Noch eine Nationalparkfeier: Propaganda statt Fakten

Drei_Affen_1Am 11. August 2016 fand in Cuxhaven die Festveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer statt, inszeniert vom Niedersächsischen Umweltministerium und der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven.

Nun hat der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer angeblich sogar „Weltrang“ erreicht, die Berichterstattung  des gebührenfinanzierten Norddeutschen Rundfunks für das Abendmagazin „Hallo Niedersachsen“ aus Hannover zum Jubelfest war jedoch weitgehend recherchefrei. Der Evangelische Pressedienst (epd) interviewte den Festredner Uwe Garrels, Bürgermeister von Langeoog, ausgerechnet Langeoog. Es wurde sehr deutlich, dass es in diesem Nationalpark überwiegend um die Tourismusförderung geht, nichts anderes. Auch der Naturschutz im Wattenmeer hat eine Geschichte, die heute weitgehend vergessen ist, und die beginnt nicht mit der Ausweisung zum Nationalpark. Der Wattenrat Ostfriesland und die Vorläuferorganisation „Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände Ostfriesland“ sind oder waren die Chronisten der gezielten Entwicklung des Wattenmeeres und späteren Nationalparks zum Mega-Freizeitpark. Eine „naturpolitische Erfolgsgeschichte von Weltrang“ ist dieser Nationalpark aber mit Sicherheit nicht, wie uns die Propaganda des Umweltministeriums weismachen will, und das lässt sich belegen. weiter »

Kitesurfen in Cuxhaven wieder erlaubt: Nationalparkverwaltung beugt sich dem Druck der Straße

Kitesurfer am verbotenen Ort: Insel Spiekeroog, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Dieser Sportsfreund vertrieb mit seinem luftigen Gezappel sogar die sonst sehr robusten Silber- und Heringsmöwen vom Strand

Nach der Schließung des Kitespots an der Kugelbake in Cuxhaven – ein weiterer befindet sich nur wenige Kilometer weiter in Sahlenburg- durch die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven darf dort nun weitergesurft werden, eine Demo und ein Shit-Storm mit wüsten Beschimpfungen, Beleidigungen und – durchaus justiziablen persönlichen Herabwürdigungen bei Facebook – machen es möglich. Das Verwaltungshandeln im Naturschutz orientiert sich nun am Druck der Straße und nicht mehr an den gesetzlichen Naturschutzvorgaben. Geht doch: Die Kiter hatten die Unterstützung durch die Stadt Cuxhaven, vertreten durch den Oberbürgermeister Cuxhavens und der damit verbandelten Tourismus GmbH. Nichts macht deutlicher, wer bestimmt, wohin die Reise in diesem Großschutzgebiet „Nationalpark“ mit dem – deutlich sauren Sahnehäubchen – „Weltnaturerbe“ geht ! Die Nationalparkverwaltung ist eingeknickt, ein „Kompromiss“ wurde „am Runden Tisch“ ausgehandelt. „Die Nationalparkverwaltung hat entschieden: Unter veränderten Rahmenbedingungen darf zukünftig an den Standorten Kugelbake und Sahlenburg gekitet werden“, so die Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung vom 13. Mai 2014. „Um den Schutz der Nationalpark-Ruhezone Duhner Anwachs weiter zu verbessern, werden beide Surfstandorte in ihrer Größe verkleinert. Im Winter steht nur der Standort Sahlenburg für die Ausübung des Sports zur Verfügung. Der Standort Kugelbake bleibt aus Gründen des Vogelzuges dann jeweils vom 1.11. bis zum 31.3. geschlossen.[…] Die Nationalparkverwaltung hat jedoch die Möglichkeit, von grundsätzlichen Verboten Befreiungen auszusprechen, wenn regionale Belange davon betroffen sind. In diesem Sinne wurden seit 2007 auf Antrag der Kommunen sukzessive Flächen in der Zwischenzone des Nationalparks zum Kitesurfen freigegeben. Nachdem die befristeten Befreiungen im letzten Herbst ausliefen, konnten alle interessierten Kommunen 2013 neue Anträge stellen und in der Gesamtbetrachtung wurden die Spots in Anzahl und Fläche so bemessen, dass der Schutz des Nationalparks und Weltnaturerbes gewährleistet bleibt, in diesen Regionen aber die Kiter auch die Möglichkeit haben, auf´s Wasser zu kommen.“

So, weit so schlecht. weiter »

Kitesurfer: Demo gegen Schließung eines Kitespots in Cuxhaven – Shitstorm bei Facebook

Verbotswidriges Kiten in der strengsten Schutzzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer im Dollart, "Weltnaturerbe"

Aus gegebenem Anlass: Die auf den Wattenrat-Seiten verwendeten Fotos unterliegen dem Copyright, die Verwendung der Fotos bei Facebook oder in Foren ist nicht zulässig! Bitte die Updates am Ende des Beitrages beachten.

Kitesurfer: Demo gegen Schließung eines Kitespots in Cuxhaven – Shitstorm bei Facebook

Den Outdoor-Freitzeitbewegten, seien es Geocacher oder Kitesurfer, ist kein Gebiet zu schade, um darin herumzutoben. Ihnen ist kaum zu vermitteln, dass ihre Sportart auch erhebliche Beeinträchtigungen, sprich Vertreibung von geschützten Tierarten, zur Folge haben kann. Wenn diese Sportarten in ausgewiesenen Naturschutzgebieten durchgeführt werden, kommt es noch schlimmer und ist dazu auch noch rechtswidrig. Bemerkenswerterweise fühlen sich viele Outdoor-Sportler schon deshalb als Naturschützer, weil sie ihren Sport in der Natur ausüben. weiter »

Nationalparkvermarktung in Cuxhaven: „optimistischer Blick nach vorn“

"Abenteuer Weltnaturerbe": für wen?

Es nannte sich „Kooperationsgespräch“ und es ging wieder einmal nur ums Geld und die weitere Vermarktung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. In Cuxhaven wurde ein „Zuwendungsvertrag“ zwischen der Nationalparkverwaltung und der Stadt Cuxhaven geschlossen, es fließt Geld in das dortige Nationalparkhaus: Über fünf Jahre wird ein jährlicher Zuschuss von 145.000 Euro zugesichert. „Hierdurch können wir auch in Zukunft verstärkt und weiter verbessert über das Wattenmeer als Weltnaturerbegebiet und Nationalpark informieren und viele Menschen begeistern. Cuxhaven wird dadurch im großen Welterbegebiet eine zentrale Stellung einnehmen“, wird der Oberbürgermeister Dr. Getsch in der Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung (s.u.) zitiert.

Cuxhaven ist, platt gesagt, pleite. Die Stadt hat ein „strukturelles“ Haushaltsdezift von mehr als 30 Millionen Euro; ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr, die Vermarktung des „Weltnaturerbes“ als Instrument der Sanierung der Stadtfinanzen liegt also nahe. Die Verbesserung der  Naturschutzsituation in diesem Großschutzgebiet kann damit kaum gemeint sein.

Gemeint mit der „zentralen Stellung“ im „Weltnaturerbe“ sind auch die Ausweisung von Flächen für Kitesurfer in eigentlich dafür verbotenen Zonen des Nationalparks mit Hilfe von rechtlich fragwürdigen „Befreiungen“ und ein Schild an der Autobahn, das für das „Weltnaturerbe“ werben soll.

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Nationalparkfeier in Cuxhaven: alles Show, keine Inhalte

"H2S": Umweltminister Hans-Heinrich Sander hält die Eröffnungsrede

In der Kugelbake-Halle in Cuxhaven tanzte am 07. Mai der Knutt. Das letzte Aufgebot im niedersächsischen Wattenmeer-Nationalpark, die „Junior-Ranger“, brachte die geladenen Gäste mit einem Tanz dieses Watvogels in Bewegung, der Rest war fast ausschließlich platteste Selbstbeweihräucherung. Der Dampfplauderer des Norddeutschen Rundfunks, Ludger Abeln, führte launig durch das Programm, in der Veteranen des Nationalparks zu Wort kamen. Mitglieder des Wattenrates, schon vor der Gründung des Nationalparks im Wattenmeer aktiv, waren offiziell nicht eingeladen, wen wundert´s!

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