Auf Sand gebaut…

Karte der Insel Langer Oge von Karl Ludwig von Le Coq 1805 – Hauptinsel Westerende mit Inseldorf und zwei Teilinseln, auf dem Osterende eine Siedlung, Quelle: Wikipedia

Auf der Insel Langeoog haben die Strandaufspülungen zur Inselsicherung begonnen. Diese sich periodisch wiederholenden starken künstlichen Eingriffe in das Wattensediment des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ sind notwendig, um die Infrastruktur auf der Insel zu schützen und den Tourismusbetrieb aufrechtzuerhalten. Finanziert wird diese Maßnahme aus Mitteln der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK-Mittel). Der erforderliche Sand wird mit einem Hopperbagger entnommen und dann mit Rohrleitungen weitertransportiert. Ohne die Aufspülungen und Strandverstärkungen würde die Insel ganz natürlich durch Wind und Wellengang irgendwann durchbrechen und in mehrere Teile getrennt werden, wie es in der Vergangenheit schon mehrfach geschehen ist. Die Insel würde ohne Küstenschutzmaßnahmen ständig ihre Lage verändern, wandern oder pendeln. Auf allen ostfriesischen Inseln, die bewohnt sind und touristisch genutzt werden, sind nach starken Sturmfluten auch Strandaufspülungen und Reparaturen an den Dünenabbrüchen nötig, um die Strände für den Tourismus zu erhalten und die Insel zu sichern. weiter »

Reloaded: Chronologie der Umgehungsstraße Bensersiel, Teil 2

Alles nicht so ernst gemeint? Sperrung der Ortsumgehung Bensersiel. Das Schild wurde von Spaßvögeln (eigentlich keine vorkommende Art im Vogelschutzgebiet!) mit einer Smiley-Folie überklebt. Foto (C): Manfred Knake

Bereits am 05. April 2014 erschien hier die erste „Chronologie“ über die rechtswidrig gebaute Umgehungsstraße um den Küstenbadeort Bensersiel in einem europäischen Vogelschutzgebiet, das wiederum direkt an den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ grenzt. Inzwischen sind drei Jahre vergangen, die Chronologie muss ergänzt werden. Vor einigen Wochen ist die „kommunale Entlastungsstraße“ für den öffentlichen Verkehr – halbherzig – gesperrt worden. Die Straße gehört jetzt zum Grundbesitz des zu unrecht enteigneten Landeigentümers, dem die Straße nach den Gerichtsurteilen nun „zugewachsen“ ist, wie es im Juristendeutsch heißt. Und der Landeigentümer hat auch den sog. „Folgenbeseitigungsanspruch“, er kann also den Rückbau dieser „schwarz“ gebauten Straße verlangen. Ob es soweit kommt, wird sich zeigen. Die Stadt Esens möchte den Rückbau vermeiden. Gespräche in diese Richtung wurden bereits mit dem Landeigentümer vor wenigen Tagen geführt, Details ganz unten.

Umgehungsstraße Bensersiel, Stadt Esens, LK Wittmund/NDS

Chronologie eines unglaublichen Straßenbauverfahrens – verfasst am 19. Juli 2017 von Manfred Knake:

* 2000: Beginn des Planfeststellungs- und Flurbereinigungsverfahrens, Enteignung des Landeigentümers durch „Besitzeinweisung“

* 2003: Öffentliches Beteiligungsverfahren mit den Trägern öffentlicher Belange und Naturschutzverbänden, Einwendungen von BUND und Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU vertreten durch den Wattenrat Ostfriesland), der NABU gibt keine Stellungnahme ab. Der NABU-Kreisvorsitzende von Wittmund, Axel Heinze (SPD), ist Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Esens und stimmt für den Bau der Umgehungsstraße. Im Sommer Übergabe von mehr als 200 Unterschriften durch Bensersieler Bürger und Geschäftsleute gegen den Bau der Umgehungsstraße im Rathaus Esens an die stellv. Bürgermeisterin Ursula Uden (SPD). Man wolle den Besucherverkehr im Ort behalten. weiter »

Rezension: „Natur Natur sein lassen“

Heute stellen wir Ihnen ein aktuelles Buch zur Entstehung des ersten deutschen Nationalparks vor: der Bayerische Wald. Die Gründerväter waren noch ganz andere Kaliber als die nicht wenigen heutigen behördlichen Naturschutzverwalter, die z.B. den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer – oder was dafür gehalten wird – „managen“. Die tatsächlichen Zustände an der Küste sind den Wattenrat-Leserinnen und Lesern bekannt. Auch durch das Adelsprädikat „Weltnaturerbe“ – eingefädelt von Politikern und Tourismusmachern – hat sich die marode Naturschutzsituation im und am Wattenmeer nicht verbessert, im Gegenteil. Der Nationalpark Wattenmeer und das „Weltnaturerbe“ wurden zur Beute der Tourismusindustrie. Deshalb der Hinweis auf die Neuerscheinung „Natur Natur sein lassen“. Die Rezension verfasste Wilhelm Breuer, bei Naturschutzfachleuten kein Unbekannter. Breuer ist Geschäftsführer der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE), von deren Webseite wir seine Rezension mit freundlicher Genehmigung übernommen haben.

Natur Natur sein lassen. Die Entstehung des ersten Nationalparks Deutschlands: Der Nationalpark Bayerischer Wald. Hans Bibelriether (2017). 978-3-942509-61-9, 260 S., 14 x 21,5 cm, € 19,90 (A € 20,50) E-Book: € 7,99 weiter »

Bürgerprotest gegen politischen Windwahn in Jever

Protest in Sandel, Foto: Manfred Knake

Nicht nur in Ostfriesland, auch im angrenzenden Jever und Umgebung im Landkreis Friesland (Wangerland) brodelt es. CDU, SPD und Grüne im Stadtrat von Jever halten unbeeindruckt von den Protesten der Einwohner der umgebenden Ortschaften an den Ausbauplänen für noch mehr Windparks fest, die bis zu 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung entstehen könnten. Dagegen sind die FDP und die SWG (Soziale Wählergruppe Jever und Friesland). Nach den Erkenntnissen zu den Auswirkungen des tieffrequenten Schalls auf den menschlichen Körper wären die Entscheidungen zu den geringen Abständen zu Wohnhäusern vorsätzliche Körperverletzung! Auch mehr als 1200 Unterschriften gegen den „Windwahn“ konnten die meisten Ratsmitglieder nicht von ihren Beschlüssen abbringen. Wer hat diese „Volksvertreter“ angefixt, wer von diesen gnadenlosen Politikern verdient später an den Anlagen mit, welcher Hersteller wird die Anlagen bauen? Details zu einer bemerkenswerten Ratssitzung lesen Sie hier in der ausführlichen Berichterstattung in der Lokalpresse: 27Juni2017_Windkraft_Jever_Friesland (.pdf). Der ebenfalls abgedruckte Leserbrief bezieht sich auf den Windpark Stedesdorf im Landkreis Wittmund. Einen weitere Leserbrief zu den Protesten im Wangerland können Sie am Ende des Beitrages lesen.
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„Ausflugsfahrten ins Wattenmeer“: Zertifikats-Geschwurbel

Für jeden etwas im vermarkteten „Weltnaturerbe“; der „Nationalpark“ kommt gar nicht mehr vor. Foto: Manfred Knake

Was lange währt, wird manchmal gut, manchmal. Nach 31 Jahren des Bestehens des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer bieten die Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge gemeinsam mit dem Nationalpark-Haus Carolinensiel und dem Wattwander-Zentrum Ostfriesland „Ausflugsfahrten ins Wattenmeer auf einem neuen Qualitätsniveau an“. Die Nummer nennt sich nun „Nationalpark-Erlebnisfahrten“, gemeint sind die altbekannten Ausflugsfahrten zu den Seehundbänken und das sog. „Schaufischen“. Und wie sollte es anders sein, jetzt mit „Zertifikat“ der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. Die Zertifizierung beinhaltet u.a., dass der Zertifikatsinhaber sich verpflichtet, „die Ziele des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer anzuerkennen und zu unterstützen“. Wer hätte das gedacht? Auch ohne das Zertifikat ist jedermann verpflichtet, nicht nur die Schiffsführer, sich an die Regeln des Nationalparkgesetzes zu halten. Man stelle sich vor, Autofahrer bekämen ein Zertifikat dafür, dass sie sich an die Verkehrsregeln halten und nicht bei Rot über die Ampeln fahren… weiter »

Umgehungsstraße Bensersiel im europäischen Vogelschutzgebiet: „Fake News“ in Brüssel von der Industrie- und Handelskammer

Drachenfest am Strand von Norderney/Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer – an der langen Leine: aufgeblasener Esel und anderes Getier heben ab…Foto (C): Eilert Voß

In der aktuellen Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) wird deren Präsident Dr. Bernhard Brons anlässlich eines IHK-Treffens im Haus des Europäischen Parlaments in Brüssel zitiert. Schirmherr der Veranstaltung war der Hamburger Europaabgeordnete Knut Fleckenstein (SPD). Wirtschaftslobbyist Dr. Brons äußerte sich dort auch zur „schwarz“ gebauten Umgehungsstraße Bensersiel/Stadt Esens im Landkreis Wittmund.

Zitat: „[…] Für eine deutliche Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben hat sich jetzt der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg, Dr. Bernhard Brons, in Brüssel ausgesprochen. Bei einer Veranstaltung der in der IHK-Nord zusammengeschlossenen 12 Küsten-IHKs Anfang dieser Woche im Haus des Europäischen Parlaments führte Brons zahlreiche Beispiele an, wie die überlange Dauer bei Planung und Bau von Infrastrukturvorhaben die wirtschaftliche Entwicklung der Region behindern. […] Auch im Bereich Straße gebe es Entwicklungen, die nur schwer nachvollziehbar seien: „Völlig absurd“ nannte Brons den Streit um die Umgehungsstraße im Küstenort Bensersiel. Die Straße bringe für die Ortsdurchfahrt Bensersiel die erhoffte Entlastung. Nach Klagen eines Anliegers sei die Samtgemeinde Esens zum Rückbau der Straße verurteilt worden, weil die Abgrenzung zu einem Vogelschutzgebiet vom Land fehlerhaft vorgenommen wurde. Um die Situation noch „irgendwie zu retten“, hätten sich die Samtgemeinde und der Landkreis Wittmund jetzt darauf verständigt, die Straße erst einmal zu sperren und den Bau nachträglich zu legitimieren. Jahrelange Planungsarbeiten hätten sich nicht als gerichtsfest erwiesen, und der Verkehr quäle sich rechtzeitig zum Auftakt der Saison wieder durch Bensersiel – für den IHK-Präsidenten „ein Ostfriesenwitz der schlechten Sorte“. […]“ Zitat Ende

Absurd und vor allem unrichtig ist nur die Darstellung von Dr. Brons in Brüssel: Weder ist die Stadt Esens zu einem Rückbau der Umgehungsstraße verurteilt worden, noch gab es nur eine „Verständigung“ zur Straßensperrung. Richtig ist in der Tat die fehlerhafte Abgrenzung des EU-Vogelschutzgebietes V63 „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“ durch das Land Niedersachsen, um den Straßenbau aus tourismuswirtschaftlichen Gründen überhaupt zu ermöglichen und vermeintlich rechtssicher zu machen. Richtig ist vor allem, dass die Ignoranz der Mehrheit der Ratsmitglieder der Stadt Esens zusammen mit der damaligen Verwaltungsspitze verantwortlich für die Planungen der Straße waren. Die warnenden Einwendungen gegen die Straßenplanungen in einem „faktischen Vogelschutzgebiet“, unabhängig von der fehlerhaften Abgrenzung durch das Land Niedersachsen, wurden im damaligen Beteiligungsverfahren (2003) ignoriert und einfach mehrheitlich „weggewogen“. Die teuren Folgen sind bekannt. weiter »