Intensivlandwirtschaft am Dollart/NL: „süße, wohlbekannte Düfte“?

Gülletransporter beim Umpumpen in den Feldrandcontainer, Foto (C): Eilert Voß

Gülletransporter beim Umpumpen in den Feldrandcontainer, man beachte die Gewässerverschmutzung, Foto (C): Eilert Voß

Abgesehen von den landwirtschaftlichen Nutzpflanzen entwickeln sich riesige Polderbereiche südlich des Dollarts in den Niederlanden zu lebensfeindlichen Wüsten. Die „süßen, wohlbekannten Düfte“ aus dem Frühlingsgedicht von Eduard Mörike sind beißendem Gülle- und Giftgestank gewichen. Auf fast jedem Quadratkilometer der Poldergebiete südöstlich von Delfzijl waren Anfang April Lohnunternehmer dabei, Gift zu spritzen oder Gülle mit dem Injektionsverfahren an mehrere hundert Meter langen Schläuchen in die Weizenfelder zu drücken. An zwei Stellen des Polders waren Feldrandcontainer aufgestellt, die von Sattelschleppern mit Tankauflieger angefahren und befüllt wurden. Die Tanklastzüge kamen von Mastställen der Umgebung und wurden dort mit Gülle aus der Massentierhaltung betankt. Am Container war ein 20 cm – Schlauch angeschlossen, der zu einer Zwischenpumpe zu einem Traktor mit Güllefass führte. Vom Güllefass führte eine lange Versorgungsleitung zu einem weiteren Traktor auf dem Weizenfeld, der die Gülle ausbrachte. weiter »

Gülletourismus – aus Scheiße Bonbon

Feldrandcontainer, Gemeinde Moorweg/LK Wittmund/NDS, 16. März 2014

Heute, am 15. November, ist ein besonderer Tag für die auf dem Lande wohnende nichtlandwirtschaftliche  Bevölkerung: Nach der Düngeverordnung gilt ein Ausbringungverbot der Gülle auf Grünland vom 15. November bis zum 31. Januar, darüberhinaus, wenn der Boden noch gefroren ist oder Schnee liegt. Für Ackerland gilt das Ausbringungsverbot bereits ab dem 01. November. Damit soll das Grundwasser vor zu hoher Nitratbelastung geschützt werden. Aber gar nicht selten werden diese Auflagen von einigen Bauern missachtet. Die betroffene Bevölkerung wird die gestanklose Zeit zu schätzen wissen, es wird in den nächsten Monaten keine „atemberaubende“ Landluft mehr geben, wenn man sich an die Regeln hält.

Zeit also für einen Rücklick: Neben den unglaublichen Mengen, die die heimische Landwirtschaft ausbringt, hat der Gülletourismus auch aus entfernteren Landstrichen die Küste erreicht. Im März 2014 stand in der Gemeinde Moorweg/Landkreis Wittmund/NDS ein Gülletank („Feldrandcontainer„) mit ca. 100 cbm Inhalt am Wegesrand. Der Container gehört der Firma Leewes & Ludmann aus Westerwalsede im Landkreis Rotenburg/Wümme und stand später an der Landesstraße 6 im Nachbarort Barkholt und im Ort Utarp. Die Firma vermietet diese Container, Lohnunternehmer befüllen in. Dieser Tank wurde als Depot mehrmals täglich – bis zu 12 mal – nach Anwohnerbeobachtungen von entsprechend großen Tanklastwagen zentral zur Befüllung angefahren; von dort versorgten sich dann alle weiteren kleineren landwirtschaftlichen Güllegespanne, die die Gülle im Umland aufbrachten. weiter »