8. Oktober 2016

Windenergiewirtschaft will Deutungshoheit über Artenschutz

Mäusebussard © Gordana und Ralf Kistowski

wunderbare-Erde.de: Mäusebussard Foto ©: Gordana und Ralf Kistowski

Übernahme des nachfolgenden Textes mit freundlicher Genehmigung von der Seite der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE):

Am 17. November 2016 möchte die Fachagentur Windenergie an Land in Hannover über die „Ergebnisse aus dem Forschungsvorhaben Progress“ diskutieren. Dominiert wird das Programm von Vertretern der Windenergiewirtschaft, was nicht verwundert. Hinter der klangvollen Bezeichnung „Fachagentur Windenergie an Land“ stecken deutsche Wirtschafts- und Umweltministerien (aber auch der Deutsche Naturschutzring). Sie sind mit der Windenergiewirtschaft aufs Engste verbunden. Die Windenergiewirtschaft sucht die Deutungshoheit über den Artenschutz und das Artenschutzrecht zu gewinnen. Diesem Zweck soll die Veranstaltung dienen.

Die EGE hat die Ergebnisse der so genannten Progress-Studie bereits kurz nach Erscheinen im Juli 2016 kommentiert. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 124 KB), wenn Sie den Kommentar der EGE lesen möchten.

In der Zeitschrift „Naturschutz und Landschaftsplanung“ (Heft 10/2016) ist gerade ein weiterer Kommentar zur Progress-Studie erschienen. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Kommentar mit dem Titel „Hoher Aufwand, vage Ergebnisse“ lesen möchten.

So ist die EGE nicht die einzige kritische Stimme in der Sache. Von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten hat man zur Progress-Studie nichts gehört, was allerdings auch nicht verwundert. Seit der Veröffentlichung ihrer „Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten“ dürfte diese Arbeitsgemeinschaft kaum mehr Kritisches zur Windenergiewirtschaft veröffentlichen dürfen, unterstehen die Vogelschutzwarten doch den aufs Engste mit der Windenergiewirtschaft verbundenen Umweltministerien. Als Preis, diese Empfehlungen überhaupt veröffentlichen zu dürfen, musste der Mäusebussard zuvor aus der Liste der an Windenergieanlagen kollisionsgefährdeten Vogelarten auf Betreiben der Ministerien gestrichen werden. Immerhin: Dank der Ergebnisse aus der Progress-Studie steht nun außer Frage: Der Mäusebussard zählt zu den Hauptbetroffenen. Jetzt will die Windenergiewirtschaft die Schäden begrenzen: Allerdings nicht die Opferzahlen, sondern die rechtlichen Konsequenzen für die Branche. Man möge es der EGE nachsehen: für die Veranstaltung der Fachagentur Windenergie wirbt sie nicht.

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