Gülleausbringung auf gefrorene Böden: verboten aber scheißegal

Gülleausbringung bei Gandersum, LK Leer, 17. Januar 2017, Foto (C): Wattenrat

Trotz der derzeitigen Diskussion um die hohen Nitratwerte im Boden oder in Gewässern und der damit verbundenen Ankündigung schärferer Vorschriften wurden im LK Aurich, im LK Wittmund, im Rheiderland und bei Gandersum im Landkreis Leer (Fotos) Gülle auf die gefrorenen Böden ausgebracht. Die Gülle kann vom Boden und von den Pflanzen gar nicht aufgenommen werden; sie kann bei Tauwetter leicht in Oberflächengewässer abgeschwemmt werden und so zu erheblichen Gewässerverunreinigungen führen. Das wäre dann eine Straftat. Das Ausbringungsverbot endet am 31. Januar jeden Jahres. Die Vorschriften sind einigen Bauern offensichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes „scheißegal“, Einsichten in die Zusammenhänge lästig oder fremd. Landwirtschaftskammern verhalten sich gegenüber ihrem Berufsstand gerne kooperativ und erteilen Ausnahmegenehmigungen von den Vorschriften, die dann leicht zur Regel werden können. In der Presse wird den Bauern aufgezeigt, wie man schon vor Ablauf der Frist am 31. Januar Gülle ausbringen kann. Damit darf dann zwei Wochen eher, also schon ab dem 16. Januar Gülle ausgebracht werden, aber nicht bei gefrorenen oder wassergesättigten Böden. Auch ab dem 16. Januar ausgebrachte Gülle  kann von den Pflanzen auf Grünland bei winterlichen Temperaturen auch über dem Gefrierpunkt nicht aufgenommen werden, es sind fragwürdige Gefälligkeitsgenehmigungen. Wer kontrolliert auch hier, ob die Erlaubnisgrundlage der vorzeitigen Ausbringung -weil im letzten Herbst Düngungsmaßnahmen zwei Wochen früher eingestellt wurden-  tatsächlich eingehalten wurde? Und wer kontrolliert, ob Bauer X überhaupt eine Ausnahmegenehmigung besitzt? weiter »

Gülle: endlich schärfere Kontrollen

Verboten: Ausbringung von Gülle auf gefrorenem Boden, Ditzumer Hammrich/Ostfriesland, 2015 - Foto(C): Eilert Voß

Verboten: Ausbringung von Gülle auf gefrorenem Boden, Ditzumer Hammrich/Ostfriesland, Februar 2015 – Foto (C): Eilert Voß

Endlich, nun soll das Ausbringen der enormen Güllefracht in Niedersachsen mit den Auswirkungen auf Oberflächengewässer und das Grundwasser gründlicher durch eine neue Behörde kontrolliert werden. Es ist einfach skandalös, wie die Landwirtschaftslobby jahrelang das (Über-) Düngeproblem – auch mit Hilfe der Presse – abgestritten und verniedlicht hat. Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht und die z.T. auch strafbaren Machenschaften dieses Berufstandes stärker kontrolliert werden, aber erst auf Druck der EU!

Die Kontrollen sollen nun laut Landwirtschaftsminister Christian Meyer (B90/Die Grünen) „massiv“ ausgebaut“ und „Verstöße konsequent geahndet“ werden. Man darf daraus schließen, dass die Kontrollen bisher eher lasch gewesen sind, die Trennung von Beratung und Kontrolle in den Landwirtschaftskammern wohl eher „wohlwollend“ vernachlässigt wurde. weiter »

Badeverbote an der Küste: Wo liegen die Ursachen?

Badestrand Bensersiel/Stadt Esens, Teilansicht, Foto (C): Manfred Knake

Campingplatz und Badestrand Bensersiel/Stadt Esens, Teilansicht, Foto (C): Manfred Knake

Die Badefreuden in Bensersiel/Stadt Esens (Landkreis Wittmund), Dornumersiel (Landkreis Aurich) und am Hafen in Horumersiel (Landkreis Friesland) sind derzeit getrübt: Für diese Küstenbereiche wurde ein behördliches Badeverbot verhängt. Bei den regelmäßigen Wasseruntersuchungen wurden durch die Gesundheitsämter hohe Escherichia coli- und erhöhte Enterokokken-Werte gemessen. Beide Werte sind als Indikatoren für eine Fäkalbelastung bekannt, die zu Darmkrankheiten führen können. Die Badeverbote sollen bis zum Wochenende gelten, berichten die Lokalzeitungen. Die Frage ist, warum nur bis zum Wochenende, weiß man denn schon jetzt, das voraussichtlich pünktlich am Wochenende die Belastung vorüber sei wird? Am Wochenende „brummt“ der Tourismus an der Küste, und dann sind Badeverbote schlecht fürs Geschäft! weiter »

Trinkwasser: Zeitbombe Gülle

Umpupen von Gülle aus einem Sattelschlepper in ein Schleppschlauch-Gespann, Esens/Ostfriesland, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Umpumpen von Gülle aus einem Sattelschlepper in ein Schleppschlauch-Gespann, Esens/Ostfriesland, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Neben der zunehmenden Massentierhaltung führt auch der Mais- und Biogasboom zu einer starken Düngung der Maisäcker mit Gülle und Gärresten. Was die Pflanzen nicht aufnehmen können, verbleibt im Boden, wird in Gewässer ausgewaschen oder sickert – gesundheitsgefährdend – ins Grundwasser.
Der Oldenburgisch Ostfriesische Wasserverband (OOWV), der Wasserversorger im Nordwesten Niedersachsens, macht seit Jahren auf das Problem aufmerksam, und sich damit keine Freunde bei den Landwirtschaftsfunktionären, die stets verärgert über die Kritik an der Gülleschwemme, die sich auch schon zur Abfallentsorgung ausweitet, reagieren. Die Bauern bekommen sogar Bares von den Trinkwasserversorgungsunternehmen für die Umsetzung von Grundwasserschutzmaßnahmen, also Geld dafür, dass sie das Grundwasser nicht verderben, eine Umkehrung des Verursacherprinzips! Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter; diese Grenzwerte werden – noch – vielerorts eingehalten, es ist aber abzusehen, dass sich sich erhöhen werden. Es dauert Jahre, bist die überschüssige Nährstofffracht in den Grundwasserhorizont einsickert. weiter »

Intensivlandwirtschaft am Dollart/NL: „süße, wohlbekannte Düfte“?

Gülletransporter beim Umpumpen in den Feldrandcontainer, Foto (C): Eilert Voß

Gülletransporter beim Umpumpen in den Feldrandcontainer, man beachte die Gewässerverschmutzung, Foto (C): Eilert Voß

Abgesehen von den landwirtschaftlichen Nutzpflanzen entwickeln sich riesige Polderbereiche südlich des Dollarts in den Niederlanden zu lebensfeindlichen Wüsten. Die „süßen, wohlbekannten Düfte“ aus dem Frühlingsgedicht von Eduard Mörike sind beißendem Gülle- und Giftgestank gewichen. Auf fast jedem Quadratkilometer der Poldergebiete südöstlich von Delfzijl waren Anfang April Lohnunternehmer dabei, Gift zu spritzen oder Gülle mit dem Injektionsverfahren an mehrere hundert Meter langen Schläuchen in die Weizenfelder zu drücken. An zwei Stellen des Polders waren Feldrandcontainer aufgestellt, die von Sattelschleppern mit Tankauflieger angefahren und befüllt wurden. Die Tanklastzüge kamen von Mastställen der Umgebung und wurden dort mit Gülle aus der Massentierhaltung betankt. Am Container war ein 20 cm – Schlauch angeschlossen, der zu einer Zwischenpumpe zu einem Traktor mit Güllefass führte. Vom Güllefass führte eine lange Versorgungsleitung zu einem weiteren Traktor auf dem Weizenfeld, der die Gülle ausbrachte. weiter »

Gülle: Abfallbeseitigung bei Frost

Landkreis Leer: Güööeausbringung auf gefrorenem Boden, Februar 2015, Foto (C): Eilert Voß

Landkreis Leer: Gülleausbringung auf gefrorenem Boden, Februar 2015, Foto (C): Eilert Voß

Am 1. Februar jeden Jahres ist alles vorbei, dann darf Bauer nach der „Düngeverordnung“ wieder Gülle aufs Land fahren, wenn der Boden nicht gefroren ist oder eine geschlossene Schneedecke die Ländereien bedeckt.

Und ab 1. Februar geht’s dann auch richtig los, vor allem aber dann, wenn der Boden gefroren ist und Bauer mit seinem stinkenden Gespann nicht mehr befürchten muss, im aufgeweichten Boden stecken zu bleiben. Eigentlich darf die Gülle nur dann ausgebracht werden, wenn der Boden auch aufnahmefähig ist, das ist bei ca. 8 Grad Celsius Bodentemperatur der Fall. weiter »

Gülletourismus – aus Scheiße Bonbon

Feldrandcontainer, Gemeinde Moorweg/LK Wittmund/NDS, 16. März 2014

Heute, am 15. November, ist ein besonderer Tag für die auf dem Lande wohnende nichtlandwirtschaftliche  Bevölkerung: Nach der Düngeverordnung gilt ein Ausbringungverbot der Gülle auf Grünland vom 15. November bis zum 31. Januar, darüberhinaus, wenn der Boden noch gefroren ist oder Schnee liegt. Für Ackerland gilt das Ausbringungsverbot bereits ab dem 01. November. Damit soll das Grundwasser vor zu hoher Nitratbelastung geschützt werden. Aber gar nicht selten werden diese Auflagen von einigen Bauern missachtet. Die betroffene Bevölkerung wird die gestanklose Zeit zu schätzen wissen, es wird in den nächsten Monaten keine „atemberaubende“ Landluft mehr geben, wenn man sich an die Regeln hält.

Zeit also für einen Rücklick: Neben den unglaublichen Mengen, die die heimische Landwirtschaft ausbringt, hat der Gülletourismus auch aus entfernteren Landstrichen die Küste erreicht. Im März 2014 stand in der Gemeinde Moorweg/Landkreis Wittmund/NDS ein Gülletank („Feldrandcontainer„) mit ca. 100 cbm Inhalt am Wegesrand. Der Container gehört der Firma Leewes & Ludmann aus Westerwalsede im Landkreis Rotenburg/Wümme und stand später an der Landesstraße 6 im Nachbarort Barkholt und im Ort Utarp. Die Firma vermietet diese Container, Lohnunternehmer befüllen in. Dieser Tank wurde als Depot mehrmals täglich – bis zu 12 mal – nach Anwohnerbeobachtungen von entsprechend großen Tanklastwagen zentral zur Befüllung angefahren; von dort versorgten sich dann alle weiteren kleineren landwirtschaftlichen Güllegespanne, die die Gülle im Umland aufbrachten. weiter »

Wasserrahmenrichtlinie: schlechte Qualität der Küstengewässer durch Überdüngung

Gülleausbringung an der Ems, Buschplatz/Terborg

Die für alle Mitgliedstaaten verbindlichen EU-Richtlinien geben Standards vor, z.B. im Naturschutz mit den Natura-2000-Richtlinien (Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzrichtlinie) oder der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die Richtlinien sind keine „Richtschnüre“, an denen sich die EU-Mitgliedstaaten orientieren können, es sind verbindliche Regelwerke mit Gesetzeskraft, die die Staaten verpflichten, die Richtlinien in nationales Rechts umzusetzen und vor allem auch einzuhalten. Und daran hapert es, Papier ist bekanntlich geduldig. Bei den Natura-2000-Richtlinien hat die EU häufig Druck unter Androhung von Strafzahlungen auf die Bundesrepublik ausgeübt, noch immer haben einzelne Bundesländer diese Richtlinie nicht vollständig umgesetzt, obwohl die Vogelschutzrichtlinie seit 1979 und die FFH-Richtlinie seit 1992 gilt. Das gilt auch für Niedersachsen. weiter »

Jägerlatein: Gänse schuld am Hasenrückgang

Jagd oder Hinrichtung? Abschuss eines Feldhasen auf kurze Distanz, Emder Jäger in Petkum, 21. Dez. 2013

Deftiges Jägerlatein verbreiten einige ostfriesische Jäger, und sind offensichtlich nicht mehr ganz ernstzunehmen bei ihrer Feindbildpflege: Nun sollen angeblich Nonnengänse und Graugänse schuld am Rückgang der Feldhasen sein, wie die Emder Zeitung am 04. Januar 2013 berichtete. Diesen lodengrünen „Naturschützern“, wie sie sich gerne nennen, ist kein Argument zu dämlich, um die drohende Änderung der Jagdzeiteinverordnung für Gänse im Lande zu torpedieren. Es läge so viel Gänsekot auf den Flächen, dass die Hasen im Zickzack springen müssten, so der Emder Kreisjägermeister Kampenga im Chor mit dem Vorsitzenden der Emder Kreisjägerschaft, Radke. weiter »

Es stinkt zum Himmel: Gülleausbringung auf gefrorenem Boden

Güllespritzer in Schneelandschaft: Middelsterborg/LK Leer, 10. Februar 2013

Alle Jahre wieder: Seit vielen Tagen haben wir Frost in Ostfriesland, der Boden ist gefroren. Das hält aber einige Bauern nicht davon ab, den Inhalt ihrer vollen Güllebehälter in Gülleanhänger umzupumpen und den Inhalt trotzdem auf die Ländereien zu versprühen. Auf dem gefrorenen Boden besteht nicht die Gefahr, dass die schweren landwirtschaftlichen Fahrzeuge einsinken und dann aufwändig wieder geborgen werden müssen. Das stinkt nicht nur zum Himmel, das Gülleausbringen ist bei diesen Witterungsverhältnissen schlicht verboten: Bei gefrorenem Boden oder geschlossener Schneelage darf auch nach dem 31. Januar die Gülle nicht ausgebracht werden. weiter »