Windenergiewirtschaft will Deutungshoheit über Artenschutz

Mäusebussard © Gordana und Ralf Kistowski

wunderbare-Erde.de: Mäusebussard Foto ©: Gordana und Ralf Kistowski

Übernahme des nachfolgenden Textes mit freundlicher Genehmigung von der Seite der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE):

Am 17. November 2016 möchte die Fachagentur Windenergie an Land in Hannover über die „Ergebnisse aus dem Forschungsvorhaben Progress“ diskutieren. Dominiert wird das Programm von Vertretern der Windenergiewirtschaft, was nicht verwundert. Hinter der klangvollen Bezeichnung „Fachagentur Windenergie an Land“ stecken deutsche Wirtschafts- und Umweltministerien (aber auch der Deutsche Naturschutzring). Sie sind mit der Windenergiewirtschaft aufs Engste verbunden. Die Windenergiewirtschaft sucht die Deutungshoheit über den Artenschutz und das Artenschutzrecht zu gewinnen. Diesem Zweck soll die Veranstaltung dienen. weiter »

Windenergie: Kollisionsraten von Vögeln – PROGRESS-Studie und eine kritische Bewertung

Von Winkraftanlage erschlagener Mäusebussard, Windpark Utgast/LK Wittmund/NDS unmittelabra an einem EU-Vogelschutzgebiet, Foto (C): Manfred Knake

Von Windkraftanlage erschlagener Mäusebussard, Windpark Utgast/LK Wittmund/NDS, unmittelbar an einem EU-Vogelschutzgebiet, Foto (C): Manfred Knake

Am 28. Juni 2916 wurde der Endbericht der „PROGRESS-Studie“ von überwiegenden Gutachtern der Windenergiewirtschaft zur Ermittlung der Kollisionsraten von Vögeln und für die Prognose und Bewertung des Kollisionsrisikos durch Windenergieanlagen veröffentlicht. Eine der Aussagen der Studie: An den Anlagen kollidieren so viele Mäusebussarde, Rotmilane und Kiebitze, dass die Verluste populationsgefährdend sind und es nicht mehr nur um die Frage eines signifikant erhöhten Tötungsrisikos für Einzelindividuen geht. „Direkte Auswirkungen“ auf die Planungs- und Zulassungsverfahren sehen die Gutachter bemerkenswerterweise aber nicht. Zur Studie haben wir weiter unten verlinkt und einen kritischen Kommentar der „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ aus Bad Münstereifel hinzugefügt: weiter »

Windenergie und Mäusebussard: „potenziell bestandsgefährdende Entwicklung“

Windpark Utgast/LK Wittmund/NDS: durch Rotoranflug zerteilter Bussard

Windpark Utgast/LK Wittmund/NDS: durch Rotoranflug zerteilter Bussard. In diesem Windpark wurden schon mehrere Bussarde zufällig tot gefunden, auch während der Brutzeit. Derzeit wird dieser Windpark, der direkt an das EU-Vogelschutzgebiet V63 angrenzt, repowert. Die neu genehmigten Anlagen stehen nur ca. 300 Meter vom Vogelschutzgebiet entfernt, es sollten nach fachlichen Empfehlungen aber 1.200 Meter sein! Foto (C): Manfred Knake

Die PROGRESS – Studie über Kollisionsraten von (Greif-) Vögeln, über die in der Zeitschrift „Der Falke“ in Heft 3/2016 berichtet wurde, wurde bisher nicht veröffentlicht:

Windenergie und Mäusebussard: „Wir haben eine potenziell bestandsgefährdende Entwicklung“:

„[…] Man kann vieles erwägen, letztlich ist die Gesetzgebung entscheidend. Bisher ist der Mäusebussard überhaupt nicht planungsrelevant, weil er kaum betrachtet wurde und weil die Bestände auch noch recht hoch sind. Aber nach unserenErgebnissen müssen wir nun die Erheblichkeitsfrageeindeutig und leider mit „Ja“ beantworten: Das Ganze kann soweit gehen, dass es bestandsgefährdend ist. Auch wenn der Mäusebussard heute noch einer der häufigsten Greifvögel in Deutschland ist: In diesem Punkt unterscheidet er sich nicht vom Rotmilan, auf den eine viel größere Aufmerksamkeit gerichtet ist. Natürlich sind das Simulationen und keine Experimente. Aber unter den Annahmen der Daten, die uns zur Verfügung stehen, ist eine deutliche Bestandsabnahme eben meist das wahrscheinlichste Szenario. Diesem Ergebnis der Simulationen muss man nun ins Auge sehen und überlegen, wie man damit umgeht. […] Wir haben 55 Windparks in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit über 500 Windenergieanlagen immer wieder innerhalb von zwölf Wochen abgelaufen, um Schlagopfer zu suchen. PROGRESS ist die größte Studie weltweit, die zu diesem Thema bisher gelaufen ist. […]

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Sterben für die Wende und den Profit der Wenigen

Winpark Utgast/Holtgast/LK Wittmund/NDS: toter Mäusebussard (Brutzeit). Der Windpark steht direkt an einem EU-Vogleschutzgebiet. Foto (C): Manfred Knake

Toter Mäusebussard (Brutzeit). Der Windpark Utgast im Landkreis Wittmund/NDS mit ursprünglich 51 Anlagen steht direkt an einem EU-Vogelschutzgebiet. Derzeit wird der Windpark repowert, es sollen 41 leistungsstärkere Anlagen werden. Foto (C): Manfred Knake

Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung von der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) übernommen, Februar 2016:

Die Zahl der Windenergieanlagen in Deutschland beträgt aktuell 25.980. Im letzten Jahr kamen 1.368 Anlagen hinzu. Lange Zeit mochte sich das Ausmaß der Tierverluste an diesen Anlagen niemand vorstellen. Windenergie galt als „sauber“. Dass im Durchschnitt an jeder Anlage mehr als 10 Fledermäuse pro Jahr zu Tode kommen, ist eine vergleichsweise neue Erkenntnis. Bis vor wenigen Jahren spielten Fledermäuse beim Ausbau der Windenergiewirtschaft überhaupt keine Rolle. Die Folge dieser Verkennung des Problems sind 250.000 tote Fledermäuse Jahr für Jahr – mit unabsehbaren Folgen für den Fortbestand dieser Artengruppe.
Investoren, viele Gutachter, Ministerien, Behörden und Kommunen marginalisieren, bagatellisieren und relativieren die Kollisionsrisiken. Die Verluste an Fledermäusen und Vögeln seien dem allgemeinen Lebensrisiko zuzurechnen und weder populationsgefährdend noch überhaupt nennenswert hoch. Es ist ein Kartell des Todschweigens im Interesse des Geldes und der Geschäfte. weiter »