Kitesurfer: Ampel nun auf Grün, aber Naturschutzrecht missachtet

Verstoß gegen das Nationalparkgesetz: Kitesurfer auf Norderney, 03. Juni 2011. Möwen lassen sich durch Kitesurfer kaum beeindrucken, aber eben nur kaum: Bei der dritten Vorbeifahrt des "Trendsportlers" verließen sie den Strand.

Nun dürfen sie, die Kitesurfer, ganz legal in den eigentlich dafür verbotenen Schutzzonen (Zwischenzonen) des Nationalparks Niedersächsisches ihren „Trendsport“ ausüben. Jahrelang wurde das illegale Surfen geduldet. Dem Nationalparkleiter Peter Südbeck sind nun wohl endgültig die Zähne ausgefallen (oder man hat sie ihm gezogen!),  2009 wollte er sie noch „zeigen“ (siehe auch “Peterchens Irrfahrt im Weltnatuererbe”):

taz-Nord, 02. Nov. 2009:  „ Die illegale Nutzung empfindlicher Gebiete sei leider Alltag, räumte Nationalpark-Leiter Peter Südbeck ein. Die Trendsportart müsse daher kanalisiert und in kontrollierte Gebiete gelenkt werden. Dazu gebe es Gespräche mit den Kommunen und der Wasserschutzpolizei. “Die Behörden müssen auch Zähne zeigen.”“

Statt  zu beißen, sprich das geltende Recht im Nationalpark auch ggf. mit Ordnungsmaßnahmen zu vollziehen, wurden jetzt wieder bestehende neue Anträge von Fremdenverkehrskommen positiv beschieden, es wurde nicht “kanalisiert”, sondern weiter ausgeweitet: Auch auf Langeoog, Norderney, Dornumersiel im Landkreis Aurich und Neuharlingersiel im Landkreis Wittmund darf jetzt im Wattenmeer gesurft werden, zu Lasten von Brut- oder Rastvögeln, für die der Nationalpark u.a. eingerichtet wurde.

weiter »

Kitesurfen Dornumersiel: Freistil im Weltnaturerbe Wattenmeer: “touristische Bedeutung und Wertschöpfung”

Tourismus GmbH Dornum/LK Aurich: Beantragte Fläche für Kitesurfer in der Zwischenzone des Nationalparks

Nägel mit Köpfen und völlig unberührt von der geltenden Rechtslage schaffte die „Tourismus GmbH“ in Dornum im Landkreis Aurich mit ihrem Geschäftsführer Rolf Kopper schon mal Fakten für die Zielgruppe der Kitesurfer im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Auf der WebSeite des Fremdenverkehrsortes Dornum wird das Kitesurfen im Watt vor dem Badestrand seit langer Zeit beworben. [#edit 10. Dez. 2011: Die WebSeite wurde inziwschen abgeändert, der Beitrag wurde entfernt.]

Quelle: Sreenshot Dornum, November 2011, inzwischen von der WebSeite entfernt

Surfen

Freizeitsportler lieben die Herausforderung und kommen auf der Nordsee voll und ganz auf Ihre Kosten. Auch vor den Stränden in Dornumersiel und Neßmersiel ist surfen möglich. Vom Strand aus geht es dann direkt in die Fluten. Die Nordseewellen lassen das Surferherz höher schlagen und sind für viele Windsportarten ideal. So tummeln sich in Dornumersiel und Neßmersiel nicht nur Windsurfer, sondern auch Kitesurfer oder auch an Land die Kitelandboarder.

Den Antrag auf eine Kiterfläche stellte die Kommune bei der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven bereits 2009, entschieden wurde bis heute noch nichts. Seit Jahren wird in Dornumersiel illegal im Wattenmeer in den dafür verbotenen Zwischen- und Ruhezonen gesurft. Auf Anfrage des Wattenrates bestätigte der Geschäftsführer der Tourismus GmbH, dass es derzeit lediglich einen “Dialog um die Kitesurf-Situation” mit der Nationalparkverwaltung gäbe. Und als diese Dreistigkeit in der Presse publik gemacht wurde (unter schonendster Berichterstattung für die Gemeinde Dornum!), wurde auch die Nationalparkverwaltung wieder aktiv. Dabei wurden von der Tourismus GmbH längst inzwischen weitere Fakten geschaffen:

weiter »

Geocaching: Umweltminister Sander völlig ohne Karten

Caches verschiedener Schwierigskeitsgrade im Bereich Ostfriesland, Quelle: Geocaching.com (Screenshot)

Der Freizeitspaß Geocaching boomt. Die elektronische Schnitzeljagd mit Hilfe eines GPS-Gerätes und Computers, bei der im Internet hinterlegte Koordinaten zu einem „Cache“ (englisch für Versteck, Lager oder Schatz) führen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit, kann aber auch auf Abwege führen, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Naturschutzgebiete oder Nationalparks sollten für Cacher tabu sein, hier besteht die Gefahr, dass Tiere gestört und Pflanzen zertrampelt werden. Im Land Niedersachsen allerdings lässt man mit der vom Land verkündeten Naturtourismus-Doktrin auch in Schutzgebieten nichts aus, was auch noch die letzten Winkel des Landes „erlebbar“ machen soll, und diese Winkel sind genau die Rückzugsgebiete vieler Tier- und Pflanzenarten.

weiter »

“3. Zugvogeltage”: “Experten-Dinner” und “exklusive Abende”, eine Nachlese und der kreative Umgang mit der Wahrheit

Nonnengänse an der Ems vor Ditzum, im EU-Vogelschutz- und Gänsejagdgebiet

Die „3. Zugvogeltage“ sind zu Ende gegangen, alles „positiv“ selbstverständlich, wer hätte anderes erwartet. Hier finden Sie eine Nachlese aus einigen uns vorliegenden Presseveröffentlichungen zum Thema. Und immer noch ziehen täglich bei diesem guten Wetter unüberhörbar tausende Gänse verschiedener Arten aus Sibirien oder Nordeuropa über Ostfriesland hinweg, aber unüberhörbar hat auch die Gänsejagd in den Randgebieten des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer inzwischen begonnen. Kritische Berichterstattungen über die PR-Aktion “Zugvogeltage” gab es auch, sie beschränkte sich aber auf nur ganz wenige Zeitungen. In vielen Tageszeitungen und anderen Medien wurden die PR-Berichte der Nationalparkverwaltung 1:1 in den redaktionellen Teil übernommen, eine eigenständige Recherche fand weitgehend nicht statt. Fakt ist aber, das auch viele Veranstaltungsangebote der „Zugvogeltage“ mangels Beteiligung ausgefallen sind oder Routineveranstaltungen für die Zugvogeltage einfach umdeklariert wurden. Die Nordwest Zeitung brachte gar ein Interview mit dem Nationalparkleiter Peter Südbeck und sprach ihn auf die vom Wattenrat vorgebrachte Kritik an, er sei mehr dem Tourismus als dem Naturschutz verpflichtet, was er selbstverständlich, wieder besseres Wissen, zurückwies, wie ein Blick ins Archiv beweist (siehe Artikel aus der Ostfriesen Zeitung vom 03. März 2010, weiter unten: “Peter Südbeck (Wilhelmshaven), Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, rührt in einer Vortragsreihe die Werbetrommel für die touristische Vermarktung des Weltnaturerbes”).

weiter »

Dornumersiel: Nationalparkplatz

Dornumersiel: Nationalparkplatz mit Ringelgänsen

So langsam nähert sich die Tourismussaison dem Ende, es wird ruhiger im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, bis Weihnachten, wenn der Ansturm erneut einsetzt. Die Massen, die jährlich die Küste besuchen, machen auch da Urlaub, wo es oft schon „besetzt“ ist, und zwar von denen, für die der Nationalpark eigentlich eingerichtet wurde, z.B. für rastende Zugvögel wie diese Ringelgänse aus Sibirien, die hier seit Anfang September durchziehen oder verweilen, bis das Nahrungsangebot erschöpft ist. Die Qualität der Rastgebiete hat vielerorts trotz des Status „Nationalpark“ oder „Weltnaturerbe“ abgenommen. weiter »

Zugvogeltage im Wattenmeer: Und wer redet von der Zugvogeljagd und Windenergie?

 

 Dr. h.c. Horst Stern zum 89. Geburtstag gewidmet:

Angeschossene Nonnengans, nicht jagdbare arktische Gans, mit offenem Schussbruch. Terborg/Ems, April 2011

Die dritten Zugvogeltage finden vom 22. bis 30. Oktober mit über 150 Einzelveranstaltungen von Borkum bis Wangerooge, vom Dollart bis Cuxhaven statt. Zugvögel als “Naturschauspiel” zu begucken ist sicher eine spannende und auch lehrreiche Angelegenheit. Viele dieser Vögel, verschiedene Gänsearten aus der Arktis, werden aber schon zwei Tage nach den Zugvogeltagen ab dem 01. November 2011 auch in Niedersachsen wieder ganz legal bejagt und getötet werden, auch in EU-Vogelschutzgebieten an der Ems, die an den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer direkt angrenzen. Die Vögel kennen diese menschengemachten Grenzen nicht und fliegen so aus dem Nationalpark direkt ins Schrotfeuer der Hobbyjäger, die ihnen dort auflauern, in der Vergangenheit auch verbotener Weise bei Dunkelheit, Nebel oder Schneetreiben, ohne dass man bei diesem Licht die Arten sicher ansprechen kann. Jagdverhältnisse also wie in Italien!

weiter »

“Weltnaturerbe” Wattenmeer: Niedersächsischer Landtag beschließt weitere Tourismusförderung

Weltnaturerbe Wattenmeeer: Vermarktung im "Strandportal" Bensersiel/LK Wittmund

Eigentlich ist der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ein Großschutzgebiet für Tiere und Pflanzen, er unterliegt dem Schutzregime der FFH- und EU-Vogelschutzrichtlinie und ist als “Feuchtgebiet internationaler Bedeutung” von der Ramsar-Konvention geschützt. In Wirklichkeit ist der Nationalpark nur ein Werbeetikett für den Massentourismus, zusätzlich aufgepeppt mit dem Label  ”UNESCO- Weltnaturerbe”, das den Touristen “Abenteuer” verspricht. Am 12. Oktober 2011 beschloss die schwarz-gelbe Regierungsmehrheit im Niedersächsischen Landtag die weitere Förderung des Tourismus am Wattenmeer, zusätzliche Naturschutzmaßnahmen, wie von der SPD und den Bündnisgrünen gefordert, lehnte die CDU/FDP-Koalition ab. Bereits  2010 hatte der Wattenrat auf diesen Etikettenschwindel mit “Naturtourismus” öffentlich aufmerksam gemacht

weiter »

Upleward: “Karneval” im Weltnaturerbe

Gaudi im "Weltnaturerbe" für den guten Zweck

Upleward in der Gemeinde Krummhörn (LK Aurich) entwickelt sich zum Gaudizentrum des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer im „Weltnaturerbe“. Nicht nur, dass hier Kitesurfer auf vielen Hektar Fläche Vögel des Wattenmeeres vertreiben, nein, auch das Brauchtum (oder was man dafür hält) wird hier gepflegt. In diesem Jahr war es wieder das Schlickschlittenrennen, das die Massen lockte. Als „Karneval im Watt“ wurde diese Nummer angepriesen, das hier abgebildete Plakat war als Aushang im NABU-Nationalparkhaus in Greetsiel zu sehen. Der NABU ist eigentlich ein Naturschutzverband, zu dessen satzungsgemäßen Aufgaben es gehört, Schaden von der Natur abzuwenden, eigentlich.

Kein Event ohne den „guten Zweck“: Vom „Karneval im Wattenmeer“ soll die Niedersächsische Krebsgesellschaft profitieren. Wie viele Schlickkrebse allerdings durch dieses Treibenim Watt der Zwischenzone Erholungszone des Nationalparks ihr Leben ließen, ist nicht gezählt worden. Die Tagespresse berichtete ausführlich über das Spektakel; dass es sich hier um ein Stück eines Großschutzgebietes handelt, war weder der Regionalpresse noch den berichtenden Rundfunk- und Fersehsendern eine Erwähnung wert. Die dortige kleine Erholungszone wurde den Wünschen des Uplewarder Tourismusgeschäfts angepasst: Sie liegt im Watt direkt vor dem Deich und ist 900 m lang und geht nur 200m weit ins Watt hinein, südlich schließt umittelbar die strengste Schutzzone “Ruhezone” mit einem herausragenden Brut- und Rastgebiet an. Westlich und nördlich grenzt sie an die Zwischenzone.  In der Erholungszone oder den angrenzenden Zonen ist es laut § 6 , § 12 und § 15 des Nationalparkgesetzes  verboten:

- lärmintensive Veranstaltungen durchzuführen

– lärmintensive Veranstaltungen können mit Ausnahme von Motorsportveranstaltungen im Einzelfall zugelassen werden, soweit der Schutzzweck es erlaubt (gilt für die Erholungszone)

- die Ruhe der Natur durch Lärm oder auf andere Weise zu stören, weiter »

Post aus Mauritius

Diese Postkarte erreichte den Wattenrat heute aus dem fernen Mauritius. Bleibt zu hoffen, dass die uns unbekannte „wassersportbegeisterte Familie“ sich auf der Inselgruppe im Indischen Ozean an die Regeln im Umgang mit der Natur hält (welche es dort gibt, wissen wir nicht); aber auch dort hat die Natur mit der Totalausrottung einiger Vogelarten schon erheblichen Schaden [...]

Beobachtungshütten: gute und weniger gute Beispiele

Sichtblende am Punt van Reide (Dollart)

In den letzten Jahren wurde in oder an Naturschutzgebieten die Landschaft mit mehr oder weniger gelungenen Aussichtsplattformen oder „Hides“, also Sichtblenden, möbliert. Diese sollen das Naturerlebnis bei störungsempfindlichen Arten steigern, weil der Mensch auf Aussichtsplattformen oder hinter Sichtblenden für die Tiere unsichtbar bleibt, wenn denn diese Konstruktionen sinnvoll gebaut sind. Am Beispiel von drei Holzkonstruktionen aus den Niederlanden soll hier aufgezeigt werden, wie es nicht oder wie es gut mit der menschlichen Tarnung funktioniert.

weiter »