Silvester an der Küste: Norddeich, die mit dem Knall

Sreenshot, Bildzitat: http://www.norddeich.de/familienurlaub-in-norddeich-an-der-nordsee/veranstaltungen-in-norddeich/silvester-am-deich/ – 30.Dez. 2016

Es ist mal wieder soweit: Im und am „Weltnaturerbe“ Wattenmeer – der ganz nebenbei ein Nationalpark und EU-Vogelschutzgebiet ist – wird es zu Silvester wieder rund gehen. Böller und Raketen werden die hier rastenden Zugvögel in Panik versetzen und weiträumig vertreiben. Das ist eigentlich verboten, wird aber von der Tourismusindustrie gefördert. In Norddeich z.B. ruft die Kurverwaltung zusammen mit dem aus öffentlichen Geldern finanzierten NDR (Radiosender NDR2) zu einer „Silvesterparty am Strand“ auf. Zitat: „Wie schon im Vorjahr bitten der Tourismus-Service Norden-Norddeich und der Veranstalter iventos die Besucher, auf das Mitbringen von Feuerwerk zum Schutz von Mensch und Tier im Deichvorland zu verzichten und weisen darauf hin, dass im Veranstaltungsbereich Feuerwerk untersagt ist.“
Es möge nützen, aber das klappte schon im letzten Jahr nicht und wird auch in diesem Jahr mangels ausreichender Kontrollen nicht funktionieren. Es ist doch mindestens naiv anzunehmen, die Besucher des Spektakels, angetrunken oder nüchtern, würden ausgerechnet zu Silvester keine Feuerwerkskörper zünden. weiter »

Gülle: endlich schärfere Kontrollen

Verboten: Ausbringung von Gülle auf gefrorenem Boden, Ditzumer Hammrich/Ostfriesland, 2015 - Foto(C): Eilert Voß

Verboten: Ausbringung von Gülle auf gefrorenem Boden, Ditzumer Hammrich/Ostfriesland, Februar 2015 – Foto (C): Eilert Voß

Endlich, nun soll das Ausbringen der enormen Güllefracht in Niedersachsen mit den Auswirkungen auf Oberflächengewässer und das Grundwasser gründlicher durch eine neue Behörde kontrolliert werden. Es ist einfach skandalös, wie die Landwirtschaftslobby jahrelang das (Über-) Düngeproblem – auch mit Hilfe der Presse – abgestritten und verniedlicht hat. Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht und die z.T. auch strafbaren Machenschaften dieses Berufstandes stärker kontrolliert werden, aber erst auf Druck der EU!

Die Kontrollen sollen nun laut Landwirtschaftsminister Christian Meyer (B90/Die Grünen) „massiv“ ausgebaut“ und „Verstöße konsequent geahndet“ werden. Man darf daraus schließen, dass die Kontrollen bisher eher lasch gewesen sind, die Trennung von Beratung und Kontrolle in den Landwirtschaftskammern wohl eher „wohlwollend“ vernachlässigt wurde. weiter »

Wärme in der Fisch-Kinderstube Jadebusen: Klima oder Kohlekraftwerke?

Foto: Manfred Knake

Foto: Manfred Knake

Die Tagespresse übernahm die untenstehenden „Klimawandel“- Nummer der „Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ in Wilhelmshaven zur Veränderung der Meeresfauna durch die Erwärmung des Wassers im Jadebusen unkommentiert. Darüber, dass Scholle und Kabeljau (und andere „Raub“fische, die Krebstiere fressen) deutlich überfischt wurden und dies zu einer Verschiebung im Artenspektrum der Nordsee führte, wird in der Senckenberg-Untersuchung nicht berichtet. In den Jadebusen bei Wilhelmshaven wird zudem Kühlwasser aus Kohlekraftwerken eingeleitet, das die Temperatur in dieser Meeresbucht nachweislich erhöhte. Das E.ON-Kohlekraftwerk ging 1976 in Betrieb, das Engie/Uniper-Kohlekraftwerk 2012. Die leichte Erwärmung des Jadebusen-Wassers durch Kohlekraftwerke hat das Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Uni Oldenburg in einer Simulation in einer Grafik simuliert. weiter »

Rezension: „Geopferte Landschaften“

Windpark Ochtersum/SG Holtriem/LK Witmund/NDS, Ausschnitt, Okt. 2016, Foto (C): Manfred Knake

Windpark Ochtersum/SG Holtriem/LK Witmund/NDS, Ausschnitt, Okt. 2016, Foto (C): Manfred Knake

Zum Lesen empfohlen: ETSCHEIT, G. (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. 367 Seiten. Heyne. 2016, ISBN 978-3-453-20127-9, 16,99 Euro

Die Rezension haben wir mit freundlicher Genehmigung von der WebSeite der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) übernommen:

BuchcoverDas Buch mit Beiträgen von 18 Autoren aus unterschiedlichen umweltrelevanten Disziplinen ist eine eindrucksvolle Abrechnung mit der im Namen der Energiewende fortschreitenden Industrialisierung, der zum angeblichen Schutz der Atmosphäre immer mehr Teile der Biosphäre geopfert werden. Dabei sind die Zerstörungen größer, die Folgen für bestimmte Arten dramatischer und die Vorgehensweisen der Branche bisweilen kritikwürdiger, als sie im Buch beschrieben werden. Das liegt auch daran, dass der 20jährige Erfahrungsvorsprung des Nordens mit der Windenergiewirtschaft gegenüber dem Süden Deutschlands und die Innenansichten aus dem komplexen Zusammenspiel von Staat und regenerativer Energiewirtschaft nur unzureichend ins Buch eingeflossen sind. Das Buch bestreitet nicht den anthropogenen Einfluss auf das Klima; es kritisiert faktenbasiert die Energiewende als ein teils auf Lebenslügen gestütztes Unterfangen, als eine postfaktische Heilserwartung zugunsten weniger Profiteure. Es ist ein Plädoyer für die dringend notwendige Integration der Anforderungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege in eine, auch im Falle der regenerativen, nicht per se umweltverträgliche Energieerzeugung. Das Buch ist ein Stachel im Fleisch der Anhänger der „erneuerbaren Energien“, zumal in den Umweltverbänden, die sich in eine bedenkliche Nähe zu diesem Teil der Wirtschaft gebracht haben. Das Buch nährt die berechtigten Zweifel an einer vordergründig guten Sache. 

Bundesregierung plant Absenkung des Artenschutzrechts

Grasfrosch, Foto (C): Manfred Knake

Grasfrosch, Foto (C): Manfred Knake

Das Artenschutzrecht (Bundesnaturschutzgesetz) soll geändert werden, eine Absenkung nach unten. Den Referentenentwurf aus dem Bundesumweltministerium vom 01. Dez. 2016 können Sie hier nachlesen 2016 12 01 – Gesetzentwurf – BNatSchG Novelle 2017. Auch das Anschreiben an die Verbände vom 02. Dezember 2016  2016 12 02 – Anschreiben Verbändebeteiligung – BNatSchG Novelle 2017 hat es im letzten Absatz in sich:Klima

Sollte das Bundesumweltministerium nicht umbenannt werden?

Sollte man das Umweltministerium nicht umbenennen?

Es geht darum, aus „Klima“- Gründen eine Ausnahme für das Tötungsverbot nach §44 BNatSchG zuzulassen, damit ggf. für die Windenergiewirtschaft das genehmigungshemmende und störende Tötungsverbot wildlebender Arten ausgehebelt werden kann. Dadurch wird nun deutlich, mit welchen irrsinnigen ideologischen „Argumenten“ die Bundesregierung Gesetze nur für die Windenergiewirtschaft ändern möchte. Nur: Windkraftanlagen können keinen Einfluss auf das Klima haben, weil sie selbst nur wetterabhängig funktionieren. Deshalb heißen sie so!

Der nachfolgende Text wurde mit freundlicher Genehmigung von der WebSeite der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) übernommen:

Die Bundesregierung plant folgenschwere Änderungen des Artenschutzrechts. Ziel ist nicht die Stärkung der artenschutzrechtlichen Schädigungs- und Störungsverbote, sondern exakt das Gegenteil: 

  • Das Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes soll künftig nur noch für Eingriffe und Vorhaben gelten, wenn sich das Tötungsrisiko für besonders geschützte Arten unvermeidbar signifikant erhöht. Man mag für diese Änderung ein gewisses Verständnis aufbringen, hat doch das Bundesverwaltungsgericht das Tötungsrisiko bereits an diese Maßgabe geknüpft. [Anmerkung Wattenrat: Das ist bereits Stand der Rechtssprechung in Deutschland, Beispiele Tötungsrisiko für Vögel und Fledermäuse an Windkraftanlagen; die Frage ist nur, ob der Europäische Gerichtshof das auch so sieht.]

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Postfaktisches aus dem „Weltnaturerbe“ Wattenmeer: das „Wattenmeerforum“

pinocchio

Pinocchio (Walt Disney 1940)

Das „Wort des Jahres“ 2016, gekürt von der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. (GfdS), heißt „postfaktisch“. Das Wort stehe für einen tiefgreifenden politischen Wandel, heißt es in der Begründung. In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten. O-Ton der GfdS:

Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg.

Aber dass auch Teile der Presse Verlautbarungsorgane des Postfaktischen sind, sagt die Gesellschaft für deutsche Sprache als politisch korrekte „Sprachenpolizei“ nicht: weniger Fakten, dafür aber mehr Vereinfachung, das Verschweigen oder „lückige“und geschönte Berichterstattung sowie auch Copy-and-paste-Journalismus statt Recherche. Und genau das merkt der selbständig denkende Nachrichtenrezipient, der nicht mehr bereit ist, als vermeintliche „Tatsachen“ getarnte Meldungen zu akzeptieren.  Was hat das mit dem Wattenmeer zu tun? weiter »

Der Nikolaus besucht die Gänsewacht: Leserbriefe zur Gänsehetze

Der Nikolaus in Petkum an der Ems, Foto: privat

Der Nikolaus besucht die Gänsewacht in Petkum an der Ems, Foto: privat

Der Nikolaus stattete der „Gänsewacht“ in Petkum bei Emden einen morgendlichen Besuch ab. Statt Gebäck und Süßigkeiten brachte er den Gänsewächtern, die das jährliche Zugvogelschießen in diesem EU-Vogelschutzschutzgebiet dokumentieren, die aktuelle Ausgabe der Rheiderland Zeitung aus Weener mit. Die hatte vor einigen Tagen über das Treffen von Politikern, Landwirten und Jägern berichtet, die eine stärkere Gänsejagd erörterten und unterstützten. Die arktischen Gänse, die hier im und am „Weltnaturerbe“ Wattenmeer überwintern, ruinieren angeblich durch Fraß und Kot die Existenz der Bauern. Der Wattenrat berichtete. Dieser Zeitungsbericht hatte einige Leserbrief zur Folge, die den Unsinn und die Verlogenheit der interessengeleiteten Gänsehetzkampagne aufzeigten. Zwei weitere Briefe wurden am 06. Dezember in der Zeitung abgedruckt. Sie können sie hier nachlesen (Quelle: Rheiderland Zeitung, Weener, S. 5, 06. Dez. 2016) : Gaense_RZ_Leserbriefe 06. Dez. 2016 weiter »

Spendenaufruf

Liebe Leserinnen und Leser,

Eurovor zwei Jahren erfolgte auf der Wattenrat-Seite der letzte Spendenaufruf. Damals konnte mit dem eingegangenen Geld defekte Computer-Hardware ersetzt werden; ein Datensicherungssystem, eine aktuelle Fotobearbeitungssoftware und notwendiges Büromaterial wurden beschafft. Viele Handelsregisterauszüge, die Verflechtungen von Politikern und Verwaltungsbeamtung mit der Windkraftnutzung belegen, wurden kostenpflichtig angefordert. Der Name „Wattenpresse“ wurde kostenpflichtig beim Deutschen Patent- und Markenamt als geschützte Wortmarke für zehn Jahre registriert. Die bereits geschützte Wortmarke „Wattenrat“ wurde nach zehn Jahren kostenpflichtig verlängert. Und die jährlichen Providerkosten für den Webauftritt des Wattenrates wurden mit den Spenden finanziert. Die eigentliche Redaktionsarbeit mit ihren Zuarbeitern erfolgt nach wie vor ehrenamtlich. Für die bereits eingegangenen Spenden sei herzlich gedankt.

Wenn Sie wieder spenden möchten:

Kontoinhaber Manfred Knake

IBAN: DE72 2802 0050 8684 7969 40
BIC: OLBODEH2XXX
Bank: Oldenburgische Landesbank AG

Verwendungszweck : Wattenrat

Eine Spendenbescheinigung kann der Wattenrat nicht ausstellen, Spendernamen werden nicht genannt.

Gänsejagd in Ostfriesland: Allianz der Totmacher

Nonnengänse auf Grünland im Februar, Ditzumer Hammrich, Foto (C): Eilert Voß

Hungrige Nonnengänse auf Grünland im Februar, Ditzumer Hammrich, Foto (C): Eilert Voß

Alle Jahre wieder wird in Ostfriesland mit Beginn der Jagdsaison gegen die hier überwinternden arktischen Gänse gehetzt, in wechselnder Besetzung. In diesem Jahr trafen sich Politiker, Landwirtschaftsfunktionäre und Jäger, um ihre abstrusen Vorstellungen von der Regulierung der Gänse sogar in den EU-Vogelschutzgebieten der Öffentlichkeit zu unterbreiten, und haben dabei Naturschutzfachliches völlig außer acht gelassen. weiter »

Windenergie: missglückter Schwertransport

28. Nov. 2016: aus dem Verkehr gezogener "Schwertransport", ziwchengeparkt an der L10 in Stedesdorf/LK Wittmund, Foto (C): Manfred Knake

28. Nov. 2016: aus dem Verkehr gezogener „Schwertransport“, zwischengeparkt an der L10 in Stedesdorf/LK Wittmund, Foto (C): Manfred Knake

Man muss sich nur zu helfen wissen: Bauer Reiner T. aus Thunum aus der Gemeinde Stedesdorf in der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund in Niedersachsen betreibt eine eigene alte Tacke- Windkraftanlage. Da kann schon mal was kaputtgehen und Ersatzteile sind teuer. Also machte er sich aus Thunum nach dem ca. 8 km entfernten Windpark Utgast in der Gemeinde Holtgast auf. Im Windpark Utgast werden gerade die mehr als zwanzig Jahre alten Tacke-TW-600 Anlagen abgebaut und mit leistungsstärkeren Enercon-Anlagen direkt an einem EU-Vogelschutzgebiet repowert. Bauer T. lud also – wie auch immer – einen kompletten Flügelsatz auf seinen „Schwertransporter“ Marke „Agro-Gigaliner“: drei Ackerwagen mit Strohunterlage mit einem Traktor als Zugmaschine. Kurz vor dem heimatlichen Ziel in Thunum wurde das bemerkenswerte Transportsystem von der Polizei auf der Landesstraße 10 gestoppt und aus dem Verkehr gezogen. Dieser Transport ganz nebenbei eine Straftat: Für diese schwergewichtige Ladung ist das Gespann nicht zugelassen, und ein Führerschein für diese Aktion lag dem Vernehmen nach auch nicht vor. Dumm gelaufen… weiter »