Wie kommt die künstliche Fahrrinne in das Juister Watt? „Bürger fragen, Behörden antworten nicht“

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Zwischenzone im „Weltnaturerbe“, EU-Vogelschutz- und FFH-Gebiet: Zwischen den beiden gelben Markierungen verläuft eine schnurgerade Linie, aus 18km Höhe gut zu erkennen. Das sagt etwas über die Dimension dieses Eingriffs aus: Es  ist eine künstliche Fahrrinne, die wie ein Kanal zwei natürliche Fahrwasser im Watt verbindet und die Fahrtzeiten verkürzt. Wie kommt diese Fahrrinne ins Watt? Foto (C): Google Earth, Markierung durch den Wattenrat Ostfriesland

Bei Google Earth ist sie deutlich zu sehen: Wie mit dem Lineal gezogen zieht sich eine gerade Linie durch das Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ hinter der Nordseeinsel Juist, aus 18 Kilometer Höhe gut zu erkennen, ca. 3 Kilometer lang, Aufnahmedatum 25. September 2016. Das sagt etwas über die tatsächlichen Ausmaße aus. Der Wattenrat erhielt Hinweise von der Insel, dass diese Linie eine künstlich geschaffene Fahrrinne in der Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sei (nicht wie ursprünglich angenommen in der Ruhezone!). Das Wattenmeer ist zudem FFH-Gebiet und EU-Vogelschutzgebiet und unterliegt daher dem europäischen Schutzregime „Natura-2000“. Hier gilt ein Verschlechterungsgebot. Vor Eingriffen solcher Art sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 34) Verträglichkeitsprüfungen durchzuführen. Das Strafgesetzbuch (§ 329) stellt Veränderungen in Nationalparks u.U. unter Strafe. Da das Juister Watt durch Baggergutverklappungen (im „Weltnaturerbe“!), Wasserbaumaßnahmen und Strömungsverlagerungen verschlickt, kommt  es in der natürlichen Fahrrinne nicht selten zur „Grundberührung“ mit Wartezeiten für den Schiffsverkehr. Daher soll eine Reederei mit ihren Frachtschiffen und am Heck angebrachten Dalben (große Holzbalken) eigenmächtig eine neue Fahrrinne von West nach Ost durch das Watt gepflügt haben, die auch die Wege für die Schiffe verkürzt. Am 27. April 2017, vor mehr als drei Monaten, fragte der Wattenrat bei der Nationalparkverwaltung nach, und hat bis heute keine Antwort erhalten. Das macht stutzig. (edit 15. Aug. 2017: Inzwischen berichteten das Online-Magazin „europaticker„,die taz, der Norddeutsche Rundfunk, die Lokalzeitung „Ostfriesischer Kurier“ – nach der überregionalen Berichterstattung sehr verkürzt – und am 17. August der Weser Kurier aus Bremen).

Frage: Hat es inzwischen einen Ortstermin mit der Reederei und der Nationalparkverwaltung dazu gegeben, was sind ggf. die Ergebnisse? Immerhin, neben einer Ordnungswidrigkeit käme evtl. sogar eine Straftat in Betracht.

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