12. April 2016

Windenergie und Mäusebussard: „potenziell bestandsgefährdende Entwicklung“

Windpark Utgast/LK Wittmund/NDS: durch Rotoranflug zerteilter Bussard

Windpark Utgast/LK Wittmund/NDS: durch Rotoranflug zerteilter Bussard. In diesem Windpark wurden schon mehrere Bussarde zufällig tot gefunden, auch während der Brutzeit. Derzeit wird dieser Windpark, der direkt an das EU-Vogelschutzgebiet V63 angrenzt, repowert. Die neu genehmigten Anlagen stehen nur ca. 300 Meter vom Vogelschutzgebiet entfernt, es sollten nach fachlichen Empfehlungen aber 1.200 Meter sein! Foto (C): Manfred Knake

Die PROGRESS – Studie über Kollisionsraten von (Greif-) Vögeln, über die in der Zeitschrift „Der Falke“ in Heft 3/2016 berichtet wurde, wurde bisher nicht veröffentlicht:

Windenergie und Mäusebussard: „Wir haben eine potenziell bestandsgefährdende Entwicklung“:

„[…] Man kann vieles erwägen, letztlich ist die Gesetzgebung entscheidend. Bisher ist der Mäusebussard überhaupt nicht planungsrelevant, weil er kaum betrachtet wurde und weil die Bestände auch noch recht hoch sind. Aber nach unserenErgebnissen müssen wir nun die Erheblichkeitsfrageeindeutig und leider mit „Ja“ beantworten: Das Ganze kann soweit gehen, dass es bestandsgefährdend ist. Auch wenn der Mäusebussard heute noch einer der häufigsten Greifvögel in Deutschland ist: In diesem Punkt unterscheidet er sich nicht vom Rotmilan, auf den eine viel größere Aufmerksamkeit gerichtet ist. Natürlich sind das Simulationen und keine Experimente. Aber unter den Annahmen der Daten, die uns zur Verfügung stehen, ist eine deutliche Bestandsabnahme eben meist das wahrscheinlichste Szenario. Diesem Ergebnis der Simulationen muss man nun ins Auge sehen und überlegen, wie man damit umgeht. […] Wir haben 55 Windparks in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit über 500 Windenergieanlagen immer wieder innerhalb von zwölf Wochen abgelaufen, um Schlagopfer zu suchen. PROGRESS ist die größte Studie weltweit, die zu diesem Thema bisher gelaufen ist. […]

 2014 und 2015 wurden der Brutbestand und der Bruterfolg des Mäusebussards auf zwei größeren Probeflächen im Landesteil Schleswig untersucht, für welche Vergleichsdaten aus früheren Jahrzehnten vorliegen. Dabei wurde festgestellt, dass das aktuelle Bestandsniveau des Mäusebussards auf etwa ein Drittel des Bestandes zur Jahrtausendwende zurückgegangen ist. Die wahrscheinlichste Ursache für diesen Rückgang scheint die festgestellte geringe Überlebenswahrscheinlichkeit der Nestlinge zu sein.[…]“…

…führt Professor Oliver Krüger, Professor für Verhaltensforschung an der Universität Bielefeld, aus. Er ist an dem Projekt mit dem Namen „Prognosis and assessment of collision risks of birds at wind turbines in northern Germany“, kurz PROGRESS, beteiligt.Das Projekt „Progress“ wurde von BioConsult SH in Zusammenarbeit mit ARSU, IfAÖ und der Universität Bielefeld durchgeführt. Es galt der Ermittlung der Kollisionsraten von (Greif-) Vögeln und der Schaffung planungsbezogener Grundlagen für die Prognose und Bewertung des Kollisionsrisikos durch Windenergieanlagen. Suche nach Kollisionsopfern von Vögeln (und Fledermäusen) gelten als ein zentrales Konfliktfeld zwischen dem Ausbau der Windenergienutzung und dem Naturschutz. Da zahlreiche Vogelarten und alle Greifvogelarten besonderen gesetzlichen Schutz genießen, ist das Tötungsrisiko ein zentrales artenschutzrechtlichers Genehmigungskriterium in den Genehmigungsverfahren. Mehr hier (.pdf): Projektbeschreibung Progress

Der Mäusebusard ist eine streng geschützte Vogelart. Die Genehmigungsbehörden müssten aufgrund dieser Aussagen nun ernsthaft die Möglichkeiten der Abschaltung von Windkraftanlagen während der Brutzeit in Erwägung ziehen. Der Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes „Tötungsverbot“ bietet dazu die Handhabe.

Die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg trägt seit dem Jahr 2002 verfügbare Daten zu Kollisionen von Vögeln und Fledermäusen an Windenergieanlagen  in Europa und Deutschland zusammen.Es handelt sich in der Regel um Zufallsfunde!

Die Reaktion zur Gefährdung des Mäusebussard durch Windkraftanlagen aus der Online-Veröffentlichung „Erneuerbare Energien“ vom 07. Januar 2016:

“ […] Fokus auf Mäusebussard
Doch es kommt noch schlimmer. Lars Lachmann, Referent Ornitologie in der Bundesgeschäftsstelle des Nabu, erklärt, was den eigentlichen Neuigkeitswert der Studie ausmacht: „Das Zwischenergebnis der Progress-Studie zeigt, dass Rotmilan und Mäusebussard durch die Windkraft in der Population bedroht sind.“ Der Mäusebussard war bisher noch nicht im Visier der Vogelschützer. Und mit ihm hat die Windbranche ein weit größeres Problem als mit dem Rotmilan. Denn: „Man wird wenige Standorte finden, an denen kein Mäusebussard ist.“ Mit anderen Worten: Würde der Mäusebussard zum Ausschlusskriterium für die Windkraft, könnte das den Windkraftausbau komplett lahm legen, weil diese Vogelart überall in Deutschland vorkommt. […]“

Die Lobby weiß indes auf alles eine Antwort: Das Gutachter-Unternehmen Kohle- Nusbaumer aus Lausanne/CH hat eine durchsichtige „Expertise“ erstellt, um den Nachweis zu führen, dass das Kollisionsrikio von Vogelarten am Beispiel des Rotmilans ein „Scheinproblem“ sei:

Windenergie und Rotmilan: Ein Scheinproblem, 09. Februar 2016
KohleNusbaumer SA
Chemin de Mornex 6
Case postale 570
1001 Lausanne
Tél. 021 341 27 46
info@kn-sa.ch
www.kn-sa.ch

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