9. Zugvogeltage: Vehikel zur touristischen Vermarkung des Nationalparks

Der Wattenrat Ostfriesland nimmt Stellung zu den „9. Zugvogeltagen“, die derzeit an der niedersächsischen Küste beworben werden. Zu begrüßen ist zunächst, so der Wattenrat, dass Zugvögel aus Nordeuropa und Asien eine große Aufmerksamkeit bekommen. Nur muss man den Eindruck haben, das es dabei weniger um die Zugvögel geht, sondern um die weitere touristischen Vermarktung der Küste mit dem Vehikel „Zugvögel“.

Wesentliche Belastungsfaktoren des Wattenmeeres und der Zugvögel werden bei der Propagierung der Zugvogeltage ausgeblendet. Der Vogelzug an der Küste beginnt bereits im Juli nach dem Abschluss der Brutzeit. In dieser Zeit boomt der Massentourismus an der Küste und auf den Inseln. Ruhige Rückzugsorte für die durchziehenden und rastenden Watvögel sind auch im Großschutzgebiet „Nationalpark Wattenmeer“ selten geworden. […]

Hubschrauber stören Brut- und Rastvögel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Offshore-Windparks sind wegen des enormen Lärms bei der Fundamentrammung und der späteren Unterwasser-Dauerschallbelastung nicht nur abträglich für das Ortungssystem von Meeressäugern, sondern auch für Vögel, die auf ihren Zugrouten bei schlechten Wetterbedingungen mit den Riesenpropellern kollidieren können. Dazu kommen auch bisher weitgehend unbeachtete Sekundärauswirkungen durch die ständigen Hubschrauber-Versorgungs- und Wartungsflüge. Von den Flugplätzen in Emden, Norddeich und Norderney gibt es häufige ohrenbetäubende Starts- und Landungen mit unvermeidlichen Überflügen über die direkt angrenzenden Schutzzonen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, vermarktet als „Weltnaturerbe“. Diese Schutzzonen sind Brut- oder Rastgebiete von besonders- oder gar streng geschützten Vogelarten, die durch den Rotorenlärm und die Hubschraubersilhouette ebenfalls in der Luft gehalten werden: der bekannte Fluchtreflex. […]

Krabbenfischer: WWF gegen MSC-Zertifizierung, FDP Sprachrohr der Krabbenfischer

Greetsieler Krabbenkutter, die Möwen warten auf den Beifang, Foto (C): Eilert Voß

Die Pressemitteilung des WWF im „europaticker“ ganz unten


Das Marine Stewardship Council ist ein vorgebliches „Gütesiegel“ einer privaten Organisation, die ein Umweltsiegel für Fisch aus „nachhaltiger“ Fischerei entwickelt hat. Gegründet wurde der MSC 1997 vom Unilever-Konzern, zu dem bis 2006 unter anderem die Marke „Iglo“ gehörte, zusammen mit der Umwelt- und Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Der MSC wurde bereits zwei Jahre später, 1999, von Unilever und dem WWF unabhängig.

Die Krabbenfischerei greift durch den enormen Beifang, der tot oder verletzt wieder über Bord geht (für ca. 1kg gefischte Krabben bis zu 9kg Beifang: Jungfische, Krebse, Seesterne), erheblich in das Artenspektrum im Watt („Weltnaturerbe) ein, der Wattboden wird mit dem Fanggeschirr der Kutter, den Baumkurren, planiert. Die angelandeten Krabben sind oft sehr klein. Krabben werden zum Pulen mit LKW nach Nordafrika transportiert und mit der nicht unbedenklichen Benzoesäure konserviert. Mehr dazu im Fernsehfilm Vorsicht Krabben!

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Langeoog: Der Geist der Mirabelle…

Mirabellen, Foto: Wikipedia

…oder einfach nur Zeitgeist-Gesülze?

Die Urlaubsinsel Langeoog goes „Slow-Food“. Der erste – durchaus löbliche – „Slow-Food-Tag“ am 20. August 2017, bei dem in einigen Gaststätten auf der Insel „natürliche Produkte von regionalen Erzeugern“ angeboten wurden, bewarb die Lokalpresse nach der 1:1- Übernahme von der Langeooger WebSeite „Langeoog News“ mit unnachahmlicher Insellyrik, u.a. so:

„Für viele Insulaner, die schließlich mitten im Weltnaturerbe wohnen, ist ein Leben im Einklang mit der Natur und nachhaltiges Wirtschaften auch ohne jede Marketing-Komponente unabdingbar.“

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Zugvogelspektakel

Die jährlichen „Zugvogeltage“ im Wattenmeer werfen mal wieder Ihre Schatten voraus. Das bietet Gelegenheit für die sonst im tatsächlichen Naturschutz eher träge Nationalparkverwaltung mit ihrem Chef Peter Südbeck, erneut zur Medien-Hochform aufzulaufen. Nun soll für die Zugvögel im nationalparkfernen Oldenburg Musik gemacht werden, mit Unterstützung einer Bank und einem Scheck über 10.000 Euro. […]

Wie kommt die künstliche Fahrrinne in das Juister Watt? „Bürger fragen, Behörden antworten nicht“

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Zwischenzone im „Weltnaturerbe“, EU-Vogelschutz- und FFH-Gebiet: Zwischen den beiden gelben Markierungen verläuft eine schnurgerade Linie, aus 18km Höhe gut zu erkennen. Das sagt etwas über die Dimension dieses Eingriffs aus: Es  ist eine künstliche Fahrrinne, die wie ein Kanal zwei natürliche Fahrwasser im Watt verbindet und die Fahrtzeiten verkürzt. Wie kommt diese Fahrrinne ins Watt? Foto (C): Google Earth, Markierung durch den Wattenrat Ostfriesland

Bei Google Earth ist sie deutlich zu sehen: Wie mit dem Lineal gezogen zieht sich eine gerade Linie durch das Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ hinter der Nordseeinsel Juist, aus 18 Kilometer Höhe gut zu erkennen, ca. 3 Kilometer lang, Aufnahmedatum 25. September 2016.

Das sagt etwas über die tatsächlichen Ausmaße aus. Der Wattenrat erhielt Hinweise von der Insel, dass diese Linie eine künstlich geschaffene Fahrrinne in der Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sei (nicht wie ursprünglich angenommen in der Ruhezone!). Das Wattenmeer ist zudem FFH-Gebiet und EU-Vogelschutzgebiet und unterliegt daher dem europäischen Schutzregime „Natura-2000“. Hier gilt ein Verschlechterungsgebot.

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Kitesurfer gehen vor Gericht baden

Am 07. August 2017 fand vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg die Verhandlung über die Klage von Kitesurfern gegen Beschränkungen des Kitesurfens im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer statt. Kitesurfer von der Wurster Küste (LK Cuxhaven) beklagten die zeitlichen Einschränkungen für die dortigen Kiterflächen und stellten die Zuständigkeit der Nationalparkverwaltung in Frage, da es sich um eine Bundeswasserstraße handele. Anwalt der Kitesurfer war Prof. Dr. Schwemer aus Hamburg.
Auszug aus der Pressemitteilung des Gerichts vom 08. August 2017, die komplette Pressemitteilung finden Sie hier: Presse VG Oldenburg […]

Und wieder sommerlicher Bespaßungs-Krawall am „Weltnaturerbe“ Wattenmeer: Feuerwerke und Musik-Events

Feuerwerk am Hauptstrand von Langeoog, 23. Juli 2017. Das Feuerwerk im Rahmen des „Dörpfestes“ wurde auf der WebSeite „Langeoog News“ so angekündigt: „ca. 22.30 h wenn es dunkel ist, High-Light des Jahres“, das Wort „Feuerwerk“ wurde (verschämt?) vemieden. Foto:(C): privat/Wattenrat Ostfriesland

Wir haben es versucht. Die nachfolgende Pressemitteilung aus aktuellem Anlass ging an einige Zeitungen im Küstenbereich, gedruckt wurde sie aber nicht. Gerne dagegen werden in den Lokalmedien, mit Verlaub, gedruckte Blähungen zu allem und jedem aus dem touristischen, politischen oder behördlichen Bereich 1:1 übernommen. Während man sich an der Küste mit zahlreichen Veranstaltungen den jährlichen Sommerwolf feierte und immer noch feiert, war der Wattenrat mal wieder als Spaßbremse der Tourismusindustrie tätig. Seitdem es das Internet gibt, fällt aber nichts mehr so leicht unter den Tisch. Das Online- Magazin „europaticker“ hat unsere Pressemitteilung am 01. August 2017 veröffentlicht (s.u.), danke.

Nachtrag 09. August 2017: Am 09. August 2017 berichtet der „Ostfriesische Kurier“ aus Norden, dass in diesem Jahr „Kein Feuerwerk auf Juist“ stattfinden wird. Hintergrund ist laut Zeitungsbericht die Forderung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich nach einer „rechtlichen Prüfung“. Gemeint ist die eigentlich vorgeschriebene Verträglichkeitsprüfung nach dem Bundesnaturschutzgesetz für Natura-2000-Gebiete der Europäischen Union vor solchen Eingriffen. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist Teil des Netzwerkes Natura-2000. Bisher hat auf keiner Insel und in keinem Küstenbadeort diese Verträglichkeitsprüfung vor Feuerwerken mit seinen bekannten Auswirkungen auf die Brut- oder Rastvögel stattgefunden. Diese rechtlichen Vorgaben werden einfach ignoriert und ausgesessen. Die Bespaßungsindustrie und gewählte „Volksvertreter“ nehmen bisher naturschutzrechtliche Vorgaben kaum zur Kenntnis, vermarkten dafür aber intensiv das Etikett „Weltnaturerbe“ Wattenmeer. Auf Juist, wie auch auf anderen Inseln, gibt es keine Einigkeit über Feuerwerke: Die Partei der Grünen spricht sich gegen Feuerwerke auf der Insel aus, die Ratsgruppe „Pro Juist“ ist dafür, mit der Begründung „Rund um uns zu ballern alle Feuerwerke in die Luft, Norderney sogar viermal“. Eine CDU-Politikerin wird so zitiert: Auf Nachfrage bei einer anderen Insel sei festgestellt worden, dass man dort nach dem Motto „Wer viel fragt, bekommt auch viel verboten“. Für 2018 will man nun auf Juist ein Genehmigungsverfahren auf den Weg bringen. Juist wirbt sonst mit viel leerem Pathos für eine „klimaneutrale“ Insel, was immer das auch sein mag.

europaticker: Wattenrat kritisiert Fremdenverkehrsindustrie: Feuerwerke und lautstarke „Events“ am Wattenmeer-„Weltnaturerbe“

Vögel fliehen in Massen vor Feuerwerken

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Auf Sand gebaut…

Karte der Insel Langer Oge von Karl Ludwig von Le Coq 1805 – Hauptinsel Westerende mit Inseldorf und zwei Teilinseln, auf dem Osterende eine Siedlung, Quelle: Wikipedia

Auf der Insel Langeoog haben die Strandaufspülungen zur Inselsicherung begonnen. Diese sich periodisch wiederholenden starken künstlichen Eingriffe in das Wattensediment des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ sind notwendig, um die Infrastruktur auf der Insel zu schützen und den Tourismusbetrieb aufrechtzuerhalten. Finanziert wird diese Maßnahme aus Mitteln der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK-Mittel). Der erforderliche Sand wird mit einem Hopperbagger entnommen und dann mit Rohrleitungen weitertransportiert. Ohne die Aufspülungen und Strandverstärkungen würde die Insel ganz natürlich durch Wind und Wellengang irgendwann durchbrechen und in mehrere Teile getrennt werden, wie es in der Vergangenheit schon mehrfach geschehen ist. Die Insel würde ohne Küstenschutzmaßnahmen ständig ihre Lage verändern, wandern oder pendeln. Auf allen ostfriesischen Inseln, die bewohnt sind und touristisch genutzt werden, sind nach starken Sturmfluten auch Strandaufspülungen und Reparaturen an den Dünenabbrüchen nötig, um die Strände für den Tourismus zu erhalten und die Insel zu sichern. weiter »

„Ausflugsfahrten ins Wattenmeer“: Zertifikats-Geschwurbel

Für jeden etwas im vermarkteten „Weltnaturerbe“; der „Nationalpark“ kommt gar nicht mehr vor. Foto: Manfred Knake

Was lange währt, wird manchmal gut, manchmal. Nach 31 Jahren des Bestehens des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer bieten die Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge gemeinsam mit dem Nationalpark-Haus Carolinensiel und dem Wattwander-Zentrum Ostfriesland „Ausflugsfahrten ins Wattenmeer auf einem neuen Qualitätsniveau an“. Die Nummer nennt sich nun „Nationalpark-Erlebnisfahrten“, gemeint sind die altbekannten Ausflugsfahrten zu den Seehundbänken und das sog. „Schaufischen“. Und wie sollte es anders sein, jetzt mit „Zertifikat“ der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. Die Zertifizierung beinhaltet u.a., dass der Zertifikatsinhaber sich verpflichtet, „die Ziele des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer anzuerkennen und zu unterstützen“. Wer hätte das gedacht? Auch ohne das Zertifikat ist jedermann verpflichtet, nicht nur die Schiffsführer, sich an die Regeln des Nationalparkgesetzes zu halten. Man stelle sich vor, Autofahrer bekämen ein Zertifikat dafür, dass sie sich an die Verkehrsregeln halten und nicht bei Rot über die Ampeln fahren… weiter »