7. August 2017

Geisternetze im Meer: gemeinsames Projekt vom WWF und der Firma Tönsmeier

Nicht selten werden auch Meeressäuger Opfer der Fischerei: Kegelrobbe mit Netzresten und erheblichen Halsverletzungen

Über die Plastikvermüllung im Meer durch Netzreste aus der Fischerei und die Folgen für Vögel und Meeressäuger wurde hier beim Wattenrat schon öfter berichtet. Wir übernehmen daher eine Meldung des europtatickers zu diesem Thema.

Übernahme vom europaticker, 06. August 2017:

Tönsmeier und der WWF Deutschland ziehen nach den ersten Tests eine positive Bilanz
Geisternetz-Recycling: Forschung für die Umwelt

Tönsmeier und der WWF Deutschland sind seit 2015 Partner im Projekt „Geisternetze“, das die Lösung eines drängenden Problems zum Ziel hat: Plastikmüll in den Weltmeeren besteht zu einem beträchtlichen Teil aus herrenlosen Kunststoffnetzen aus der Fischerei , die – auch nach Jahrzehnten – eine immense Gefahr für die Meeresumwelt darstellen. In der Ostsee wird die umweltschonende Bergung dieser Netze geprobt. Für das eingesammelte Material soll ein optimaler Prozess gefunden werden, der einen umweltgerechten Transport sowie eine effektive Aufbereitung und Verwertung umfasst.

Nachdem das Vorhaben im Kalenderjahr 2016 zunächst durch aufwendige Bergeaktivitäten geprägt wurde, konnten nunmehr die ersten Tests mit den eingesammelten Materialien durchgeführt werden. Eine wesentliche Versuchsreihe fand im März im Technologiezentrum der Firma Vecoplan im rheinland-pfälzischen Bad Marienberg statt. Der renommierte Hersteller von Aufbereitungsanlagen bündelt dort seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten – ideale Voraussetzungen also für die Suche nach Möglichkeiten, die geborgenen Netze werkstofflich zu verwerten.

Zu den echten Herausforderungen in diesem Projekt zählt es, die Netze für die weitere technische Verarbeitung vorzubereiten. „Das vom Meeresgrund geborgene Material hat zum Teil viele Jahre im Wasser gelegen – es ist in seiner Zusammensetzung sehr heterogen und extrem stark verschmutzt“, so Andrea Stolte, Projektmanagerin im WWF Ostseebüro. Großformatige Störstoffe – Steine, Metalle oder Holzstücke – mussten daher zunächst manuell entfernt werden. Im Rahmen dieser händischen Präparation wurde gleich eine Einteilung in verschiedene Fraktionen – Netze, Stellnetze und Taue – vorgenommen. Nach einer separaten Zerkleinerung dieser Fraktionen und einer Entnahme der restlichen Metalle mit einem Metallabscheider starteten die eigentlichen Trennversuche.

Dazu wurden unterschiedliche Tests mit dem sogenannten Schwimm- / Sink- Verfahren durchgeführt. „Diese Verfahren funktionieren zur Trennung von Stoffen mit verschiedenen Dichten sehr zuverlässig und zeitigten auch bei den diesmal realisierten Versuchsreihen die erhofften Resultate“, erklärt Dr. Michael Krüger, der das Projekt Geisternetze für die Tönsmeier Gruppe begleitet.

In Summe haben die durchgeführten Experimente vor allem Erkenntnisse über die sehr aufwendige Reinigungsprozedur erbracht, die einer weiteren Verarbeitung vorangehen muss. Nach der anschließenden Zerkleinerung kann das Material durch gängige Trennverfahren so aufbereitet werden, dass es für verschiedene Recyclingverfahren infrage kommt. Welche Verwertungsart sich ökologisch und ökonomisch am besten eignet, soll im zweiten Halbjahr ermittelt werden“, so Krüger weiter.

Insgesamt – darüber besteht bei den Projektbeteiligten Einigkeit – passen die durchgeführten Tests in den Anforderungskatalog, der sich aus den umweltpolitischen Herausforderungen ergibt. Das Thema „Meeresverschmutzung“ wurde inzwischen als eine zentrale Bedrohung identifiziert, für die schnellstmöglich Lösungsansätze gefunden werden müssen. Wissenschaftler schätzen, dass bereits heute 150 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren schwimmen. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, könnte im Jahr 2050 das Plastik in den Ozeanen mehr wiegen als alle Fischbestände zusammen. „Insofern wäre es großartig, wenn wir mit den Ergebnissen unseres Projektes auch Lösungsperspektiven für weitere Umweltthemen anbieten können“, betont Krüger.

Das Familienunternehmen Tönsmeier ist mit einer breiten Leistungspalette europaweit als Umweltdienstleister und Energielieferant tätig. Über 3.000 Mitarbeiter betreuen mit rund 1.100 Fahrzeugen kommunale Auftraggeber, duale Systemträger und Kunden aus Industrie und Gewerbe. Tönsmeier leistet mit über 30 Aufbereitungs-, Sortier- und Recyclinganlagen einen wichtigen Beitrag zur Schonung natürlicher Ressourcen.

Der WWF Deutschland ist Teil der internationalen Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Er will die weltweite Zerstörung der Natur und Umwelt stoppen, die Biodiversität bewahren, Lebensräume schützen und eine Zukunft gestalten, in der Mensch und Natur in Einklang miteinander leben. Er ist eine der größten und erfahrensten Naturschutzorganisationen der Welt und in mehr als 100 Ländern aktiv. In Deutschland wird er von über 500.000 Förderern aktiv unterstützt. Rund um den Globus werden aktuell über 1200 Projekte zur Bewahrung der biologischen Vielfalt durchgeführt.

erschienen am: 2017-08-06 im europaticker

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