Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und die „Energy Coast“: „Ich bin froh, dass meine Kinder in Sicht- und Hörweite eines Windparks aufwachsen.“

Wirtschaftsminister Olaf Lies: (SPD) „Ich bin froh, dass meine Kinder in Sicht- und Hörweite eines Windparks aufwachsen.“ Schöner wohnen in Roggenstede im Landkreis Aurich? Foto (C): Peter Gauditz, Hannover

Olaf Lies (SPD) ist Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen und ein politischer Windkraftlobbyist. In Zetel im Landkreis Friesland lud die windkraftgeneigte SPD im Januar 2017 zu einem Gespräch ein, in dem der Minister sich zusammen mit dem EWE-Vorstandschef Matthias Brückmann (Energieversorgung Weser-Ems) zur Windkraftnutzung äußerte.

Hier einige markante Sprüche von Herrn Lies, entnommen aus der Nordwest Zeitung in Oldenburg, die am 23. Januar 2017 online darüber berichtete:

Der Nordwesten habe wegen des Windes einen so enormen Standortvorteil, dass die Region das Potenzial habe, eine Art ‚Silicon Valley‘ zu werden – eine Region, die für modernste Technik und Innovation bekannt ist und Unternehmer aus der ganzen Welt anzieht. Statt ‚Silicon Valley‘ könnte der Nordwesten ‚Energie Coast‘ heißen. (…) Er selbst wohne neben einem Windpark. „Ich bin froh, dass meine Kinder in Sicht- und Hörweite eines Windparks aufwachsen. Sie kennen es nicht anders. Und es ist mir viel lieber, als wenn wir in Rodenkirchen neben dem Kernkraftwerk Unterweser wohnen würden. (…) Windenergie ist das Effizienteste, was es bei den Erneuerbaren Energien gibt.“

Die betroffenen Einwohner der von ihm visionierten „Energy Coast“ werden das mit Befremden hören. Die Küste vor den Deichen ist zunächst ein Wattenmeer-Nationalpark und Weltnaturerbe und wird bereits touristisch übernutzt. Binnendeichs soll ein großes Biosphärenreservat entstehen, obwohl die Küste schon jetzt mit Windgeneratoren abgeriegelt ist. Durch die bereits bestehenden Anlagen wurden in den vergangenen zwanzig Jahren riesige Areale an der Küste für den palearktischen Vogelzug entwertet, nur durch den Scheucheffekt der Windkraftwerke. Und „ganz nebenbei“ wohnen hier auch Menschen, deren ehemals weite und offene Landschaft in ein rotierendes Industriegebiet verwandelt wurde. Ein weiterer Ausbau mit Windkraftanlagen würde in der Bevölkerung wegen der enormen Lämbelastung und des Wertverlustes der Immobilien keine Akzeptanz mehr finden. weiter »

Windpark Utgast: Genehmigungspraxis des Landkreises Wittmund in der Kritik

Blick in das Vogelschutzgebiet V63 bei Bensersiel: illegal gebaute Umgehungsstraße, fragwürde Genehmigungspraxis des Windparks Utgast/Gemeinde Holtgast, Foto (C): Manfred Knake

Blick in das Vogelschutzgebiet V63 bei Bensersiel: illegal gebaute Umgehungsstraße, fragwürdige Genehmigungspraxis des Windparks Utgast/Gemeinde Holtgast, Foto (C): Manfred Knake

Nach dem Skandal um die in einem EU-Vogelschutzgebiet illegal gebaute Umgehungsstraße in Bensersiel/Stadt Esens bahnt sich ein neuer Skandalschauplatz unweit der Umgehungsstraße an: der Windpark Utgast, der unmittelbar an das EU-Vogelschutzgebiet V63 „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“ grenzt und der derzeit mit Hochdruck mit neuen Enercon-70-Windturbinen repowert wird. In einer behördlichen Bekanntmachung stellte der Landkreis Wittmund fest, dass für 35 Windkraftanlagen mit jeweils einer Gesamthöhe von 100 Metern keine Umweltverträglichkeitsprüfungen notwendig seien, obwohl alle Anlagen in einem räumlichen Zusammenhang stehen und der Windpark unmittelbar an das EU-Vogelschutzgebiet grenzt. Windparks ab 20 Anlagen, die in einem räumlichen Zusammenhang stehen, sind jedoch zwingend UVP-pflichtig.

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, 29. Nov. 2016

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, erschienen im Dezember 2016

In der Anlage (pdf. WP-Utgast_LKWittmund_UVP) finden Sie drei aktuelle Beiträge (05., 06. und 07. Januar 2017, bitte scrollen!) aus der Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ (Wittmund/NDS) zu dieser umstrittenen Genehmigungspraxis des Windparks Utgast direkt am EU-Vogelschutzgebiet V63 (Natura-2000-Gebiet).  weiter »

Rezension: „Geopferte Landschaften“

Windpark Ochtersum/SG Holtriem/LK Witmund/NDS, Ausschnitt, Okt. 2016, Foto (C): Manfred Knake

Zum Lesen empfohlen: ETSCHEIT, G. (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. 367 Seiten. Heyne. 2016, ISBN 978-3-453-20127-9, 16,99 Euro

Die Rezension haben wir mit freundlicher Genehmigung von der WebSeite der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) übernommen:

Das Buch mit Beiträgen […]

Postfaktisches aus dem „Weltnaturerbe“ Wattenmeer: das „Wattenmeerforum“

pinocchio

Pinocchio (Walt Disney 1940)

Das „Wort des Jahres“ 2016, gekürt von der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. (GfdS), heißt „postfaktisch“. Das Wort stehe für einen tiefgreifenden politischen Wandel, heißt es in der Begründung. In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten. O-Ton der GfdS:

Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg.

Aber dass auch Teile der Presse Verlautbarungsorgane des Postfaktischen sind, sagt die Gesellschaft für deutsche Sprache als politisch korrekte „Sprachenpolizei“ nicht: weniger Fakten, dafür aber mehr Vereinfachung, das Verschweigen oder „lückige“und geschönte Berichterstattung sowie auch Copy-and-paste-Journalismus statt Recherche. Und genau das merkt der selbständig denkende Nachrichtenrezipient, der nicht mehr bereit ist, als vermeintliche „Tatsachen“ getarnte Meldungen zu akzeptieren.  Was hat das mit dem Wattenmeer zu tun? weiter »

Windenergie: missglückter Schwertransport

28. Nov. 2016: aus dem Verkehr gezogener "Schwertransport", ziwchengeparkt an der L10 in Stedesdorf/LK Wittmund, Foto (C): Manfred Knake

28. Nov. 2016: aus dem Verkehr gezogener „Schwertransport“, zwischengeparkt an der L10 in Stedesdorf/LK Wittmund, Foto (C): Manfred Knake

Man muss sich nur zu helfen wissen: Bauer Reiner T. aus Thunum aus der Gemeinde Stedesdorf in der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund in Niedersachsen betreibt eine eigene alte Tacke- Windkraftanlage. Da kann schon mal was kaputtgehen und Ersatzteile sind teuer. Also machte er sich aus Thunum nach dem ca. 8 km entfernten Windpark Utgast in der Gemeinde Holtgast auf. Im Windpark Utgast werden gerade die mehr als zwanzig Jahre alten Tacke-TW-600 Anlagen abgebaut und mit leistungsstärkeren Enercon-Anlagen direkt an einem EU-Vogelschutzgebiet repowert. Bauer T. lud also – wie auch immer – einen kompletten Flügelsatz auf seinen „Schwertransporter“ Marke „Agro-Gigaliner“: drei Ackerwagen mit Strohunterlage mit einem Traktor als Zugmaschine. Kurz vor dem heimatlichen Ziel in Thunum wurde das bemerkenswerte Transportsystem von der Polizei auf der Landesstraße 10 gestoppt und aus dem Verkehr gezogen. Dieser Transport ganz nebenbei eine Straftat: Für diese schwergewichtige Ladung ist das Gespann nicht zugelassen, und ein Führerschein für diese Aktion lag dem Vernehmen nach auch nicht vor. Dumm gelaufen… weiter »

Unsichtbare Windkraftanlagen in Roggenstede? Anwalt: „Täuschungsversuch“ der BI

Wind_Roggenstede

Screenshot-Bildzitat- Energieatlas Niedersachsen http://www.energieatlas.niedersachsen.de/startseite/: Roggenstede im LK Aurich (Bildmitte). Die Karte ist unvollständig, im Norden des Ortes wird noch eine WEA errichtet, im Südosten auf Wittmunder Kreisgebiet werden z.Zt. 10 weitere Anlagen gebaut.

Der kleine Ort Roggenstede Gemeinde Dornum) im niedersächsischen Landkreis Aurich ist umstellt von sehr vielen Windkraftanlagen. Betroffene Einwohner sehen sich ihrer Lebensqualität im ehemaligen beschaulichen Ort beraubt: Nicht nur die massive optische Einwirkung der nahegelegenen bis zu fast 200 Meter hohen Anlagen aus dem Landkreis Aurich und dem Nachbarlandkreis Wittmund bei Tag oder das ständige rote Blinken bei Nacht rund um den Ort nervt, auch der unangenehme niederfrequente Schall der Rotoren sorgt bei allen Windrichtungen für schlaflose Nächte. Der Schall dringt durch die Wände, das ständige Brummen hört sich an wie eine Waschmaschine im Dauerschleudergang. Selbstverständlich gibt es gutachterliche Schallprognosen nach der TA-Lärm, von denen die genervten Anwohner aber nicht viel halten.

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Windenergiewirtschaft will Deutungshoheit über Artenschutz

Mäusebussard © Gordana und Ralf Kistowski

wunderbare-Erde.de: Mäusebussard Foto ©: Gordana und Ralf Kistowski

Übernahme des nachfolgenden Textes mit freundlicher Genehmigung von der Seite der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE):

Am 17. November 2016 möchte die Fachagentur Windenergie an Land in Hannover über die „Ergebnisse aus dem Forschungsvorhaben Progress“ diskutieren. Dominiert wird das Programm von Vertretern der Windenergiewirtschaft, was nicht verwundert. Hinter der klangvollen Bezeichnung „Fachagentur Windenergie an Land“ stecken deutsche Wirtschafts- und Umweltministerien (aber auch der Deutsche Naturschutzring). Sie sind mit der Windenergiewirtschaft aufs Engste verbunden. Die Windenergiewirtschaft sucht die Deutungshoheit über den Artenschutz und das Artenschutzrecht zu gewinnen. Diesem Zweck soll die Veranstaltung dienen. weiter »

Nearshore-Windpark Nordergründe wächst am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Blick von Wremen/LK Cuxhaven über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmmer Richtung Windpark Nordergründe, Foto (C): Ingrid Marquardt/Wattenrat Ostfriesland

Blick von Wremen/LK Cuxhaven über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer Richtung Windpark Nordergründe, im Vordergrund rechts das Nationalparkschild, Foto (C): Ingrid Marquardt/Wattenrat Ostfriesland

Weitgehend unbemerkt von der Medienberichterstattung wird derzeit am Near-Shore Windpark Nordergründe nur ca. 560 Meter vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer (EU-Vogelschutzgebiet und „Weltnaturerbe“) gebaut. Hier entstehen 18 Windenergieanlagen vom Typ Senvion 6.2M126, mit einem Rotordurchmesser von 126 Metern, Gesamthöhe ca. 160 Meter und einer Nennleistung von jeweils 6,15 MW, in der Vogelzugroute und an einem stark befahrenen Schifffahrtsweg. Naturschutzfachliche Empfehlungen gehen von 1.200 Abständen von Windenergieanlagen zu Vogelschutzgebieten aus („Helgoländer Papier“ und „Arbeitshilfe Naturschutz und Windenergie“ des Niedersächsischen Landkreistages). Aber in den Hauptvogelzurouten ist auch das nicht sicher für die Vögel. Bei unsichtigem Wetter wie Nebel, Starkregen oder Schneetreiben werden mit Sicherheit ungezählte Zugvögel mit den Rotoren kollidieren und zu Tode kommen.  weiter »

Vogeljagd im Wattenmeer: Querschläger im Naturschutzverband Niedersachsen

Illegal geschossene Brandenente (keine Jagdzeit) in einem EU-Vogelschutzgebiet an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

Illegal geschossene Brandente (keine Jagdzeit) in einem EU-Vogelschutzgebiet an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

Endlich! Einige niedersächsische Naturschutzverbände unter der Federführung des WWF haben sich gegen die Vogeljagd im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer positioniert. Die gemeinsame Pressemitteilung von WWF, BUND, NABU, NVN und anderen Verbänden hat der Weser Kurier in Bremen am 08. September 2016 mit diesem Text ergänzt:

„Dem Wattenrat Ostfriesland dagegen geht der Vorstoß der Umweltverbände nicht weit genug. Der unabhängige Zusammenschluss kleinerer Naturschutzgruppen fordert die Einstellung der Wasservogeljagd in allen EU-Vogelschutzgebieten. Eilert Voß von der Gänsewacht“ des Wattenrates dokumentiert seit Jahren Jagdverstöße bei der Wasservogeljagd im Nationalpark. Seine Fotos belegen Fehlschüsse bei Nebel, aber auch die Verwendung von giftigem Bleischrot.“

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Windenergie: schlaflos in Roggenstede im Landkreis Aurich

YouTube-logo-full_colorDas Video wurde aus veröffentlichungsrechtlichen Gründen entfernt.

Das obige YouTube-Video zeigt die Umgebung des Ortes Roggenstede im Landkreis Aurich in Niedersachsen, ganz in der Nähe der Küste. Der Ort ist mit Windkraftanlagen umstellt. Anwohner leiden enorm unter dem Lärm der Anlagen, vor allem nachts. Die Werte der in Gutachten vorhergesagten Schallimmisionen stimmen nicht mit der Wirklichkeit überein. Einige Einwohner sind bereits weggezogen. Die Immobilien können durch die Auswirkungen der Windkraftanlagen nur mit einem Wertverlust verkauft werden. Nur ganz wenige Investoren der Region sind für die Anlagendichte verantwortlich, verdienen aber beträchtlich an der damit verbundenen Landschaftszerstörung und den gesundheitlichen Einbußen der Anwohner. Und es wird noch lauter werden: Die letzten freien Flächen um den Ort werden derzeit mit zusätzlichen Enercon-Windkraftanlagen zugebaut. weiter »