Der Wattenrat

Der Wattenrat Ostfriesland, gegründet 2001 in Dornumersiel

Der Wattenrat Ostfriesland ist ein lockerer Zusammenschluss verbandsunabhängiger Naturschützer aus der Küstenregion Ostfrieslands, der aus der „Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände“ (gegründet 1979) hervorgegangen ist.  Sie finden hier die ungeschminkten Informationen über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und seine angrenzenden Gebiete in Ostfriesland und Friesland. Der Wattenrat ist kein Verein, sondern eine Interessengemeinschaft. Es gibt also keine Satzung, keine Mitgliederversammlung und kein Stammlokal wie in einem Verein. Die Arbeit des Wattenrates „lebt“ von Hinweisen und der Zuarbeit von Wattenmeerinteressierten. Seit 2002 gehört auch die nicht-kommerzielle redaktionelle Arbeit zu den Aufgaben des Wattenrates. Zunächst betreute Onno K. Gent aus Norden die Online-Arbeit und baute die redaktionellen Texte in WebSeiten um, das war viel Arbeit und dafür sei ihm gedankt. Heute ist Onno hauptberuflicher Nationalparkranger. Die WebSeiten werden nun mit WordPress aus dem Redaktionsbüro in Holtgast ins Netz „geschoben“, der Arbeitsaufwand hat sich dadurch erheblich verringert. Wir berichten regelmäßig als Online-Redaktion (WattenPresse) über das Geschehen im und am Wattenmeer, und gelegentlich auch darüber hinaus. Für Themenvorschläge oder Fotos, die in dieses Raster passen, sind wir immer dankbar. Das Koordinierungs- und Pressebüro des Wattenrates befindet sich in Esens-Holtgast, mehr dazu im Impressum.

Der Watten-Rat: Neuer Name, bewährtes Engagement für das Wattenmeer

Lang, lang ist’s her…

Nach Vorgesprächen in Norden/Ostfriesland  mit Lenelotte von Bothmer (MdL und MdB), von 1971 bis 1983  Vorsitzende des Bundes für Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen (BfNL) und Prof. Dr. Ernst Preising, dem Mitbegründer des BfNL (ab 1983 in Niedersachsen  BUND), wurde zunächst die „Kreisgruppe Ostfriesische Inseln und Küste“ des BfNL gegründet. Als Vorsitzender wurde der pensionierte Leiter einer Bundesbehörde und Rechtsanwalt Hellmuth Meyer (verstorben 2000) aus Esens gewählt. Die Zusammenarbeit erwies sich seitens der Geschäftstelle in Hannover als wenig hilfreich, wenig kooperativ und zäh, so wurde diese Kreisgruppe wieder aufgelöst.

Daraufhin gründeten  1979  Natur- und Umweltschützer der Region Ost-Friesland in Norden die „Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände Ost-Friesland“ für einen Einzugsbereich von Emden bis Wilhelmshaven. Die „Konferenz“ arbeitete eng mit den damaligen Naturschutzverbänden(1) zusammen, die Konferenzmitglieder waren die „Basis“ für die großen Verbände, wenn es um Zulieferung von Daten und Hintergründen aus der Küstenregion und den Schutz des Wattenmeeres ging. Die „Konferenz“ selbst recherchierte und dokumentierte gründlich viele Ein- und Angriffe durch vielfältige Nutzungsinteressen auf die Naturräume an der Küste: das Wattenmeer, die Dünen, die Salzwiesen, die Marsch, Gewässer oder die Moore. Die Pressearbeit mit dem Ziel der Darstellung von Hintergründen war eine der Hauptaufgaben, aber nicht immer wurde alles von den Lokalzeitungen gedruckt, und wenn dann häufig so verstümmelt, dass der eigene Text nicht wiederzuerkennen war. Dafür erhielten und erhalten die „Offiziellen“ aus Verwaltung und Politik stets breiten Raum zur Selbstdarstellung.

Am 15. Juni 1993 wurde innerhalb der „Konferenz“ als Untergruppe die „Arbeitsgemeinschaft Wattenmeer“ in Dornumersiel gegründet.

Die Zeiten änderten sich. Der Naturschutz wandelte sich von „everybody’s darling“ in den Siebzigern und Achtzigern zum Watschenmann und Hemmschuh für alles und jenes. Und die Naturschutzverbände wandelten sich ebenfalls. Die Geschäftsstellen in Hannover verselbstständigten sich, der kritische Kontakt zur Landespolitik wich nach der damaligen Regierungsübernahme durch Rot-Grün und später nur noch Rot einem häufig zu beobachtenden Schmusekurs, der Kontakt zur Basis der ehrenamtlich arbeitenden Naturschützer reduzierte sich dramatisch. Nach dem Eingriff „Erdgasleitung Europipe“ in den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer 1995 waren die großen Naturschutzverbände an der Küste inhaltlich beim Schutz des Wattenmeeres kaum noch präsent, bedienten sich aber nun gerne und großzügig aus der Wattenmeerstiftung des „Europipe“-Betreibers Statoil, die vom Land Niedersachsen verwaltet wird. Der niedersächsische Ableger des Naturschutzbund NABU (ex-DBV) beispielsweise, damals über seine Geschäftsstelle in Aurich als Vorkämpfer für einen fachlichen Wattenmeerschutz geschätzt und bekannt, entließ 1996 seinen kritischen und fachlich anerkannten Regionalgeschäftsführer Filbrandt und baute mit Mitteln der Statoil-Wattenmeer-Stiftung eine neue Geschäftsstelle in Wiegboldsbur in Ostfriesland auf: Fortan wurden der Gänsetourismus im Rheiderland, die Fahrten zu den Seehundsbänken sowie die Einrichtung eines Streichel-Bauernhofes bevorzugte Aktionsfelder des NABU in Ostfriesland.

Bei den „Konferenzlern“ wuchs der Unmut über die abgehobenen Geschäftsstellen und die dürftige, oft undurchschaubare und regierungsnahe Mitarbeit im Naturschutz an der Küste und im Wattenmeer. Ein Höhepunkt war die Novellierung des Nationalparkgesetzes 2001 in Niedersachsen zum Nachteil des Nationalparks Wattenmeer. Die Gesetzesnovellierungwurde sogar im Anfangsstadium trotz Warnungen von der Küste von den anerkannten Naturschutzverbänden mit unterstützt. Der Name „Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände Ost-Friesland“ schien überholt, weil „die“ Verbände kaum noch an der Küste in Erscheinung traten und die Konferenz nicht unbedingt für die Versäumnisse der großen Naturschutzverbände verantwortlich gemacht werden wollte. Zudem entwickelten sich einige Naturschutzverbände zu Umweltkonzernen, die mehr auf den kontinuierlichen Eingang von Mitgliederbeiträgen und Spenden sahen als auf das aktive und „nachhaltige“Handeln  im Sinne des Naturschutzes. Trotzdem arbeitete die „Konferenz“ noch jahrelang unter dem eigentlich längst ungeliebten Namen unabhängig weiter.

Ihre Themen waren nun beispielsweise der ungehemmte Ausbau der Windenergienutzung in wichtigen Vogellebensräumen an der Küste, was zu einer Beschwerde vor der EU-Kommission und zur Befragung der Bundesrepublik Deutschland führte . Darüber hinaus setzte sie sich mit dem Miesmuschelfang im Nationalpark oder den angrenzenden Wattengebieten im Ems-Dollart-Bereich auseinander, veröffentlichte das ungeklärte Ringelganssterben, das Eiderentensterben oder vermeidbare lokale Eingriffe durch Küstenschutzbehörden im Wattenmeer. All dies und mehr waren Themen, die ohne die Konferenz nie das Licht der Öffentlichkeit in diesem Umfang erblickt hätten.

Auf der Jahresversammlung der „Konferenz“ am 02.  November 2001 in Dornumersiel wurde schließlich besprochen und beschlossen, den ungeliebten Namen aufzugeben und den tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Nicht mehr die „Umweltverbände“ sollten im Titel stehen, sondern kurz und prägnant das, was seit Jahren betrieben wurde, die Beratung von Themen rund um das Wattenmeer, also ein „Wattenrat“.

Anmerkungen:

  • 1. Biologische Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems (BSH), Naturschutzverband Niedersachsen (NVN), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV – heute NABU) sowie Projekt „Meere und Küsten“ des World Wide Fund for Nature (WWF) in Bremen.
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