12. September 2017

Windenergie Offshore: Der NABU zum „Cuxhavener Appell 2.0“

Offshore Windpark in der Nordsee (C): Pressefoto BARD

Gestern wurde der „Cuxhavener Apppell 2.0“ veröffentlicht. Die Verfasser dieses Windkraftfilzes aus Politik, Kommunen, Betreibern und Gewerkschaft fordern den weiteren Ausbau der Nord- und Ostsee mit den Rotor-Giganten. Es geht um die Verdoppelung der installierten Leistung auf See und damit um den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur, also ums Geschäft. Der Naturschutzverband NABU kritisiert diesen „Appell“. Aber jahrelang hat der NABU mitgezündelt – wie auch der WWF, der BUND und vor allem die vorgebliche Meeresschutzorganisation Greenpeace – , indem er den Ausbau der Windkraft auch auf See propagierte, „naturverträglich“ selbstverständlich, wie diese Volte stets genannt wird. Nur dass die Riesenpropeller auf See alles andere als naturverträglich sind, weil sie auch in den Hauptzugrouten vieler Vogelarten stehen und dort bei unsichtigem Wetter zu Massenkollisionen führen können; das wurde bereits ausreichend untersucht. Die Gefahr von Schiffshavarien wächst durch die neuen künstlichen Riffe.

Zudem wird beim Bau und den Rammarbeiten der unglaublich hohe Schalldruck von 160 Dezibel als „Kompromiss“ toleriert, mitgetragen auch vom NABU. Das ist für das empfindliche Ortungssystem von z.B. Schweinswalen absolut abträglich und vor allem schädigend. Bei der Entstehung des nun vom NABU kritisierten Windparks „Butendiek“ in Schleswig-Holstein war der Naturschutzverband nicht ganz unbeteiligt: Der damalige stellvertretende NABU-Landesvorsitzende in S-H, Dr. Nehls, begutachtete „Butendiek“ mit seiner Planungsgesellschaft „Bio-Consult“ – bezahlt von der Offshore-Bürger-Windpark-Butendiek GmbH & Co. KG – 2002 als vereinbar mit der europäischen FFH-Richtline. Nun also ruft der Brandstifter nach der Feuerwehr (die NABU-Pressemitteilung weiter unten).

 

Zur Grafik: „Verlässliche Energieversorgung“? Für den oben dargestellten Zeitraum vom 01.01.2017 00:00 Uhr bis 11.09.2017 24:00 Uhr = 6.095 h haben alle deutschen Offshore-Windparks (Nord- und Ostsee) in ihrer Summe lediglich 258 mal während jeweils einer Viertel Stunde die Marke 4.000 MW überschritten. Macht in der Summe 64,5 h – über einen Zeitraum von 6.095 h des laufenden Jahres. Also erst 1% Sicherheit für die Stromversorgung und einem vorgeblichen ‚Ersatz von vier Kernkraftwerken‘. Datenuelle: ENTSOE, von der WebSeite „Naturstromeuphorie“, Dipl.Ing. Wilfried Heck. 

Immerhin, auch der NABU hat mit seiner Kritik am „Cuxhavener Appell“ und den darin enthaltenen weiteren Ausbauforderungen inzwischen begriffen, dass Windparks auf See äußerst abträglich für das Ökosystem der Nord- und Ostsee sind, aber auch schon jetzt, mit den bestehenden Anlagen. Und immer noch schwafelt der NABU vom „Klimaschutz“, den es auch mit Windkraftwerken nicht geben kann. Sonneneinstrahlung, Wolken, Regen, Wind, Wärme, Kälte und in der Folge das Klima lassen sich nicht „schützen“, genausowenig wie man Ebbe und Flut oder die Schwerkraft „schützen“ kann. Und der „Appell“ scheut sich nicht einmal, auch den nur unstet eingespeisten Wind-Zappelstrom als „verlässliche Energieversorgung“ zu belügen. Was blühen Nord- und Ostsee nach der Bundestagswahl durch die rührigen und windigen Lobbyisten?

Link: .pdf:  Cuxhavener Appell_2_2017

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NABU-PRESSESTATEMENT | 11.09.2017
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Umwelt/Naturschutz
NABU kritisiert Offshore-Forderungen der Küstenländer
Tschimpke: Ausbau erneuerbarer Energien ist kein Selbstzweck
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Berlin/Cuxhaven – Der NABU kritisiert die Forderung der norddeutschen Bundesländer, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Obergrenze von 15 Gigawatt Offshore-Windstrom bis 2030 zu kippen. In dem heute unterzeichneten Cuxhavener Appell 2.0. heißt es, dass vorhandene Produktionskapazitäten, Kosteneinsparpotentiale und Absatzmärkte für Zulieferer einen Ausbau von 30 Gigawatt notwendig machen würden. Der NABU sieht durch die Pläne die Naturverträglichkeit der Energiewende gefährdet.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Der Ausbau erneuerbarer Energien ist kein Selbstzweck, und billig ist nicht immer gut. Die Küstenländer und die Branche täten gut daran, unsere energiepolitischen Ziele zusammen mit den meerespolitischen Verpflichtungen Deutschlands zu denken und die Energiewende nicht zu einem Konjunkturprogramm für schlingernde Energiekonzerne und klamme Küstenkommunen zu machen. Ja, die Offshore-Windkraft muss ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber der Ausbau hat naturschutzfachliche Grenzen. Nord- und Ostsee sind zu wertvoll, um allein zu Industrieparks degradiert zu werden.“
Mit dem derzeitigen Ausbauszenario von 15 Gigawatt würden bereits auf etwa sieben Prozent der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee Windenergieanlagen stehen. Mehr kann das angeschlagene Ökosystem nach Meinung des NABU aktuell nicht leisten. Jüngste Untersuchungen aus dem Offshore-Windpark Butendiek im Sylter Außenriff zeigen, dass insbesondere die Auswirkungen auf die Vogelwelt schwerwiegender sind als vorhergesagt.

Bearbeitet 12. Sept. 2017, 20.00h

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