19. April 2016

Johann Saathoff (MdB): SPD-Windmacher in Berlin

Screenshot (Bildzitat), Deutscher Bundestag, Johann Saathoff (SPD)

Screenshot (Bildzitat), Deutscher Bundestag, Johann Saathoff (SPD)

Einer der sozial-demokratischen ostfriesischen „Leuchttürme“ (oder Windtürme?) der Bundespolitik ist Johann Saathoff (SPD), bis 2013 Bürgermeister der Gemeinde Krummhörn im Landkreis Aurich; nun sitzt er als Windkraft-Lobbyist als Bundestagsabgeordneter im Deutschen Bundestag:

SPD Stadtverband und Ratsfraktion diskutiert mit Johann Saathoff über die Zukunft der Windenergie
24. März 2014
„Johann Saathoff ist als einer der fünf Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion für das Erneuerbare Energien-Gesetz genau der richtige Ansprechpartner zu diesem Thema“, betonte Stadtverbandsvorsitzender Wiard Siebels in seiner Begrüßung.In seinen Ausführungen habe Saathoff zunächst einen Überblick über die geplanten Regelungen gegeben. Mit Blick auf die für Aurich so wichtige Windkraft an Land führte Saathoff aus, dass es nicht darum gehe, den Ausbau der Windkraft zu bremsen.[…]

Die ständig anwachsenden Proteste gegen die Verlärmung und Entstellung seiner ostfriesischen Heimat hat er aus dem Blick verloren:

Ostfriesland wird zum Schaufenster für Intelligente Energie
01. Dezember 2015

Gute Nachrichten für Ostfriesland: das Bundeswirtschaftsministerium hat entschieden, dass das Projekt enera mit 53 Millionen Euro und damit einem wesentlichen Teil der Fördermittel aus dem Förderprogramm „Schaufenster intelligente Energie“ gefördert wird.
Bei enera handelt es sich um ein Großprojekt, mit dem anhand von Praxistests gezeigt werden soll, wie die Energiewende in Deutschland hin zu einer Versorgung von 100 Prozent erneuerbarer Energien umgesetzt und Hindernisse überwunden werden können. Eigen- und Fördermittel des Projektes haben zusammen ein Volumen von rund 200 Millionen Euro.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung und lobte die Region: „Damit macht sich die Pionierarbeit, die Ostfriesland bei dem Ausbau und der Versorgung mit erneuerbaren Energien über Jahrzehnte geleistet hat, wieder einmal bezahlt. Die EWE hat einen von Anfang an einen überzeugenden Projektvorschlag geliefert und zu Recht den Zuschlag bekommen“. Die Modellregion, die aus den Landkreisen Aurich, Wittmund und Friesland sowie der Stadt Emden besteht, bietet ideale Voraussetzungen: Der Gesamtverbrauch der Region wird bereits heute bilanziell zu mehr als 100 Prozent aus vor Ort erzeugter erneuerbarer Energie gedeckt. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen dann bei dem zukünftigen Ausbau der erneuerbaren Energien in ganz Deutschland Beachtung finden. Auch deshalb betonte Saathoff: „Weltweit ist Deutschland bei der Energiewende Vorbild. Und Vorbild für Deutschland ist Ostfriesland. Die Energiewende findet damit direkt bei den Menschen in Ostfriesland statt. Sie tragen damit nicht nur die Kosten, sie haben nun auch die Chance, unmittelbar davon zu profitieren.“ […] Das Projekt soll nach derzeitigen Planungen 2016 starten und ist auf vier Jahre angelegt.“

Windpark Utarp/LK Wittmund: Viele Ostfriesne haben es satt, in solchen "Schaufenstern" zu lebeben. Foto (C): Manfred Knake

Windpark Utarp/LK Wittmund: Viele Ostfriesen haben es satt, in solchen „Schaufenstern“ zu leben. Foto (C): Manfred Knake

Saathoff ist ein SPD-Parteisoldat und politischer Windmacher, offensichtlich bar jeder Kenntnis der Physik. Auch in Ostfriesland findet keinesfalls eine „Energiewende“ statt. Der Strom aus Wind- und Solarenergie wird auch in Ostfriesland völlig unregelmäßig in das Stromnetz eingespeist, eine von Saathoff konstatierte „Versorgung“ findet nicht durch Wind- oder Solarstrom, sondern durch die zwingend notwendigen Kohle-, Gas oder verbliebenen Atomkraftwerke statt, die das Netz stabil halten. Der angebliche von ihm erwähnte „Gesamtverbrauch der Region wird bereits heute bilanziell zu mehr als 100 Prozent aus vor Ort erzeugter erneuerbarer Energie gedeckt“ ist eine Scheinwahrheit, eben nur „bilanziell“ aber nicht in der Realität, weil die Masse des erzeugten Stromes nicht bedarfsgerecht, eben windabhängig, produziert wird und gar nicht verbraucht werden kann. Finanzierbare und effiziente Speicher gibt es nicht, auch wenn immer wieder Propagandameldungen eines Windkraftherstellers in der Presse -in der Regel unkommentiert – darüber lanciert werden.

Der Anteil der Windkraft am Primärenergieverbrauch betrug 2015 in Deutschland „gewaltige“ 2,3 Prozent (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft ud Energie, pdf Primaerenergieverbrauch_2015). Auch in Ostfriesland ist die Windenergie ein Geschäftsmodell für wenige Betreiber, die sich an den Pfründen des Erneuerbare Energien Gesetzes mästen, zu Lasten der lärmgeschädigten Anwohner und mit der damit verbundenen Entstellung der ehemals weiten ostfriesischen Landschaft. Die SPD hat sich erkennbar zum Sprachrohr dieses eng geflochtenen Netzes von Hersteller, Finanzierern, Vermarktern, Projektierern und Investoren gemacht und damit zur energetisch nutzlosen Industriealisierung und Verhunzung dieses Landstriches, der nun gar als „Schaufenster“ angepriesen wird, erheblich beigetragen.

Wattenrat-Links zu MdB Saathoff: http://www.wattenrat.de/tag/johann-saathoff/

Nachsatz: Ein bekannter Spruch in Ostfriesland lautet: „Wenn man einem Besenstiel ein SPD-Plakat umhängt, wird er gewählt.“

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