„Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“

Nein, dieser leicht verunglückte Text ist kein Vers aus der PR-Aktion des Bundesumweltministeriums….(2015, Ortseingang Esens/Ostfriesland, Foto: privat)

Hetze, Verhöhnung, Verleumdung, Schmutzkampagne“ tönte aus es aus den Kampfblättern der Bauernlobby. Anlass war die 1,6 Millionen teure Plakataktion „Neue Bauernregeln“, mit dem das Bundesumweltministerium unter der Leitung von Ministerin Barbara Hendricks (SPD) mit lockeren Versen – das Versmaß ist dabei nicht immer ganz ausgereift – auf die Missstände in der industriellen Landwirtschaft aufmerksam machen wollte. Die Probleme sind bekannt, werden aber gerne schöngeredet, vor allem von den Bauernfunktionären. Dazu gehören: zu viel Dünger im Boden, der bis ins Grundwasser dringt und zur Nitratbelastung führt, Güllevergiftungen der Gewässer, Belastung sogar der Küstengewässer mit hohem Stickstoffanteil , hohe Nitrat- und Phosphorwerte aus diffusen Quellen in Gewässern, starker Pestizideinsatz, der u.a. Insekten als Nahrungsgrundlage für Vögel vernichtet, dramatischer Rückgang vieler Wiesenvogelarten durch frühes Mähen, ausgeräumte, maschinengerechte Landschaften, die kaum noch als Rückzugsgebiete für viele wildlebenden Tierarten taugen, ebenfalls dramatischer Rückgang vieler Wildpflanzen durch Herbizide, Bodenverdichtung durch schweres landwirtschaftliches Gerät, Zerstörung von Feldwegen und Straßen durch zu schwere Maschinen, Massentierhaltungen auf engem Raum, die als Tierquälerei gelten. Und alles subventioniert von der Europäischen Union. Dieses zerstörerische System ist irre, die Auswirkungen werden von der Bauernlobby und den damit verbandelten Politikern geleugnet. Nicht wenige Landwirte sind  auch Opfer des Systems, nicht nur Täter. Auf Druck der Lobby hat die Ministerin die Aktion inzwischen gestoppt und sich sogar dafür entschuldigt. Die Webseite des Ministeriums mit den „neuen“ Bauernregeln wurde inzwischen gelöscht. Da weiß man doch gleich, wie die Lobbykratie funktioniert.

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Gülleausbringung auf gefrorene Böden: verboten aber scheißegal

Gülleausbringung bei Gandersum, LK Leer, 17. Januar 2017, Foto (C): Wattenrat

Trotz der derzeitigen Diskussion um die hohen Nitratwerte im Boden oder in Gewässern und der damit verbundenen Ankündigung schärferer Vorschriften wurden im LK Aurich, im LK Wittmund, im Rheiderland und bei Gandersum im Landkreis Leer (Fotos) Gülle auf die gefrorenen Böden ausgebracht. Die Gülle kann vom Boden und von den Pflanzen gar nicht aufgenommen werden; sie kann bei Tauwetter leicht in Oberflächengewässer abgeschwemmt werden und so zu erheblichen Gewässerverunreinigungen führen. Das wäre dann eine Straftat. Das Ausbringungsverbot endet am 31. Januar jeden Jahres. Die Vorschriften sind einigen Bauern offensichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes „scheißegal“, Einsichten in die Zusammenhänge lästig oder fremd. Landwirtschaftskammern verhalten sich gegenüber ihrem Berufsstand gerne kooperativ und erteilen Ausnahmegenehmigungen von den Vorschriften, die dann leicht zur Regel werden können. In der Presse wird den Bauern aufgezeigt, wie man schon vor Ablauf der Frist am 31. Januar Gülle ausbringen kann. Damit darf dann zwei Wochen eher, also schon ab dem 16. Januar Gülle ausgebracht werden, aber nicht bei gefrorenen oder wassergesättigten Böden. Auch ab dem 16. Januar ausgebrachte Gülle  kann von den Pflanzen auf Grünland bei winterlichen Temperaturen auch über dem Gefrierpunkt nicht aufgenommen werden, es sind fragwürdige Gefälligkeitsgenehmigungen. Wer kontrolliert auch hier, ob die Erlaubnisgrundlage der vorzeitigen Ausbringung -weil im letzten Herbst Düngungsmaßnahmen zwei Wochen früher eingestellt wurden-  tatsächlich eingehalten wurde? Und wer kontrolliert, ob Bauer X überhaupt eine Ausnahmegenehmigung besitzt? weiter »

Gänsejagd in Ostfriesland: Allianz der Totmacher

Nonnengänse auf Grünland im Februar, Ditzumer Hammrich, Foto (C): Eilert Voß

Hungrige Nonnengänse auf Grünland im Februar, Ditzumer Hammrich, Foto (C): Eilert Voß

Alle Jahre wieder wird in Ostfriesland mit Beginn der Jagdsaison gegen die hier überwinternden arktischen Gänse gehetzt, in wechselnder Besetzung. In diesem Jahr trafen sich Politiker, Landwirtschaftsfunktionäre und Jäger, um ihre abstrusen Vorstellungen von der Regulierung der Gänse sogar in den EU-Vogelschutzgebieten der Öffentlichkeit zu unterbreiten, und haben dabei Naturschutzfachliches völlig außer acht gelassen. weiter »

Rheiderland: Bauern wollen Gänse vertreiben

Gänsescheuchen an der Ems, Fot (C): Eilert Voß

Gänsescheuchen an der Ems, Foto (C): Eilert Voß

Bauern aus dem Rheiderland (Landkreis Leer) haben angekündigt, die hier überwinternden Gänse zu verscheuchen. Die Bauern geben vor, dass die Gänse das Gras wegfressen oder die Ländereien verkoten („schwattmaken“) und dadurch erhebliche Fraßschäden auftreten. In der Tat können gerade bei nasser Witterung Fraß-oder Trittschäden am Wintergetreide vorkommen, aber diese Schäden müssen fachlich begutachtet werden. Es kam auch schon vor, dass Frostschäden den Gänsen als Fraßschäden in die Schnäbel geschoben wurden.

Ostfriesen Zeitung, Rheiderland, 22.03.2016
Wildgänse sollen „den Abflug machen“ […] Für sie ist jetzt Schluss mit lustig: 20 Landwirte aus dem Rheiderland wollen die Initiative ergreifen und Wildgänse ab dem 1. April von ihren Ländereien vertreiben. Die nordischen Gastvögel haben die Gastfreundschaft der Landwirte überstrapaziert. […]

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Gänsemanagement Niedersachsen: grüne Staatssektretärin erörtert in Brüssel Jagd auf Nonnengänse

Nonnengänse im Dollart, Foto (C): Eilert Voß

Nonnengänse im Dollart, Foto (C): Eilert Voß

Am 06. Februar 2016 verschickten wir diesen Rundbrief:

„Auf der Grundlage einer Landtagsentschließung gibt es bereits eine ´Arbeitsgruppe Gänsemanagement´ in Niedersachsen, über die auch Forschungsaufgaben finanziert werden. Das Projekt läuft noch. Dennoch führt die Staatssekretärin Almuth Kottwitz, Umweltministerium Niedersachsen, an dieser Arbeitsgruppe vorbei derzeit Gespräche auf EU-Ebene mit Landwirten und Mitgliedern der EU-Kommission ´über Möglichkeiten für ein Gänsemanagement in der Region Weser-Ems´. Warum gibt es schon jetzt ´Vereinbarungen´ ohne Mitwirkung der Arbeitsgruppe, in der auch Wissenschaftler mitarbeiten?

Was Frau Kottwitz in Brüssel an der Arbeitsgruppe vorbei vereinbart hat, klingt im grünen Polit-Neusprech nach Aufnahme der Jagd der bisher nicht jagdbaren Nonnengans: ´nachhaltige Kontrolle der Population´. weiter »

Zugvogeltage: „Nachdem sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.“

Aneschossene Pfeifente, NAtionalpark Niedersächsisches Wattenmeer und "Weltnaturerbe", Foto (C): Eilert Voß

Angeschossene Pfeifente, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“, Foto (C): Eilert Voß

Seit Wochen trommelt die Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer in den Medien für die 7. „Zugvogeltage“, die in diesem Jahr vom 10. bis zum 18. Oktober stattfinden. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Gefährdung der Zugvögel findet aber nicht statt, auch nicht in begleitenden Kommentaren in der Presse. Von den Tourismusverbänden und Fremdenverkehrskommunen wird diese Veranstaltung ebenfalls beworben, vorgeblich gäbe es sogar „eine neue Allianz im Weltnaturerbe“ zwischen „Zugvogelschutz und Tourismus“, so der angekündigte Titel eines Vortrages am 15. Oktober auf Norderney. Und spätestens hier sollte man als Naturschützer misstrauisch werden. Es geht also weniger um die Zugvögel, als um die Besetzung eines neuen touristischen Marktsegmentes mit dem Label „Öko“ für eine kleine Zielgruppe der Naturinteressierten und der optisch hochgerüsteten Vogelgucker, neudeutsch „Birder“ genannt. weiter »

Badeverbote an der Küste: Wo liegen die Ursachen?

Badestrand Bensersiel/Stadt Esens, Teilansicht, Foto (C): Manfred Knake

Campingplatz und Badestrand Bensersiel/Stadt Esens, Teilansicht, Foto (C): Manfred Knake

Die Badefreuden in Bensersiel/Stadt Esens (Landkreis Wittmund), Dornumersiel (Landkreis Aurich) und am Hafen in Horumersiel (Landkreis Friesland) sind derzeit getrübt: Für diese Küstenbereiche wurde ein behördliches Badeverbot verhängt. Bei den regelmäßigen Wasseruntersuchungen wurden durch die Gesundheitsämter hohe Escherichia coli- und erhöhte Enterokokken-Werte gemessen. Beide Werte sind als Indikatoren für eine Fäkalbelastung bekannt, die zu Darmkrankheiten führen können. Die Badeverbote sollen bis zum Wochenende gelten, berichten die Lokalzeitungen. Die Frage ist, warum nur bis zum Wochenende, weiß man denn schon jetzt, das voraussichtlich pünktlich am Wochenende die Belastung vorüber sei wird? Am Wochenende „brummt“ der Tourismus an der Küste, und dann sind Badeverbote schlecht fürs Geschäft! weiter »

Report mit Lücken: Bundesamt für Naturschutz legt ersten Artenschutz-Report vor

BfNNachfolgend übernehmen wir die Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz zum Artenschutz in Deutschland. Wie nicht anders zu erwarten, stehen „an vorderster Stelle der Ursachen für die Gefährdung der Arten intensive Formen der Landbewirtschaftung. Weitere wesentliche Gefährdungen liegen in der Forstwirtschaft, Wasserbau und Gewässerunterhaltung, Baumaßnahmen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten.“ Auch die Windenergienutzung findet Eingang in den Artenschutzreport. Das Verlustrisiko für Fledermäuse durch Windenergieanlagen- allerdings reduziert nur auf die Waldlebensräume – ist ein Thema. Aber die Durchindustriealisierung der Kulturlandschaft und der Nord- und Ostsee mit riesigen Windkraftanlagen („Windparks“) und der damit verbundene Verlust von Lebensräumen wird von der Bundesbehörde leider nicht ausreichend thematisiert, lediglich am Beispiel der Eisente in der Ostsee wird das „Kolllisionsrisiko“ erwähnt. Es besteht aber gerade bei unsichtigem Wetter  ein großes Kollisionsrisiko für alle über das Meer ziehenden Vogelarten! Die großflächigen Rast- und Nahrungsflächenverluste durch Ketten von Windparks an der Küste für ziehende Wat- und Schwimmvogelarten  und die enorme Schallbelästigung von Meeressäugern durch den Bau von Windkraftanlagen kommen im Artenschutzbericht nicht vor oder werden völlig verharmlosend dargestellt: „Bei den Bauarbeiten kann eine Lärmbelastung unter Wasser auftreten, die ausreicht, um Wirbeltiere, insbesondere Schweinswale (Phocoena phocoena, […]), zu stören oder zu verletzen. Daher werden für die Errichtung der Anlagen in der AWZ strenge Schallschutzmaßnahmen beauflagt.weiter »

Trinkwasser: Zeitbombe Gülle

Umpupen von Gülle aus einem Sattelschlepper in ein Schleppschlauch-Gespann, Esens/Ostfriesland, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Umpumpen von Gülle aus einem Sattelschlepper in ein Schleppschlauch-Gespann, Esens/Ostfriesland, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Neben der zunehmenden Massentierhaltung führt auch der Mais- und Biogasboom zu einer starken Düngung der Maisäcker mit Gülle und Gärresten. Was die Pflanzen nicht aufnehmen können, verbleibt im Boden, wird in Gewässer ausgewaschen oder sickert – gesundheitsgefährdend – ins Grundwasser.
Der Oldenburgisch Ostfriesische Wasserverband (OOWV), der Wasserversorger im Nordwesten Niedersachsens, macht seit Jahren auf das Problem aufmerksam, und sich damit keine Freunde bei den Landwirtschaftsfunktionären, die stets verärgert über die Kritik an der Gülleschwemme, die sich auch schon zur Abfallentsorgung ausweitet, reagieren. Die Bauern bekommen sogar Bares von den Trinkwasserversorgungsunternehmen für die Umsetzung von Grundwasserschutzmaßnahmen, also Geld dafür, dass sie das Grundwasser nicht verderben, eine Umkehrung des Verursacherprinzips! Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter; diese Grenzwerte werden – noch – vielerorts eingehalten, es ist aber abzusehen, dass sich sich erhöhen werden. Es dauert Jahre, bist die überschüssige Nährstofffracht in den Grundwasserhorizont einsickert. weiter »

Intensivlandwirtschaft am Dollart/NL: „süße, wohlbekannte Düfte“?

Gülletransporter beim Umpumpen in den Feldrandcontainer, Foto (C): Eilert Voß

Gülletransporter beim Umpumpen in den Feldrandcontainer, man beachte die Gewässerverschmutzung, Foto (C): Eilert Voß

Abgesehen von den landwirtschaftlichen Nutzpflanzen entwickeln sich riesige Polderbereiche südlich des Dollarts in den Niederlanden zu lebensfeindlichen Wüsten. Die „süßen, wohlbekannten Düfte“ aus dem Frühlingsgedicht von Eduard Mörike sind beißendem Gülle- und Giftgestank gewichen. Auf fast jedem Quadratkilometer der Poldergebiete südöstlich von Delfzijl waren Anfang April Lohnunternehmer dabei, Gift zu spritzen oder Gülle mit dem Injektionsverfahren an mehrere hundert Meter langen Schläuchen in die Weizenfelder zu drücken. An zwei Stellen des Polders waren Feldrandcontainer aufgestellt, die von Sattelschleppern mit Tankauflieger angefahren und befüllt wurden. Die Tanklastzüge kamen von Mastställen der Umgebung und wurden dort mit Gülle aus der Massentierhaltung betankt. Am Container war ein 20 cm – Schlauch angeschlossen, der zu einer Zwischenpumpe zu einem Traktor mit Güllefass führte. Vom Güllefass führte eine lange Versorgungsleitung zu einem weiteren Traktor auf dem Weizenfeld, der die Gülle ausbrachte. weiter »