„Meilenstein“: zehn neue Ranger im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Bensersiel: Parkplatz für die Besucher der Insel Langeoog, einer von vier Parkplätzen, August 2015

Bensersiel: Parkplatz für die Besucher der Insel Langeoog, einer von vier Insel-Parkplätzen im Ort, August 2015, Foto (C): Manfred Knake

Langsam, ganz langsam, nach fast dreißig Jahren des Bestehens des Großschutzgebietes, bewegt sich die Betreuung im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer in die richtige Richtung und wird nun gar als „Meilenstein“ gefeiert (Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung ganz unten): Bis zum Ende des Jahres sollen 10 hauptamtliche Nationalparkranger eine Fläche von 3.500 Quadratkilometern von Cuxhaven bis Emden betreuen. Ursprünglich waren 11 Rangerstellen vom niedersächsischen Umweltminister angekündigt worden. Bisher übten diese Arbeit sechs hauptamtliche Dünenwärter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit auf den Inseln aus. Allerdings haben die einzelnen neuen Ranger sehr große Gebiete zu überwachen. Allein die Entfernung von Bensersiel bis Emden beträgt am Nationalpark fast 70 Kilometer, hier liegen Hochburgen des Massentourismus, das ist für zwei Ranger eine beträchtliche Strecke. Zudem verfügen die Ranger über keine Boote, können also bei Verstößen im Watt (z.B. Kitesurfer, Sportbootfahrer, Störungen an den Seehundsbänken) kaum tätig werden. weiter »

Langeoog: Aktuelles von der Naturschutzfront – Brutvogelvertreibungen und Eiersammler

Schutzdünen auf Langeoog, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Schutzdünen auf Langeoog, April 2015, Foto (C): Manfred Knake

Langeoog ist bekanntlich eine Ferieninsel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „UNESCO-Weltnaturerbe“, heftig gegen die touristische Konkurrenz beworben. Die Übernachtungszahlen liegen jährlich bei ca. 1,5 Millionen. Von April bis in den frühen Winter flutet täglich zusätzlich ein Heer von Tagestouristen die Insel, begleitet von Hunden und Lenkdrachen. Das ist Massentourismus. Umso bemerkenswerter und erfreulicher ist es, dass auch die weniger werbewirksamen Details zum tatsächlichen Zustand des Naturschutzes auf der Insel in der Online-Zeitung „Langeoog News“ bekannt wurden. weiter »

10 neue Ranger für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Streng geschütze und sehr störempfindliche Löffler, erst seit einigen Jahren wieder heimisch im niedersächsischen Wattenmeer

Streng geschütze und sehr störempfindliche Löffler, erst seit einigen Jahren wieder heimisch im niedersächsischen Wattenmeer, Foto (C): Eilert Voß

Nach 29 Jahren Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer kommt nun endlich Bewegung in die Aufsicht vor Ort, ein bisschen. Immerhin, nun sollen 10 Ranger auf 3.500 Quadratkilometer Nationalparkfläche die Aufsicht und Betreuung wahrnehmen, in einem Massentourismusgebiet. Vorher waren es sechs Dünenwärter, die den Job mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit mitmachten, also genaugenommen nur drei Ranger. Im Oktober 2014 hatte der niedersächsische Umweltminister Wenzel noch 11 Rangerstellen angekündigt. Weitergehende Kompetenzen bekommen auch die neuen Ranger nicht, sie sind nicht hoheitlich tätig wie z.B. Polizeibeamte und dürften noch nicht einmal Personalien bei Verstößen, die an der Tagesordnung sind, feststellen oder Platzverweise erteilen. Über Boote verfügen die Ranger bisher auch nicht, obwohl der Nationalpark bekanntlich ein amphibischer Lebensraum ist. Ein „Meilenstein“ ist das also immer noch nicht, wie der PR-erfahrene Nationalparkleiter Südbeck in der nachstehenden Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung meint, nur ein Steinchen, aber der berühmte „Schritt in die richtige Richtung“. Auch der Wattenrat hat seit Jahren auf die bisher völlig unzureichende Aufsichtssituation im Nationalpark aufmerksam gemacht. Der genannte Neu-Ranger Onno K. Gent ist beim Wattenrat kein Unbekannter. Onno bearbeitete bis zur Umstellung auf ein Content-Management-System im Jahr 2010 die Wattenrat-WebSeiten und stellte sie online. Zudem unterstützte er den Wattenrat stets mit fachlichen Hinweisen aus dem Wattenmeer. Er ist also als Ranger der richtige Mann an richtiger Stelle. Wir wünschen ihm eine gute Zeit auf seiner neuen Stelle.
Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, 06.02.2015:

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Die ersten Heuler

Junge Kegelrobbe, abgelegt auf Juist

Junge Kegelrobbe, abgelegt auf Juist, Foto (C) privat/Wattenrat

Kegelrobben sind die größten in Deutschland lebenden Raubtiere, mit einem beeindruckenden Gebiss. Ihre Größe und Wehrhaftigkeit nützt ihnen nichts, wenn sie ihre Jungtiere im Spätherbst bis in den Winter hinein gebären und – anders als Seehunde– hoch und trocken an den Stränden ablegen; das Muttertier geht dann im Wasser auf die Jagd und kehrt gelegentlich zum Säugen des Jungtieres zurück. Gerade am Jahresende tummeln sich aber sehr viele Weihnachts- und Neujahrstouristen auf den Inseln, die alle zum Großschutzgebiet Nationalpark Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ gehören. Finden sie eine junge Kegelrobbe am Strand, wird diese leicht durch neugierige „Belagerung“ und freilaufende Hunde von der Mutter getrennt. Unbedarfte und in der Regel völlig naturentwöhnte Touristen halten das Jungtier für verlassen. So gelangt manches Kegelrobbenbaby völlig unnötig in die Seehundaufzuchtstation nach Norddeich bei Norden. Aber auch Stürme können die Alttiere von den Jungtieren trennen. Gäbe es ausreichend Ranger mit entsprechenden Kompetenzen, könnten gefundene Kegelrobbenjunge schnell von den Touristen und ihren Hunden ferngehalten werden, damit das Muttertier zurückkommen kann. Die Deutsche Presseagentur dpa hat heute auf das Problem aufmerksam gemacht, es möge nützen! weiter »

Ranger im Nationalpark: 11 statt 6 ab 2015

Mehr Aufsicht im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist dringend erforderlich: zu Fuß und mit Spaßmobilen durch die Brutgebiete, Foto (C): S. Bieler

Nach 28 Jahren des Bestehens des Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer tut sich endlich etwas für die bessere Betreuung und Überwachung im Großschutzgebiet und „Weltnaturerbe“. Ab 2015 sollen 11 Ranger im Nationalpark tätig sein, bisher waren es 6, die aber auch gleichzeitig Dünenwärter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auf den Ostfriesischen Inseln sind. Die Aufstockung des Aufsichtspersonals ist daher begrüßenswert. Der Wattenrat weist seit Jahren auf die unzureichende Aufsicht und Betreuung auf der 3.500 qkm großen Nationalparkfläche hin. Die Ankündigungen des Umweltministers sagen jedoch nichts zur Ausstattung der zukünftigen Ranger mit Fahrzeugen und Booten aus und darüber, ob sie auch mit hoheitlichen Befugnissen versehen werden. Nur so können Personalien festgestellt und ggf. auch Platzverweise bei Verstößen gegen das Nationalparkgesetz ausgesprochen werden. weiter »

Nationalparkwacht auf Norderney: Halbwahres von der Nationalparkverwaltung

Einer von abertausenden: Radler an den Salzwiesen von Norderney

„Nationalpark-Wacht Norderney ist gut aufgestellt 12 Haupt- und Ehrenamtliche behüten die Natur und ihre Besucher“, meldet die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer: Klingt gut, ist aber nur halbwahr, verbunden mit einer Absichtserklärung: „Unser Ziel bleibt es, die Zahl der hauptamtlichen Ranger zu erhöhen, also die entsprechenden Stellenzuweisungen beim Land Niedersachsen zu erwirken“, sagte Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. Fakt ist jedoch, dass es immer noch lediglich sechs hauptamtliche Nationalparkwarte, die gleichzeitig auch als Dünenwärter arbeiten, im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer auf 3.500 qkm Fläche gibt, alle ohne Kompetenzen, Boote oder Fahrzeuge. weiter »

„De Ranger“: halbnackte Tatsachen

"Tittenbüx" am Nationalpark-Schild (Symbolfoto: spätere und unvollständige Rekonstruktion)

„De Ranger“: halbnackte Tatsachen, die späte Rache up platt

von Manfred Knake

Im „Anzeiger für Harlingerland“, Lokalzeitung im Landkreis Wittmund, erschien am 04. Juli 2014 ein Plattdeutsch-Döntje über einen „Ranger“, der „vor gut dreißig Jahren“ drei Badenden im Watt die Kleider weggenommen und angeblich hinterher wegen einer polizeilichen Anzeige „den Schwanz eingezogen“ haben soll. Den Beitrag können Sie ganz unten nachlesen. Böser „gröner Naturschützer“, und dazu noch ein „Zugereister“! Die Geschichte liest sich flott, wenn man plattdeutsch lesen kann, nur scheint die Vergangenheit doch den Schleier der geschönten Erinnerungstrübungen über das Erlebte gelegt haben, Wesentliches wird verschwiegen. Der erwähnte „Ranger“, der hier öffentlich verbraten wird, bin -natürlich- ich. Mein Name wird wohlweislich nicht erwähnt, nur sollte sich der  mir völlig unbekannte Autor Johann Hohlen aus Negenmeerten im Landkreis Wittmund in Zukunft aus Fairnessgründen sorgfältiger überlegen, was er da zur allgemeinen Volksbelustigung von sich gibt. Der tatsächliche Verlauf der im wohlmeinenden Sinne für „Gertrud, Frieda und Karla“ aufgeschriebenen Geschichte (die in Wirklichkeit ganz anders heißen) unterscheidet sich denn auch nicht unerheblich von dem, was zur Belustigung, Herabwürdigung und späten Empörung der geneigten Leserschaft nach einem Vierteljahrhundert weitererzählt wird. weiter »

Ehrenamtliche Landschaftswarte werden Nationalparkwarte

Die ehrenamtliche Landschaftswacht der Landkreise Friesland und Aurich hat umfirmiert: Die Landschaftswarte wurden Nationalparkwarte der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven und sollen die sechs hauptamtlichen Nationalparkwarte unterstützen. Im Landkreis Friesland fand die Umgliederung der Kreis-Landschaftswacht bereits 2012 statt, die ehrenamtlichen Nationalparkwächter sind dort fast alle über siebzig Jahre alt. Im Landkreis Wittmund wurde die Landschaftswacht schon vor Jahren ersatzlos aufgelöst. Im Landkreis Aurich fand die Übernahme der Ehrenamtlichen jetzt, Ende Januar 2014, während einer kleinen Feierstunde in Norddeich statt. Viele dieser neuen Nationalparkwarte der Nationalparkverwaltung sind schon seit Jahrzehnten als Landschaftswarte im Landkreis Aurich unterwegs gewesen, die Altersstruktur ist entsprechend. Auch bei den Nationalparkwarten im Landkreis Aurich sind viele um die siebzig Jahre alt oder älter. weiter »

Der niedersächsische Umweltminister und der Nationalpark Wattenmeer: „Wenzel, in die Ecke!“

Der nachfolgende Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift „Waterkant“, Ausgabe 4/2013  und bei http://filapper.de/. Der Autor ist Onno K. Gent aus Norden in Ostfriesland. Onno hat jahrelang die Wattenrat-Seiten gepflegt, bis zur Umstellung auf WordPress.

Wir danken ihm für die Überlassung des Artikels, das Bild wurde zusätzlich aus Wikipedia eingefügt.

Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel, (C) Martina Nolte, Creative Commons by-sa-3.0 de

Wenzel, in die Ecke!

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer umfasst eine Fläche von rund 3500 Quadratkilometern und wird von politischer Seite gewöhnlich mit hehren Worten bedacht: “einzigartig”, “höchster Schutzstatus” und “globale Bedeutung des Ökosystems” sind häufig genannte Begriffe, die aber in der Realität vor Ort — “dank” zunehmender Industrialisierung und “dank” Massentourismus — kaum ihre Entsprechung finden. Der aktuelle niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) brachte es kürzlich in einem Interview mit dem NDR [1] auf den Punkt: “Es muss nicht an jeder Ecke jemand stehen, der den Menschen sagt, was sie tun und was sie nicht tun sollen. Die meisten Menschen, die Urlaub in der Natur machen, die wissen ganz genau, auf was man zu achten hat.” Eine derartige Aussage zeugt von so gründlicher Nichtkenntnis der alltäglichen Geschehnisse vor Ort, dass sie betroffen macht.

Dennoch gibt es Hoffnung: Die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven ist jetzt bemüht, die Präsenz in der Fläche zu verstärken. Ende Oktober trafen sich in Norddeich die im Landkreis Aurich tätigen Landschaftswarte mit Vertretern der Nationalparkverwaltung zum gegenseitigen Informationsaustausch. weiter »

Weltnaturerbe Wattenmeer als „Scheißladen“: Hunde, wollt ihr ewig leben?

Haushund jagt hinter Austernfischern her: Ruhezone im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, "Betreten verboten", Campen/LK Aurich, (Foto: privat)

Vor einigen Tagen wurde am Ostende von Wangerooge ein weiblicher Seehund an seinem Liegeplatz von einem freilaufenden Haushund totgebissen, Herrchen sah zu und verdrückte sich nach dieser Tat, samt Hund. Hunde im Großschutzgebiet „Nationalpark Wattenmeer“ und „Weltnaturerbe“ entwickeln sich zu einer Pest, auch deshalb, weil Hundehalter die Regeln im Nationalpark größtenteils einfach ignorieren. Anleinpflicht oder Betretensverbote gelten für diese Spezies einfach nicht, und ohne Überwachung durch fehlende Ranger wird sich daran auch nichts ändern. Thomas Schumacher, freier Journalist aus Leer, hat diese Missstände schon einmal auf der Wattenrat-Seite glossiert: Vierbeiniger Insel-Massentourismus, Hundehalters Kack- und Beißstrände als verschwiegenes Phänomen. Heute hat er nachgelegt.

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