Gänsewachtprotokoll 2013/2014 im NSG „Petkumer Deichvorland“ an der Ems: der alljährliche Jagdskandal

Abendlicher Gänseeinflug in die Schlafplätze am Dollart/ Nationalpark Niedersächsiches Wattenmeer

Gänsewacht im NSG Petkumer Deichvorland, oder: „Alljährlicher Jagdskandal am Nonnengansschlafplatz“

von Eilert Voß, Widdelswehr

Jagdperiode: 01. November 2013 bis 15. Januar 2014

Vorwort und Dank

Im fünften Jahr organisierten Mitarbeiter ostfriesischer Initiativen und Umweltgruppen für den Schutz des Nonnengans-Schlafplatzes von Petkum die so genannte „Gänsewacht“. Anlass sind regelmäßige Beschießungen arktischer Gänsebestände, die in der Dämmerungszeit zwischen dem Dollart und den Äsungsgebieten der Unterems hin- und herpendeln. Ein jährlich sich wiederholender Freizeitspaß von Gänsejägern, die Vogelbestände der Nordhalbkugel am Weltnaturerbe „Dollart“ unter Schrotfeuer zu nehmen. Dass bei der unerträglichen Naturnutzung nicht nur jagdbare Vogelarten verscheucht, getötet oder schwer verletzt werden, ist Politikern, Behördenvertretern und Wissenschaftlern seit Jahren bekannt und wird im privaten Gespräch niemals bestritten.

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„Gänseripper“ im EU-Vogelschutzgebiet: dpa berichtet bundesweit – 10 weitere Fälle von „Aasjägerei“ im Rheiderland

Bildzitat: "Die Welt", online, 29. Januar 2014

Der „Gänseripper von Nüttermoor“ erlangte durch die Deutsche Presseagentur (dpa) bundesweite Bekanntheit. Am 27. Januar lief die Meldung über den Ticker und wurde von vielen Zeitungen in unterschiedlicher Länge gedruckt. Laut dpa ist der Gänseschießer von der Ems namentlich bekannt, das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) teilte mit, dass die Gänse das an Gewässern verbotene Bleischrot enthielten. Damit wurden die Vermutungen des Wattenrates bestätigt. weiter »

Graugansmassaker im EU-Vogelschutzgebiet: Es waren die Flinte und das Messer!

Screenshot-Bildzitat: Rheiderland Zeitung, online, 10. Jnuar 2014

 Nun ist es amtlich: Die von der Polizei sichergestellten Grauganskadaver aus dem Deichvorland bei Nüttermoor/LK Leer aus einem EU-Vogelschutzgebiet waren Schrotträger, das Brustfleisch der Gänse wurde jedesmals mit einem Messer entfernt. Das hat das Veterinärinstitut in Oldenburg (LAVES, Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) festgestellt. Noch nicht bekannt ist, ob die Gänse mit Eisenschrot oder mit an Gewässern verbotenem Bleischrot erlegt wurden. Die Rheiderland Zeitung aus Weener/LK Leer berichtete heute ausführlich auf Seite 1. weiter »

Jägerlatein: Gänse schuld am Hasenrückgang

Jagd oder Hinrichtung? Abschuss eines Feldhasen auf kurze Distanz, Emder Jäger in Petkum, 21. Dez. 2013

Deftiges Jägerlatein verbreiten einige ostfriesische Jäger, und sind offensichtlich nicht mehr ganz ernstzunehmen bei ihrer Feindbildpflege: Nun sollen angeblich Nonnengänse und Graugänse schuld am Rückgang der Feldhasen sein, wie die Emder Zeitung am 04. Januar 2013 berichtete. Diesen lodengrünen „Naturschützern“, wie sie sich gerne nennen, ist kein Argument zu dämlich, um die drohende Änderung der Jagdzeiteinverordnung für Gänse im Lande zu torpedieren. Es läge so viel Gänsekot auf den Flächen, dass die Hasen im Zickzack springen müssten, so der Emder Kreisjägermeister Kampenga im Chor mit dem Vorsitzenden der Emder Kreisjägerschaft, Radke. weiter »

Gänseripper im Naturschutzgebiet an der Ems

Der Fundort: drei frischtote Graugänse mit herausgetrennter Gänsebrust, 29. Dez. 2013

Im Naturschutzgebiet „Emsauen zwischen Ledamündung und Oldersum“ im Landkreis Leer muss es einen ganz besonderen Feinschmecker und „Waidmann“ geben, den man wohl als Gänse-Ripper bezeichnen muss: Drei frischtote Graugänse lagen am 29. Dezember in einem deichnahen Graben im Vogelschutzgebiet, nur das Brustgefieder war gerupft und nur die Gänsebrust war mit bei allen drei Tieren augenscheinlich mit einem scharfen Messer säuberlich herausgetrennt worden. Geräucherte Gänsebrust ist eine Spezialität in Gänsejägerkreisen. Die Gänse waren eindeutig nicht von der Ems angetrieben worden, sie  lagen weit unterhalb des Spülsaums. weiter »

Es fehlen die Kobolde im Lande….

Screenshot: google (R), 20. November 2013

Während auch in Ostfriesland die Jagd auf arktische Gänse sogar in europäischen Vogelschutzgebieten wieder in vollem Gange ist, wirbt der Suchmaschinenanbieter „Google“ auf seiner Startseite heute mit Nils Holgersson und seiner Hausgans „Martin“, die ebenfalls zum Zugvogel wurde. weiter »

Hauskatzen auf Borkum: Wer wird erschossen?

Screenshot-Bildzitat, Ostfriesen Zeitung_Online_27.Sept. 2013

Wer wird erschossen?

Ein unsachlicher Kommentar für den Wattenrat von

Thomas Schumacher

„Borkum: Katzen zum Abschuss frei“ titelt die Ostfriesen Zeitung, sprachlich holprig aber diesmal immerhin orthografisch korrekt. Allerdings: Später korrigiert sie. Hauskatzen würden auf Borkum nicht abgeschossen. Das wäre auch was, Ballermann im Wohnzimmer. Igel würden aber nicht abgeschossen, so die OZ, die stünden unter Naturschutz. Als hätte das jemals gestört, wenn es ums Schießen geht. Igel würden eingesammelt und aufs Festland verbracht. Und warum das Ganze? Wegen der Uferschnepfen. Katzen und Igel fressen die Uferschnepfen, und die sterben aus. Oh je, würden alle die abgeschossen, die gefährdete Tiere töten oder ihren Lebensraum zerstören, es gäbe ein Massaker in Ostfriesland. Jäger zu Gejagten. weiter »

Naturschutzgebiet „Emsauen“ bei Midlum/LK Leer: Jäger vertreibt Brutvögel mit Schrotschuss

NSG Emsauen bei Midlum/LK Leer: Nonnengänse und Kiebitze fliehen panikartig nach Schrotschuss im Naturschutzgebiet

Die Jagdzeit auf Wasservögel ist zwar seit Januar vorbei, was aber einen Jäger nicht daran hinderte, am 11. Mai 2013 im Naturschutzgebiet „Emsauen zwischen Ledamündung und Oldersum“ im LK Leer (Midlumer Vorland) alle Brutvögel samt Jungvögeln in Panik zu versetzen und teilweise zu vertreiben. Der „edle Waidmann“ befuhr mit einem älteren blauen VW-Golf einen Treibselabfuhrweg, stieg aus und feuerte mit seiner Flinte in die Luft. Ob er gezielt auf Gänse schoss, konnte nicht festgestellt werden. Der Weg ist nur für wenige Nutzungsberechtigte befahrbar und normalerweise durch eine Absperrung verschlossen. Nach dem Schuss flogen viele Nonnengänse ins Binnenland. Graugänse flohen mit ihren Küken in die nahe Ems. Nach der dort geltenden Naturschutzverordnung ist es untersagt, zu lärmen oder das Gebiet auf andere Weise zu beeinträchtigen. Das Schießen in die Luft außerhalb der Jagdzeiten mit dem Ziel der Vertreibung von Vögeln gehört nicht zur Jagdausübung. In diesem Schutzgebiet brüten verschiedene Gänse- und und auch streng geschützte Watvogelarten. Das Schutzgebiet wurde als Kompensationsfläche für die Emsvertiefung der Meyer Werft eingerichtet. weiter »

Angst vor Jagdeinschränkungen in Schutzgebieten: ostfriesische Jäger gründen „Arbeitskreis Ökologische Inseljagd und Küste“

Die Jägerschaft auf den Ostfriesischen Inseln und an der Küste wird unruhig, und der Wattenrat Ostfriesland und die Gänsewacht wirken: Der neue niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) hat angekündigt, die Jagd in Natura-2000-Gebieten, also den FFH- und EU-Schutzgebieten nach den entsprechenden EU-Richtlinien, neu zu ordnen. […]

Die Jagd und der Landwirtschaftsminister: Zitatfälscherei als Nachrichtengeschäft, eine Richtigstellung

Umweltpädagogik? Vater mit Tochter auf Zugvogeljagd in einem Vogelschutzgebiet an der Ems, Dez. 2012

Die Pressemitteilung der Gänsewacht und des Wattenrates zum Besuch des neuen Agrarministers der Bündnisgrünen in Niedersachsen bei den Celler Freizeitjägern am 02. März schlug heftige mediale und interne Wellen im Lande, die bis zum Wattenrat zurückfluteten. Ins Boot gehen sollte jetzt der Redakteur für Politik bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, Klaus von der Brelie, der für seine Zeitung am 03. März u.a. so berichtete:

HAZ, online, 03. März 2013

Agrarminister Christian Meyer reicht Jägern die Hand

Von Klaus von der Brelie

[…] „Manchmal, etwa in Naturschutzgebieten, sei sogar mehr Jagd erforderlich […]“

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