spannend. Dann nämlich zeigt Peters ein Foto von sich und Rolf Claußen, sagt: „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“ Claußen meinte abschließend: „Du hast uns die Philosophie von Enercon gut vermittelt – am Ende sind es die Menschen, die alles gestalten müssen.“ Peters blendet noch ein Zitat von Albert Einstein ein: „Fantasie ist wichtiger als Wissen.“

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