5. Dezember 2017

Beringte Baltrumer Brandseeschwalbe in Südafrika abgelesen – und Historisches von der ostfriesischen Vogelberingung

Beringte Brandseeschwalbe aus der Baltrumer Kolonie, Foto (C): Patrick Weber

Beringte Baltrumer Brandseeschwalbe in Südafrika abgelesen – und Historisches von der ostfriesischen Vogelberingung

von Manfred Knake

Am 30. Juni 2016 wurde auf Baltrum eine nicht flügge Brandseeschwalbe von Dr. Susanne Homma und Olaf Geiter (beide Schortens/LK Friesland) mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland beringt. Am 13. November wurde der Ring des lebenden Vogels am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika abgelesen. Die Entfernung vom Beringungsort auf Baltrum beträgt 9884km, das ist der weiteste und gleichzeitig südlichste Wiederfundort eines jemals in Niedersachsen beringten Vogels. Auch in Namibia wurden inzwischen sechs weitere Ablesungen von auf Baltrum beringten Brandseeschwalben gemeldet. Dr. Homma und Olaf Geiter beringen seit zehn Jahren systematisch Brandseeschwalben auf Baltrum, inzwischen liegen ca. 200 Wiederfunde der von ihnen beringten Vögeln vor.

Südafrika, Gaansbai, beringte Brandseeschwalbe von Baltrum, Foto (C) Theuns Kruger

Beringergruppe aus Esens schon 1977

Bereits ab 1977 gab es eine Beringergruppe aus Esens unter der Leitung von Hans-Dieter Schneider, die als „Pioniere“ Watvögel im Watt bei Dornumersiel fingen und mit Ringen der Vogelwarte Helgoland beringten. Ich war Mitglied dieser Gruppe. Für den Fang wurden sog. „Japannetze“ verwendet, die nachts bei auflaufenden Wasser fängisch gestellt wurden. Bei Vollmond und klarem Himmel waren die Fangversuche sinnlos, weil Watvögel nachts sehr gut sehen können und auch die Netze als Hindernisse erkannt hätten. Bei Regen oder bedecktem Himmel waren wir erfolgreich. Die gefangenen Vögel wurden in einer Holzbude, die auf dem Gelände der Kläranlage von Dornumersiel stand, bestimmt, vermessen und beringt und am nächsten Morgen wieder freigelassen. Wir verbrachten viele Nächte in unserer Station am Deich und bei Wind und Wetter im deichnahen Watt. Es war nicht immer leicht, das Alter der verschiedenen Arten festzustellen. Das ging nur mit genauester Literaturkenntnis; bis in die Farben der Federsäume mussten einige Arten untersucht werden, um keine Fehlbestimmung einzutragen. Die Listen mit den Daten der beringten Vögeln und den Ringnummern erhielt das Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven. Die Ergebnisse wurden in den Ornithologischen Mitteilungen, 30 – Nr. 3 – 1978, Knake, M. H. und Schneider, H.-D.: Watvogelberingung im ostfriesischen Wattenmeer veröffentlicht.

1977: Das Beringerteam aus Esens in der Beringungshütte in Dornumersiel: warten auf das auflaufende Wasser. V.l.: Dieter Schneider, Jürgen Erlebach, Manfred Knake, Foto (C): Manfred Knake

Verletzter Weißstorch mit zwei Ringen

Durch diese Arbeit bekam die Gruppe Kenntnis von einem Weißstorch, den ich flügelverletzt und flugunfähig 1979 aus Werdum/LK Wittmund abholte, wo er schon mehrfach gebrütet hatte. Er trug sowohl einen Helgoland- als auch einen Südafrikaring der University of Cape Town. Erste Beringung: nestjung in Dorum/heute LK Cuxhaven am 25. Juni 1972, Zweitberingung später am 14. Nov. 1972 auf der Blue Ranges Farm bei Gatooma – damals Rhodesien, heute Zimbabwe – als auffällig zahmer Vogel. Das sind auch stolze 8250 km entfernt vom ersten Beringungsort in Dorum, getoppt von der Baltrumer Brandseeschwalbe!

Ich brachte den verletzten Storch sofort nach Verden zu Helmut Storch (ja, er hieß tatsächlich so) in die Storchenpflegestation, der ihn im Herbst gesund wieder auswilderte. 1980/81 und 1981/82 wurde der Storch wieder in Gatooma (Katoma)/Rhodesien als augenscheinlich gesunder Vogel abgelesen (Quelle: Bericht aus „Die Vogelwarte“ 32,1 , 1983, von Erich Meybohm).

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