30 Jahre Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Schutz und Schmutz im Nationalpark

Foto (C): Alice Wiegand, Wikipedia, CC BY - SA 3.0

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: durch viele abträgliche Nutzungen ausgequetscht wie eine Zitrone, Foto (C): Alice Wiegand, CC BY-SA3.0, Wikipedia

Wir berichteten bereits über die Veranstaltung „30-Jahre Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, die am 30. Mai 2016 in Wilhelmshaven stattfand. Thomas Schumacher, freier Journalist aus Leer, hat diese Veranstaltung ebenfalls besucht. Hier sein Kommentar, den er uns dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Die Bilder wurden vom Wattenrat ausgesucht. Der Textbeitrag erschien in veränderter Form auch in der Zeitschrift „Waterkant“, Heft Juni 2016.

Schutz und Schmutz im Nationalpark

von Thomas Schumacher

30 Jahre Nationalpark, Biosphärenreservat, Weltnaturerbe, dem Wattenmeer sind große Titel angepappt. Die Gründung der deutschen maritimen Nationalparks war auch eine Reaktion auf Proteste gegen nationale und internationale Umweltkatastrophen. Bis heute ist der „Naturschutz“ an der norddeutschen Küste ein politisches Konsensmanagement zwischen Landwirtschaft, Tourismus, Industrie, Hafenwirtschaft – ja, und Naturschutz.

Der Auftritt hat Geschmäckle. Nicht wegen der vielleicht Hormon verseuchten Lachsschnittchen und den sicher mit Mikroplastik angereicherten maritimen amuses geules, die auf möglicherweise genmanipulierten Weißbrotscheiben gereicht wurden. Nein, wegen der Teilnehmer, die sie zum Anlass des 30. Geburtstages des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer im Besucherhaus des Wattenmeeres in Wilhelmshaven verschlangen. Die CDU Niedersachsens reklamiert den „zukunftsweisenden Naturschutz (Björn Thümler, CDU-Fraktionsvorsitzender)“ für sich. Deswegen hatte ihre Landtagsfraktion Ende Mai zum 30. Geburtstag des Nationalparks Wattenmeer geladen. IHK, Fischereiverbände, Jäger, Landkreise, Gemeindebürgermeister, Vertreter der Landwirtschaft, alle kamen um das vermeintliche Naturschutzgebiet zu loben und zu preisen. Vor drei Jahrzehnten hatten die meisten von ihnen den Nationalpark als institutionalisierte Hölle zu verhindern versucht. weiter »

CDU-Feier „30 Jahre Nationalpark Wattenmeer“ – außer Spesen nichts gewesen

Festrede von Björn Thümler (CDU), FArktionsvorsitzender der Pppositionspartei im Niedersächsischen Landtag, Foto (C): Eilert Voß

Festrede von Björn Thümler (CDU), Fraktionsvorsitzender der Oppositionspartei im Niedersächsischen Landtag, Foto (C): Eilert Voß

Am 30. Mai 2016 feierte die CDU-Landtagsfraktion den 30ten Geburtstag des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer im Wilhelmshavener Wattenmeer-Besucherzentrum. Zwei Mitarbeiter des Wattenrates gehörten zu den geladenen Gästen aus Verwaltungen, der Jägerschaft, den Deichverbänden, der Sportbootfahrer und der Küstenfischerei, um nur einige zu nennen. Außer dem kalten Buffet, dem schönen Wetter und dem Blick über den Jadebusen ist eigentlich nichts erwähnenswert. Wie erwartet, wurde in den Redebeiträgen über einen Nationalpark referiert, den es so gar nicht gibt, u.a. so: „Ziel müsse sein, die Nordsee als intakten Naturraum auch für künftige Generationen zu erhalten“. Dieses Ziel wurde bereits vor 30 Jahren bei Gründung des Nationalparks angestrebt, und davon ist man nach wie vor sehr weit entfernt. Das Wattenmeer ist durch die vielfältigen Nutzungen keinesfalls ein „intakter Naturraum“, die Leserinnen und Leser unserer Wattenmeer-Webseiten müssten das eigentlich wissen. Im Vordergrund der Grußworte stand die Aufwertung für den Tourismus und die „Wertschöpfung“. Die dramatischen Brutvogelrückgänge, der desolate Zustand vieler Salzwiesen (strengste Schutzzonen), die vielen zugelassenen Nutzungen und die abträglichen Auswirkungen des Massentourismus wurden nicht thematisiert. Naturschutz war nur ein Randthema. weiter »