23. Mai 2017

Naturschutz in Ostfriesland „hat fertig“

Nichts dokumentiert den Tiefstand des Naturschutzschutzes in Ostfriesland so treffend, wie es auf einer Zusammenkunft zu einem möglichen Biosphärenreservat in der Krummhörn/LK Aurich deutlich wurde. Die Lokalzeitung „Ostfriesischer Kurier“ aus Norden im Landkreis Aurich berichtete über das Treffen am 20. Mai 2017. Aus dem Bericht „Kaum Interesse an Erweiterung des Biosphärenreservats- Informationsveranstaltung in der Krummhörn zum Unesco-Projekt“ stammen die in Anführungsstrichen entnommenen Zitate.

Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer: „Ausdrücklich gehe es nicht darum, neue Naturschutzgebiete zu installieren. ´Das ist das Letzte, was wir wollen`, stellte Nationalparkverwaltungsleiter Peter Südbeck klar.“

Ausgerechnet vom  bündnisgrünen Bundestagskandidaten Agena kam dies: „Garrelt Agena, Bio-Bauer und Bundestagskandidat der Grünen, nannte den jährlichen Gänsefraß als erhebliches Problem für die Landwirtschaft und wollte von einem Ausbau der Zugvogeltage wenig wissen.“ [Anmerkung Wattenrat: Bauern, die am Vertragsnaturschutz teilnehmen, erhalten bereits eine Kompensationszahlung pro Hektar und Jahr für tatsächliche und auch für nicht eingetretene Fraßschäden; der Nordwesten Niedersachsens ist ein Hauptüberwinterungsgebiet für arktische Gänse; die Bauern wollen mehr Geld sehen. Fraßschäden treten auf, davon sind aber weitem nicht alle ostfriesisschen Landwirte betroffen. Und nicht alles, was als Fraßschaden deklariert wird, ist auch ein Fraßschaden!]

Touristik-Chef Ludger Kalkhoff: „Was mich viel mehr interessiert: Wie kommen wir ans Geld?“


Und dann waren da noch „Bekämpfung der Armut, Hungersnöte oder hochwertige Bildung und die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften“, offensichtlich brennende Kernthemen für ein Biosphärenreservat in Ostfriesland.

Blick aufs Festland aus dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer (Langeoog Fahrwasser) auf die Küste bei Dornum/LK Aurich (unvollständiger Ausschnitt!). Das Bild ist aus 2015, inzwischen wurden weitere Windparks errichtet. Foto (C): Manfred Knake

Ob ein Biosphärenreservat an der ostfriesischen Küste überhaupt noch sinnvoll ist, ist zudem fraglich. Das Gebiet ist weiträumig mit riesigen Windparks vollgestellt, nicht weit vom EU-Vogelschutzgebiet „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“ und dem direkt angrenzenden Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ entfernt. Es geht wohl tatsächlich nur noch um das Abschöpfen der Fördergelder, Inhalte erscheinen nebensächlich. Die Küstenlandschaft ist bereits großflächig durch die Intensivlandwirtschaft und hunderte Windkraftanlagen „nachhaltig“ entstellt, Naturschutz zur Fiktion geworden, der auch mit immer neuen Etiketten nicht verbessert wird. Der Naturschutz „hat fertig“!

—-

Ostfriesischer Kurier, Norden, NDS, 20. Mai 2017

Kaum Interesse an Erweiterung des Biosphärenreservats 
UMWELT Informationsveranstaltung in der Krummhörn zum Unesco-Projekt erhält nur wenig Besucher

KRUMMHÖRN/PS – Vertreter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer trafen sich am vergangenen Mittwochabend in der Schule der Krummhörn, um das großflächige Entwicklungsprojekt der Öffentlichkeit vorzustellen. Es geht um Förderungen in einer Gesamthöhe von 54 Millionen Euro (wir berichteten). […]

 

Be Sociable, Share!

Comments are closed.