„Killerrobben“ fressen Schweinswale: Kegelrobben sollen Schweinswalbestände gefährden

Screenshot_Bildzitat_Schweinswalkadaver_Daily-Mail,-online_26Nov2014

Kegelrobben sind in Verruf geraten: Sie sollen gezielt Jagd auf Schweinswale oder Kleine Tümmler machen. Am 26. November 2014 berichtete Spiegel-online über bemerkenswerte Nahrungsgewohnheiten des größten Raubtieres an der Küste der Nordsee, die von niederländischen Forschern untersucht wurden: „Nahrhaftes Fett: Jagdfieber der Kegelrobben bedroht Schweinswale“[…] Damit wären Kegelrobben-Angriffe eine der Haupttodesursachen für Schweinswale in der Nordsee – neben dem Tod in Fischereinetzen als Beifang (20 Prozent), Infektionskrankheiten (18 Prozent) und Auszehrung (14 Prozent). […]“.

Ob Kegelrobbenattacken tatsächlich die „Hauptursache“ für den Tod der Schweinswale ist, wie der Spiegel berichtet, ist allerdings fragwürdig. Fakt ist, dass die noch im Mittelalter sehr häufigen Kegelrobben am Anfang des 20. Jahrhunderts an den europäischen Küsten als Nahrungskonkurrenten der Fischer fast ausgerottet waren und sich die Bestände im Wattenmeer erst seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts langsam wieder erholen. Die Unterart der Ostsee-Kegelrobbe  (Halichoerus grypus balticus) ist sehr viel seltener. Schweinswale ertrinken nach wie vor häufig in den Netzen der Fischer. weiter »

Schweinswale und WKA-Rammarbeiten: Probleme mit den Dezibel

Wartung einer Offshore WKA; Windpark "Alpha Ventus" vor Borkum, (C) Pressefoto Alpha Ventus

Technische Analphabeten oder wieder nur ein X für ein U? Die Pressemitteilung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg als Genehmigungsbehörde für Offshore-Wind“parks“ bringt es an den Tag. „Der Grenzwert des BSH zum Schutz des Schweinswals konnte nahezu verlässlich eingehalten werden“, stellt BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz erfreut fest. „Wir haben bei der Reduktion von Lärmwerten beim Bau von Offshore-Windparks spürbare Fortschritte zu verzeichnen. Es ist beeindruckend, was die Kreativität von Ingenieuren zu Wege gebracht hat und welche innovativen Lösungen zur Schallminderung in den letzten Jahren entwickelt werden konnten“ Der Wert liegt bei 160 Dezibel. Selbst Kim Detloff vom kritischen Naturschutzbund Nabu lobt: „Der technische Schallschutz hat eine positive Entwicklung genommen.“ (Pressemeldungen weiter unten):

Fakt ist: Direkt an den Rammstellen der Windkraft-Offshore-Rammstellen liegt der Lärmwert bei ca. 200 Dezibel.  weiter »

Schweinswale und BUND: beim Unterwasserlärm auf einem Ohr taub

Gerammter Monopile als Windkraftanlagen-Fundament im Windpark Borkum-Riffgat, rechts Kranhubschiff "Bold Tern", Foto (C): EWE-Matthias Ibeler, 2013

Schweinswale haben bekanntlich feine Ortungsorgane für den Fischfang, von dem sie leben. Die Kleinen Tümmler, wie sie auch heißen, reagieren daher sehr empfindlich auf Unterwasserlärm aller Art, die Zerstörung der Ortungsorgane führt zum Tod der Tiere. Die BUND Mitarbeiterin Nadja Ziebarth vom BUND-Projektbüro Meeresschutz in Bremen wandte sich daher besorgt an die Presse. Die Nachrichtenagentur dpa/lni berichtet u.a. am 13. August 2014

„[…] Lautstarke Schallkanonen in der niederländischen Nordsee haben Naturschützer in Deutschland alarmiert. Der Einsatz von dröhnenden Knallapparaten zur Erforschung von Gasvorkommen gefährde Schweinswale und Fische, kritisierte der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Gesucht wird in einem Gebiet in den Niederlanden, das direkt an das deutsche Schutzgebiet Borkum Riffgrund grenzt […]“ weiter »

Zu wenig Schallschutz für Schweinswale: „was auf die Ohren“ von den Umweltverbänden!

Die erste fertige Anlage im Windturbinenfeld "Alpha Ventus". (C) DOTI, 2009, Matthias Ibeler

Ein fassungsloser Kommentar von Manfred Knake

Die ganze Welt liebt Wale: Whale-Watching ist der Tourismus-Renner, gegen den Walfang in Norwegen oder Japan wird demonstriert, Boote von Greenpeace oder Sea Shepherd fahren zur Anti-Waljagd aus und stören Walfänger auf See. In Deutschland ist alles ganz anders: Da spendet man gerne z.B. für Greenpeace oder die „Umweltverbände“, unterstützt aber damit gleichzeitig die weitgehende Untätigkeit dieser Verbände beim „nachhaltigen“ Schutz  des Kleinen Tümmlers oder Schweinswals vor dem Verletzungs- oder Tötungsrisiko durch eine enorm laute Dauerbeschallung unter Wasser für eine vorgeblich „ökologische“ Energiewende. weiter »

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie: „höhere Artenvielfalt durch Offshore-Windparks“

Der Windpark "Alpha Ventus", 45 km nordwestlich Borkum, "höhere Artenvielfalt"! Pressefoto (C): Alpha Ventus

Wieder einmal sendet Radio Eriwan Beruhigendes, wenn es um die Windkraft geht: Ausgerechnet die Genehmigungsbehörde des Bundes für Offshore-Windkraftanlagen, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH), stellt mit eigener Untersuchung fest, dass „Offshore-Windparks die Artenvielfalt erhöhen“.

Pressemitteilung des BSH vom 30. Okt. 2013: „[…] „Wir freuen uns, dass es hier keine negativen Auswirkungen auf die Meeresumwelt gegeben hat. Das ist eine gute Nachricht für die weitere Entwicklung,“ betonte Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, das die ökologische Begleitforschung geleitet und koordiniert hat. […] Das Forschungsprojekt zeigt, dass befürchtete Entwicklungen zu den Auswirkungen wie Verödung der Fauna oder Massenschlag bei Vögeln nicht eingetreten sind. Die Fundamente der Offshore-Windenergieanlagen bilden künstliche Riffs, an denen sich Muscheln, Seeanemonen und Seelilien sowie Seesterne ansiedeln. Forscherinnen und Forscher haben eine höhere Artenvielfalt festgestellt. […] Bei normalen Wetterlagen zeichneten die Geräte keine Kollisionen auf. Ungeklärt ist noch die Kollisionsgefahr bei schweren Wetterlagen, die für die Vögel unerwartet auftreten. […]“

Die „höhere Artenvielfalt“ mag für die Hartsubstrate der Anlagen unter Wasser, also die Beton- und Stahlfundamente, „im Prinzip“ sogar stimmen. Hier siedeln sich z.B. Krebse oder Muscheln an. Muscheln, Krebse oder Seeanemonen besiedeln aber auch jedes Schiffswrack unter Wasser. Also fördert auch jedes Schiffsunglück durch neue künstliche „Riffe“ die Artenvielfalt auf dem Meeresgrund. Jede Öl- oder Gasbohrplattform im Meer wird im Unterwasser- und Spritzwasserbereich von Krebstieren oder Muscheln besiedelt. weiter »

Schöne Aussicht: Offshore-Windpark „Riffgat“ vor Borkum

Schöne Aussicht: Windpark "Riffgat" mit dem Spezialschiff "Bold Tern" (rechts) vor Borkum, von der Strandpromenade aus fotografiert

Schöne Aussicht von der Insel Borkum in Richtung See: Der Wind“park“ „Riffgat“ ca. 15 km vor Borkum, gebaut vom regionalen Energieunternehmen EWE (Oldenburg) in Kooperation mit dem Projektentwickler ENOVA (Bunderhee). Der Standort „Riffgat“ liegt in ca. vier Kilometern Entfernung südlich zum Verkehrstrennungsgebiet Terschelling – Deutsche Bucht, einem stark befahrenen Schifffahrtsweg, und etwa vier Kilometer westlich der Grenze zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Der Offshore-Windpark wird innerhalb der 12-Seemeilen-Zone im Küstenmeer errichtet und liegt damit in der Zuständigkeit des Bundeslandes Niedersachsen. Im Sommer 2013 soll das Windturbinenfeld mit 30 Anlagen in Betrieb gehen. weiter »

Windenergie und Unterwasserlärm: Strafrechtliches zum Artenschutz in der AWZ

Kleiner Tümmler, Totfund an der Ems, Juni 2012

Meeressäuger, vor allem Kleine Tümmler (Schweinswale), leiden enorm unter hohen Unterwasser-Schalldruckpegeln. Bei Offshore-Rammarbeiten für Windkraftwerke werden leicht Schallpegel von über 190 dB erreicht, technisch machbar ist derzeit eine Schallreduzierung auf 160 dB, gemessen750 Meter von der Meeresbaustelle entfernt. Diese enorme Dauerbeschallung kann zu erheblichen Gehör- und Ortungsschäden bei Walen führen, bis zum Tode! Im Sommer 2012 wurden über 130 Kleine Tümmler an der Westküste Schleswig-Holsteins angetrieben, untersucht wurde keines der Tiere, obwohl das ASCOBANS-Abkommen („Wir schützen die Kleinwale und Delphine Europas“) dies eigentlich vorschreibt, Bundesmittel stehen dafür seit mehr als zwei Jahren nicht mehr zur Verfügung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Gleichzeit wurden vor Borkum für den EWE-Windpark „Riffgatt“ monatelang Fundamente in den Meeresboden gerammt (Zitat EWE: “ Nach Fertigstellung im Sommer 2013 werden die insgesamt 30 Windkraftanlagen der 3,6 Megawatt-Klasse rund 120.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen.“). Ein Zusammenhang zwischen den Rammarbeiten und den gehäuften Todesfällen kann daher derzeit nur vermutet werden. weiter »

Die Grünen und die Offshore-Windenergie: Hirnschmelze im LK Wittmund?

Wind"park" am Dollart bei Emden in den Zugvogelkorridoren

Die Grünen üben sich vor der Landtagswahl in Niedersachsen im Spagat zwischen „Klimaschutz“ und Naturschutz, auch am Beispiel der Offshore- Windenergie und des Schutzes des Kleinen Tümmlers oder Schweinswals und der Zugvögel. Das kann man der Pressemitteilung vom 06. Dezember 2012 (siehe unten) entnehmen. Nur: Die Pressemitteilung zieht ihren Informationsgehalt aus offiziellen Verlautbarungen. Die Grünen beziehen sich auf das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das eng an der Leine der Politik und des Umweltministeriums in Berlin liegt und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) als Genehmigungsbehörde für Offshore-Wind“parks“ in der Ausschließlichen Wirtschaftszone im Geschäftsbereich des Bundesverkehrsministeriums. Zusätzlich wird von den üblichen Verdächtigen der Naturschutzverbände abgeschrieben, die keine ausgeprägte kritische Distanz zum Windenergiewahn in Deutschland pflegen und teilweise sogar als „Ökostromanbieter“ vom Geschäftsmodell Windenergie profitieren. weiter »

Schweinswale und Offshore-Lärm: Wahrnehmungsstörungen der Umweltorganisationen?

Nicht hören, nicht sehen, nicht sprechen: Wahrnehmungsstörungen der Naturschutzorganisationen?

Eigentlich müssten um die Offshore-Baustellen der Wind“parks“ in der Nordsee Greenpeace-Schlauchboote kreisen und sich Aktivisten an die Fundamente ketten. Denn eigentlich und angeblich „kämpft“ Greenpeace seit Jahren spendenwirksam für den Erhalt des stark bedrohten Kleinen Tümmlers oder Schweinswals, aber nur, wenn es um die Bedrohung durch die Fischerei geht. Die „Energiewende“ mit der Industrialisierung der Nordsee mit gigantischen Windkraftwerken führt offenbar zu Wahrnehmungsstörungen nicht nur bei Greenpeace, sondern auch bei den Naturschutzorganisationen wie WWF, BUND oder NABU, um nur einige zu nennen:

In der vergangenen Woche tagten in Brighton/UK die Teilnehmer von ASCOBANS, des Abkommens zum Schutz von Kleinwalen (Engagement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic, North East Atlantic, Irish and North Sea). Die deutschen Umweltverbände und Greenpeace empörten sich über das Ergebnis der Tagung in einer gemeinsamen Presseerklärung  vom 22. Okt. 2012.

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Deutsche Umwelthilfe: viel Lärm für Schweinswale

Toter Schweinswal an der Ems, 28. Juni 2012

„Industrie und Naturschutz“ suchten jetzt „Schallschutzlösungen“ für Kleine Tümmler (Schweinswale) beim Bau von Windkraft-Offshorefeldern („Parks“ sind es ja wohl nicht). Die Fachtagung „Offshore-Windparks: Industrie und Naturschutz suchen Schallschutzlösungen für Schweinswale“ befasste sich jetzt mit diesem Thema in Berlin, obwohl bereits monatelang in der Nordsee Fundamente für Windkraftanlagen mit zeitweise über 190 Dezibel Schallexpositionspegel in den Meeresboden gerammt wurden. Bleibt zu hoffen, dass man die Lösungen auch findet. Der nun für verträglich gehaltene Grenzwert von 160 Dezibel beim Rammen ist immer noch  extrem laut und für Meeressäuger gesundheitsgefährdend, lauter als der Mündungsknall eines Infanteriegewehrs 1m vom Ohr entfernt, und das als Dauerbeschallung für viele Wochen weittragend unter Wasser! Ein Grenzwert also, der sich ausschließlich an den derzeit technischen Möglichkeiten der Offshore-Industrie und nicht am Schutz der Meeressäuger orientiert. Noch immer ist unklar, woran die vielen Schweinswale in der Nordsee in diesem Sommer verendet sind, aufklärende Untersuchungen sind offensichtlich gar nicht beabsichtigt!

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