Armutszeugnis: Untere Naturschutzbehörde Landkreis Aurich: keine Handhabe gegen lautstarke Veranstaltungen am Nationalpark Wattenmeer

Laerm-macht-doof_1Lautstarke „Events“ direkt an den Grenzen des Großschutzgebietes „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ zur Touristenbespaßung, das als „Weltnaturerbe“ von der Tourismusindustrie vermarktet wird, nehmen zu. Dazu gehören Höhenfeuerwerke zur Brutzeit, dröhnende Musikveranstaltungen an den Stränden oder die Silvesterpartys. Der Lärm und die Lichteffekte reichen weit in das Schutzgebiet hinein und verursachen erhebliche Störungen der Brut- oder Rastvögel. Der Wattenrat Ostfriesland macht seit Jahren auf diese Missstände aufmerksam. Die 15 „anerkannten“ Naturschutzverbände in Niedersachsen rühren sich nicht, die Nationalparkverwaltung versteckt sich hinter dem „Argument“, man könne nicht eingreifen, weil diese Veranstaltungen außerhalb der Nationalparkgrenzen stattfänden, obwohl der Lärm oder die Lichteffekte an den Grenzen nicht haltmachen. Die professionellen Touristenbespaßer frohlocken und machen weiter wie bisher, nun sogar unterstützt von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich. Professionalität sieht anders aus… weiter »

11. Wattenmeertag in Wilhelmshaven: Zugvögel sind Sorgenkinder – was wird getan?

Pfeifenten über dem Wattenmer, Foto (C): Eilert Voß

Pfeifenten über dem Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß

Am 25. August 2016 fand der 11. Wattenmeertag in Wilhelmshaven statt. Thema dieser Veranstaltung: Die negative Bestandsentwicklung der Zugvögel im Wattenmeer (Die Pressemitteilung dazu ganz unten).

Nichts Genaues zum z.T. dramatischen Rückgang einiger Zugvogelarten im Wattenmeer (Nationalpark und „Weltnaturerbe“) weiß man jedoch nicht, und das bringt wieder neuen Sprechblasennaturschutz zum Blühen. Zitat Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer: „Die Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe im Jahre 2009 hat zu einer erhöhten Akzeptanz in der Region geführt, die einen noch wirksameren Naturschutz ermöglicht.“ Was für ein Unsinn. Das Weltnaturerbe wurde für die stärkere Tourismuswerbung eingerichtet, nicht für den Naturschutz. Wo dieser „noch wirksamere Naturschutz“ tatsächlich stattfinden soll, lässt er unerwähnt. Es gibt ihn nicht.  weiter »

Geschafft: der „Stumme Frühling“ im und am Nationalpark Wattenmeer

Der letzte Kiebitz in der Pufferzone des NSG "Petkumer Deichvorland" an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

Mit Mist überstreut: Der letzte Kiebitz in der Pufferzone des NSG „Petkumer Deichvorland“ an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

Während die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven mit ihrem Leiter Peter Südbeck ständig die Erfolgs-Propagandatrommel für den Nationalpark, den Tourismus und das „Weltnaturerbe“ rührt, siechen viele Brutvogelarten des Wattenmeeres und des angrenzenden Binnenlandes  30 Jahre nach Einrichtung des Nationalparks unbemerkt von einer weitgehend ahnungslosen Öffentlichkeit dahin. Oder, um es mit Mark Twain zu sagen: „Nachdem sie das Ziel endgültig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen“. Immer neue und nur scheinbare Erfolgsmeldungen übertünchen die deutlich wahrnehmbare Misere. Wo vor dreißig Jahren z.B. noch Rotschenkel, Kiebitze, Uferschnepfen oder Austernfischer zur Brutzeit auf den Weidezaunpfählen saßen oder in der Luft lautstark ihre Reviere markierten, ist heute weitgehend Ruhe eingekehrt.  weiter »

Deichbau bei Campen, LK Aurich: Wie man aus der Not eine Tugend machte

Gemähter Bereich im Vorland Campen, Februar 2015. Foto: NLWKN

Gemähter Bereich im Vorland Campen, Februar 2015. Foto: NLWKN

Die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven preist die Renaturierung eines ehemaligen Spülfeldes in der strengsten Schutzzone bei Campen im Landkreis Aurich. Renaturierung klingt gut, ist es eigentlich auch. Nur wäre es dazu wohl nie gekommen, hätte man nicht Sand, jawohl Sand!, für die Deichverstärkung im nahen Upleward gebraucht. Der Sand wird als Kern für Deiche eingebracht, der dann mit einer Schicht aus elastischem, weitgehend wasserresistenten Kleiboden abgedeckt wird, damit der Deich nicht wie ein Kartenhaus zusammenbricht. Vor ca. dreißig Jahren wurden in das Deichvorland bei Campen große Mengen Spülgut gepumpt, illegal soll das gewesen sein, durch das Wasserschifffahrtssamt, nichts Seltenes im Lande, wenn sich Behörden Rechte herausnehmen, die sich gar nicht haben. weiter »

Wir sind dann mal weg: weniger Rast- und Brutvögel im Watt

Sandregenpfeifer: Einer der letzten seiner Art - von den Stränden im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und "Weltnaturerbe" vertrieben

Sandregenpfeifer: Einer der letzten seiner Art – von den Stränden im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ vertrieben, Foto (C): Wattenrat

Gestern und heute wurde in einigen Küstenzeitungen der nachfolgende Bericht veröffentlicht:

02. Juli/03. Juli 2015:

Weniger Rastvögel im Watt

Wilhelmshaven – Das Wattenmeersekretariat veröffentlichte einen Bericht über die Entwicklung der Rastvogelzahlen im Wattenmeer. Insgesamt werden 33 Arten überwacht. Dabei zeigt sich: Die Zahlen von 14 Arten nehmen ab, bei 13 Arten zeigen sie keine Veränderung und bei sechs Arten nehmen sie zu. Zu den Arten mit abnehmenden Beständen gehören Austernfischer, Dunkler Wasserläufer, Ringelgans und die Silbermöwe. Diese Arten sind zwar noch nicht ausgesprochen selten geworden, aber ihre Zahlen gingen in den letzten 25 Jahren um bis zu 50 Prozent zurück. Zu den 13 beständigen Arten gehören der Rotschenkel, Großer Brachvogel und Pfuhlschnepfe. Zahlenmäßig zugenommen haben Arten wie Löffler und Weißwangengans. Die Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen sind unklar.

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Langeoog: Aktuelles von der Naturschutzfront – Brutvogelvertreibungen und Eiersammler

Schutzdünen auf Langeoog, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Schutzdünen auf Langeoog, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Langeoog ist bekanntlich eine Ferieninsel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „UNESCO-Weltnaturerbe“, heftig gegen die touristische Konkurrenz beworben. Die Übernachtungszahlen liegen jährlich bei ca. 1,5 Millionen. Von April bis in den frühen Winter flutet täglich zusätzlich ein Heer von Tagestouristen die Insel, begleitet von Hunden und Lenkdrachen. Das ist Massentourismus. Umso bemerkenswerter und erfreulicher ist es, dass auch die weniger werbewirksamen Details zum tatsächlichen Zustand des Naturschutzes auf der Insel in der Online-Zeitung „Langeoog News“ bekannt wurden. weiter »

Zwergseeschwalben: Vandalismus auf Norderney

Nein, nicht nur Gorillas, Nashörner oder Pandabären irgendwo „ganz weit weg“ sind höchst bedrohte Tierarten, auch direkt vor unserer Haustür spielen sich die Dramen ab, die selten gewordenen und streng geschützten Tierarten durch menschliche Verfolgung, Ignoranz oder schlichte Dummheit den Garaus machen. Auf Langeoog wurden schon mal in einer Möwenkolonie sämtliche Eier abgesammelt oder in gut beschilderten Brutarealen der selten gewordenen Sand- und Seeregenpfeifer an der Emsmündung mit Quads oder Motorrädern gespielt. Nun wüteten auf Norderney in einem Brutgebiet der sehr rar gewordenen Zwergseeschwalbe (Sterna albifrons) irgendwelche Vandalen. Sie rissen ein Hinweisschild ab, zwei von vier Gelegen sind verschwunden.

Alles das ist nur die Spitze eines Eisberges, es ist Alltag: In diesem Nationalpark und „Weltnaturerbe“ haben Brutvogelarten auf den touristisch genutzten Inseln vor allem den Menschen  zu fürchten, inklusive seiner freilaufenden Haustiere wie Hunde, Katzen oder entlaufene Frettchen. Eine qualifizierte Aufsicht findet kaum statt: 6 hauptamtliche Dünenwärter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NWLKN) sind gleichzeitig neben ihrer Küstenschutzarbeit auch „Ranger“ auf den Inseln, unterstützt von ehrenamtlichen Landschaftswarten und Mitgliedern des Bundesfreiwilligendienstes, angestellt beim NLWKN. Alle Genannten haben keine hoheitlichen Befugnisse, d.h. sie dürfen nur auf Fehlverhalten in der Fläche hinweisen, keine Platzverweise erteilen und vor allem auch keine Bußgelder kassieren. Bei abertausenden Touristen auf den kilometerlangen Inseln ist die Aufsicht ohnehin ein mühseliges Unterfangen. Verloren haben jetzt schon die in der Öffentlichkeit völlig unbekannten Strandbrüter wie Zwergseeeschwalben, Sand- oder Seeregenpfeifer in ihrem europäischen Vogelschutzgebiet, Nationalpark und Weltnaturerbe! weiter »

Hauskatzen im Nationalpark Wattenmeer: Proteststurm gegen Tötung verwilderter Hauskatzen

Miezie will nur spielen: Hauskatze erlegt Mönchsgrasmücke im Garten in der Brutzeit. Damit ist die gesamte Brut verloren.

 Ein Sturm der besonderen Art rast derzeit über die ostfriesische Insel Borkum, ausgelöst von Hauskatzenliebhabern. Ein Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung hatte in der Presse auf das ungelöste Hauskatzenproblem auf der Insel aufmerksam gemacht und auf den Fang bzw. auf den legalen Abschuss nach dem Niedersächsischen Jagdgesetz zum Schutz von Wiesenvögeln verwiesen. weiter »

Brutvögel des Wattenmeeres stark rückläufig, Tendenz weiter steigend, Ursache: Mensch

Keine Chance für Bodenbrüter: Freizeitspaß im Schutzgebiet, Rysum, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Nun haben es auch die staatlichen „Naturschützer“ des Internationalen Wattenmeersekretariats der Staaten D, DK und NL mit Sitz in Wilhelmshaven (Common Waddensea Secretariat) gemerkt: Die Anzahl der Brutvögel im Wattenmeerbereich sinkt, trotz Großschutzgebiet „Nationalpark“ und „Weltnaturerbe“. Die Ursachen seien „vielfältig“, z.B. Überflutungen, Verfolgung durch Fressfeinde (Prädatoren), Störungen, Veränderungen in den Lebensräumen, und „besondere örtliche Gründe“. Als Maßnahmen werden die Wiederherstellung der natürlichen Überflutungsräume auf Feuchtgrünland und in den Salzwiesen sowie die Begrenzung der negativen Auswirkungen des Einflusses von Prädatoren und die Begrenzung von Störungen in den wichtigen Brutgebieten empfohlen. weiter »