Wohnen müssen, wo andere Urlaub machen können

Foto (C): Eilert Voß, Wattenrat Ostfriesland

Wohnen müssen, wo andere Urlaub machen können:
Küstenbadeort Bensersiel im Landkreis Wittmund, Blick auf den Windpark Utgast, direkt am EU-Vogelschutzgebiet „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“, aufgenommen im Juli 2017

Hinweis: Dieses Foto ist, wie alle beim Wattenrat veröffentlichten Fotos, urheberrechtlich geschützt! Evtl. Veröffentlichungsanfragen bitte an den Wattenrat richten, das […]

Bürgerprotest gegen politischen Windwahn in Jever

Protest in Sandel, Foto: Manfred Knake

Nicht nur in Ostfriesland, auch im angrenzenden Jever und Umgebung im Landkreis Friesland (Wangerland) brodelt es. CDU, SPD und Grüne im Stadtrat von Jever halten unbeeindruckt von den Protesten der Einwohner der umgebenden Ortschaften an den Ausbauplänen für noch mehr Windparks fest, die bis zu 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung entstehen könnten. Dagegen sind die FDP und die SWG (Soziale Wählergruppe Jever und Friesland). Nach den Erkenntnissen zu den Auswirkungen des tieffrequenten Schalls auf den menschlichen Körper wären die Entscheidungen zu den geringen Abständen zu Wohnhäusern vorsätzliche Körperverletzung! Auch mehr als 1200 Unterschriften gegen den „Windwahn“ konnten die meisten Ratsmitglieder nicht von ihren Beschlüssen abbringen. Wer hat diese „Volksvertreter“ angefixt, wer von diesen gnadenlosen Politikern verdient später an den Anlagen mit, welcher Hersteller wird die Anlagen bauen? Details zu einer bemerkenswerten Ratssitzung lesen Sie hier in der ausführlichen Berichterstattung in der Lokalpresse: 27Juni2017_Windkraft_Jever_Friesland (.pdf). Der ebenfalls abgedruckte Leserbrief bezieht sich auf den Windpark Stedesdorf im Landkreis Wittmund. Weitere Leserbriefe zu den Protesten im Wangerland können Sie am Ende des Beitrages lesen.
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Windkraftboom im Landkreis Aurich – Kommt der Seeadler unter die Windräder?

Fahrwasser Langeoog, Nationalpark Nieders. Wattenmeer: Blick auf das Festland zwischen Bensersiel und Dornumersiel (Ausschnitt), Foto (C): Manfred Knake

Die Genehmigung für noch mehr Windkraftanlagen im Landkreis Aurich boomt, die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag vom 30. März 2017 brachte Klarheit:

Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung mit Antwort der Landesregierung – Drucksache 17/7754 –

Anfrage der Abgeordneten Dr. Gero Hocker, Hillgriet Eilers und Dr. Stefan Birkner (FDP) an die Landesregierung, eingegangen am 30.03.2017, an die Staatskanzlei übersandt am 05.04.2017
Wie viele Windräder wurden im letzten Jahr [2016] im Landkreis Aurich genehmigt?

[…] 1. Wie viele Windkraftanlagen wurden im Landkreis Aurich in den Jahren 2015 und 2016 genehmigt?
Im Jahr 2015 wurde 1 Antrag für 1 Windkraftanlage positiv beschieden.
Im Jahr 2016 wurden 51 Anträge für 101 Windkraftanlagen positiv beschieden. […]

6. Gab es Windkraftprojekte im Landkreis Aurich, die 2016 aufgrund von Einsprüchen nicht genehmigt werden konnten, und, wenn ja, welche?
Aufgrund von Einwendungen aus der Öffentlichkeit wurden nach den hier vorliegenden Erkenntnissen keine Genehmigungsanträge abgelehnt. […]

Nein, kein Druckfehler! 2016 wurden also weitere einhundertundeins (!) Anlagen genehmigt, davon allein im Dezember 2016 noch 57 Anlagen. weiter »

Naturschutz in Ostfriesland „hat fertig“

Nichts dokumentiert den Tiefstand des Naturschutzschutzes in Ostfriesland so treffend, wie es auf einer Zusammenkunft zu einem möglichen Biosphärenreservat in der Krummhörn/LK Aurich deutlich wurde. Die Lokalzeitung „Ostfriesischer Kurier“ aus Norden im Landkreis Aurich berichtete über das Treffen am 20. Mai 2017. Aus dem Bericht „Kaum Interesse an Erweiterung des Biosphärenreservats- Informationsveranstaltung in der Krummhörn zum Unesco-Projekt“ stammen die in Anführungsstrichen entnommenen Zitate.

Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer: „Ausdrücklich gehe es nicht darum, neue Naturschutzgebiete zu installieren. ´Das ist das Letzte, was wir wollen`, stellte Nationalparkverwaltungsleiter Peter Südbeck klar.“ weiter »

Ökologische Rauchzeichen

Rauchzeichen aus dem Windpark Utgast, Mai 2017, Foto: privat

Im Windpark Utgast bei Esens im Landkreis Wittmund/NDS wird derzeit „repowert“. Die abgängigen Tacke-Anlagen (TW-600) werden seit Monaten gegen die leistungsstärkeren – und lauteren – neuen Enercon E-70-Anlagen ausgetauscht. In der Bildmitte verabschiedet sich eine Tacke mit schwarzem Rauch. Das alte Getriebeöl, das jahrelang aus Leckagen in den Turm gelaufen ist, entzündete sich bei den Schweißarbeiten am Stahlturm und wird hier gerade nicht ganz „fachgerecht“ entsorgt, mit dem weithin sichtbaren Rauchzeichen. weiter »

Enercon: Herr Kettwig und das CO2

Screenshot-Bildzitat: Hans-Dieter Kettwig auf der Hannover-Messe. Quellle: Ostfriesische Nachrichten (ON), Aurich, online, 27. April 2017, https://www.on-online.de/-news/artikel/276905/Windkraft-Enercon-fordert-mehr-Anlagen

Hans-Dieter Kettwig arbeitet beim Windkraftanlagenhersteller Enercon in Aurich. Und er ist dort nicht irgendwer: Er ist der Geschäftsführer der Enercon GmbH. Zu Herrn Kettwigs Aufgaben gehört es daher auch, das Unternehmen am Markt zu positionieren, Kontakte mit der Politik zu pflegen und die Firma positiv in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Letztere geschah gerade auf der Hannover-Messe.

Die Boomjahre der Herstellung von Windkraftanlagen neigen sich anscheinend dem Ende zu, der Markt schrumpft, wie die Auricher Tageszeitung „Ostfriesischen Nachrichten“ (ON) am 27. April 2017 aus Hannover berichtete. Nach dem ON-Bericht geht Enercon 2017 von rund 3800 bis 4000 Megawatt (MW ) neuer Windrad-Leistung in Deutschland aus, 2018 von 2900 MW und 2019 nur noch von 2300 MW installierter Leistung. Enercon hat einen Marktanteil,von derzeit ca. 40 Prozent, und den wolle man mindestens halten, lieber aber wieder ausbauen auf bis zu 50 Prozent, so die Zeitung. Da der Markt in Deutschland kaum weiter wachsen wird, will Enercon vor allem im europäischen Ausland weiter expandieren. Dort hat Enercon mit 26 Prozent nach dem dänischen Vestas-Konzern (29 Prozent) den zweithöchsten Marktanteil. Der Weltmarktanteil liege laut Kettwig derzeit bei knapp sieben Prozent; weltweit bedeute das Platz Fünf nach den Herstellerfirmen Vestas, General Electric, Goldwind und Gamesa. Und weil der deutsche Markt absehbar schrumpfen wird, nebelte Herr Kettwig wieder geschäftsfördernd mit dem bösen CO2, das in nicht wenigen Medienberichten sogar schon zum Giftgas umgeschrieben wurde und angeblich für den Klimakollaps sorgen soll. Mit Angstszenarien lassen sich bekanntlich gute Geschäfte machen. So meldete die Auricher Zeitung weiter aus Hannover: weiter »

Historisches ostfriesisches Denkmal „Upstalsboom“ bekommt einen Ehrenwindpark

Das neue „Upstalsboom“-Denkmal in Aurich: neue Hinweistafeln an den Autobahnabfahrten

Die Vereinigung „Ostfriesische Landschaft“ als Nachfolgerin der mittelalterlichen ostfriesischen Landstände der Region feiert sich jährlich um den 10. Mai herum- am sog. „Oll´ Mai – selbst. Die „Ostfriesische Landschaft“ hat offiziell keine politische Funktion mehr, wird aber von Regionalpolitikern aus den Landkreisen und der Stadt Emden „regiert“. Sie gilt heute als Kultur- und Wissenschaftsparlament und ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingetragen. Am Oll´Mai finden Ehrungen statt, verdienstvolle Nicht-Ostfriesen bekommen an diesem Tag von der Landschaftsversammlung die ostfriesische Ehrenbürgerschaft, das Indigenat, verliehen. Ort der Feierlichkeiten ist das Denkmal „Upstalsboom“ in Aurich, das so etwas wie ein Nationalheiligtum für Ostfriesen ist. Der Upstalsboom war im späten Mittelalter der Versammlungsort der Abgesandten der friesischen Landstände, die sich unabhängig vom Adel als „freie Friesen“ und Hüter der „Friesischen Freiheit“ sahen. weiter »

Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und die „Energy Coast“: „Ich bin froh, dass meine Kinder in Sicht- und Hörweite eines Windparks aufwachsen.“

Wirtschaftsminister Olaf Lies: (SPD) „Ich bin froh, dass meine Kinder in Sicht- und Hörweite eines Windparks aufwachsen.“ Schöner wohnen in Roggenstede im Landkreis Aurich? Foto (C): Peter Gauditz, Hannover

Olaf Lies (SPD) ist Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen und ein politischer Windkraftlobbyist. In Zetel im Landkreis Friesland lud die windkraftgeneigte SPD im Januar 2017 zu einem Gespräch ein, in dem der Minister sich zusammen mit dem EWE-Vorstandschef Matthias Brückmann (Energieversorgung Weser-Ems) zur Windkraftnutzung äußerte.

Hier einige markante Sprüche von Herrn Lies, entnommen aus der Nordwest Zeitung in Oldenburg, die am 23. Januar 2017 online darüber berichtete:

Der Nordwesten habe wegen des Windes einen so enormen Standortvorteil, dass die Region das Potenzial habe, eine Art ‚Silicon Valley‘ zu werden – eine Region, die für modernste Technik und Innovation bekannt ist und Unternehmer aus der ganzen Welt anzieht. Statt ‚Silicon Valley‘ könnte der Nordwesten ‚Energie Coast‘ heißen. (…) Er selbst wohne neben einem Windpark. „Ich bin froh, dass meine Kinder in Sicht- und Hörweite eines Windparks aufwachsen. Sie kennen es nicht anders. Und es ist mir viel lieber, als wenn wir in Rodenkirchen neben dem Kernkraftwerk Unterweser wohnen würden. (…) Windenergie ist das Effizienteste, was es bei den Erneuerbaren Energien gibt.“

Die betroffenen Einwohner der von ihm visionierten „Energy Coast“ werden das mit Befremden hören. Die Küste vor den Deichen ist zunächst ein Wattenmeer-Nationalpark und Weltnaturerbe und wird bereits touristisch übernutzt. Binnendeichs soll ein großes Biosphärenreservat entstehen, obwohl die Küste schon jetzt mit Windgeneratoren abgeriegelt ist. Durch die bereits bestehenden Anlagen wurden in den vergangenen zwanzig Jahren riesige Areale an der Küste für den palearktischen Vogelzug entwertet, nur durch den Scheucheffekt der Windkraftwerke. Und „ganz nebenbei“ wohnen hier auch Menschen, deren ehemals weite und offene Landschaft in ein rotierendes Industriegebiet verwandelt wurde. Ein weiterer Ausbau mit Windkraftanlagen würde in der Bevölkerung wegen der enormen Lämbelastung und des Wertverlustes der Immobilien keine Akzeptanz mehr finden. weiter »

Windpark Utgast: Genehmigungspraxis des Landkreises Wittmund in der Kritik

Blick in das Vogelschutzgebiet V63 bei Bensersiel: illegal gebaute Umgehungsstraße, fragwürde Genehmigungspraxis des Windparks Utgast/Gemeinde Holtgast, Foto (C): Manfred Knake

Blick in das Vogelschutzgebiet V63 bei Bensersiel: illegal gebaute Umgehungsstraße, fragwürdige Genehmigungspraxis des Windparks Utgast/Gemeinde Holtgast, Foto (C): Manfred Knake

Nach dem Skandal um die in einem EU-Vogelschutzgebiet illegal gebaute Umgehungsstraße in Bensersiel/Stadt Esens bahnt sich ein neuer Skandalschauplatz unweit der Umgehungsstraße an: der Windpark Utgast, der unmittelbar an das EU-Vogelschutzgebiet V63 „Ostfriesische Seemarschen von Norden bis Esens“ grenzt und der derzeit mit Hochdruck mit neuen Enercon-70-Windturbinen repowert wird. In einer behördlichen Bekanntmachung stellte der Landkreis Wittmund fest, dass für 35 Windkraftanlagen mit jeweils einer Gesamthöhe von 100 Metern keine Umweltverträglichkeitsprüfungen notwendig seien, obwohl alle Anlagen in einem räumlichen Zusammenhang stehen und der Windpark unmittelbar an das EU-Vogelschutzgebiet grenzt. Windparks ab 20 Anlagen, die in einem räumlichen Zusammenhang stehen, sind jedoch zwingend UVP-pflichtig.

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, 29. Nov. 2016

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, erschienen im Dezember 2016

In der Anlage (pdf. WP-Utgast_LKWittmund_UVP) finden Sie drei aktuelle Beiträge (05., 06. und 07. Januar 2017, bitte scrollen!) aus der Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ (Wittmund/NDS) zu dieser umstrittenen Genehmigungspraxis des Windparks Utgast direkt am EU-Vogelschutzgebiet V63 (Natura-2000-Gebiet).  weiter »

Rezension: „Geopferte Landschaften“

Windpark Ochtersum/SG Holtriem/LK Witmund/NDS, Ausschnitt, Okt. 2016, Foto (C): Manfred Knake

Zum Lesen empfohlen: ETSCHEIT, G. (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. 367 Seiten. Heyne. 2016, ISBN 978-3-453-20127-9, 16,99 Euro

Die Rezension haben wir mit freundlicher Genehmigung von der WebSeite der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) übernommen:

Das Buch mit Beiträgen […]