„Schwatt maken“: staatliche Naturzerstörung in Schutzgebieten

Begrüppungh im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, 01. Dez 2015, Foto (C) Eilert Voss

Begrüppung im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, 01. Dez 2015, Foto (C) Eilert Voss

„Schwatt maken“ nennt der Ostfriese seine Tätigkeit im Garten. Die Vegetation verschwindet, wenn er umgräbt, unter der schwarzen Erde. Schwarz gemacht gemacht wurden auch diese Salzwiesenbereiche bei Pogum im Landkreis Leer. Die Salzwiesen erstrecken sich dort im Dollart, einer Meeresbucht, die teilweise auch zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Weltnaturerbe gehört. Der Dollart gehört in Teilbereichen auch mit zu einem Flora-Fauna-Habitat- und EU-Vogelschutzgebiet. Dort gelten also Regeln. Das alles hält aber die Verantwortlichen des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) – ja, Sie haben richtig gelesen: Naturschutz! – nicht davon ab, regelmäßig große Salzwiesenbereiche im und am Nationalpark mit einer kettengetriebenen Grüppen- oder Grabenfräse zu „unterhalten“. weiter »

Wir sind dann mal weg: weniger Rast- und Brutvögel im Watt

Sandregenpfeifer: Einer der letzten seiner Art - von den Stränden im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und "Weltnaturerbe" vertrieben

Sandregenpfeifer: Einer der letzten seiner Art – von den Stränden im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ vertrieben, Foto (C): Wattenrat

Gestern und heute wurde in einigen Küstenzeitungen der nachfolgende Bericht veröffentlicht:

02. Juli/03. Juli 2015:

Weniger Rastvögel im Watt

Wilhelmshaven – Das Wattenmeersekretariat veröffentlichte einen Bericht über die Entwicklung der Rastvogelzahlen im Wattenmeer. Insgesamt werden 33 Arten überwacht. Dabei zeigt sich: Die Zahlen von 14 Arten nehmen ab, bei 13 Arten zeigen sie keine Veränderung und bei sechs Arten nehmen sie zu. Zu den Arten mit abnehmenden Beständen gehören Austernfischer, Dunkler Wasserläufer, Ringelgans und die Silbermöwe. Diese Arten sind zwar noch nicht ausgesprochen selten geworden, aber ihre Zahlen gingen in den letzten 25 Jahren um bis zu 50 Prozent zurück. Zu den 13 beständigen Arten gehören der Rotschenkel, Großer Brachvogel und Pfuhlschnepfe. Zahlenmäßig zugenommen haben Arten wie Löffler und Weißwangengans. Die Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen sind unklar.

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Salzwiesen im Nationalpark: alles Kosmetik?

Kettenfahrzeug zieht Gräben (Grüppen) in einer Salzwiese bei Dornumersiel/LK Aurich, strengste Schutzzone im Nationalpark, Foto (C) Manfred Knake

Kettenfahrzeug zieht Gräben (Grüppen) in einer Salzwiese bei Dornumersiel/LK Aurich, strengste Schutzzone im Nationalpark, Foto (C) Manfred Knake

Die La mer Cosmetics AG in Cuxhaven stellt Kosmetikprodukte her – „Schönheit und Pflege aus dem Meer“ -, und wie sich das heute für eine Firma gehört, hat sie auch Kooperationspartner. Dazu gehören z.B. die Lufthansa, TUI-Cruises oder die TourismusMarkting Niedersachsen. Seit ein paar Tagen gibt es einen neuen Partner von La mer, die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven.

Kosmetik – wegen des häufigen Fehlens biotopverbessernder Maßnahmen und der zahlreichen abträglichen Nutzungen – ist wohl der letzte Ausweg zur positiven Darstellung dieses maroden Großschutzgebietes, das seit seines Bestehens seit mehr als 29 Jahren schon arge Falten und Risse bekommen hat. Die Defizite sind hier auf den Wattenrat-Seiten häufig als Bestandteil der Berichterstattung in Wort und Bild aufgezeigt worden. Besonders im Argen liegt die naturnahe Entwicklung vieler Salzwiesen, oder deren traurigen Reste nach den vielen Eindeichungen bis in die achtziger Jahre. Nur an wenigen Orten im Nationalpark gibt es noch diese naturnahen Salzwiesen, sie dienen so als Vorzeigeobjekte. Auch heute werden diese dem Gezeiteneinfluss ausgesetzten Salzwiesen teilweise noch stark entwässert und trockengelegt, auch in den strengsten Schutzzonen des Nationalparks, die sind allerdings weniger vorzeigbar. weiter »

Klimaminister Wenzel (Grüne) an der Küste: Naturschutz, das unbekannte Wesen

Kettenfahrzeug des NLWKN zerwalzt Salzwiese im Nationalpark Wattenmeer und "Weltnaturerbe", strengste Schutzzone. Betreten verboten, Kettenfahrzeug erlaubt.

Der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Stefan Wenzel (Grüne), besuchte den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden/Ostfriesland. Auf einer Pressekonferenz am 07. Mai stellte er zusammen mit dem NLWKN-Direktor Siegfried Popp den Jahresbericht der Küstenschutzbehörde, in der auch der Naturschutz im Lande als letztes „N“ untergebracht ist, vor. Wie wenig der niedersächsische Umweltminister aber ein Naturschutzminister ist, und umso mehr ein Klimaminister, zeigt der untenstehende Zeitungsbericht. Strapaziert wurde wieder einmal der „Meeresspiegelanstieg“: An der niedersächsischen Nordseeküste gibt es überhaupt keinen nachweisbaren „dramatischen“ Meeresspiegelanstieg, wie Minister Wenzel befürchtet. Es gibt einen seit Jahrzehnten messbaren nacheiszeitlichen säkularen Anstieg von derzeit nachgewiesenen ca. 17 cm im Jahrhundert, Stichwort Transgression. Dazu Prof. Dr. Jürgen Jensen, Leiter des Forschungsinstituts Wasser und Umwelt (fwu) im Department Bauingenieurwesen an der Universität Siegen, 2013: Es gibt ein relativ konstantes Anstiegsverhalten des Mittleren Meeresspiegels seit Beginn des 20. Jahrhunderts, aber keinen außergewöhnlichen Anstieg in den letzten Jahrzehnten, den wir direkt dem Klimawandel zuschreiben könnten.“ Zuvor ging man noch von einem Meeresspiegelanstieg von 25 cm im Jahrhundert aus. weiter »

Salzwiesen Niederlande-Deutschland: der Kontrast aus der Luft

 

Die Staatsgrenze bei Neustaatensiel am Dollart bringt es an den Tag: wie mit dem Lineal gezogen: Niederlande links (naturnahe Salzwiese mit Brackröhricht), Deutschland rechts (stark entwässerte und degenerierte Salzwiese, aber "Nationalpark"!).

In Niedersachsen ist das Wattenmeer als Nationalpark ausgewiesen, und als „Weltnaturerbe“, in den Niederlanden ist das Wattenmeer kein Nationalpark, aber ebenfalls „Weltnaturerbe“. Zum Wattenmeer gehören die Salzwiesen vor den Deichen, heute nur Restflächen von ehemals riesigen Flächen, die nach und nach eingedeicht und der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt wurden, in den Niederlanden wie in Deutschland. Seit 1940 verschwanden von Dänemark bis in die Niederlande 216 qkm Salzwiesen hinter den Deichen, 1987 waren noch 329 qkm Salzwiesenflächen in diesen drei Ländern übriggeblieben (Quelle: The Waddensea, status and developments in an international perspective, Report to the Sixth Trilateral Governmental Conference on the Protection of the Wadden Sea, Esbjerg, November 13, 1991, p. 22). weiter »

Nach dem Orkan „Xaver“: „So viel Teek wie noch nie“, wirklich?

 

Screenshot-Bildzitat, aus: Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, online, 26. Dez. 2013

Es war zu erwarten wie das Amen in der Kirche: Der Deichunterhaltungsverband „Deichacht Esens-Harlingerland“ in Esens/LK Wittmund beklagte nach dem Orkan „Xaver“ die Menge des Treibsels in der Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ mit „so viel Teek wie noch nie“. Diese Aussage darf bezweifelt werden. Nach jedem Orkan an der Küste singen die Deichachten das Klagelied vom hohen Treibselanfall (genannt „Teek“ mit hohem Pflanzenanteil und Zivilisationsmüll vermischt) und den damit verbundenen Entsorgungskosten, das alles gehört zu einer Sturmflut wie die Nässe nach einem Regenguss. Im Januar 1976 z.B. türmte sich Treibsel (Teek) nach einer Sturmflut übermannshoch in Dornumersiel auf. Damals gab es noch keinen Nationalpark Wattenmeer und das Deichvorland wurde durch viel zu hohen Weideviehbesatz auf Golfrasenhöhe abgeweidet. weiter »

Norderney: gelungene Salzwiesenrenaturierung

Norderney-Ostheller, Renaturierungsfläche im gelben Bereich

Na, geht doch, möchte man sagen. „Aufgrund radikaler Maßnahmen nehmen die Salzwiesen im Inselosten [der Insel Norderney] wieder zu„, schreibt die Lokalpresse. Nein, umgekehrt, „dank“ früherer radikaler Vorlandunterhaltung mit schwerem Gerät ohne Rücksicht auf die natürliche Entwicklung wurden diese Salzwiesen auf Norderney zunächst jahrelang systematisch entwässert, durch  das Bauamt für Küstenschutz und später das Staatliche Amt für Insel und Küstenschutz in Norden, heute Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am selben Ort. weiter »

NLWKN, die Teflon-Küstenschutzbehörde

Grüppenfräse auf den Salzwiesen von Norderney, Screenshot-Bildzitat: Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, online und print, 16./17. Sept. 2013 (Archivfoto)

 Ein Kommentar von Manfred Knake, der sich seit 1975 über eine teflonbeschichtete Küstenschutzbehörde wundert

Herma Heyken vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist eine gute Pressesprecherin ihrer Behörde, in der das letzte Kürzel tatsächlich „Naturschutz“ bedeutet, und das Letzte im NLWKN ist auch der Naturschutz. Das letzte „N“ wurde dem früheren NLWK nach der Landtagswahl 2003 angehängt, als das damalige Niedersächsische Landesamt für Ökologie (NLÖ) von Ministerepräsident Christian Wulff (CDU) aufgelöst  und ausgerechnet in die Küstenschutzbehörde eingegliedert wurde. Frau Heyken als ehemalige Pressesprecherin der ebenfalls aufgelösten Bezirksregierung Weser-Ems in Oldenburg versteht die Kunst, so wie es sich für eine Pressesprecherin gehört – mit Verlaub – auch aus Scheiße Bonbon zu machen, wie es so anschaulich-griffig heißt. Das ist ihr am Beispiel eines Kettenfahrzeugs ihrer Behörde, das vor wenigen Tagen großflächig eigentlich geschützte Salzwiesen zerwalzte, wieder einmal gelungen. weiter »

Salzwiesen: Strandquecke auf dem Vormarsch

Aug. 2013: Salzwiese mit Entwässerungsgräben zwischen Dornumersiel und Bensersiel: links vom Zaun Quecke, rechts vom Zaun überwiegend Quecke

Nun haben wir zwar nicht den Salat, dafür aber wieder die Strandquecke. Gemeint ist die Salzwiese im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zwischen Dornumersiel und Bensersiel an der ostfriesischen Küste, strengste Schutzzone im Nationalpark und Teil des „Weltnaturerbes“. „Dank“ Trockenlegung durch die Küstenschutz- und Naturschutzbehörde (!) „Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtshaft, Küsten- und Naturschutz“ (NLWKN) überwuchert die Strandquecke diesen geschützten Bereich und verdrängt die hier eigentlich vorkommenden Salzwiesenpflanzen.

Vor fast genau zwei Jahren berichtete der Wattenrat über die prächtige Entwicklung dieses früher zu stark beweideten Außendeichbereiches mit den typischen Blütenpflanzen einer regelmäßig vom Salzwasser des Meeres überfluteten Wiese (Salzwiese zwischen Dornumersiel und Bensersiel hat sich erholt, aber wie lange?). weiter »

Austernfischer: dramatischer Bestandsrückgang im niederländischen Wattenmeer

Austernfischer auf einer Miesmuschelbank

Nach Angaben der niederländischen „Waddenvereniging“ nimmt der Bestand des Austernfischers im niederländischen Wattenmeer dramatisch ab.

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