22. Juli 2017

Auf Sand gebaut…

Karte der Insel Langer Oge von Karl Ludwig von Le Coq 1805 – Hauptinsel Westerende mit Inseldorf und zwei Teilinseln, auf dem Osterende eine Siedlung, Quelle: Wikipedia

Auf der Insel Langeoog haben die Strandaufspülungen zur Inselsicherung begonnen. Diese sich periodisch wiederholenden starken künstlichen Eingriffe in das Wattensediment des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ sind notwendig, um die Infrastruktur auf der Insel zu schützen und den Tourismusbetrieb aufrechtzuerhalten. Finanziert wird diese Maßnahme aus Mitteln der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK-Mittel). Der erforderliche Sand wird mit einem Hopperbagger entnommen und dann mit Rohrleitungen weitertransportiert. Ohne die Aufspülungen und Strandverstärkungen würde die Insel ganz natürlich durch Wind und Wellengang irgendwann durchbrechen und in mehrere Teile getrennt werden, wie es in der Vergangenheit schon mehrfach geschehen ist. Die Insel würde ohne Küstenschutzmaßnahmen ständig ihre Lage verändern, wandern oder pendeln. Auf allen ostfriesischen Inseln, die bewohnt sind und touristisch genutzt werden, sind nach starken Sturmfluten auch Strandaufspülungen und Reparaturen an den Dünenabbrüchen nötig, um die Strände für den Tourismus zu erhalten und die Insel zu sichern.

Seeseitige Aufspülungen vor dem Pirolatal, Langeoog, Nationalpark und „Weltnaturerbe“, im Hintergrund Dünenabbrüche, Juli 2017, Foto: privat/Wattenrat

In einem echten Nationalpark, der seinen Namen verdient und der nicht nur auf dem Papier besteht, müssten aber die „natürlichen Prozesse“ ungestört ablaufen können („Natur Natur sein lassen“), die Inseln also in ihrer natürlichen Dynamik sich selbst überlassen bleiben. Das ist aber auf den bewohnten Inseln gar nicht mehr möglich. Ergo stimmt das Etikett „Nationalpark“ dort gar nicht. Konsequenterweise müssten auf den Inseln wieder Naturschutzgebiete mit strengen Schutzvorschriften entstehen, die in den Zuständigkeitsbereich der Nationalparkverwaltung fielen. Bis zur Einrichtung des Nationalparks im Jahr 1986 gab es auf allen ostfriesischen Inseln Naturschutzgebiete, die aber durch den Tourismus stark beeinträchtigt, kaum beaufsichtigt wurden und auch kaum den Namen verdienten. Auf Langeoog gab es z.B. bis 1986 das NSG „Flinthörn“ mit seinem Primärdünen im Südwesten der Insel, das aber von Sportbootfahrern und Touristen von Mai bis September als Badestelle genutzt wurde. Darunter litt die dortige Zwergseeschwalbenkolonie enorm.

Pirolatal auf Langeoog – Quelle: Von Losdedos – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11098370

Gerne wird dieser Papier-Nationalpark auch mit dem Weltnaturerbegebiet „Great Barrier Reef“ in Australien verglichen. Der Vergleich ist jedoch absurd, er soll aber den hiesigen Wattenmeer-Nationalpark in den Medien aufwerten: leeres Wortgeklingel. Das „Great Barrier Reef“ ist einhundert Mal so groß wie der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, fast so groß wie die gesamte Fläche der Bundesrepublik Deutschland und auch wesentlich besser geschützt. So sind z.B. 33 Prozent des australischen Schutzgebietes fischereifreie Zone, in der auch keine Muscheln oder Schnecken gesammelt werden dürfen; im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sucht man solche Zonen vergebens. Man stelle sich vor, im Weltnaturerbe „Great Barrier Reef“ würden Bagger die Korallenriffe als Baumaterial abbauen, es gäbe einen weltweiten Aufschrei der Empörung… 

Hopper-oder Saugbagger, Foto (C): Eilert Voß/ Wattenrat

 

NLWKN-Pressemitteilung vom 12. Juli 2017, Langeoog: Größte Strandaufspülung vor dem Pirolatal beginnt

Ab dieser Woche wird der Strand mit 600.000 Kubikmeter Sand verstärkt

Norden/ Langeoog – Noch in der dieser Woche beginnt im Auftrag des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) die Aufspülung des Strandes vor dem Pirolatal auf Langeoog. „Der dortige Strand ist zu niedrig und zu schmal. Ohne die Aufspülung könnten schwere Sturmfluten in diesem Bereich erhebliche Dünenabbrüche verursachen welche die Insel gefährden. Es handelt sich um die größte Strandaufspülung, die in den letzten Jahren auf den Ostfriesischen Inseln durchgeführt worden ist.“ verdeutlichte Frank Thorenz, Leiter der NLWKLN-Betriebsstelle Norden-Norderney die Bedeutung der Maßnahme.

Insgesamt werden auf einer Länge von circa zwei Kilometern 600.000 Kubikmeter Sand aufgespült, um die derzeit nicht ausreichende natürliche Sandversorgung des Strandabschnittes vor dem Pirolatal auszugleichen und einen wirkungsvollen und naturnahen Küstenschutz herzustellen. Das Material dafür wird mit Hilfe von Laderaumsaugbaggern der dänischen Firma Rohde/Nielsen aus Kopenhagen vor dem Flinthörn an der Ostseite des Seegatts Accumer Ee entnommen. Der Sand wird aufgesaugt und über das Fahrwasser des Riffbogens zu einem Koppelpunkt nördlich des Pirolatals transportiert. Dort koppeln die Schiffe an eine Rohrleitung an und spülen den Sand über eine auf dem Meeresgrund liegende Rohrleitung auf den Strand. „Wir leiten den Sand quasi von einer gut versorgten Stelle zum Mangelbereich vor dem Priolatal um“, erläuterte der Küstenschutzexperte.

Die insgesamt ca. 1,5 Kilometer lange Rohrleitung (Dükerleitung), die vom Strand des Pirolatal zur Koppelstelle reicht, wurde in einer Länge von Sylt nach Langeoog mit Hilfe von zwei Schleppern transportiert und in der letzten Woche am Meeresgrund vom Strand aus in Richtung Tiefwasser zum Koppelpunkt abgesenkt. Die Baugeräte aufder Insel stehen bereit, so dass der Spülbetrieb noch in dieser Woche beginnen kann. Es werden mehrere Laderaumsaugbagger zum Einsatz kommen.“ erläutert Projektleiter Theo van Hoorn. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass keine lange Spülleitung vom Westen quer über den Strand gelegt werden muss, wie noch bei der letzten Aufspülung erforderlich.

Im Bereich der Spülarbeiten bittet der NLWKN aus Sicherheitsgründen Abstand zu halten und diesen Strandabschnitt zu meiden.

Der Abschluss der Strandaufspülung ist für September vorgesehen, um rechtzeitig vor der Sturmflutsaison fertig zu sein.

Die Gesamtkosten beziffert der NLWKN auf rund sechs Millionen Euro, die aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der Länder zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes stammen. Es handelt es sich hier um die größte Küstenschutzmaßnahme auf den Ostfriesischen Inseln in diesem Jahr.

Langeoog ist die einzige ostfriesische Insel, die seeseitig nur durch Schutzdünen und nicht auch durch massive Deckwerke und Buhnen geschützt wird. Die Dünen vor dem Pirolatal sind ein wichtiger Abschnitt der Küstenschutzanlagen auf Langeoog, die aus insgesamt 20 Kilometern Dünenkette und einer Deichstrecke von sechs Kilometern bestehen. Für den Küstenschutz ist das Land Niedersachsen zuständig.

Zur Information der Insulaner und der Inselgäste stellt der NLWKN große Informationstafeln auf. Zusätzlich wird eine Informationsbroschüre zu der Maßnahme herausgegeben, die an verschiedenen Stellen und auch in der nebenstehenden Infospalte erhältlich ist.

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