19. November 2015

Sturmtief „Iwan“ macht Mühlenschrott

Havarierte Tacke-TW 600

Havarierte Tacke-TW 600, Foto (C): Manfred Knake

Sturmtief „Iwan“ fegte in der Nacht zum 19. November 2015 eigentlich gar nicht so schrecklich über die niedersächsische Nordseeküste, aber er blies dieser 20 Jahre alten Tacke-TW-600 im Windpark Utgast/Gemeinde Holtgast/NDS das Lebenslicht aus, zwei Rotorflügel brachen ab. Die Flügeltrümmer wurden ca. 200 Meter weit weggeschleudert. Entgegen anderslautenden Meldungen brannte die Anlage nicht ab, so eine Polizeiauskunft. Unter dem Generatorgehäuse sind alte Ölspuren aus dem Getriebe zu sehen.

Windpark Utgast/Gemiende Holtgast: Die havarierte Anlage im Windpark, der derzeit mit wesentlich leistungsstärkeren Enercon-70-Anlagen repowert wird, direkt an einem EU-Vogelschutzgebiet, Foto (C): Manfred Knake

Windpark Utgast/Gemeinde Holtgast: Die havarierte Anlage im Windpark, der derzeit mit wesentlich leistungsstärkeren Enercon-70-Anlagen repowert wird, direkt an einem EU-Vogelschutzgebiet, Foto (C): Manfred Knake

Am 30. Oktober 2000 havarierte im Windpark Utgast eine andere Tacke-TW 600; damals wurde von einer Windböe ein Rotorblatt durch Mastanprall abgerissen, der Flügel zerplitterte mehr als 100 Meter entfernt auf einem Acker. Vier Wochen vor der damaligen Havarie wurde die Anlage noch einer Inspektion unterzogen.

Auch die Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ aus Wittmund berichtete über die am 19. November  havarierte Anlage (s.u.). Das Bemerkenswerte: An diesem nationalparknahen Windparkstandort in Utgast hätte es überhaupt keine Windkraftanlagen geben müssen, wenn z.B. der berichtende freie Mitarbeiter der Zeitung (Gerhard Frerichs, GFH) 1994 in seiner damaligen Eigenschaft als stellvertretender Bürgermeister von Holtgast nicht die „Vereinbarung“ mit der Herstellerfirma Tacke mit unterschrieben hätte. Damals verpflichtete sich Tacke, 500.000 DM an die Gemeinde Holtgast zu zahlen, wenn die Gemeinde den Windpark Utgast „behördlich genehmige“. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Einflussnahme der damaligen Bezirksregierung Weser-Ems und des damaligen Oberkreisdirektors wurde die Vereinbarung in einen „Schenkung“ umgewandelt. Herr F. ist noch heute Ratsmitglied in der Gemeinde Holtgast. Es ist eben alles überschaubar auf dem Lande… Details mit dem verlinkten Vertragstext hier:  Windenergie Utgast/Gemeinde Holtgast/NDS: Wie ein Dorf unter die Windräder geraten ist

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Anzeiger für Harlingerland, Wittmund/NDS, S. 1, 20. Nov. 2015

Windkraftanlage zerstört

UNGLÜCK Trümmerteile im Umkreis von 200
Metern in der Landschaft verstreut Während des Sturms wurde gestern eine Windenergieanlage in Utgast beschädigt. Zwei Flügel fielen herab.

UTGAST/GFH/HÄ – In der Nacht zu gestern wurde im Windpark Utgast an der Mimsteder Straße eine Windenergieanlage (WEA) zerstört. Um 6.20 Uhr erreichte die Freiwillige Feuerwehr Holtgast die Alarmierung „Windkraftanlage im Windpark Utgast brennt“. Ein Autofahrer hatte ein vermeintliches Feuer gesichtet und die Feuerwehr alarmiert. 20 Wehrleute unter Leitung von Ortsbrandmeister Harald Frerichs rückten mit drei Fahrzeugen zur Schadenstelle aus. Noch während der Anfahrt meinten sie, in der Höhe einer Gondel ein Kleinfeuer zu sehen. Vor Ort war kein Feuer feststellbar. Jedoch waren zwei Flügel einer Tacke-Windenergieanlage der Betreiber „Das grüne Emissionshaus GmbH“, Freiburg, derart beschädigt, dass sie in mehrere Teile gerissen wurden und zu Boden stürzten. Die Trümmer der zerstörten Windenergieanlage wurden in einem Umkreis von knapp 200 Metern um die Anlage verstreut. Betreiber umliegender Anlagen vermuteten, dass sich die Bremse beim Sturm „Heini“ festgelaufen, dann aber wieder gelöst und erhitzt hat, so dass es zu dem Unglück kam. Ob es möglicherweise zu einem Brand am Rotorkopf gekommen ist, konnte die Polizei gestern aufgrund des Sturmes noch nicht sagen. Untersuchungen waren noch nicht möglich. Der Gefahrenbereich wurde weiträumig abgesperrt. Die Feuerwehr, Servicemitarbeiter der Anlage und Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde waren vor Ort.

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