14. Juli 2017

Bürgerprotest gegen politischen Windwahn in Jever

Protest in Sandel, Foto: Manfred Knake

Nicht nur in Ostfriesland, auch im angrenzenden Jever und Umgebung im Landkreis Friesland (Wangerland) brodelt es. CDU, SPD und Grüne im Stadtrat von Jever halten unbeeindruckt von den Protesten der Einwohner der umgebenden Ortschaften an den Ausbauplänen für noch mehr Windparks fest, die bis zu 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung entstehen könnten. Dagegen sind die FDP und die SWG (Soziale Wählergruppe Jever und Friesland). Nach den Erkenntnissen zu den Auswirkungen des tieffrequenten Schalls auf den menschlichen Körper wären die Entscheidungen zu den geringen Abständen zu Wohnhäusern vorsätzliche Körperverletzung! Auch mehr als 1200 Unterschriften gegen den „Windwahn“ konnten die meisten Ratsmitglieder nicht von ihren Beschlüssen abbringen. Wer hat diese „Volksvertreter“ angefixt, wer von diesen gnadenlosen Politikern verdient später an den Anlagen mit, welcher Hersteller wird die Anlagen bauen? Details zu einer bemerkenswerten Ratssitzung lesen Sie hier in der ausführlichen Berichterstattung in der Lokalpresse: 27Juni2017_Windkraft_Jever_Friesland (.pdf). Der ebenfalls abgedruckte Leserbrief bezieht sich auf den Windpark Stedesdorf im Landkreis Wittmund. Weitere Leserbriefe zu den Protesten im Wangerland können Sie am Ende des Beitrages lesen.

Foto: Manfred Knake

Protest in Sandel, Foto: Manfred Knake

Nachtrag 15. Juli 2017: Anlässlich des einstündigen Bühnenauftrittes der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Neuharlingersiel vor der dortigen Kutterkulisse protestierten einige Windkraftbetroffene aus Jever mit diesemTransparent. Von ostfriesischen Initiativen ist kein Protest beim Kanzlerinnenbesuch bekannt. Es wäre so schön gewesen…

Dieses Transparent wurde in Neuharlingersiel anlässlich des Kurzbesuches der Bundeskanzlerin gezeigt. Foto: Manfred Knake

Leserbriefe: Anzeiger für Harlingerland, Wittmund,  S.12, 01. Juli 2017

Die Bürger haben für Öffentlichkeit gesorgt

Betrifft: Windkraftpläne im Wangerland
Die Ratssitzung in Jever zur Potenzialstudie zur Ausweisung von weiteren Windindustriegebieten vom Südwesten bei Sandelermöns bis in den Norden der Stadt Jever war für mich schockierend. Nur auf Grund der Bürger im Südwesten wurde Öffentlichkeit für die Ratssitzung geschaffen. Ohne diesen Aufschrei wäre der jetzt eingeschlagene Weg mit seinen weitreichenden Folgen für alle Bürger nahezu lautlos über die Bühne gegangen. Damit es nicht zu Lasten der Bürger von Stadt und Land endet, möchte ich noch einmal die Sitzung Revue passieren lassen.

Vor der Abstimmung zur Fortführung der in der Potenzialstudie dargestellte Möglichkeit für weitere Windindustriegebiete im Bereich der Stadt wurde von einer Bürgerin folgende Frage an die Parteien gestellt: Können Sie sich vorstellen, von drei Seiten, aus der Hauptwindrichtung im Bereich von Windenergieanlagen zu wohnen? FDP und SWG haben eine klare Position gegen den weiteren Ausbau der Windindustrie bezogen. Die Begründung: Die Stadt verbaut sich die einzige Möglichkeit, weiter zu expandieren und Wohnraum zu schaffen; zudem habe der Ausbau der Windkraft einen negative Einfluss auf den Tourismus. Das politische Soll der Stadt Jever ist mit 30 Megawatt installierter Leistung um das Dreifache übererfüllt. Es besteht kein Bedarf für insgesamt 90 Megawatt aus den möglichen zusätzlichen 30 Windindustrieanlagen bis 200 Meter Höhe. Die Energie kann mangels Leitungstrasse nicht zu den Kunden im Süden der Republik gebracht werden. Zur Netzstabilität müssen Anlagen bei voller Bezahlung für den nicht gelieferten Strom abgeschaltet werden. Das alles zu Lasten der Allgemeinheit über den Strompreis und uneingeschränktem Einsatz von Kohlekraftwerken zur Sicherstellung der Netzstabilität bis zu den Fragen für die gesundheitlichen Auswirkungen von Schattenschlag, Geräuschimmission inklusive Infraschall.

Die CDU-Fraktion möchte sich dazu nicht äußern. Sie hat dafür gestimmt, die Potenzialstudie weiter zu verfolgen. Wie kann man etwas befürworten, ohne die Bürger mit ihren Sorgen über die Beweggründe zu informieren?! Die SPD-Fraktion: Wer im Außenbereich wohnt, muss damit rechnen, in eine solche Situation zu kommen. Dabei wird von der SPD-Fraktion bewusst verschwiegen, dass die Bewohner des nördlichen Stadtgebiets und den Ortsteil Cleverns das gleiche Schicksal trifft. Die Fraktion der Grünen: Nach mehreren ausweichenden Antworten, machte Beate Zielke als Sprecherin der Fraktion der Grünen folgende Aussage: „Das kann ich mir nicht vorstellen“.

Sie kann es sich nicht vorstellen, ist aber für mehr Windindustrieanlagen am Stadtrand vom Jever. Es sollte jeder Jeveraner Bürger seine eigenen Schlüsse über diese Aussagen ihrer Vertreter ziehen. Zur weiteren Aufklärung der Bevölkerung zur Windindustriesituation der Stadt Jever wollen verschiedene Bürgerinitiativen in den nächsten Wochen in und außerhalb des Stadtbereichs aktiv werden.

Hans Oltmanns, Reepsholt

Und noch ein Protestplakat, Foto: Manfred Knake

Landstrich wird entwertet

Betrifft: Windkraftpläne im Wangerland

Überall das gleiche Schema: Irgendwann in vergangener Zeit wurden in nichtöffentlichen Sitzungen Pläne gemacht, kurz ausgelegt um dann wie Kai aus der Kiste später den Bürgern zu präsentieren. Komischerweise sind auch immer wieder Bürgermeister, Stadtverordnete oder deren Angehörige involviert, welche die Windenergie mit Mitteln der Planungs- und Entscheidungshoheit gegen den Willen der Mehrheit durchsetzt. Wie eine riesige Heuschrecke wandert der bekannte Auricher Anlagen-Hersteller übers Land. Erst die naheliegenden Kreise Aurich und Wittmund ohne große Widerstände erobert – nachdem jetzt hier die Flächen knapp werden, geht’s weiter ins Wangerland. Solange es die EEG-Zulage gibt, werden die Verantwortlichen keine Ruhe geben. Das Angebot ist ja auch zu verlockend. Unter der Obhut von Land und Bund wird hier ein ganzer Landstrich (Ems-Jade) entwertet (und komm mir keiner mit Wertschöpfung – dies gilt nur für Nutznießer). Sogar Landesvater Weil hat bei Enercon in Aurich signalisiert, dass er bereit ist, auch die letzten Hürden aus dem Weg zu räumen. Die ganze Nation schaut zu, wie hier getrickst, getäuscht und gelogen wird. Auch werden geltende Bestimmungen einfach ignoriert. Wir sollten nicht vergessen, wer uns dies alles beschert hat. Es waren die etablierten Parteien, die unseren Provinzfürsten erst die Möglichkeiten gegeben haben. Rettet, was noch zu retten ist.

Klaus Rattay, Utgast

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