14. März 2018

Güllesauereien: Geht endlich in die Luft und bestraft sie!

11. Febr. 2018: Gülle auf gefrorenem und wassergesättigtem Boden, Oldersumer Hammrich/LK Leer, Nähe Fehntjer Tief, Foto (C): Eilert Voß

Am 13. März 2018 berichtet der Ostfriesische Kurier aus Norden/LK Aurich über ein „rätselhaftes Fischsterben“ in Wirdum im Landkreis Aurich. Das Rätsel ist aber schnell gelöst, wenn man die Berichterstattung liest: „Es wurden hohe Nährstoffeinträge an einem Zufluss in das Hafenbecken festgestellt. Diese stammen von diversen Einleitungsstellen.“ Und dann kam man schnell auf die Gülle – wer hätte das gedacht – die im Februar bei gefrorenen und wassergesättigten Böden verbotenerweise in ganz Ostfriesland und „umzu“ ausgebracht und anschließen nach dem Regen der letzten Tage in die Oberflächengewässer abgeschwemmt wurde. Das Desaster war also vorhersehbar, daran ist nichts Rätselhaftes. Der Wattenrat hatte bereits am 10. Februar 2018 auf die absehbaren Folgen dieser Gülleausbringung öffentlich hingewiesen, die Lokalpresse und die Staatsanwaltschaft Aurich waren im Verteiler, Reaktionen: null!

06. März 2018: Gülleausbringung am Dollartdeich bei Pogum/Rheiderland/LK Leer direkt an noch gefrorenen Gräben, Foto (C): Eilert Voß

Jeder, der offene Augen und Nasen hat kann bestätigen, zu welchen Sauereien und sogar Straftaten einige Mitglieder dieses Berufsstandes mit der stets offenen Hand fähig sind: zu viel Gülle auf zu kleinen Flächen, oder, wie gerade im Februar und März 2018 wieder geschehen, Gülleausbringung auf gefrorene und wassergesättigte Böden.

06. März 2018: Gülleausbringung am Schöpfwerk Pogum/LK Leer, auf der Fläche äsende Nonnengänse. Das Schöpfwerk entwässert direkt in das angrenzende Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß

Dazu kommen die Gülleimporte aus den Niederlanden, deren Überschüsse auch illegal in Deutschland auf und in die Böden oder das Wasser gelangen. Bei Tauwetter fließt die gequirlte Flüssigscheiße dann in die Oberflächengewässer und verseucht sie. Zu hohe Nährstoffbelastungen aus diesen „diffusen Quellen“ sind noch bis in die Küstengewässer nachzuweisen. Zu viel Vieh, zu wenig Land, zu kleine Güllebehälter, zu wenig Kontrolle und eine im wahrsten Sinne des Wortes eine Scheißegalmentalität sind die Ursache. Man kann den Eindruck haben, das einige Bauern machen können, was sie wollen, ohne dass sie für ihr Handeln „nachhaltig“ zur Rechenschaft gezogen werden. Was also hindert die Gewässerbehörden, Landwirtschaftskammern oder Strafverfolgungsbehörden daran, „in die Luft“ zu gehen, will sagen, Drohnen oder Flugzeuge einzusetzen, um Güllesünder aufzupüren und zu belangen?

08. Februar 2018: Gülleausbringung an einem Wohngebiet bei Borßum/Stadt Emden, Foto (C): Eilert Voß

GPS-Geräte für die Bodenbewirtschaftung sind in der industrialisierten Landwirtschaft längst in Gebrauch. Man könnte GPS-Empfänger mit einer versiegelten „Blackbox“ für jeden Lohnunternehmer zur Pflicht machen; dann wäre die Gülleausbringung mit der Kontrolle der Wetterverhältnisse, der ausgebrachten Mengen und der Ausbringungsorte kontrollierbar. Unser Mitarbeiter Eilert Voß hat sich im Rheiderland und an der Ems östlich von Emden umgesehen und mit der Kamera festgehalten, was einige Bauern in der Landschaft herumgesaut haben. Und das war nicht nur in diesen Bereichen der Fall. Man darf gespannt sein, ob im Sommer wieder Badeverbote in einigen Küstenbadeorten wegen der Kolibakterienbelastung des Wassers ausgesprochen werden. Da wird sicher wieder die Frage nach den möglichen Ursachen gestellt werden…

Hier die zurückhaltende Berichterstattung. Alles nicht so schlimm? Schnelle Regeneration? Bis zur nächsten Gülleeinleitung!:

Ostfriesischer Kurier, Norden, S. 10, 13. März 2018

Rätselhaftes Fischsterben in Wirdum
Umwelt Bezirksfischereiverband und Feuerwehr bergen unzählige tote Tiere – Schnelle Regeneration
Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren hat wahrscheinlich einen Sauerstoffmangel im Gewässer verursacht. […] Bei den toten Tieren handelte es sich um mehrere Hundert Kilogramm Weißfische, ausschließlich kleinere Güstern, Rotaugen, Brassen und Barsche. Um die 1000 Tiere sind nach Schätzung des BVO verendet. „Der Bestand wird sich schnell regenerieren“, sagte BVO-Vorstandsmitglied Eric Jibben. […] Daher vermuten die Fachleute das ungünstige Zusammenspiel mehrer Faktoren. ´Vor drei bis vier Wochen wurde nach langer Zeit wieder Gülle ausgefahren, dann kam der Frost und es war die ganze Zeit über trocken, ohne Niederschläge. Jetzt mit dem Tauwetter kommt alles in Bewegung und sorgt für massiven Sauerstoffmangel im Gewässer´, erklärte Hayen. […]“ [Anmerkung: Leiter der Wasserbehörde]

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