 Leuchtturm Campen, Gem. Krummhörn, LK Aurich
Im Dorf Campen, Gemeinde Krummhörn, LK Aurich, will man mit Paris gleichziehen, wegen des Fremdenverkehrs. In Campen steht ein Leuchtturm, der höchste Deutschlands, direkt am “Weltnaturerbe” Wattenmeer. Er dient als weithin sichtbare Tagesmarkierung an der Ems und wird nachts als Leitfeuer zur Fahrt durch das Randzelgat in der Westerems vor Borkum befeuert. Und er steht und nicht weit von einer herausragenden Brut- und Rastfläche in der strengsten Schutzzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, der auch „Weltnaturerbe“ ist. Der Leuchtturm soll nun für den Tourismus aufgemotzt und zusätzlich auch noch angestrahlt werden, man will einen “Eiffelturm” im Dorfe, so ein Campener Bürger. Nur ist Campen nicht Paris und wird es auch nicht werden. In Paris werden durch den Eiffelturm keine Brut- oder Rastvögel in einem Schutzgebiet gestört. In Campen wäre das der Fall, denn hell erleuchtete Objekte an Zugrouten von Zugvögeln werden leicht zu Todesfallen. Ohnehin verunglücken schon viele geblendete Tiere leicht an den Leuchtfeuern, die der Schiffssicherheit dienen. Die zusätzliche Spaßbeleuchtung wird das Problem für die Tiere verschärfen. Die Tourismusmacher der Gemeinde Krummhörn haben sich schon andere “Späße” an diesem Ort ausgedacht und mit Hilfe der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven umgesetzt: Kitesurfer, auch ungeübte Kiteschüler, dürfen in unmittelbarer Nähe der Rast- und Brutfläche, eine natürlich gewachsene Muschelschillbank, in Upleward ihren Sport ausüben und vertreiben auch so die geschützten Vögel von ihren geschützten Flächen. Alles ist möglich im Tourismus-Spielplatz “Weltnaturerbe”, nur kein ordentlicher und fachlicher Naturschutz.
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 Immer wieder Abbrüche: Kap Arkona, Rügen
Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern lässt sich auch nicht von einem erneuten tödlichen Unfall an seinen Vorzeigeobjekten wie der Steilküste auf Rügen abhalten, diese „werberelevanten“ Flächen für den Besucherverkehr zu sperren: „So einen Ort können wir nicht wegschließen“, wird der Verbandssprecher Tobias Woitendorf am 27. Dezember 2011 von dpa zitiert.
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 Kitespot Upleward/LK Aurich: fliehende Pfeifenten, 03. Okt. 2009
Ein Kommentar von Manfred Knake zu den Genehmigungen von Kitesurfflächen in den Schutzzonen des Nationalparks durch die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven:
So steht es auf der WebSeite der Nationalparkverwaltung:
„Weitere Regelungen
Kitesurfer üben durch ihre Zugdrachen eine besondere Störwirkung auf Brut- und Rastvögel aus. Die Vögel nehmen die Drachen, die sich am Himmel bewegen, als Greifvögel wahr und ergreifen die Flucht. Deshalb ist das Kitesurfen – wie alle Drachensportarten – in der Ruhe- und Zwischenzone des Nationalparks grundsätzlich verboten. Erkundigen Sie sich bei den Gemeinden nach speziell zugelassenen Kitesurf-Flächen.“
Nun ist alles anders; es gibt auf einmal, gutachterlich festgestellt, keine negativen Auswirkungen durch Kiter mehr:
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 Illegales Kitesurfen vor Spiekeroog, 30. Juli 2011
Der Skandal um die Genehmigung von Kitesurferflächen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer durch die Missachtung geltenden Naturschutzrechts zieht Kreise. Nun äußert sich öffentlich sehr deutlich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich. Wann äußern sich eigentlich die “anerkannten” Naturschutzverbände, die z.T. über hauptamtliche Pressesprecher verfügen? Wann wird vom Verbandsklagerecht Gebrauch gemacht?
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 Verstoß gegen das Nationalparkgesetz: Kitesurfer auf Norderney, 03. Juni 2011. Möwen lassen sich durch Kitesurfer kaum beeindrucken, aber eben nur kaum: Bei der dritten Vorbeifahrt des "Trendsportlers" verließen sie den Strand.
Nun dürfen sie, die Kitesurfer, ganz legal in den eigentlich dafür verbotenen Schutzzonen (Zwischenzonen) des Nationalparks Niedersächsisches ihren „Trendsport“ ausüben. Jahrelang wurde das illegale Surfen geduldet. Dem Nationalparkleiter Peter Südbeck sind nun wohl endgültig die Zähne ausgefallen (oder man hat sie ihm gezogen!), 2009 wollte er sie noch „zeigen“ (siehe auch “Peterchens Irrfahrt im Weltnatuererbe”):
taz-Nord, 02. Nov. 2009: „ Die illegale Nutzung empfindlicher Gebiete sei leider Alltag, räumte Nationalpark-Leiter Peter Südbeck ein. Die Trendsportart müsse daher kanalisiert und in kontrollierte Gebiete gelenkt werden. Dazu gebe es Gespräche mit den Kommunen und der Wasserschutzpolizei. “Die Behörden müssen auch Zähne zeigen.”“
Statt zu beißen, sprich das geltende Recht im Nationalpark auch ggf. mit Ordnungsmaßnahmen zu vollziehen, wurden jetzt wieder bestehende neue Anträge von Fremdenverkehrskommen positiv beschieden, es wurde nicht “kanalisiert”, sondern weiter ausgeweitet: Auch auf Langeoog, Norderney, Dornumersiel im Landkreis Aurich und Neuharlingersiel im Landkreis Wittmund darf jetzt im Wattenmeer gesurft werden, zu Lasten von Brut- oder Rastvögeln, für die der Nationalpark u.a. eingerichtet wurde.
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 Tourismus GmbH Dornum/LK Aurich: Beantragte Fläche für Kitesurfer in der Zwischenzone des Nationalparks
Nägel mit Köpfen und völlig unberührt von der geltenden Rechtslage schaffte die „Tourismus GmbH“ in Dornum im Landkreis Aurich mit ihrem Geschäftsführer Rolf Kopper schon mal Fakten für die Zielgruppe der Kitesurfer im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Auf der WebSeite des Fremdenverkehrsortes Dornum wird das Kitesurfen im Watt vor dem Badestrand seit langer Zeit beworben. [#edit 10. Dez. 2011: Die WebSeite wurde inziwschen abgeändert, der Beitrag wurde entfernt.]
 Quelle: Sreenshot Dornum, November 2011, inzwischen von der WebSeite entfernt
Surfen
Freizeitsportler lieben die Herausforderung und kommen auf der Nordsee voll und ganz auf Ihre Kosten. Auch vor den Stränden in Dornumersiel und Neßmersiel ist surfen möglich. Vom Strand aus geht es dann direkt in die Fluten. Die Nordseewellen lassen das Surferherz höher schlagen und sind für viele Windsportarten ideal. So tummeln sich in Dornumersiel und Neßmersiel nicht nur Windsurfer, sondern auch Kitesurfer oder auch an Land die Kitelandboarder.
Den Antrag auf eine Kiterfläche stellte die Kommune bei der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven bereits 2009, entschieden wurde bis heute noch nichts. Seit Jahren wird in Dornumersiel illegal im Wattenmeer in den dafür verbotenen Zwischen- und Ruhezonen gesurft. Auf Anfrage des Wattenrates bestätigte der Geschäftsführer der Tourismus GmbH, dass es derzeit lediglich einen “Dialog um die Kitesurf-Situation” mit der Nationalparkverwaltung gäbe. Und als diese Dreistigkeit in der Presse publik gemacht wurde (unter schonendster Berichterstattung für die Gemeinde Dornum!), wurde auch die Nationalparkverwaltung wieder aktiv. Dabei wurden von der Tourismus GmbH längst inzwischen weitere Fakten geschaffen:
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 Caches verschiedener Schwierigskeitsgrade im Bereich Ostfriesland, Quelle: Geocaching.com (Screenshot)
Der Freizeitspaß Geocaching boomt. Die elektronische Schnitzeljagd mit Hilfe eines GPS-Gerätes und Computers, bei der im Internet hinterlegte Koordinaten zu einem „Cache“ (englisch für Versteck, Lager oder Schatz) führen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit, kann aber auch auf Abwege führen, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Naturschutzgebiete oder Nationalparks sollten für Cacher tabu sein, hier besteht die Gefahr, dass Tiere gestört und Pflanzen zertrampelt werden. Im Land Niedersachsen allerdings lässt man mit der vom Land verkündeten Naturtourismus-Doktrin auch in Schutzgebieten nichts aus, was auch noch die letzten Winkel des Landes „erlebbar“ machen soll, und diese Winkel sind genau die Rückzugsgebiete vieler Tier- und Pflanzenarten.
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 Nonnengänse an der Ems vor Ditzum, im EU-Vogelschutz- und Gänsejagdgebiet
Die „3. Zugvogeltage“ sind zu Ende gegangen, alles „positiv“ selbstverständlich, wer hätte anderes erwartet. Hier finden Sie eine Nachlese aus einigen uns vorliegenden Presseveröffentlichungen zum Thema. Und immer noch ziehen täglich bei diesem guten Wetter unüberhörbar tausende Gänse verschiedener Arten aus Sibirien oder Nordeuropa über Ostfriesland hinweg, aber unüberhörbar hat auch die Gänsejagd in den Randgebieten des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer inzwischen begonnen. Kritische Berichterstattungen über die PR-Aktion “Zugvogeltage” gab es auch, sie beschränkte sich aber auf nur ganz wenige Zeitungen. In vielen Tageszeitungen und anderen Medien wurden die PR-Berichte der Nationalparkverwaltung 1:1 in den redaktionellen Teil übernommen, eine eigenständige Recherche fand weitgehend nicht statt. Fakt ist aber, das auch viele Veranstaltungsangebote der „Zugvogeltage“ mangels Beteiligung ausgefallen sind oder Routineveranstaltungen für die Zugvogeltage einfach umdeklariert wurden. Die Nordwest Zeitung brachte gar ein Interview mit dem Nationalparkleiter Peter Südbeck und sprach ihn auf die vom Wattenrat vorgebrachte Kritik an, er sei mehr dem Tourismus als dem Naturschutz verpflichtet, was er selbstverständlich, wieder besseres Wissen, zurückwies, wie ein Blick ins Archiv beweist (siehe Artikel aus der Ostfriesen Zeitung vom 03. März 2010, weiter unten: “Peter Südbeck (Wilhelmshaven), Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, rührt in einer Vortragsreihe die Werbetrommel für die touristische Vermarktung des Weltnaturerbes”).
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 Dornumersiel: Nationalparkplatz mit Ringelgänsen
So langsam nähert sich die Tourismussaison dem Ende, es wird ruhiger im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, bis Weihnachten, wenn der Ansturm erneut einsetzt. Die Massen, die jährlich die Küste besuchen, machen auch da Urlaub, wo es oft schon „besetzt“ ist, und zwar von denen, für die der Nationalpark eigentlich eingerichtet wurde, z.B. für rastende Zugvögel wie diese Ringelgänse aus Sibirien, die hier seit Anfang September durchziehen oder verweilen, bis das Nahrungsangebot erschöpft ist. Die Qualität der Rastgebiete hat vielerorts trotz des Status „Nationalpark“ oder „Weltnaturerbe“ abgenommen. weiter »
Dr. h.c. Horst Stern zum 89. Geburtstag gewidmet:
 Angeschossene Nonnengans, nicht jagdbare arktische Gans, mit offenem Schussbruch. Terborg/Ems, April 2011
Die dritten Zugvogeltage finden vom 22. bis 30. Oktober mit über 150 Einzelveranstaltungen von Borkum bis Wangerooge, vom Dollart bis Cuxhaven statt. Zugvögel als “Naturschauspiel” zu begucken ist sicher eine spannende und auch lehrreiche Angelegenheit. Viele dieser Vögel, verschiedene Gänsearten aus der Arktis, werden aber schon zwei Tage nach den Zugvogeltagen ab dem 01. November 2011 auch in Niedersachsen wieder ganz legal bejagt und getötet werden, auch in EU-Vogelschutzgebieten an der Ems, die an den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer direkt angrenzen. Die Vögel kennen diese menschengemachten Grenzen nicht und fliegen so aus dem Nationalpark direkt ins Schrotfeuer der Hobbyjäger, die ihnen dort auflauern, in der Vergangenheit auch verbotener Weise bei Dunkelheit, Nebel oder Schneetreiben, ohne dass man bei diesem Licht die Arten sicher ansprechen kann. Jagdverhältnisse also wie in Italien!
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